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Wenn der Dreck zum Himmel stinkt: Sollen Schüler ihre Schule selbst putzen?

KREFELD. Schüler eines Krefelder Berufskollegs wollen nicht länger hinnehmen, dass ihre Schule im Schmutz erstickt. Sie haben einen Brandbrief an den Schulträger, die Stadt, geschrieben, in dem sie sich über die mangelhafte Sauberkeit in Fluren und Klassenräumen beschweren. Und sie wollen jetzt selbst zur Tat schreiten – und im Rahmen einer großen Putzaktion die gewaltigen 17.000 Quadratmeter Fläche der insgesamt 125 Räume in dem Komplex schrubben. Das führt zu der Grundsatzfrage: Wie sehr sollen Schüler (und Eltern sowie Lehrkräfte) mithelfen, das Schulgebäude in Schuss zu halten?

Den Schülern reicht es, im Dreck lernen zu müssen. Foto: micagoto / flickr (CC BY-NC 2.0)

Den Schülern reicht es, im Dreck lernen zu müssen. Foto: micagoto / flickr (CC BY-NC 2.0)

Das Thema ist ein Dauerbrenner. Immer wieder versuchen Städte, die Kosten für die Reinigung ihrer Schulen zu drücken. In Krefeld waren die Schüler eines Berufskollegs nun so empört über die mangelnde Leistung des Putzdienstes und die damit verbundene untragbare Verschmutzung des Gebäudes, dass sie ihrem Ärger jetzt in einem geharnischten Beschwerdebrief an die Verantwortlichen bei der Stadt Luft machten. „Der Dreck sitzt fest und es ist einfach ziemlich widerlich“, schreiben die Schüler einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge. Und: „Viele Mitschüler werden als Erzieher und für Gesundheitsberufe im Fach Hygiene ausgebildet: dies in einer Schule, die selbst immer mehr verdreckt.“ Kurz vor den Sommerferien wollen die rund 3000 Schüler des Berufskollegs sich nun der Grundreinigung anzunehmen. Die müsste eigentlich von der Firma geleistet werden, die eine zum Schuljahresbeginn erfolgte Ausschreibung der Stadt für die Reinigungsleistungen mit ihrem überaus günstigen Angebot gewonnen hat.

Aber das hat offenbar seinen Preis, wie die Schulleiterin – die die Schüler unterstützt und selbst schon einige Beschwerden an die Verwaltung abgesetzt hat – gegenüber dem Blatt berichtet. „Eine neue Firma hat unser bewährtes Team von Reinigungskräften übernommen,  und plötzlich war alles anders: Die Frauen haben seither keine vernünftigen Materialien mehr, die man braucht, um eine Schule dieser Größe sauberzumachen, nicht mal Handschuhe oder Müllbeutel.“ Die kaufe inzwischen der Förderverein der Schule aus Mitleid mit dem Reinigungspersonal. Müllbeutel seien aus Mangel an Nachschub ausgeleert und wiederverwendet worden. Wo zuvor mit Maschinen die langen Flure gereinigt wurden, müsse heute Muskelkraft und ein Wischmopp reichen. „Und gleichzeitig sind die Stunden gekürzt worden. Heißt: weniger Zeit und weniger, oder genauer gesagt, gar keine technischen Hilfsmittel mehr. Was dabei rauskommt, kann man sich leicht ausrechnen.“

Kann man. Aber: Ist es richtig, dass Schüler (oder Eltern oder Lehrkräfte) Aufgaben übernehmen, die klar zum Aufgabenkatalog des Schulträgers gehört? Oder ist es sogar wünschenswert, wenn sich die am Schulleben beteiligten auch selbst mit um den Erhalt des Schulgebäudes kümmern? „Kinder zur Sauberkeit und Ordnung in der Schule anhalten, ja, sie als regelmäßige Reinigungskräfte einsetzen – nein!“ Das erklärte der Stadtelternrat Hannover, nachdem die dortige Verwaltung vor zwei Jahren vorgeschlagen hatte, dass Schüler künftig selbst ihren Klassenraum putzen sollten. In der Schule sollten Kinder etwas lernen, aber das sollten nicht gerade Wischen und Staubsaugen sein. „Reinigungsleistungen gehören nicht zu den Pflichten der Schüler, dafür muss geeignetes Personal eingesetzt werden“, erklärte eine Elternvertreterin gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

Gemeinsames Putzen in der Schule sei gut für Kinder  – meint hingegen der Schulminister von Singapur, Ng Chee Meng, laut einem Bericht des „Stern“. „Die Kinder in tägliche Aktivitäten einzubinden, ist ein sehr guter Weg für sie, persönliche und soziale Verantwortung zu lernen. Sie haben daran sogar Spaß und lernen nebenbei gutes Benehmen“, sagt er. Hintergrund: In Singapur, einem der Spitzenreiter bei der letzten PISA-Studie, soll bis Ende des Jahres in allen Grund- und weiterführenden Schulen eine tägliche Putzeinheit eingeführt werden. Gereinigt werden sollen von den Schülern (unter Aufsicht der Lehrkräfte) Klassenräume und Korridore, nicht jedoch die Toiletten.

