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Instrumentalisierung der Kinder – Grundschulverband ärgert sich über Parteien im Wahlkampf

FRANKFURT. In den vergangenen Wahlkämpfen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz waren Bildungsthemen immer wieder Thema. Über ungerechtfertigte Unterstellungen und wirre Ideen auf Kosten von Kindern und Lehrkräften ärgert sich jetzt der Grundschulverband in der Mai-Ausgabe ihrer Mitgliederzeitschrift.

„Schreiben nach Gehör und andere Märchen“, nennt die Landesgruppe Rheinland-Pfalz einen Wahlkampfslogan in Rheinland-Pfalz, mit dem Rechtschreibleistungen diskutiert wurden. Peinlicherweise hatten die Wahlkämpfer das Prinzip nicht verstanden. Denn ob mit „Schreiben nach Gehör“ die Methode „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen oder das alphabetische Prinzip im Schriftsprachenerwerb gemeint war, wurde nie erläutert, kommentiert Heike Neugebauer von der Landesgruppe in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Grundschule aktuell“ süffisant. Es sei außerdem behauptet worden, dass Grundschullehrkräfte bis Ende des zweiten Schuljahres lautgetreues Schreiben auch mit Hilfe der Anlauttabelle anwenden, Fehler weder verbesserten noch Rechtschreibregeln thematisierten. Dies sei falsch und unzutreffend, stellt der Landesverband jetzt klar.

So sahen die Wahlplakate der CDU in Rheinland-Pfalz zum Thema Rechtschreibung aus. (Bilder: https://www.facebook.com/cdurlp/photos)

So sahen die Wahlplakate der CDU in Rheinland-Pfalz zum Thema Rechtschreibung aus. (Bilder: https://www.facebook.com/cdurlp/photos)

schreibennachgehör

Ein weiteres Wahlkampfziel war offenbar, die lateinische Ausgangsschrift beizubehalten, weil die Schreibschrift ein wichtiger Entwicklungsschritt für Feinmotorik und Konzentration sei. Die Landesgruppe ist anderer Ansicht. „Im Umkehrschluss heißt dies, dass die Grundschrift Feinmotorik und Konzentration nicht fördert.“ Geärgert habe man sich auch über die Unterstellung, dass Lehrkräfte ihren Deutschunterricht nicht auf der Grundlage der Bildungsstandards und des Teilrahmenplans Deutsch gestalten.

Das Bildungssystem als Berufsvorbereitung

Sehen über 270 000 Sachsen-Anhalter ihr Bildungssystem tatsächlich durch ein sinkendes Leistungsniveau, ideologische Experimente und ein bürokratisches Korsett akut bedroht? Das fragt die Landesgruppe des Grundschulverbands Sachsen-Anhalt mit Blick auf die 24 Prozent der Wähler, die für die AfD gestimmt haben.

Die neue Partei schrieb unter anderem eine radikale Veränderung des Bildungssystems in ihr Programm. Demnach soll die Schule vorrangig eine „am Bedarf wie an den individuellen Begabungen“ orientierte Vorbereitung auf den Beruf sein. Das beinhalte im Bereich der Grundschulen u.a. die Aufhebung der Schuleinzugsbezirke, eine Höhergewichtung der Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen sowie der Tugenden Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn.

Schulrechtlich benötige der Lehrer eine stärkere autoritärere Stellung. Inklusion sei darüber hinaus nicht finanzierbar und wird abgelehnt. Erleichtert kommentiert Ralph Thielbeer von der Landesgruppe des Grundschulverbands: „Der Umsetzungsversuch der wirren Forderungen bleibt uns vorerst erspart.“  Gespannt sei man jetzt auf die anstehende Auseinandersetzung in der Bildungspolitik zwischen Konservativen und Reformern, die ja in der neuen Regierung zusammenarbeiten müssen.

Spezialisierte Grundschullehrerausbildung

Im Gegensatz zu Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz verschonten die Parteien den Wahlkampf in Baden-Württemberg mit allzu kruden Vorstellungen in der Bildungspolitik. Die Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg, Professor Claudia Vorst, lobte im Mitglieder-Magazin die Reform der Lehrerausbildung, die im Vorfeld der Landtagswahl durchgesetzt wurde. Baden-Württemberg hat nach vielen anderen Bundesländern damit ein spezialisiertes Grundschulstudium eingeführt.

