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Philologen zu missglücktem Mathe-Abi: „Heiligenstadts Maßnahmen führen zu großen Ungerechtigkeiten“

HANNOVER. Scharfe Kritik hat – wieder einmal – der Philologenverband Niedersachsen an den Reaktionen von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) auf das missglückte Mathe-Abitur geübt. Die vor dem Kultusausschuss des Landtages vom Kultusministerium bekundete Auffassung, dass die getroffenen Maßnahmen von den Schulen „als sehr großzügig“ empfunden würden, träfen nicht zu, erklärte jetzt der  Verbandsvorsitzende Horst Audritz – das Gegenteil sei der Fall, wie aus den zahlreichen Zuschriften, die täglich beim Philologenverband von Lehrern, Eltern und Schülern eingingen, zu ersehen sei. An den Äußerungen zeige sich einmal mehr, dass die Bereitschaft fehle, die „groben Schnitzer“ einzugestehen, die durch die missglückten Aufgabenstellungen im Mathe-Abitur entstanden seien. Stattdessen würden die konzeptionellen Mängel der Aufgabenstellungen immer noch unter den Teppich gekehrt und die Folgen dieses „Abitur-Desasters“ heruntergespielt.

PHeiligenstadt senkt Bewertungsmaßstab für missratene Mathe-Abiprüfungen um 12,5 Prozent

Hat Ärger mit dem Zentralabitur:
Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt kündigt ein neues Schulgesetz an. Foto: SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag

Die von der Ministerin angeordnete Maßnahme, den Bewertungsmaßstab durch prozentuale Absenkung der Bewertungseinheiten zu ändern, löse die Probleme nicht, so meinen die Philologen, da sie zu einer eklatanten Ungleichbehandlung der Schüler führe. So würden auf diese Weise die Ergebnisse „guter“ Schüler um bis zu drei Notenpunkte hochgesetzt, während die „schwächeren“ Schüler höchstens einen Punkt mehr bekämen oder aber sogar ganz leer ausgingen und damit – entgegen der Aussagen des Ministeriums – von der Änderung des Bewertungsmaßstabs kaum oder gar nicht profitieren könnten.

Laut Audritz müsse man sich fragen, „warum die Kultusministerin weiterhin die politische Verantwortung, die sie selbstverständlich für die missglückte Aufgabenstellung im Mathe-Abitur sowie die Nachteile für schwächere Schüler bei der Änderung der Bewertung hat, nicht endlich übernimmt, obwohl ihr weit und breit bestätigt werde, dass das Krisenmanagement des Ministeriums eine einzige Katastrophe ist“. n4t

Zum Bericht: Heiligenstadt senkt Bewertungsmaßstab für missratene Mathe-Abiprüfungen um 12,5 Prozent

 

10 Kommentare

  1. Lieber Herr Audritz, natürlich profitieren die guten Schüler mehr von der Herabsetzung als schwächeren, weil beim hohen Punktebereich die Notenstufen näher beieinander sind und bei vielen Punkten der Abstand zum Maximum relativ geringer ist. Die sehr guten profitieren übrigens so gut wie garnicht von der Herabsetzung, weil sie schon ganz oben sind …

    Was wäre Ihnen denn lieber gewesen? Alle Schüler pauschal zwei Notenpunkte hochstufen? Dann bekämen die Mathe-Analphabeten an Stelle einer 5+ eine glatte 4, also kein Defizit mehr. Ja, auch ohne Ahnung von der Materie sollte eine 5+, also etwa 1/3 der Punkte, möglich gewesen sein.

  2. hilfreich wäre zunächst ein Beispiel für ein GUT und eines für AUSREICHEND – wer kann weiterhelfen ? Dank schon jetzt dafür

