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„Wasser marsch!“ : Im Schulfach „Feuerwehrtechnik“ lernen Schüler löschen – und mehr

ROCKENHAUSEN. Es brennt und es kommt keine Hilfe? Im Kampf gegen Nachwuchsprobleme lassen sich Feuerwehren einiges einfallen. Manche Schulen bieten dafür sogar ein eigenes Fach an.

Die freiwillige Feuerwehr leidet unter Nachwuchsmangel. Foto: freeskler / flickr  (CC BY-NC-SA 2.0)

Die freiwillige Feuerwehr leidet unter Nachwuchsmangel. Foto: freeskler / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Hektisch dreht Tobias am roten Feuerwehrfahrzeug mit integrierter Pumpe den Schlauch auf. «Wasser marsch!», ruft er. 50 Meter entfernt öffnen seine Klassenkameraden einen Verteiler. Nun strömt das Wasser durch einen weiteren Schlauch zum «Angriffstrupp», der das vermeintliche Feuer bekämpft. Alle Handgriffe müssen sitzen, die Hierarchien respektiert werden. «Wenn es im Ernstfall um Menschenleben geht, zählt jede Sekunde», erklärt Kreisausbilder Ralf Kleiner bei der Übung. Die Berufsbildende Schule Donnersbergkreis in der Nordpfalz bietet eine Seltenheit: Feuerwehrtechnische Grundausbildung als eigenes Fach.

Das sind 80 Stunden in einem Schuljahr mit einer Abschlussprüfung für 15 bis 18 Jahre alte Schüler. «Unser Lehrstoff entspricht dem Grundausbildungslehrgang für Freiwillige Feuerwehren», sagt Kleiner. Projekte und Arbeitsgemeinschaften mit Feuerwehrleuten organisieren bundesweit viele Schulen, die komplette Grundausbildung aber kaum, wie der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) in Berlin mitteilt. Die Ausnahme ist Rheinland-Pfalz mit sechs Berufsbildenden Schulen und einer sogenannten Realschule plus.

«Das ist sehr löblich und unterstützenswert», sagt der stellvertretende DFV-Bundesgeschäftsführer Rudolf Römer. Wegen der Alterung der Bevölkerung und der Landflucht in Ballungsgebiete leiden Deutschlands Freiwillige Feuerwehren unter Nachwuchssorgen. Auch die Aussetzung der Wehrpflicht trägt dazu bei: Früher konnten viele junge Männer sie mit einer langen Verpflichtung bei der Feuerwehr umgehen.

Von 2000 bis 2013 ist die Mitgliederzahl bei den Freiwilligen Feuerwehren laut dem DFV bundesweit von 1,07 auf 1,01 Millionen gesunken. Zusammen mit den Jugend-, Berufs- und Werkfeuerwehren war es das Rückgang von 1,38 auf 1,32 Millionen. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Inzwischen sind in der deutschen Provinz schon kleine Ortsfeuerwehren geschlossen oder zusammengelegt worden.

Im nordpfälzischen Rockenhausen üben die Schüler der Berufsfachschule I nun bei der örtlichen Feuerwehr am roten Schlauchturm mit umlaufender Stahltreppe den «Angriff» über eine vierteilige Steckleiter. In Einsatzuniformen und mit Feuerwehrseilen lernen sie das professionelle Absichern und das Retten von Hausbewohnern.

Plötzlich gibt es einen echten Einsatz. Große Rolltore gehen hoch, zwei Feuerfahrzeuge brausen zu einem schweren Verkehrsunfall, die Berufsschüler blicken ihnen hinterher. Der Lehrer und Ausbilder Kleiner fragt: «Wie lang ist die Einsatzgrundzeit?» Mehrere Schüler antworten: «Acht Minuten.» Richtig. Länger darf die Feuerwehr in Rheinland-Pfalz nach dem Ausrücken nicht zum Ziel brauchen.

Die Mainzer Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagt: «Feuerwehrtechnik ist ein gutes Beispiel für lebensnahen Unterricht.» Manche Schüler würden motiviert, in ihre örtliche Freiwillige Feuerwehr einzutreten – oder vielleicht sogar einen Job in einer Berufsfeuerwehr anzustreben. Von Jens Albes, dpa

 

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