Bisher gab es eine gemeinsame Ausbildung für Grund-  Haupt- und Werkrealschullehrer. Es sei jedoch nicht vermittelbar, warum das Studium, wie alle anderen Lehramts-Studiengänge, nicht ebenfalls auf 10 Semester verlängert wurde. Die Landesgruppe bewertet es außerdem als positiv, dass in den neuen Bildungsplänen die sogenannten neuen Medien „sobald vorhanden“ zu nutzen seien – früher hieß es „falls vorhanden“. Der Grundschulverband hatte sich dafür eingesetzt, dass digitale Medien verbindlich in den Bildungsplan der Grundschule aufgenommen werden. nin

29 Kommentare

  1. So „wirr“ und „krude“ finde ich die Forderungen gar nicht. Z.B. halte ich auch nichts von der Grundschrift, die der Grundschulverband ausgebrütet hat, und glaube ebenfalls, dass sie die Feinmotorik und Konzentration weniger fördert als die verbundene Schreibschrift.
    Außerdem bin ich auch für „eine Höhergewichtung der Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen sowie der Tugenden Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn“ in der Grundschule.
    Wieso werden diese Forderungen als „Instrumentalisierung der Kinder“ bezeichnet?
    Der Artikel ist mir eindeutig zu unsachlich, tendenziös und parteiisch.

    • mehrnachdenken

      Vollste Zustimmung!!!

    • Es wurde eher umgekehrt ein Schuh daraus, was meiner Zustimmung zu Lauras Kommentar keinen Abbruch nimmt:

      Die Kinder wurden instrumentalisiert, als die „Höhergewichtung der Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen sowie der Tugenden Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn in der Grundschule“ mehr oder weniger abgeschafft oder für überflüssig erklärt wurde.

      Politiker denken in maximal in Legislaturperioden Land oder Bund, je nachdem, was zuerst kommt, beim Bildungssystem muss man mindestens zehn Jahre denken, eher 15, bevor auch nur ansatzweise brauchbare Ergebnisse zutage treten können. In eher höheren Frequenzen als 10-15 Jahre haben sich in den vergangenen 30 Jahre die Lehrpläne (in NRW) fundamental geändert, wobei ich als Stichpunkte die Reduzierung der Leistungskurse auf fünf Wochenstunden ab Klasse 12 (vorher sechs ab Stufe 11/2, also nur noch 26 statt 33 Wochenstunden pro LK in der gesamten Oberstufe), die Umstellung auf G8 und die Kompetenzorientierung ab Abiturjahrgang 2017 erwähne.

      • „die „Höhergewichtung der Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen sowie der Tugenden Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn in der Grundschule“ mehr oder weniger abgeschafft oder für überflüssig erklärt wurde.“
        Wer sollte das gemacht haben? Ich hoffe, Sie meinen nicht die Grundschullehrer.
        Denn das sehe ich als Grundschullehrkraft in einigen Disziplinen anders bzw. differenzierter. Und da bin ich lehrplankonform (für mein Bundesland)!
        Lesen: Textverständnis wird jedes Jahr in den VERA – Arbeiten abgeprüft. Legte man jahrelang zu Recht auf das Textverständnis viel Wert, kommt jetzt wieder gesteigert die Lesefertigkeit mit neu entwickelten Lesemethoden, z.B. das Lautleseverfahren, dazu.
        Schreiben: kommt darauf an, was man unter „schreiben“ versteht. Schreibfertigkeit oder „Texte schreiben“. Hier hat sich tatsächlich etwas geändert. Allerdings wird gerade in der Grundschule in meinem Bundesland sehr viel Wert auf Sprache bzw. Versprachlichung gelegt.
        Rechnen: Stimmt, hier haben sich die Schwerpunkte geändert. Es geht jetzt darum, mehr seinen Verstand beim Rechnen einzusetzen. Mechanische Dinge, wie die schriftlichen Rechenverfahren werden nicht mehr bis zum letzten Exzess geübt, weil kein Mensch außer in der Schule noch diese Verfahren anwendet.
        Gradlinigkeit: Wenn man darunter Ehrlichkeit versteht, warum sollten Grundschullehrer die Lügen und Ausreden unterstützen?
        Disziplin: Wer in der Grundschule unterrichtet, weiß, wie die Schüler zu uns in die 1. Klasse kommen und wie wir tagtäglich in allen Klassenstufen um Disziplin kämpfen.
        Pünktlichkeit: Also, pünktlich müssen die Schüler schon zum Unterricht und zu den vereinbarten Terminen erscheinen.
        Ordnungssinn: Ein täglicher Kampf einer Grundschullehrkraft, den Schüler dies beizubringen, weil das immer weniger von den Eltern unterstützt wird.
        Gerade wir in der Grundschule kämpfen darum, dies wird sogar in den Zeugnisberichten vermerkt!

