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„Nur“ Mutter? – Hausfrauen wehren sich gegen Rechtfertigungsdruck

WUSTERMARK/WIESBADEN. Das „Hausfrau und Mutter“ früher einmal das nahezu selbstverständliche Rollenbild der Frau in Deutschland war, ist vielen jüngeren Menschen heute kaum noch vorstellbar. Mehr noch, der gesellschaftliche Wandel, begleitet vom erheblichen Ausbau der Betreuungsangebote in Kita und Schule, bringt Mütter unter Erklärungsnot, die sich entscheiden, nicht nur zeitweise zu Hause zu bleiben. Das wollen nicht alle „Vollzeitmütter“ hinnehmen.

Die siebenjährige Clementine klettert auf einen Baum, am Ast neben ihr klammert sich ihre Schwester Johanna fest. Mutter Helena schaut dem Treiben im frühlingshaften Garten zu, das dritte Töchterchen Esther auf dem Arm. Ein normaler Nachmittag im Haushalt der Familie von Hutten im brandenburgischen Wustermark. Während andere Kinder noch in Schule und Kita sind, genießen die Mädchen die Stunden zu Hause.

Früher wurden Mütter beschimpft, wenn sie arbeiten gingen. Heute ist es umgekehrt. Foto: Thomas Kohler / flickr (CC BY 2.0)

Früher wurden Mütter beschimpft, wenn sie arbeiten gingen. Heute ist es umgekehrt. Foto: Thomas Kohler / flickr (CC BY 2.0)

Die Familie lebt ein Modell, wie es zwischen 1960 und Mitte der 1990er Jahre in Westdeutschland selbstverständlich war: Der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich um die Kinder. Doch während arbeitende Mütter früher als «Rabenmütter» beschimpft wurden, müssen sich heute Frauen, die zu Hause bleiben, Kritik gefallen lassen.

In Zeiten, in denen selbst die Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) kurz nach der Geburt wieder am Schreibtisch sitzt, stehen manche Mütter unter Rechtfertigungsdruck. «Andere Mütter werfen mir vor, altmodisch und unemanzipiert zu sein», sagt von Hutten, die ihren Kindern Geborgenheit, Ruhe und einen Rhythmus im Leben geben will. Auch Fahrlässigkeit in Sachen Bildung sei ihr attestiert worden, weil sie die Mädchen erst mit drei in die Kita brachte.

Als die Sticheleien zunahmen, verteidigte sie ihr Modell in einem offenen Brief im Internet. Jetzt arbeitet sie mit einer Pädagogin an einem Buch. «Wir wollen gehört werden und Frauen ermutigen, selbstbestimmt zu leben», so von Hutten.

Die 30-Jährige will, dass mehr Frauen die Chance haben, sich für ein Leben als Vollzeitmutter zu entscheiden. «Kitaplätze werden mit 1000 Euro monatlich subventioniert. Wer zu Hause bleibt, bekommt in den meisten Bundesländern nicht einmal mehr Betreuungsgeld», ärgert sich von Hutten. Sie habe auch nichts dagegen, wenn Väter zu Hause blieben – Hauptsache, ein Elternteil sei für die Kinder da.

Gerade erst haben die Schriftstellerinnen Alina Bronsky und Denise Wilk in ihrem Buch «Die Abschaffung der Mütter» eine mangelnde Wertschätzung der Mutterschaft thematisiert. «Sich Hausfrau zu nennen, ist heute schon etwas Revolutionäres», sagt die vierfache Mutter Bronsky. Alle seien hypnotisiert von der Norm der Super-Mama, die Beruf und Kinder unter einen Hut bringe. «Wer sich für ein anderes Modell entscheidet, lebt fast schon in einer Tabuzone».

Der «Spiegel» schreibt jetzt gar von einem Comeback der Hausfrau. Doch das traditionelle Modell wird seltener. Brachten 1996 bundesweit noch in 40 Prozent der Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind nur die Väter das Geld nach Hause, war dies laut Statistischem Bundesamt 2014 nur noch in 29 Prozent der Familien der Fall.