  3. @flunra39
    Es ist komisch, aber ich könnte schwören, dass die genaueren Details zunächst in diesem Artikel zu finden waren, aber dann entfernt worden sind.
    Bei der Bewertung geht esl allgemein nicht so zu, wie xxx das hier beschreibt oder befürchtet.
    Die Notenstufen liegen in keinster Art und Weise unterschiedlich weit beieinander. Vielmehr sind die einzelnen Bereich alle gleich groß.
    Bei der Herabsetzung der Matheklausur hat man nun einfach die Höchstpunktzahl nach unten versetzt, aber die Bepunktung der Aufgaben gleich gelassen. Das heißt, dass die Höchstpunktzahl nun 87,5% der Gesamtpunktzahl entspricht. Ausgehend von dieser neuen Höchstpunktzahl wurde dann ein Raster mit gleich großen Abständen für die einzelnen Notenbereich geschaffen.
    Die Argumentation der Philologen ist nun, dass dadurch im Vergleich die Bereiche unterschiedlich stark verschoben worden sind.
    Sagen wir zum Beispiel, man brauchte vorher 85% für eine 1, so waren das bei maximal 150 Punkten 128.
    Brauchte man für eine glatte 4 50%, so waren das 75 Punkte.
    Durch die Herabsetzung der Maximalpunktzahl sind dann die neuen Grenzen 111 ( -17 Punkte) und 66 (-9 Punkte). Dadurch profitieren gute Schüler stärker von der Absetzung als schwächere, weil im Umkehrschluss die guten Schüler schneller in einen besseren Bereich rutschen als die schwächeren.

    • Das sind sie definitiv nicht. Die Punkteverteilung ist eigentlich egal, es geht um die Punktebereiche, die erreicht werden müssen. Und die sind prozentual vorgegeben.

      Bsp.: (diesjährige ZP10 Mathe-HSA für NRW)

      0-10 Punkte ungenügend
      11-26 Punkte mangelhaft (ab 18%)
      27-35 Punkte ausreichend (ab 44%)
      36-44 Punkte befriedigend (ab 59%)
      45-52 Punkte gut (ab 74%
      53-61 Punkte sehr gut (ab 87%

      Sieht beim Mathe-Abi nicht anders aus.

      • „Das sind sie definitiv nicht.“ Was meinen Sie damit?
        Ihre Ausführungen ergeben in dieser Form keinen Sinn, weil sie den meinen nicht widersprechen und keinen weiteren Aufschluss über den Grund für Ihre „Verneinung“ bieten.

        • Zitat: „Die Notenstufen liegen in keinster Art und Weise unterschiedlich weit beieinander. Vielmehr sind die einzelnen Bereich alle gleich groß.“

          Eben nicht.

          • Ok, genau genommen liegen Sie richtig. Ich habe mich auf die Noten 1, 2, 3 und 4 bezogen. Diese sind so ausgelegt, dass sie jeweils gleich groß sind. In ihrem Beispiel haben sie eine ungefähre Breite von 8 Punkten. Sie sind so ausgelegt, dass man ab circa 45% eine 4 erreicht.
            Beim Abitur sind sie alle circa 15% breit. Man bekommt ab 85% eine 1, ab 70% eine 2, ab 55% eine 3 und ab 40% eine 4.
            Die Bereiche für die 5 und 6 unterscheiden sich davon.
            Meine weiteren Ausführungen des ersten Kommentars sind aber weiterhin korrekt.

          • mehrnachdenken

            Ab 40% oder 45% eine Vier? DAS IST JA GERADEZU LÄCHERLICH!!!!!

            In meiner Lehrerzeit hieß Eins ab 95% und Vier mindestens 50%.

            Der „Sinkflug“ scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Nein, er beschleunigt sich noch in rasantem Tempo!!

          • Die 40%, teilweise 38% beziehen sich auf die 4-. Zum Bestehen des Abiturs braucht man mindestens eine glatte 4 (um 45%). Diese Prozentzahlen sind auch vom Dezernat vorgegeben. Bei den Vorgaben für Klassenarbeiten kann man als Lehrkraft für die 4 zwischen 40% und 50% der Punkte ansetzen, je nach Thema, Gesamtpunktzahl und Klasse eher bei 40% oder bei 50%. Es empfiehlt sich allerdings, etwas strenger als in den Abschlussprüfungen zu werten, damit den Schülern die Abschlussprüfung leichter erscheint. An der Uni bedeutet „bestanden“ meistens 50% der Punktzahl, was im Abitur einer 4+ entspräche.

    • @PeterPan314 um 16:02: Ich habe mich etwas missverständlich ausgedrückt: Der hohe Notenbereich ist alles ab 4-, in dem die Notenstufen in der Tat näher aneinanderliegen als bei Note 5 und 6. Ansonsten haben Sie natürlich recht.

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