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Akt der Pietät: Schüler veranlassen Beerdigung für ihr Schulskelett

STOLBERG. Es klingt zunächst wie ein makabrer Scherz, zeugt aber in Wahrheit von menschlichem Respekt und beendet einen makabren Zustand. Im Kreis Aachen haben Schüler den Knochen einer Unbekannten Frau, die lange als Anschauungsmaterial im Unterricht dienten zu einer anonymen Bestattung verholfen. Echte Knochen kommen im Unterricht aber wohl nur noch selten zum Einsatz.

Generationen von Schülern an einem nordrhein-westfälischen Gymnasium kannten das Skelett aus dem Biologie-Unterricht: die Knochen einer Unbekannten. Für den Unterricht wurde es von einer Klasse in die andere getragen. «Es gab immer Schüler, denen das unheimlich oder unangenehm war», sagte Lehrerin Birgit Heck-Wattjes vom Ritzefeld-Gymnasium in Stolberg am Freitag. Nun hat die Unbekannte ihre letzte Ruhe gefunden, bei einer anonymen Beerdigung auf einem Stolberger Friedhof. Die 16 Jahre alten Schüler eines Religionskurses hatten den Vorschlag ihrer Lehrerin aufgegriffen und sich dafür eingesetzt, dass die Unbekannte beigesetzt wird.

Schüler eines Stolberger Gymnasiums haben dafür gesorgt, dass eine Unbekannte ihre letzte Ruhe bekam. (Symbolbild) Foto: CBS Fan / flickr (CC BY-SA 2.0)

Schüler eines Stolberger Gymnasiums haben dafür gesorgt, dass eine Unbekannte ihre letzte Ruhe bekam. (Symbolbild) Foto: CBS Fan / flickr (CC BY-SA 2.0)

Für Alina Ganser aus dem Kurs war es schon komisch, wenn sie mit dem echten Skelett Unterricht hatten. «Niemand wusste, was das für ein Mensch war», sagte die 16-Jährige. Der Überlieferung nach soll das Skelett aus Vietnam stammen, erzählt Biologie- und Religionslehrerin Heck-Wattjes. «Das ist ein weibliches Skelett, das sieht man an der Form des Beckens. Und es ist eine erwachsene Frau, das sieht man an den Zähnen. Sie ist ungewöhnlich klein.»

Nachdem die Schule ein Skelett aus Kunststoff angeschafft hatte, sollte die Unbekannte ihre letzte Ruhe bekommen. Das passte gut zum Thema Tod, Sterben, Auferstehung, das im Religionskurs gerade dran war. «Wir fanden das ziemlich cool», sagte Alina. Sie recherchierten und telefonierten mit der Stadt. «Die haben uns das erst nicht geglaubt», erzählte die Schülerin – und dann sicherheitshalber noch mal im Schulsekretariat angerufen.

Die Zusage der Stadt für eine anonyme Bestattung sei ein schöne Bestätigung für die Schüler gewesen, sagte Heck-Wattjes. Sie hätten das Skelett gemeinsam auseinandergebaut und in eine schön geschmückte Kiste gelegt. Dann gab es noch einen Abschiedsgottesdienst. «Uns ist mitgeteilt worden vom Schulamt, dass es auf einem bestimmten Friedhof hier in Stolberg beigesetzt worden ist», sagte die Lehrerin. «Aachener Zeitung» und «Aachener Nachrichten» hatten zuerst berichtet.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, sagte: «Echte Skelette an Schulen sind heute sicher der Ausnahmefall.» Er gehe davon aus, dass höchstens zehn Prozent der im Biologieunterricht eingesetzten Skelette echt seien. «Betroffenen Schulen empfehle ich, die Präparate nicht mehr einzusetzen. Immerhin handelt es sich um menschliche Überreste.» (dpa)

• zum Bericht: Kinder, die auf Leichen starren – Museum provoziert mit Anatomiekurs für Schüler

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