Und längst nicht immer sei es auch das Modell der Wahl, sagt Sabine Diabaté vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: «Frauen, die sich bewusst für die Rolle als Hausfrau entscheiden, sind eher in der Minderheit», so die Expertin. «Von einer Renaissance der Hausfrau kann man überhaupt nicht sprechen», betont sie.

Die Münchner Soziologin Paula-Irene Villa beobachtet vor allem eine stärkere mediale Präsenz dieser Mütter: Einige Jahre habe die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Mittelpunkt gestanden. «Jetzt ‎werden Frauen sichtbarer, die sagen, ‚Wir möchten gern zu Hause bleiben‘. Das Ganze wird auch ‎hochgejazzt. Viele denken, sie müssten jetzt einen Blog oder ein Buch schreiben», so Villa. Seit es viele verschiedene Familienmodelle gebe, spürten ‎viele Frauen den Druck, sich erklären zu müssen. «Das ist ein ganz normaler Vorgang. Die Frauen nehmen Kritik von außen nur unterschiedlich wahr. ‎Einige Mütter leiden, andere nicht.»

Laut Diabaté wird das traditionelle Modell hauptsächlich im ersten Jahr nach einer Geburt gelebt und in Westdeutschland oft noch bis zum Kindergartenalter. «Danach wollen die meisten zurück in den Beruf.» Am weitesten verbreitet sei das Hinzuverdienermodell, bei dem der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeite.

Helena von Hutten legte ihr Psychologie-Studium auf Eis, als das erste Kind kam. «Es war klar, dass jetzt die Familie dran ist», sagt sie. Ihr Mann habe bereits im Berufsleben gestanden. Die Frauen-Finanzexpertin und Autorin Helma Sick («Ein Mann ist keine Altersvorsorge») warnt: «Eine Frau die viele Jahre nicht berufstätig ist, geht ein hohes Risiko ‎ein. Sie verliert ihre berufliche Qualifikation, hat im Alter kaum Rente, ist also lebenslang von den ‎Einkünften ihres Ehemannes abhängig».

Noch schlimmer sei es, wenn es zu einer Scheidung komme, was heute bei ‎jeder dritten Ehe der Fall sei. ‎Eine Frau bekomme keinen Unterhalt, wenn keine Kinder unter drei Jahren zu versorgen seien. «Und sie wird in der Regel eine Rente haben, von der sie nicht leben kann», so Sick.

«Ich weiß, dass das Risiko da ist. Wir haben aber nicht vor, uns zu trennen», sagt von Hutten, die sich beruflich engagieren will, sobald die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind. Sie sei optimistisch und habe keine enormen Zukunftsängste. Im Gegenteil: Die Familienplanung ist noch nicht abgeschlossen. (Anja Sokolow, dpa)

• zum Bericht: Wie viel Sinn hat es, bei Ein- und Zweijährigen von „Bildung“ zu sprechen?
• zum Bericht: Betreuungsgeld vor dem Verfassungsgericht – Richter zweifeln an Bundeszuständigkeit
• zum Bericht: Konsortium: Ganztagsschulen fördern die Persönlichkeit, nicht die Leistungen

19 Kommentare

  1. Frau von Hutten imponiert mir. In der heutigen Zeit ist es schwer, das traditionelle Familienmodell zu leben, bei dem die Mütter und manchmal auch Väter zu Hause bleiben, bis „die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind“.
    Der wirtschaftliche Druck, die Sorge um die spätere Rente und das bewusst herbeigeführte schlechte Image der sogenannten Hausfrau und Mutter haben bewirkt, dass ausgerechnet die Familienform, die ich für die kinderfreundlichste und -gesundeste halte, den Bach runtergeht.
    Dass dieseTatsache auch noch als Fortschritt bezeichnet wird, ist ein Trauerspiel.

    Danke an die Redaktion von news4teachers für diesen Artikel!!

