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40 Prozent! Grüne fordern Quoten gegen Professorinnenmangel an Bayerns Hochschulen

MÜNCHEN. Seit 1988 gibt es Frauenbeauftragte an Bayerns Universitäten, die auf die Gleichstellung achten sollen. Doch nur eine Minderheit der Professorenstellen wird mit Frauen besetzt, obwohl in der Medizin und vielen anderen Fächern Studentinnen inzwischen in der Überzahl sind.

Knapp drei Jahrzehnte nach Einführung der Frauenförderung in der bayerischen Wissenschaft sind Professorinnen an Bayerns Hochschulen nach wie vor rar gesät. Die Grünen im Landtag fordern deshalb die Einführung einer Frauenquote von 40 Prozent für die bisher männlich dominierten Berufungskommissionen. Quoten soll es nach dem Willen der Grünen auch für die Hochschulräte geben, außerdem Leitfäden für die geschlechterneutrale Stellenvergabe an den Hochschulen. «Obwohl das Thema seit Jahrzehnten auf der Agenda steht, hat sich bisher nichts getan», kritisiert die Hochschulpolitikerin und Grünen-Landtagsabgeordnete Verena Osgyan. «Wir haben hier eine sehr harte gläserne Decke.»

Die Zahlen: Knapp die Hälfte aller Studierenden sind Frauen, und Frauen erwerben nach den Zahlen des Wissenschaftsministeriums auch 45 Prozent aller Doktortitel. Nach der Promotion aber gibt es einen klar erkennbaren Knick: Bei den Habilitationen – der Qualifikation für eine Professorenstelle – lag der Frauenanteil im Jahr 2013 mit 27,8 Prozent weit unter einem Drittel. Neuere Zahlen gibt es bislang noch nicht.

«Wir haben seit den 1980er Jahren erfolgreiche Promotionen von Frauen, aber die Schere bleibt zu», kritisiert Margit Weber, Kirchenrechtlerin an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und Sprecherin der Frauenbeauftragten an Bayerns Universitäten. Der Frauenanteil in der bayerischen Professorenschaft lag 1998 bei 6,3 Prozent, 2013 bei 17,2 Prozent. Aktuellere Daten zu dem Thema gibt es bislang nicht.

Es gibt mehrere Erklärungen für das Phänomen. Die Berufungskommissionen spielen aber nach Einschätzung Osgyans und Webers eine ganz entscheidende Rolle. In der Arbeitspsychologie ist es ein bekanntes Phänomen, dass Vorgesetzte am liebsten Untergebene fördern, die ihnen selbst ähneln. Dementsprechend neigen viele männliche Chefs dazu, Männern den Vorzug zu geben.

Das Wissenschaftsministerium hält nichts von Quoten – betonte aber, die Förderung von Frauen an Bayerns Hochschulen und das gleichberechtigte Miteinander von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung seien «wichtige Ziele der Bayerischen Staatsregierung». «Eine erfolgreiche Gleichstellungspolitik ist auch ein wichtiger Standortfaktor für das bayerische Hochschulwesen», erklärte ein Sprecher.

Dazu gebe es eine ganze Reihe entsprechender Schritte. So habe der Freistaat Bayern das «Programm zur Realisierung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre» auf den Weg gebracht, für das heuer gut 3,5 Millionen Euro bereitgestellt werden.

«Die Hochschulen haben die Gleichberechtigung als Leitprinzip verankert», sagte der Sprecher des Ministeriums. Dass der Frauenanteil an der Professorenschaft ausbaufähig ist, räumte aber auch das Ministerium ein. Bayern arbeite «weiter und muss auch weiter arbeiten», sagte der Sprecher von Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU). «Das Ziel wird nicht aus den Augen verloren.» dpa

Zum Bericht: Und wo bleiben die Männer? Beschwerde über zu viel Frauenförderung an der Uni

 

Ein Kommentar

  1. Warum genügt das Antidiskriminierungsgesetz nicht? Die Grünen brauchen nur nachzuweisen, dass eine sich bewerbende Frau gleich gut war wie ein konkurrierender Mann, aber nicht genommen wurde.

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