Die Stadt Krefeld hat unterdessen beschlossen, künftig mehr Geld für die Schulreinigung zur Verfügung zu stellen. News4teachers

5 Kommentare

  1. Ordnungsdienst (Fegen des Klassenraumes, Putzen der Tafel u.ä.) halte ich für sinnvoll, schon damit die Schüler lernen, auch den Dreck von anderen aufzuräumen, ggf. auch etwas gründlicher vor dem Tag der offenen Tür. Bei allem anderen sage ich nein, das ist Aufgabe der Stadt. Die Stadt hat allerdings auch eine Reinigungsfirma zu engagieren, die ihr Personal vernünftig ausstattet und bezahlt. Das verbietet allerdings ein Gesetz, das Städte dazu zwingt, das „beste“ d.h. günstigste Angebot anzunehmen.

  2. Als Lehrer an einer Realschule höre ich immer wieder maulende Schüler, die sich über den Ordnungsdienst, den sie verrichten müssen, beschweren. Auf den Hinweis, dass man selber auch für die Ordnung zuständig ist, reagieren die Schüler mit Unverständnis.
    In meinen Technikraum müssen die Schüler immer alles pikobello aufräumen, vorher dürfen sie nicht gehten. Es gibt dabei Kurse, wo das ohne Probleme klappt und ebenso welche, wo es nur mit Druck funktioniert.
    Solange Mama zu Hause immer alles hinter den Kindern wegräumt und diese nichts machen müssen, solange
    haben wir verdreckte und unsaubere Schulen. Erst wenn die Eltern wieder Wert auf Sauberkeit (nicht Sterilität!) setzten, und dann die Schüler diese Sauberkeit auch in der Schule leben, erst dann haben die Mitarbeiter des Reinigungsteam eine Chance, innerhalb der vorgegebenen Zeit die Schule zu reinigen.
    Eine saubere Schule kann nur über die Erziehungsarbeit (und dem Erziehungsauftrag) der Eltern erreicht werden

  3. Wenn die Schule (ganztags) mehr und mehr klassische Eltern-Aufgaben übernimmt, wäre es folgerichtig, dass dazu auch das Einüben in alltägliche Hygiene (vulgo: Putzen) gehört.

  4. Intervallreinigung heißt das Zauberwort. Hierdurch lässt sich der Preis für die reinigung stark senken. Der Zustand der Räume wird dadurch allerdings nicht besser – unabhängig davon, ob die SuS den Ordnungsdienst versehen oder nicht.

    Ebenso (un)erfreulich der Zustand der Toiletten. Bei der Berechnung gibt es bauliche Vorschriften, so muss eine Toilette im Umkreis von 100 Metern in öffentlichen Gebäuden in NRW erreichbar sein. Diese muss innerhalb der 100 Meter nicht auf derselben Etage sein. Es ist also zulässig eine Mädchen-Toilette auf der einen und eine Jungen-Toilette auf der nächsten Etage zu haben. Ferner gilt für Schulen, dass die Außentoiletten vom Pausenhof zu erreichen sein müssen. Darüber hinaus muss es Toiletten innerhalb des Gebäudes geben.

    Bei der Ermittlung der notwendigen Anzahl von Urinalen und WCs können die Planer auf entsprechnde Vorgaben zurückgreifen. Das Problem besteht allerdings in der Nutzungsfrequenz. Während in allen anderen öffentlichen Gebäuden die Nutzer der Sanitärräume sich über die gesamte Öffnungsszeit mehr oder weniger gleichmäßig verteilen, gibt es an Schulen bedingt durch die festgelegten Pausenzeiten eine punktuelle Nutzung der Anlagen. Diese wird aber bei der Bedarfsermittlung nicht berücksichtigt.

    An einer Schule mit 1300 SuS gibt es also während der Pausenzeiten (zweimal 20 Minuten) 16 WC-Kabinen für die Mädchen und 8 WC-Kabinen sowie 8 Urinale für die Jungen. Wenn also die Hälfte der Schülerschaft weiblich ist und etwa 40% der Mädchen während der Pausenzeiten auf die Toilette gehen, dann benutzen ca. 260 Mädchen eine der 16 „Stillen Örtchen“. Deren Verfügbarkeit beträgt aber nur 640 Minuten (2*20 min*16 WCs). Das „Durchschnittsgeschäft“ darf somit nicht länger als rd.148 Sekunden dauern – also knapp zweieinhalb Minuten.

    Zum Glück sind die hygienischen Verhältnisse von Schultoiletten dergestallt, dass es da niemand zweieinhalb Minuten aushält.

    • Nicole Rostock

      Da muss ich leider widersprechen. Es gibt in den Reinigungsfirmen kaum ausgebildetes Personal. Fehlendes Fachwissen, mangelnde Eigenstruktur bzw. Einteilen der Arbeit plus zu wenig Arbeitszeit kommt es zu einer Überforderung der Reinigungskräfte. Man sollte sich überlegen, dass es sich hier eigentlich um einen Ausbildungsberuf handelt und nur wenige Kräfte richtig mit den Reinigern und Material umgehen können. Oft werden wegen Mängel die Firmen gewechselt und dann aus Bequemlichkeit die Reinigungskräfte der Vorfirma übernommen und dann wieder bis zum Firmenwechsel durchgezogen, weil es keinen geeigneten Ersatz gibt. Folglich ist und bleibt es ein Ärgernis. Und wenn man bedenkt, dass es sogar ein Klagerecht gibt wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz gibt könnte man der Sache mit einer Klage begegnen, denn es ist erwiesen, dass Sauberkeit eine Vielzahl der Krankheiten verhindert und somit eine gute Reinigungskraft sehr wichtig für die allgemeine Gesundheit ist. Krätze kann durch Sauberkeit zu 100% eingedämmt werden 😉

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