  2. Was mich wundert, ist, dass man heutzutage nicht mehr darüber spricht, dass es für die Entwicklung des Kindes sehr wichtig ist, dass es die ersten 3 Jahre eine durchgängige Bezugsperson hat. Dieser Gedanke war in der BRD sehr populär und hat viele Mütter bewogen, zumindest die ersten 3 Jahre zuhause zu bleiben.
    Wenn einer zuhause blieb, war es bei vielen so, dass man nicht so viel Geld zur Verfügung hatte und man schauen musste, wo man Kosten einspart. Doch dieses wurde in dem Gedanken getan, dass man damit das Beste für die Entwicklung des Kindes macht, denn man wollte ja das Beste für das Kind. (Dies ist nur noch bei Beamten einigermaßen problemlos möglich.)
    Was häufig nie gelöst wurde, war die Anerkennung der Jahre zuhause und die Fortführung der Karriere bei demjenigen, der zuhause blieb. Da hat die Politik versagt bzw. nicht ernsthaft nach wirklich guten Lösungen gesucht.
    Nun haben wir plötzlich die gegenteilige Entwicklung vordergründig um Gleichberechtigung im Berufsleben zu ermöglichen. Dabei hat man sich von dem ehemaligen DDR – Modell inspirieren lassen. Doch ich halte dies nach wie vor schlecht für das Kind. Eine Kita kann die Mutter oder den Vater nicht ersetzen. Vielleicht ist die neuere Entwicklung mit ein Grund, dass wir zunehmend in unserer Gesellschaft sozial inkompetente Menschen haben bzw. haben werden.

    • Tasache ist aber, dass auch in der alten BRD und auch in den Zeiten davor Aristokraten und vermögende Bürger irem Nachwuchs ein Kindermädchen als feste Bezugsperson verpasst haben. und sie später als 10-jährige entweder in die Obhut von Privatlehrern oder Internaten oder Kadettenanstalten gegeben haben.

      Das Idyll der kleinbürgerlichen Familie ist eines der NS-Frauenschaft, selbst auf dem land, wo alle mitarbeiten mussten, war SäuglingsaufzuchtSache der Groß- bzw. Urgroßmütter.

      Die Zeiten der jungen BRD bis in die 70er Jahre, in dnen verheiratete Frauen die Zustimmung des Ehegatten benötigten, um einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, können nicht wirklich als Bezuggröße genommen werden. Es diente in aller erster Linie der Verdrängung der Frauen vom Arbeitsmarkt, den sie bedingt durch den Kriegseinsatz der Männer und anschließender Kriegsgefangenschaft ja lange behauptet hatten. So viel zu den tollen Wiederaufbaujahren und ihrem Familienmodell.

      • @dickebank
        Dieses Modell der Nazi- Zeit und der fortgeführten Entmündigung der Frau bis weit in die 70iger hatte ich nicht im Hinterkopf. Dennoch finde ich den verbesserten Ansatz, den wir seit den 90igern haben, dass einer Erziehungszeit (und diese sollte mindestens 3 Jahre und nicht 1 Jahr oder weniger dauern!) nehmen kann, gut. Dass dies immer weniger populär ist – wenn ich obigem Artikel Glauben schenken soll – ist auch dem geschuldet, dass anscheinend politisch zu wenig getan wird, ein solches familien- und kinderfreundliches Modell zu unterstützen. Denn damit verbunden ist, die Elternzeit entsprechend anzuerkennen; zum einen finanziell und zum anderen sollte ein Karriereknick nicht die Regel sein.

        • @ysnp
          Ihre Meinung teile ich. In den ersten Lebensjahren braucht das Kind eine feste Bezugsperson. Eine Tagesmutter halte ich da für 10mal besser als eine Krippe.
          Dass auch noch auf die traditionelle Familienform mit der Nazi-Keule eingedroschen wird, obwohl es diese Form schon lange vor der NS-Zeit gab und die Gesellschaft nur zu einem geringenTeil aus reichen Aristokraten und vermögenden Bürgern bestand, ist ärgerlich und typisch.
          Nazivergleiche ziehen leider noch immer, auch wenn ihre Funktion immer mehr durchschaut wird.

          • Sinnentnehmend Lesen, es ging nicht um die Nazikeule. Ich habe nämlich auch die Zeiten davor erwähnt.

