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Neue Kultusministerin sorgt sich ums Gymnasium – „Lehrer sollen Kinder vor übertriebenem Elternwillen schützen“

STUTTGART. Baden-Württembergs neue Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht die hohen Übergangsquoten von Schülern auf die Gymnasien mit Sorge. «Wir haben auf den Gymnasien eine Anzahl von Schülern, die dort nicht richtig aufgehoben sind angesichts ihrer Leistungen und Begabungen», sagte sie in Stuttgart.

In einigen Städten liege die Übergangsquote aufs Gymnasium bei 60 bis 70 Prozent. In Stuttgart seien es mehr als 50 Prozent. Der Landesdurchschnitt liege bei mehr als 40 Prozent. «Menschlich kann ich das verstehen. Aber da verrutscht so manches», sagte sie. Kritik an Eisenmann kam von der SPD. Fraktionsvize Stefan Fulst-Blei verlangte Belege für die Aussage, dass manche Schüler an Gymnasien nicht richtig aufgehoben seien.

War bis dato Schulbürgermeisterin von Stuttgart - kennt sich also aus: Susanne Eisenmann. Foto: Ironldy / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

War bis dato Schulbürgermeisterin von Stuttgart – kennt sich also aus: Susanne Eisenmann. Foto: Ironldy / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Eisenmann sagte, Eltern wollten das Beste für ihr Kind – und das sei aus deren Sicht das Abitur. «Ich will das gar nicht kritisieren», betonte die Ministerin. «Aber ich halte es für wichtig, dass gerade die Lehrer ein zentraler Partner sind, um Kinder gegebenenfalls vor einem übertriebenen Elternwillen zu schützen.» Die Gymnasien müssten mit einer zunehmenden Heterogenität ihrer Schüler zurechtkommen.

Grundschulempfehlung muss der weiterführenden Schule vorgelegt werden

Ein Grund dafür sei die unter Grün-Rot abgeschaffte verbindliche Grundschulempfehlung. Die grün-schwarze Regierung hat sich darauf geeinigt, die verbindliche Grundschulempfehlung zwar nicht wieder einzuführen. Aber sie muss der weiterführenden Schule vorgelegt werden. Die Schule kann dann ein verbindliches Beratungsgespräch mit den Eltern führen. Eisenmann bezeichnete dies als einen guten Kompromiss. «Vor Jahren hat allein die Lehrerentscheidung gezählt. In den letzten vier Jahren hat der Elternwille gezählt», sagte sie. «Jetzt müssen Eltern und Lehrer gemeinsam sehen, was gut ist für das Kind – auch, wenn die Eltern immer noch das letzte Wort haben.»

Eisenmann wandte sich gegen die Forderung einiger Eltern, in Schulen auf Zensuren zu verzichten. «Ich halte Noten insgesamt für richtig.» Zwar müsse die Leistungsbewertung nicht über allem stehen, sagte die frühere Stuttgarter Schulbürgermeisterin. «Aber es ist wichtig für das Kind und auch für die Eltern zu wissen, wo man steht.»

«Frau Eisenmann sollte es besser wissen», sagte Fulst-Blei. Der Übergang zu den Gymnasien sei zu einer Zeit stark angestiegen, als es die verbindliche Empfehlung noch gab – und im vergangenen Schuljahr erstmals rückläufig gewesen. Außerdem orientierten sich mehr als 80 Prozent der Eltern weiterhin daran. Die Ministerin solle die individuelle Förderung an den Gymnasien ausbauen und nicht die verbindliche Grundschulempfehlung durch die Hintertür wieder einführen, forderte Fulst-Blei. dpa

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2 Kommentare

  1. Das wäre mal ganz gut! Meist reicht ja sogar eine Klarstellung, z.B. die, dass einzelne Noten, sogar von Klassenarbeiten, sogar auf Zeugnissen (bis einer Ausnahme von Schulabschlusszeugnissen) nicht anfechtbar sind, da Gerichte hier bisher immer den Ermessensspielraum der Lehrer akzeptiert und bestärkt haben.

  2. (mit Ausnahme von …)

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