        • Oh nein, ysnp, nicht den Grundschullehrkräften ist ein Vorwurf zu machen, sondern anderen Kräften, vor allem aus den Parteien, lobbyistischen Kreisen und der Bildungspolitik, die „Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen sowie der Tugenden Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn in der Grundschule“ zu Sekundärlernstoff und sekundärtugenden erklärt und dementsprechend die Bildungs- bzw. Lehrpläne und die Rechte von Lehrern Schülern und Eltern gestaltet haben.
          Ich lese gerne Ihre Kommentare, weil sie viel Richtiges sagen. Lobbyismus, Parteieniinteresse und Bildungsideologie sehe ich allerdings kritischer als Sie und würde gern allen Lehrern raten, dies auch zu tun und nicht willig den Sündenbock abzugeben für den Verfall in den „Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen sowie den Tugenden Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn in der Grundschule“.

          • Es bedarf doch zur Veränderung der Bildungspolitik trotz der dezentralen Organisation nur eine Institution, auf deren Studien hin alle mit den Flügeln zu schlagen beginnen, hektisch werden und in ihrem reformpolitischen Eifer beginnen, Purzelbäume zu schlagen.

            Wenn aus Gütersloh angetrieben durch die Zahlen der OECD neueste Studien vorgelegt werden, dann herrscht doch bei allen Beteiligten Bildungspolitikern nur noch der voarauseilende Gehorsam. Wenn Liz Erkenntnisse verlauten lässt, dann schmeißt Elfriede die Druckerpresse an und sorgt für den medilalen Wirbel, um in Muttis Interesse influss zu nehmen.

            Leute hört auf eure Altvorderen:

            Mohn macht dumm!

            Der unsägliche Einfluss der omnipräsenten B.-Stiftung muss reguliert bzw. eingedämmt werden. Bertelsmann und von Humboldt vertragen sich so gut wie Feuer und Wasser.

          • mehrnachdenken

            Frohe Pfingsten!
            Ein Kommentar, der mir aus dem Herzen spricht.

            Vielleicht gehen Sie beim folgenden Gedanken nicht mir, aber ich muss ihn dennoch loswerden:

            So wie die „Bertelsmänner“ die Bildungsdebatte und praktische -politik in diesem Land einseitig bestimmen, geben einige wichtige Medien Frau Merkel die notwendige Rückendeckung für ihre Politik „Wir schaffen das!“
            Ich wage die These, dass sie auch deshalb diese politische Richtung einschlug, weil sie davon ausgehen konnte, den notwendigen medialen „Flankenschutz“ zu bekommen.

          • D’accord, das unsägliche Triumfeminat – oder die Heilige Dreieinfältigkeit aus Liz, Elfriede Angie – schafft auch das.

          • Ursula Prasuhn

            @dickebank (06:55)
            Was Sie über die Gütersloher Schattenregierung und deren Einfluss auf die Bildungspolitik sagen, kann ich nur dick unterstreichen.
            Ihre Medienmacht durch Zeitungsverlage und TV-Sender – gepaart mit der Abteilung „Bertelsmann Studien“, die OECD-Interessen unterstützt und in den Rang wissenschaftlicher Erkenntnisse erhebt –, lenkt die Bildungspolitik seit Jahrzehnten in eine unselige Richtung.

            Die Lehrer sind mehr oder weniger Statisten, allerdings auch bequeme Sündenböcke, die sich bei laut werdender Kritik oft nur verteidigen und scheuen, Fehler des Managements laut bei Namen zu nennen.
            Vielleicht sind viele auch nur zu wissenschaftsgläubig und suchen eher Mängel bei sich selbst als bei den Regisseuren des nicht enden wollenden Bildungsdramas. Der ständige Ruf nach Fortbildungskursen, um immer neue Aufgaben bewältigen zu können, legt diese Vermutung nahe.

          • Nein, Lehrkräfte haben nur keine Lobby. Ihre Erfahrungswerte zählen nichts. Vorgaben werden aufgrund ideologischer Wunschträume gemacht, mit Methoden unterfüttert, die situativ untersucht und ausgelegt worden sind, die punktuell analysiert und in tausenden von Metastudien beleuchtet, von interessierten Kreisen als Non-Plus-Ultra verkauft werden und darauf angelegt worden sind, den wert zukünftiger human resources zu steigern.

