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Muslimische Lehrerinnen: Trotz Erlaubnis ist das Kopftuch immer noch eine Seltenheit

Ein Jahr nach Abschaffung des Kopftuchverbots unterrichten kaum Lehrerinnen mit Kopfbedeckung – zumindest in  Niedersachsen. Allerdings interessierten sich verstärkt muslimische junge Frauen für das Studium zur islamischen Religionslehrerin, teilte der Beirat für den islamischen Religionsunterricht in Hannover mit. Der seit 2013 als Regelfach angebotene Unterricht soll vom kommenden Schuljahr an auf die siebte Klasse ausgedehnt werden, Voraussetzung sind nach Angaben des Kultusministeriums genügend interessierte Schüler und verfügbare Lehrer.

Nachdem das Bundesverfassungsgericht ein pauschales Verbot von Kopftüchern im März 2015 gekippt hatte, erlaubte Niedersachsen Lehrerinnen das Tragen der Kopfbedeckung per Erlass in aller Regel. Nur wenn der Schulfrieden durch eine Lehrerin mit Kopftuch konkret gefährdet ist oder die staatliche Neutralität in Gefahr ist, kann die Schule über ein Verbot nachdenken. Für Konfliktfälle hatte die CDU in dieser Woche die Schaffung einer Clearingstelle bei der Landesschulbehörde gefordert, an die Schüler, Eltern und Lehrer sich direkt wenden können. Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) hatte sich offen für den Vorschlag geäußert.

Sollen muslimische Schülerinnen ein Kopftuch tragen dürfen? Foto: wahyucurug / pixabay (CC0)

Da war die theoretische Debatte brisanter als die Praxis – nur eine Handvoll Lehrerinnen wollen mit Kopftuch an die Schulen. Foto: wahyucurug / pixabay (CC0)

«Es gibt keinen Ansturm von Muslimen mit Kopftuch, die den Lehrerberuf ausüben wollen», sagte die stellvertretende Landesvorsitzende der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Emine Oğuz. «Da hat sich überhaupt noch nichts verändert.» Ihr seien nur eine kleine Handvoll Lehrerinnen mit Kopftuch bekannt. Im Bereich des islamischen Religionsunterrichts habe sich noch niemand gemeldet, der nun mit der Kopfbedeckung unterrichten wolle.

«Das wird relativ unkompliziert gehandhabt. Lehrerinnen, die mit Kopftuch unterrichten, werden eingestellt», sagt Annett Abdel-Rahman, die für den Landesverband der Muslime (Schura) im Beirat für den islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen sitzt. «Wir haben jetzt wesentlich mehr Studierende an der Universität in Osnabrück, die islamische Theologie studieren wollen, weil sie wissen, dass sie mit Kopftuch unterrichten können.»

Wegen eines Mangels an islamischen Religionslehrerinnen hatten die beiden Verbände muslimische Abiturientinnen schon vor einiger Zeit zu dem entsprechenden Studium an der Universität Osnabrück ermuntert – das Kopftuchverbot hatte nach ihrer Einschätzung aber etliche Interessentinnen davon abgehalten.

Nach einem zehnjährigen Modellversuch wird Islamische Religion seit 2013 als Regelfach an den Klassen eins bis drei der Grundschule und in den Jahrgängen fünf und sechs der weiterführenden Schulen unterrichtet, nach dem Sommer auch in der siebten Klasse. Mindestens zwölf Schüler müssen sich jahrgangsübergreifend melden, damit das Fach eingerichtet wird. Über 3000 Schüler an 62 Schulen erhalten derzeit in Niedersachsen islamischen Religionsunterricht.

«Jetzt besteht ein Lehrermangel, auch in ländlichen Regionen», sagte Oğuz. Mitunter gebe es noch organisatorische Probleme bei den Schulbehörden. Abdel-Rahman aber ist optimistisch: «Das ist eine Sache, die sukzessive anläuft, das wird sich einrenken.» dpa

 

3 Kommentare

  1. Wo sollen denn plötzlich die Muslima mit Kopftuch herkommen? Es dauert mindestens fünf (!) Jahre, bis eine Studentin ins Referendariat gehen kann. Bei einem vorhandenen Kopftuchverbot würde ich als Muslma alles mögliche machen, aber nicht etwas studieren, dessen späteren Beruf ich aufgrund eines Kopftuchverbots nicht ausüben dürfte.

  2. Frank Jenschel

    Mehr Religionsunterricht braucht das Land.
    MINT wird im Allgemeinen sowieso völlig überbewertet.

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