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Studie: Bessere Information in der Schule bringt mehr Nichtakademiker-Kinder ins Studium

BERLIN. Kinder von Akademikern studieren, Kinder von Arbeitern nicht. Pauschal lässt sich die soziale Zusammensetzung der Studenten mit diesem Satz recht gut beschreiben. Ob ein Jugendlicher nach dem Abitur studiert oder nicht, hängt immer noch stark mit dem Elternhaus zusammen. Hätten Schüler mehr Informationen über Nutzen und Finanzierung eines Studiums könnte sich das ändern, haben Berliner Forscher nun in einer Befragung ermitttelt.

Rechtzeitige Informationen über Nutzen und Finanzierung eines Studiums motivieren mehr Abiturienten aus Nichtakademiker-Familien für einen Hochschulbesuch. Das geht aus einer Langzeit-Befragung von 1500 Berliner Schülern hervor, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und das Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung initiiert haben. Zum ersten Mal lasse sich dadurch für Deutschland nachweisen, dass gezielte Informationen Studienabsichten von Abiturienten beeinflussen könnten, teilten die Institute mit.

Berliner Wissenschaftler haben es nachgewiesen: Gute Infos in der Schule erleichtern die Entscheidung für ein Studium. Foto: Texas A&M University-Commerce Marketing Communications Photography/flickr (CC BY 2.0)

Berliner Wissenschaftler haben es nachgewiesen: Gute Infos in der Schule erleichtern die Entscheidung für ein Studium. Foto: Texas A&M University-Commerce Marketing Communications Photography/flickr (CC BY 2.0)

Bisher hänge der Entschluss zu einem Hochschulstudium stark mit dem Elterhaus zusammen, heißt es in der Studie. Akademiker-Kinder besuchten deutlich häufiger eine Universität als Abiturienten mit Eltern ohne eigenes Studium. Wissenschaftler sehen dadurch «Humankapital» schwinden. Mit den schulischen Leistungen hat der Studienwunsch dabei oft wenig zu tun. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Akademiker-Kinder motivierter für ein Studium sind, weil sie im Status nicht hinter ihren Eltern zurückbleiben wollen – und gleichzeitig von ihren Eltern zum «Statuserhalt» motiviert werden.

Bei Oberschülern mit Eltern ohne akademischen Abschluss geht es hingegen eher ums Geld. Viele Eltern halten zum Beispiel ein Studium für zu teuer. Sie raten ihren Kinder auch mit Abitur häufiger zu einer Lehre, weil sie sofort mit einem eigenen Einkommen verbunden ist. Dabei ist Studieren in Deutschland im Vergleich zum Ausland vergleichsweise kostengünstig, und es gibt finanzielle Hilfen von Stipendien bis hin zum Bafög.

Für ihren Test wählten die Wissenschaftler 27 Berliner Schulen in Migranten-Kiezen aus. Nach dem Zufallsprinzip informierten sie seit 2013 an ausgewählten Schulen angehende Abiturienten in Workshops detailliert über Förderungen wie Bafög und die Vorteile eines Studienabschlusses: So sind Akademiker nachweisbar seltener arbeitslos und verdienen im Schnitt 1,8 Mal mehr als Berufstätige ohne akademische Bildung.

Die Befragungen zwei bis drei Monate und ein Jahr nach dem Workshop zeigten, dass Kursteilnehmer eher studieren wollten als Mitschüler ohne dieses Zusatzwissen. Bei Abiturienten, deren Eltern keinen Hochschulabschluss hatten, lagen die Studienwünsche sogar um acht- bis zwölf Prozentpunkte höher als in der Vergleichsgruppe ohne Workshop. (dpa)

• zum Bericht: Studenten-Studie zeigt: Arbeiterkinder nur selten an der Hochschule

Ein Kommentar

  1. Wie wäre folgender Erklärungsversuch:

    Frauen neigen stärker als Männer dazu, sich einen sozial gleich oder höher gestellten Partner zu suchen, studierte Frauen also hauptsächlich studierte Männer. Studierte Frauen sind zudem beim ersten Kind älter und bekommen daher im Zweifel weniger Kinder als nicht studierte Frauen. Gleichzeitig steigt generell der Anteil Abiture pro Jahrgang. Wo sollen denn dann die Studenten herkommen, wenn nicht von den nicht studierten Eltern? Bessere Informationen in der Schule ist dafür nicht notwendig.

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