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Baaskes „Buschprämie“ zieht (noch?) nicht: Kritik über Lehrermangel an Brandenburgs Schulen wächst

POTSDAM. Trotz Neueinstellungen fehlen in Brandenburg Lehrer. Tausende Stunden fallen ersatzlos aus. Hauptgrund sind fehlende Bewerber für offene Stellen und die Überlastung der Lehrkräfte.

Lockt Lehrer mit 300 Euro zusätzlich und dem Beamtenstatus: Brandenburgs Schulminister Günter Baaske (Foto: Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg)

Lockt Lehrer mit 300 Euro zusätzlich und dem Beamtenstatus: Brandenburgs Schulminister Günter Baaske (Foto: Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg)

Leere Klassen durch Lehrermangel, Zusammenlegung von Unterricht und Vertretungsstunden – die Kritik an Brandenburgs Bildungspolitik reißt kaum ab. Allein im ersten Schulhalbjahr 2015/2016 fielen rund 118 000 Stunden ersatzlos aus, wie aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Gruppe BVB/Freie Wähler hervorgeht. Und noch immer sind an manchen Schulen nicht alle Fächer besetzt.

Durch die Einstellung neuer Lehrer konnte der Unterrichtsausfall 2014/15 im Vergleich zum vorangegangenen Schuljahr an den Grund- und Oberschulen, Gymnasien und Oberstufenzentren nur minimal um etwa 1,7 Prozent vermindert werden. Er summierte sich auf 247 200 Stunden. Für den Brandenburger Chef der Lehrergewerkschaft GEW, Günther Fuchs, ist das «immer noch viel zu viel».

Hauptgrund für den Stundenausfall sind fehlende Bewerber für offene Stellen und die Fehlstunden von Lehrern. Laut Bildungsministerium waren Ende 2015 rund 470 Pädagogen länger als drei Monate krank gemeldet. Die GEW geht von derzeit 600 bis 800 aus. Zudem ist der Altersdurchschnitt der Brandenburger Lehrer hoch. 260 Berufsanfänger unter 30 Jahren entlasteten 2014/2015 die märkische Lehrerschaft, deren durchschnittliches Alter aber nur minimal von 50,51 auf 50,29 Jahre sank.

Fast jeder zehnte Lehrer geht in den kommenden Jahren in den Ruhestand – rund 1900 Pädagogen bis 2020/2021. Fuchs rechnet mit bis zu 11 000 Lehrern, die als Ersatz für ausscheidende Kollegen und wegen des Schülerzuwachses in den nächsten zehn Jahren eingestellt werden müssen.

Doch nicht nur die Pensionierungswelle, krankheitsbedingte Ausfälle und unbesetzte Stellen machen den Schulen Sorgen. Da sich die Zusammensetzung der Schüler in den vergangenen Jahren verändert hat, werden auch die Anforderungen an den Unterrichtsalltag größer. So fordert die Zuwanderung von jungen Ausländern und die Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen in den Schulbetrieb – die sogenannte Inklusion – zusätzliches Personal mit sonderpädagogischen und psychologischen Qualifizierungen.

Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) lockt Lehrer aus anderen Bundesländern mit einer Prämie von 300 Euro mehr zum Monatsgehalt und der Einstellung als Beamte. Auch sollen vermehrt Seiteneinsteiger qualifiziert und befristet als Vertretungslehrer unterrichten. Mit 10,4 Prozent erreichte die Zahl der Vertretungsstunden im vergangenen Jahr bereits den bislang höchsten Stand seit dem Jahr 2000.

Die bisherige Praxis der Vertretungsstunden, die oft in einem anderen Fach erteilt werden als im Stundenplan vorgesehen, sieht der Brandenburger Landeselternbeirat mit Argwohn. «Etwa 43 Prozent dieser Stunden sind mangelhaft», urteilt Landeselternsprecher Wolfgang Seelbach. Es gebe zu wenig Hilfen für Vertretungslehrer. Nach seiner Ansicht rächt sich nun, dass Brandenburg in den vergangenen Jahren zu wenig ausgebildet habe.

Zwar gibt sich das Bildungsministerium in seiner Antwort auf die parlamentarische Anfrage optimistisch, mit seinen Anwerbungen den künftigen Lehrerbedarf decken zu können. Dazu würden «neue, gezielte Werbemaßnahmen» vorbereitet, heißt es. Weitere Gehaltszulagen sollen für «schwer besetzbare Stellen», etwa in ländlichen Regionen genutzt werden.

GEW-Landeschef Fuchs sieht darin wenig Sinn. «Die haben im Ministerium die Entwicklung zehn Jahre lang verpennt», lautet sein Urteil. Um Lehrer werde auch in anderen Bundesländern geworben, in Mecklenburg-Vorpommern auch mit der Übernahme ins Beamtenverhältnis. «Dort sind aber Verdienst- und Laufbahnmöglichkeiten besser als in Brandenburg», sagt er. Die «Buschprämie» von 300 Euro, die bislang noch nicht gezahlt wurde, sei kein Anreiz. Fuchs: «So lange der öffentliche Dienst in Brandenburg vor Berlin bundesweit Schlusslicht ist, wird es schwer sein, genügend Lehrer zu finden.» Von Manfred Rey, dpa

Zum Bericht: „Mit 4.450 Euro starten“ – Wie Berlin in Österreich und den Niederlanden um Grundschullehrer wirbt

 

Ein Kommentar

  1. Brandenburg kann sofort aus anderen Bundesländern ausgebildete Lehrer bekommen. In Bayern stehen Realschullehrer auf derStraße. Denen muss ich halt eine „Umzugsprämie“ zahlen, eine Aufstiegsfunktion anbieten, o.ä.
    Die Lehrer sind da, aber eben nur schlecht verteilt bzw. ungenügend informiert oder auch aus irgendwelchen Landesvorschriften heraus ausgeschlossen!
    Flexibilität beim Einstellen, Generosität bei der Stufenbefähigung, baldige Verbeamtung anbieten.
    So gewinnst du Lehrer!
    rfalio

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