            Für die Landbevölkerung und das war bis in die 60er Jahre der überwiegende Teil der Bevölkerung – war Kindererziehung eine Sache, die nebenbei lief. Die Kinder wurden von den Groß- bzw- Urgroßeltern gehütet oder auch von älteren Geschwistern. Bei der Stadtbevölkerung in den Hinterhöfen der Arbeiterviertel gab es das kleinbürgerliche Familienidyl mit Sicherheit auch nicht. Dies gab es lediglich bei den kleinen Angestellten und kleineren bis mittleren Beamten, die sich keine „Zugehfrau“ leisten konnten.

            Die höheren beamten, das Großbürgertum, Industrielle und Adlige hatten für die Kinderbetreuung Angestellte. Selbst in der NS-Zeit rekrutierten die „Goldfasane“ ihre Kinderbetreuung mit Hilfe des BdM.

          • Andere nicht für dumm verkaufen!
            Ihre Hauptbotschaften, beruhend auf Geschichtsklitterung, sind ja auch angekommen:
            – Die familiäre Erziehung der Kinder hat etwas mit dem Idyll der NS-Frauenschaft zu tun
            – Die Aufgabe der Kindererziehung hat etwas mit der Entmündigung und Unterdrückung der Frauen bis in die 70er Jahre hinein zu tun

            Ihre Geschichtsdarstellungen habe ich schon öfter als Mischung aus sträflich vereinfachten Fakten und tendenziöser Meinung gesehen. Das Ganze in einem sachlichen Ton vorgetragen ist für mich aber noch nicht überzeugend. Das von Ihnen anvisierte sinnentnehmende Lesen deckt sich also nicht mit meinem eigenen.
            Das soll öfter vorkommen und ist auch gut so.

        • Da kann die Politik wenig erreichen. Für Arbeitgeber ist eine Fach- und Führungskraft (m/w), die max. drei Jahre ihren Beruf nicht ausgeübt hat, „Altes Eisen“. Im Öd ist das, ich sehe es an meinen Kolleginnen, kein Problem. In der freien Wirtschaft sieht es hingegen – und ich habe in diesem Bereich über 15 Jahre gearbeitet – ganz anders. Nach einer der vielen Umstrukturierungen innerhalb von drei Jahren ist die „Planstelel“ weg und es findet sich ein äußerst attraktives Arbeirsfeld auf einem „Abstellgleis“ mit eigenem Büro in einer Rumpelkammer. Alternativ gibt es ein Abfindungsangebot. Wer letzteres ausschlägt, wird einige Zeit später feststellen müssen, dass sein Arbeitsplatz von der Verlagerung ins europäische Ausland betroffen ist und es allenfalls eine betriebsbedingte Kündigung geben kann.

          Work-life-ballance“ bedeutet in Wirklichkeit harte Arbeit als Drahtseilakt. Auch ohne Kinder ist es schwierig, nicht herunter zu fallen.

          Und die seit der Kohl-Regierung durchgeführten Rentenreformen – Streichung der Studienzeiten als Anrechnungszeiten etc -, den Änderungen im Scheidungs- und Versorgungsrecht, dem Absenken des allgemeinen Tarifentgeltes – die die Jüngeren werden in immer niedrigere Entgeltgruppen bei der Ersteinstellung eingruppiert -, dem zunehmenden Risikos arbeitslos zu werden, dass zu einer innerfamiliären Risikoverteilung (2 Vollzeitjobs) führt, trägt zur Auflösung kleinbürgerlicher Familienstrukturen bei. Hinzu kommt dass eben viele nicht auf „Omma“ oder „Tante um die Ecke“ für die Kinderbetreuung zurückgreifen können. Und so bleibt nur – um für den AG attraktiv zu bleiben – der Weg zur schnellen Rückkehr an den Arbeitsplatz und einer Kinderbetreuung in Kita, durch einen Au-pair oder eine Tagesmutter, wobei der Verdienst eines Elternteiles dann für die Finanzierung der Kinderbetreuung draufgeht.

          „Ist es auch Wahnsinn, so hat es dennoch Methode.“

          • Wozu dient jetzt Ihr Kommentar? Warnung vorm Kinderkriegen und den Nachwuchs in den ersten Jahren selbst betreuen zu wollen?

          • Wieso Warnung?