            Bildung wird allenfalls als Vorbereitung für eine nahtlos anschließende Berufliche Ausbildung an Berufsschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften betrachtet. Lediglich die wirtschaftliche Verwertbarkeit von Kompetenzen ist vorrangig anzustreben, Wissen das der „costumer“ als Verbraucher und nicht als Abieter seiner selbst vermittelt werden könnte, wird kritisch gesehen, es schadet ja den Interessen der Wirtschaft. Also lieber kostenloses Rückgabe Recht binnen vier Wochen nach Bestellung als grundlegende Verbraucgherinformationen.

            Bildung um ihrer Selbstwillen als Beschäftigung mit den kulturellen Dingen ist lediglich für eine kleine geistige Elite erlaubt, für den Rest ist es unnötiger Ballast, der vom Wesentlichen ablenkt und im schlimmsten Fall zur Teilhabe an der Gesellschaft als „citizen“ befähigen könnte. Ein mündiger Bürger und Verbraucher, der Albtraum der INSM und vermutlich auch der Bertelsmänner.

          • Ursula Prasuhn

            Ihren Worten kann ich wieder nur zustimmen – auch der Feststellung, dass die Lehrer keine Lobby haben, in der „ihre Erfahrungswerte zählen“.
            Das ist die große Schattenseite des Beamtentums. Lehrerverbände und deren verbeamtete Vertreter müssen auf mehreren Hochzeiten tanzen, nicht zuletzt der ihrer Dienstherren. Stellen die sich stur gegenüber den Anliegen der Lehrer, haben sie als Abhängige und reine Bittsteller nichts in der Hand, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

            Ich frage mich immer häufiger, ob der Beamtenstatus bei andauernden Fehlentwicklungen im Bildungsbereich von den Lehrern nicht zu teuer erkauft wird und mehr Zumutungen als Vorteile bringt.

  2. „Der Umsetzungsversuch der wirren Forderungen bleibt uns vorerst erspart.“

    Zum Glück. Nichts gelernt aus den letzten 100 Jahren pädagogischer und soziologischer Arbeit und Forschung. Nie Adorno’s Texte zur Pädagogik oder dem autoritären Charakter gelesen, nie Hanekes „Das weiße Band“ gesehen, noch nie was von Montessori oder Petersen gehört.

    Aber die AfD wählt auch niemand wegen ihrer bildungspolitischen Forderungen. Protest, der Wunsch nach autoritärem Durchregieren (Putin! Putin! Orban! Orban!) und antimuslimischer Rassismus – da macht man gern mal sein Kreuz bei denen, die am lautesten irgendwas mit „Dagegen!“ schreien.

  3. Milch der frommen Denkungsart

    @Georg:

    Sollte gerade einer sonst doch so hellwachen Kassandra wie Ihnen die Affinität der Montessori-Pädagogik zum
    Italo-Faschismus (Duce ! Duce! Duce !) tatsächlich entgangen sein ?!

    • Danke für den erhellenden Hinweis, da habe ich tatsächlich eine Bildungslücke.

      Aber man lernt ja nie aus, wenn man zu lernen bereit ist.

  4. Mir ist auch nicht klar, was an den schulpolitischen Forderungen der AfD so wirr und krude sein soll. Wahrscheinlich liegt es nur daran, dass sie von dieser Partei stammen, um gleich in Grund und Boden verdammt zu werden.
    Vielleicht klärt mich der Autor oder die Autorin des Artikels „nin“ auf, worin er/sie die Ungeheuerlichkeit der Forderungen sieht.
    Die Methode „Lesen durch Schreiben“ wurde auch hier bei news4teachers schon vielfach kritisiert und die sog. Grundschrift habe ich anderswo auch schon sehr negativ beurteilt gefunden.
    Dass Lehrer etwas gegen die „Höhergewichtung der Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Rechnen sowie der Tugenden Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn“ in Grundschulen haben, kann ich mir auch nicht vorstellen.
    Wo also liegt das Problem außer in der Tatsache, dass der AfD nicht zugestimmt werden darf?

    • „… dass der AfD nicht zugestimmt werden darf“

      Stimmt, das wird von ganz oben verboten. 😉

      Und was das Problem mit den Sekundärtugenden ist, hatten wir hier ja auch schon mal. Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit und Ordnungssinn sind keine Werte an sich sondern waren auch die perfekten Eigenschaften für die Arbeit im deutschen Vernichtungslagersystem, da Primärtugenden, Humanismus und demokratische Grundüberzeugungen dort als Basis des Wertesystems keine Rolle spielten.

      Denn morgens pünktlich zur Arbeit an der Rampe stehen und dann den ganzen Tag fleißig und diszipliniert Menschen ins Gas schicken kann man nicht, wenn man Humanist, Menschenrechtsfreund und Demokrat. Das gibt einen grundlegenden Widerspruch, der sich nur zugunsten der Primärtugenden Plus auflösen lässt.

