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Zahnprophylaxe: Krankenkassen sehen Löcher im Vorsorgenetz

ERFURT. Zweimal jährlich kommt der Schulzahnarzt, so ist es Standard an Grundschulen. Doch die dünne Personaldecke der Thüringer Gesundheitsämter gefährdet eine ausreichende Kariesvorsorge, warnen Krankenkassen.

Die bislang flächendeckende Zahnvorsorge bei Schulkindern durch die Gesundheitsämter bekommt nach Beobachtungen der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege erste Lücken. Zwar erreichten die Vorsorgeuntersuchungen durch Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes noch fast alle Grundschüler, sagte Geschäftsführerin Heike Eicher. Nach Angaben von gesetzlichen Krankenkassen erhält aber nur noch knapp die Hälfte der Thüringer Grundschüler mindestens zweimal jährlich in der Schule eine Gruppenprophylaxe, bei der das Zähneputzen trainiert und bei Bedarf eine besondere Fluor-Behandlung erfolgt. Der Landesverband der Ersatzkassen (Vdek) hält die Situation in den Landkreisen Hildburghausen und Greiz für besonders kritisch.

Nur noch die Hälfte der Grundschüler in Thüringen trainiert gemeinsam das Zähneputzen. Foto: adwriter / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Nur noch die Hälfte der Grundschüler in Thüringen trainiert gemeinsam das Zähneputzen. Foto: adwriter / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Hauptgrund für die Entwicklung ist nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft die dünne Personaldecke in Gesundheitsämtern der Landkreise und kreisfreien Städte, die vor allem Haushaltszwängen geschuldet sei. «Da entscheidet jeder Landrat und jeder Bürgermeister, wie viele Zahnärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst er sich leistet», sagte Eicher. Gleichzeitig nehme die Aufgabenfülle in den Gesundheitsämtern zu. Dort tätige Zahnärzte würden auch für andere Aufgaben, etwa das Schreiben von Gutachten, eingesetzt.

In manchen Kreisen wie Hildburghausen, Greiz und Nordhausen hätten die Grundschüler seit den Schuljahren 2013/14 teils gar keine Gruppenprophylaxe erhalten, kritisiert der Kassenverband Vdek. Für verbesserungswürdig hält er auch die Versorgung im Ilm-Kreis, im Kyffhäuserkreis, im Unstrut-Hainich-Kreis und im Weimarer Land. Eicher bemängelte, zahlreiche Schulen seien auch in der Ausstattung der Sanitäranlagen nicht auf Zahnputz-Übungen eingestellt.

Der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege gehören Vertreter von Zahnärzten, Krankenkassen, Land und Kommunen an. Die Krankenkassen finanzieren flächendeckende Prophylaxeangebote direkt in Schulen, Behinderteneinrichtungen und Kindergärten. Die Gruppenprophylaxe für Kinder bis 12 Jahre, teilweise auch Jugendliche bis 16 Jahre, ist als gesetzliche Leistung im Sozialgesetzbuch festgeschrieben. (dpa)

zum Bericht: Schlechte Zähne und Entwicklungsdefizite bei Erstklässlern – und zwar vor allem bei Kindern aus armen Familien

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