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Ermittlungen im „Mainzer Kita-Skandal“ endgültig eingestellt

MAINZ. Ein Jahr lang standen sechs Erzieherinnen und ein Erzieher aus Mainz unter einem schlimmen Verdacht. Sie sollen unter anderem nichts gegen Gewalt unter Kindern getan haben. Jetzt stellt die Staatsanwaltschaft fest: Die Vorwürfe lassen sich nicht belegen. Die Einstellung der Ermittlungen kommt aber für einige der zu Unrecht gekündigten Erzieherinnen wohl zu spät.

Die Vorwürfe waren schrecklich: Kinder einer katholischen Kita in Mainz sollen gezwungen worden sein, sich auszuziehen. Auch seien ihnen Gegenstände in den Po eingeführt worden. Ein Jahr danach steht fest: Es gibt keinerlei Beweis dafür. Zur Einstellung der Ermittlungen erklärte die Staatsanwaltschaft, wahrscheinlich beruhten die Vorwürfe «letztlich auf unbewusst suggestiv beeinflussten Befragungen von Kindern durch ihre Eltern».

Das Bistum Mainz hat die sofortige fristlose Kündigung sämtlicher Erzieher bedauert. Heiligen-Bildnis aus dem Diözesan-Museum Mainz. Foto: Holly Hayes / flickr (CC BY-NC 2.0)

Das Bistum Mainz hat die sofortige fristlose Kündigung sämtlicher Erzieher bedauert. Heiligen-Bildnis aus dem Diözesan-Museum Mainz. Foto: Holly Hayes / flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Ermittlungen gegen sechs Erzieherinnen und einen Erzieher der Kindertagesstätte in Mainz-Weisenau wurden daher jetzt endgültig eingestellt. Es hätten sich weder Beweise für eine Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht noch für andere Straftaten wie Körperverletzung ergeben, erklärte die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller.

Das Bischöfliche Ordinariat in Mainz hatte am 10. Juni vergangenen Jahres Strafanzeige gestellt. Demnach sei es in der Kita über Monate hinweg zu erheblichen sexuellen Übergriffen und herabwürdigendem sowie gewalttätigem Verhalten zwischen Kindern gekommen. Die Erzieher hätten pflichtwidrig nichts dagegen unternommen.

Die Ermittlungen ergaben lediglich Belege dafür, «dass sich Kinder im Rahmen selbst erfundener Spiele, aufgrund spielerischer Neckereien und Streiche oder von sonstigen alterstypischen kindlichen Verhaltensweisen freiwillig entblößt haben», erklärte die Ermittlungsbehörde. Oder dass «ihnen die Hose durch ein anderes Kind heruntergezogen wurde». Anhaltspunkte für Gewalt, Zwang oder Drohung gebe es dabei aber nicht.

Jedoch sei es zu anderem Fehlverhalten von Kindern gekommen, erklärte die Staatsanwältin und nannte «Schubsen oder Schlagen anderer Kinder im Streit, Beleidigungen oder das unerlaubte Wegnehmen von Süßigkeiten und Spielzeug des Kindergartens».

Die Ermittler nahmen insgesamt 91 Vernehmungen vor, darunter 33 Videoanhörungen von Kindern. Neben den Eltern wurden unter anderem ehemalige Erzieher der Kindertagesstätte und Praktikanten vernommen.

Sechs der sieben entlassenen Kita-Mitarbeiter hatten vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung geklagt. Drei der Kündigungen wurden inzwischen aufgehoben. Die betroffenen Erzieher sollen nun in anderen Einrichtungen des Bistums Mainz beschäftigt werden. Die Kita war im vergangenen Jahr geschlossen worden. Die Einrichtung soll im Oktober wieder geöffnet werden.

Das Bistum hat die sofortige fristlose Kündigung sämtlicher Erzieher bedauert. «Ich würde heute vor allem mit den Mitarbeitern einzeln sprechen, nicht nur in der Gruppe, und außerdem eine Freistellung auf Zeit aussprechen statt einer fristlosen Kündigung», sagte Dietmar Giebelmann, kommissarischer Leiter des Bistums Mainz. (dpa)

zum Bericht: Erzieherinnen zu Unrecht entlassen? Keine Belege für angebliche sexuelle Übergriffe unter Kindern in Mainzer Kita

Ein Kommentar

  1. Für die kath. Kirche war die Geschichte – angesichts der vorherigen Skandale und Skandalisierungen – eine klassische Doppelbindung. Wer nicht in Twitterreaktionszeit „schonungslos“ handelt, gilt als Vertuscher(in?). Wer schnell reagiert, tut dies wie all die Berichterstatter aufgrund vorläufiger Erkenntnisse. Diesen Weg hat die Kirche gewählt und dabei klassisch ins Klo gegriffen. Beteiligen sich die Zeitungen und Sender finanziell an der Wiedergutmachung für die geschädigten Erzieherinnen?

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