      Wer also das eine ohne das andere will (und da wirds bei der AfD schwierig!) hat aus der Vergangenheit nichts gelernt und sollte für seine Forderungen hinsichtlich der Erziehung von Kindern äußerst kritisch betrachtet werden.

      • Dann dürfen wir ja dankbar sein für jeden Schüler sein, der nicht gradlilig, nicht diszipliniert, nicht pünktlich und nicht ordentlich ist.

        Um es mit Ihren Worten zu sagen:
        „Danke für den erhellenden Hinweis, da habe ich tatsächlich eine Bildungslücke.
        Aber man lernt ja nie aus, wenn man zu lernen bereit ist.“

      • Die pünktlichen, fleißigen, disziplinierten Schüler aus meinen Klassen zeigen keinerlei Tendenzen, KZ-Wächter zu werden. Sie führen Klassenbuch, engagieren sich als Klassenpaten oder Nachhilfelehrer und in der Bibliotheks-AG. Wie ist das bei Ihnen?

  5. Mir fallen mehrere meiner Schüler ein, die eigentlich einen wachen Geist haben, aber in ihren Leistungen immer unter ihren Möglichkeiten bleiben und oft frustriert sind, weil sie in den “ Tugenden Gradlinigkeit, Disziplin, Pünktlichkeit, Ordnungssinn“ nicht geübt sind. Wenn irgendjemand diese Erziehungsziele ablehnen sollte, würde ich ihm nicht zustimmen.

    • Kenne ich auch, zumal die Pubertät das Ganze noch verstärkt bzw. um mindestens zwei Noten verschlechtern kann. Wenn die Eltern dann beim Kind auch anfangen, Druck zu machen, verstärkt sich das noch mehr.

    • mehrnachdenken

      Wie ist das noch mal mit begabten Schülern? Fliegt denen alles wie selbstverständlich zu? Nein, nur wenn sie darüber hinaus auch fleißig, diszipliniert oder zielstrebig sind, werden sie ihr Ziel erreichen.

      • Nur, dass im Politikersprech „begabt“ mit fleißig, diszipliniert und/oder zielstrebig identifiziert wird. Unter sozial benachteiligt verstehen Politiker das Gegenteil davon, Migrationshintergrund geht in dieselbe Richtung.

        • Wesentlich schlimmer; da Schule ja Kompetenzen stärkt, müsste ein Schüler, der die geforderten Kompetenzen erfolgreich erworben hat, als kompetent ein gestuft werden.

          Vor diesem Hintergrund läuft „begabt“ auf dasselbe wie „bemüht“ hinaus. Damit bedeutet begabt, dass jemand unter seinen Möglichkeiten bleibt. Ein begabter Celist ist etwas Anderes als virtose Cellist.

          So dämlich, dass Politiker diese Bedeutung nicht kennen würden, sind sie größtenteil nicht. Meist sind sie sogar Meister darin, die umgangssprachliche bedeutung von Worten in Nuancen zu verschieben, um dem Gesagten so einen ganz anderen Sinn zu geben.

          • also wird auf Arbeitszeugnissen bald „er hat sich stets bemüht“ ersetzt durch „er ist kompetent“ …

          • So wie das Wort „Strategien“ wird uns irgendwann (mir jetzt schon) das Wort „Kompetenzen“ zum Hals heraushängen. Zu häufiger Gebrauch verwässert ein Wort und man entwickelt Antipathien dagegen. Ich finde es schlimm, wie ein Wort durch ständige Wiederholung in den Sprachgebrauch eingetrichtert wird.

          • Nein, die Formulierung wird lauten „hat sich kompetent gezeigt“.

            Im Sinne von „mehr Schein als Sein“. Ist halt wie bei Diplomaten, es gibt „Geschickte“ und Gesandte“.

          • Ist „hat versucht, sich kompetent zu zeigen“ schon zu negativ?

            Mehr Schein als Sein ist überall. Inklusion besteht auch aus mehr als lächelnde Mädchen im Rollstuhl.

          • Läuft auf „war stets bemüht sich kompetent zu erweisen“ hinaus.

          • Was viel mehr nervt, ist, dass „kompetenzorientiert“ zur Augenwischerei verkommt, wenn einem angepriesen sei, man solle offene Aufgaben stellen, sodass jedes Kind auf seinem Niveau arbeiten könne.

            Setze ich dann ein I-Kind ans Fenster, lasse es in die Wolken schauen und schreibe dann „beobachtet das Wetter und trifft Aussagen dazu“?

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