            Kinderkriegen ist keine gesellschaftliche Aufgabe sondern beruht auf individuellen Entscheidungen. Also sind die Folgen Privatsache.
            Wer es sich erlauben kann, übergibt den nachwuchs dem Kindermädchen.
            Wer einen Partner mit auskömmlichen Einkommen hat, kümmert sich selber.
            Wer es sich aus finanziellen Gründen nicht erlauben kann, auf ein erwerbseinkommen zu verzichten, der gibt die kinder in öffentliche Obhut. Für die unteren Einkommensgruppen hoch subventioniert durch die Staffelung der Kita-Beiträge.

            Nur wer was macht ist dessen Entscheidung. Dafür bedarf es keines gesellschaftlichen Leitbildes und keiner Bevormundung.

            Es bleibt aber die Frage, warum soll in D das nicht funktionieren, was z.B. in F funktioniert? Ideologie ist ein schlechter ratgeber und kleingeistige Enge führt zu Alternativen für Doofe.

          • Kinderkriegen ist zwar Privatsache, aber der Staat bzw. die Gesellschaft muss aus wirtschaftlichen bzw. Altersversorgungsgründen ein Interesse daran haben, dass es Nachwuchs gibt. Warum nicht auch Familien unterstützen, wo sich ein Elternteil selbst in den ersten Lebensjahren vollumfänglich um die Kinder kümmert?
            Ich sehe dies frei von jeglicher Ideologie. Was mir nicht eingehen will, ist, dass jetzt plötzliche diese ersten 3 Jahre, die Entwicklungspsychologen lange propagiert haben, nicht mehr gelten sollen. Ich selbst habe aus diesem Grund meine Berufstätigkeit unterbrochen, weil ich eben das beste für mein Kind wollte.

          • Aus rententechnischen Gründen kann der Staat auf Nachkommen verzichten. In die GRV zahlt außer Beamten und Selbständigen jeder ein, der hier ein Erwerbseinkommen aus nichtselbständiger arbeit hat. Dazu muss er nicht hier geboren sein. Ein Wirtschaftswachstum lässt sich auch ohne oder mit wenigen Erwerbspersonen erzielen und somit eine Rentenversicherung finanzieren. Die zeiten in denen Gesellschaften von ihrer reproduktion abhingen sind vergangene Zeiten.

            Was nutzt es, wenn die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologen etwas Anderes preferieren als die wirtschaftliche Situation, in der die Kinder aufwachsen müssen.

            Das die Verhältnisse im Öd andere sind als auf dem freien Arbeitsmarkt, habe ich bereits angeführt.

  3. Ursula Prasuhn

    @Reni um 18:33
    Ihre Fragen erinnern mich an den ersten der fünf Punkte, die Dale O’Leary als Gender Agenda angibt. Er lautet:
    „In der Welt braucht es weniger Menschen und mehr sexuelle Vergnügungen. Es braucht die Abschaffung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie die Abschaffung der Vollzeit-Mütter.“

    @dickebank
    Sie sagen: „Da kann die Politik wenig erreichen.“
    Das stimmt nicht. Eine Politik, die elterliche Erziehung finanziell vernachlässigt und obendrein schlechtredet, staatliche Betreuung dagegen in den Himmel hebt und mit Milliarden subventioniert, erreicht enorm viel – allerdings nicht im Sinne von Müttern und Vätern, die ihre Kinder aus guten Gründen in den ersten Lebensjahren selbst betreuen wollen.
    Wenn dann noch ein Rentensystem hinzukommt, das berufliche Ausfallzeiten bestraft und mit Altersarmut droht, steht die Ampel für staatliche Erziehung vollends auf Grün und die für elterliche auf Rot.
    Und da sagen Sie, die Politik könne wenig erreichen? Natürlich kann sie es, wenn sie denn nur will.
    In Ihrem Kommentar um 19:03 schreiben Sie, dass Kinderkriegen keine gesellschaftliche Aufgabe sei, sondern Privatsache. Das wäre richtig, wenn wir kein umlagefinanziertes Rentensystem hätten.
    Sie wissen ebenso gut wie ich, dass möglichst viele eigene Kinder und Enkel heute nicht mehr wie vor Urzeiten die Altersabsicherung von Eltern und Großeltern darstellen, sondern diese Aufgabe mit der Einführung eines staatlichen Rentensystems vergesellschaftet worden ist.
    Die Kinder der Familie von Hutten zahlen also in den allgemeinen Rententopf, wovon die eigene Mutter nichts hat außer einer späteren Rentenlücke durch ihre Erziehungszeit und fehlenden Berufsjahren.
    Kinderlose Doppelverdiener profitieren am meisten von dem, was Sie zur Privatsache erklären, denn schon während ihrer Berufszeit ging es ihnen finanziell besser als Ehepaaren mit Kindern und der fremde Nachwuchs sorgt auch noch für ihr Alter – ist also keineswegs Privatsache der Eltern.

