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Panini-Album: Immer mehr Schulen verbieten Kindern das Tauschen der Fußball-Bilder auf dem Schulhof

SOLINGEN. Im Werk des italienischen Sammelbildchen-Herstellers Panini in Modena laufen die Druckmaschinen derzeit auf Hochtouren: Angeblich bis zu acht Millionen Tütchen mit Aufklebern von Spielern der Nationalmannschaften, die an der bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft teilnehmen, werden dort täglich produziert. Mitunter zum Ärger für deutsche Schulen.

Im Tauschrausch: Das Sammeln von Panini-Fußball-Bildern beschäftigt kurz vor der EM Hunderttausende von Kindern in Deutschland (Archivbild). Foto: Silveira Neto / flickr (CC BY-SA 2.0)

Im Tauschrausch: Das Sammeln von Panini-Fußball-Bildern beschäftigt kurz vor der EM Hunderttausende von Kindern in Deutschland (Archivbild). Foto:
Silveira Neto / flickr (CC BY-SA 2.0)

Professor Ehrhard Behrends, Mathemathiker an der FU Berlin, hat ausgerechnet, wie teuer es wahrscheinlich ist, das Panini-Album mit seinen 680 freien Plätzen vollständig mit gekauften Bildern zu bestücken. Er kommt in seiner Rechnung einem Bericht der „Deutschen Welle“ zufolge auf durchschnittlich 961 Pakete á fünf Bilder, die jeder Sammler kaufen müsste – das wären 4.805 Sticker. Bei einem Einzelpreis von 70 Cent pro Päckchen käme so die stolze Summe von 672,70 Euro zusammen. (Diese hohe Summe basiert dem Bericht zufolge auf der Wahrscheinlichkeitstheorie. Das erste Tütchen, das man kauft, enthält zu 100 Prozent Bilder, die noch fehlen. Auch beim zweiten Päckchen ist die Wahrscheinlichkeit noch sehr gering, dass es die gleichen Bilder sind wie beim ersten. Beim letzten Sticker allerdings benötigt man durchschnittlich 680 Versuche, um den fehlenden zu bekommen.) Kein Wunder also, dass vor allem Kinder – Hauptzielgruppe des italienischen Verlags – sich um Tauschpartner bemühen, mit deren Hilfe sich das Album wesentlich kostengünstiger befüllen lässt.

Und hier fängt der Ärger an. Immer mehr (Grund-)Schulen verbieten in diesen Tagen ihren Schülern den Handel auf dem Schulhof. „Sammelbilder haben in der Schule grundsätzlich nichts zu suchen“, sagt die Konrektorin einer Grundschule im rheinischen Solingen dem „Solinger Tageblatt“. „Das gibt immer wieder Anlass zu Auseinandersetzungen, etwa wenn Bilder verschwinden.“ Die Leiterin einer anderen Grundschule dort lehnt das Sammeln der Panini-Aufkleber in der Schule vor allem ab, weil sozial schwächere Kinder benachteiligt würden. „Die Bilder haben ja nicht nur einen ideellen, sondern auch einen materiellen Wert.“

Ähnliche Töne kommen aktuell aus Bayern: „Spielsachen haben in der Schule nichts verloren. Die Kinder zocken um die Bilder, streiten sich und es kostet viel Zeit, all diese Konflikte wieder zu schlichten“, so begründet eine Grundschulrektorin das Verbot gegenüber der „tz“. Nur am Freitag, wenn auch im Hort und im Förderzentrum Spieletag sei, dürften die Kinder Alben und Bilder mitbringe. Auch an einer Grund- und Mittelschule in Unterhaching sind die Bilder verboten. Die Leiterin erklärt: „Da gibt es ganz geschickte Kinder. Die verdienen sich viele Karten. Das führt zu Streit, und dann beschweren sich die Eltern, weil ihre Kinder abgezockt wurden.“

Es gibt allerdings auch andere Stimmen. An einer dritten Grundschule in Solingen, so berichtet das „Tageblatt“, seien Fußballbilder erlaubt – und zwar ausdrücklich. Sogar einen Elternbrief habe es zu dem Thema gegeben. Der Umgang beim Tauschen würde die soziale Kompetenz erweitern, so habe es darin geheißen. Sollte es Streit zwischen Schülern geben, seien die Lehrer angehalten, das Thema aufzugreifen und die Kinder bei der Konfliktbewältigung zu unterstützen.

Dass allerdings der Verlag Gratis-Sammelalben (natürlich leere) an Grundschulen verschickt haben soll, ging dann auch den Behörden zu weit. „Die Panini-Alben und Bilder sind Werbung, die nicht schulischen Zwecken dient. Diese ist laut Schulgesetz grundsätzlich unzulässig“, erklärte ein Sprecher der Bezirksregierung Düsseldorf gegenüber der „Westdeutschen Zeitung“. Auch Leitungen von betroffenen Schulen hätten sich darüber geärgert, dass Panini die Sammelhefte unaufgefordert geliefert habe. „Den Eltern soll das Geld aus der Tasche gezogen werden, das ist ja wohl klar“, sagt die Leiterin einer Neusser Schule. Schließlich bleibe es nicht bei einem leeren Heft, die Kinder würden „angefixt“, die teuren Aufkleber zu kaufen. Dennoch habe sie die Hefte nicht einfach komplett an den Absender zurückgeschickt, erklärt sie. Stattdessen wurde eine salomonische Lösung gewählt: „Wir haben das im Kollegium besprochen und entschieden, die Alben an diejenigen Kinder weiterzugeben, die eine Einverständniserklärung der Eltern mitbringen.“ News4teachers

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