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Immer mehr Kinder bekommen Psychopharmaka – im Schnitt sitzt ein betroffener Schüler in fast jeder Klasse

KÖLN. In Deutschland werden mehr Kindern und Jugendlichen Medikamente gegen psychische Leiden verschrieben. Im Schnitt sitzt in fast jeder Klasse in Deutschland ein betroffener Schüler. Warum ist das so? Die Antwort ist kompliziert.

Immer mehr Kinder in Deutschland bekommen Medikamente wegen psychischer Probleme. Foto: Greg Westfall / Flickr (CC BY 2.0)

Immer mehr Kinder in Deutschland bekommen Medikamente wegen psychischer Probleme. Foto: Greg Westfall / Flickr (CC BY 2.0)

Immer mehr Kindern und Jugendlichen werden Psychopharmaka verschrieben. Das geht aus einer Untersuchung von Kölner Forschern hervor, die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde. So wurden 2012 etwa 27 von 1000 Heranwachsenden Medikamente wie Antidepressiva oder Ritalin verschrieben – 2004 waren es noch 20.

Warum der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die mindestens ein Psychopharmaka-Rezept ausgestellt bekamen, derart angestiegen ist, geht aus der Studie nicht eindeutig hervor. Die Gründe «können vielfältig sein», sagen die Forscher. Es gebe jedenfalls keine Hinweise darauf, dass 2012 mehr Kinder unter psychischen Problemen gelitten hätten als in den Jahren zuvor.

Die Zunahme der Verschreibungen ist den Forschern zufolge weniger darauf zurückzuführen, dass mehr Kinder und Jugendliche zum ersten Mal mit einer Therapie anfangen. Stattdessen wurden speziell Heranwachsende, die bereits eine Therapie mit Medikamenten hinter sich hatten, vermehrt erneut mit Psychopharmaka behandelt.

Daraus könne man jedoch nicht ableiten, dass die Heilungschancen der therapierten Heranwachsenden schlechter geworden seien, sagte Ingrid Schubert von der Universität Köln, die an der Studie mitgearbeitet hat. «Soweit würde ich nicht gehen. Man könnte auch sagen, die Kinder und Jugendlichen werden vielleicht vernünftiger, weil konsequenter, behandelt.»

Besorgniserregend findet die Wissenschaftlerin allerdings, dass die Zahl der Kinder-Behandlungen mit Antipsychotika zugenommen hat. «Das sind zum Teil sehr stark wirkende Medikamente, die bei Schizophrenie eingesetzt werden», sagte sie am Dienstag. Schubert und ihre Kollegen fordern gerade bei Antipsychotika zusätzliche Leitlinien für Ärzte. Zudem müsse ein kritisches Bewusstsein geschaffen werden. Psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen müssten frühzeitig erkannt werden, damit ihnen mit sozialen oder pädagogischen Maßnahmen entgegengewirkt werden könne, bevor Medikamente nötig werden.

Schubert und ihr Team werteten die Daten von über 4 Millionen gesetzlich Versicherten im Alter von null bis 17 Jahren aus. Nach Angaben der Forscherin gebe es bei rund 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. dpa

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