    Auf Ihren Beitrag um 21:52 auch noch einzugehen, erspare ich mir, obwohl er meiner Meinung nach hinten und vorne nicht stimmt.

    • @ Frau Prasuhn
      Ihren Kommentar kann ich voll unterstreichen. Sie haben sehr klar aufgeschlüsselt, was ich ebenso denke. Eine kleine Anmerkung zu den kinderlosen Doppelverdienern oder auch Singlehaushalten: Sie zahlen die meisten Steuern, also irgendwo müssen sie schon auch finanziell „bluten“. Dennoch sind sie im Alter zumindest ein Stück weit abgesichert, wie sie schon schrieben, ermöglicht durch den Nachwuchs anderer.
      Allerdings wissen wir auch, dass die Altersversorgung immer schwieriger wird, da der Generationenvertrag so, wie er vorgesehen ist, aufgrund der Gesellschaftsentwicklung schlecht funktionieren wird. Ob die Lust am Kinderkriegen durch den Ausbau von Kitas enorm gesteigert wird (statt die andere Variante, wie wir am obigen Beispiel sehen, zu bevorzugen), das bleibt abzuwarten und da hege ich meine Zweifel.

      • Zu meinem Kommentar 8.5. 23:06
        Ich meinte die Antwort zu „dickebank“. In Bezug auf Gender habe ich eine andere Meinung, aber das ist Ihnen ja bereits durch andere Beiträge meinerseits bekannt.

      • Läuft letztendlich aber auf ein bedingungsloses Grundeinkommen hinaus. Wofür die Staatsknete gezahlt wird ist dann ja zweitrangig.

        Ich bin aber dennoch der Meinung, dass weniger der Staat bzw. die Gesellschaft als die Wirtschaftsunternehmen in die Familienleistungen über entsprechde Tarifverträge eingebunden werden müssen.

        Betriebskindergarten, Freistellung bei Betreuungsproblemen etc.

    • Nur bin ich als Steuerzahler nicht bereit, das zu finanzieren. Elternschaft ist Privatsache. Folglich selbst zu finanzieren. Unterstützung in Form von Elterngeln, Kindergeld oder Kinderfreibetrag ist ausreichend „Staatsknete“, der Rest ist aus eigenem Einkommen zu finanzieren.

  4. Der vor gut 2 Jahren pensionierte Sozialrichter Jürgen Borchert tritt für eine Bürgerversicherung ein, in der die Menschen entsprechend ihrer Kinderzahl weniger oder mehr einzahlen. Denn eine Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern und Durchschnittseinkommen werde jetzt schon „finanziell stranguliert“. Er warnt: „Da herrscht ein höllischer ökonomischer Stress, der auch emotional durchschlägt.“
    Ich denke auch, dass Kinder nicht nur Privatsache sind, sondern auch wichtig für Staat und Gesellschaft. Auch darum sollten sie seelisch und körperlich gesund aufwachsen und eine gute Schulbildung erfahren.
    Wie „ysnp“ gehöre ich zu den Anhängern einer elterlichen Betreuung, zumindest in den ersten drei Lebensjahren. Es geht, soweit ich weiß, auch eine andere Person, Hauptsache das Kind kann sich an sie binden. Bildung in den ersten Lebensjahren, so sagen Kinderärzte und Psychologen, sei Bindung und alles, was damit an Lerneffekten zusammenhängt.
    Krippe kann das nicht bieten. Bei untersuchten Krippenkindern wurde ein signifikant erhöhter Wert des Stresshormons Cortisol festgestellt, der für eine gesunde Entwicklung bestimmt nicht gut sein kann.

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