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Brodkorb will Schulschwänzer per Polizei in die Schule bringen lassen – Opposition: Vorne rein, hinten wieder raus

SCHWERIN. Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Brodkorb will notorische Schulschwänzer notfalls von Polizisten zur Schule bringen lassen. Dafür erntet er Kritik von der Opposition und von der Gewerkschaft der Polizei. Der Minister fühlt sich missverstanden.

Fühlt sich missverstanden: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Fühlt sich missverstanden: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Das Sieben-Punkte-Programm des Bildungsministeriums gegen Schulschwänzer, das in Extremfällen Bußgelder und den Einsatz der Polizei vorsieht, stößt auf heftige Kritik. Oppositionspolitiker und die Gewerkschaft der Polizei forderten am Mittwoch eine intensivere pädagogische Betreuung von Schulverweigerern, statt sie mit Polizei-Eskorte zum Unterricht zu bringen.

Minister Mathias Brodkorb (SPD) wies die Kritik zurück und betonte, das Programm bestehe zu mehr als 80 Prozent aus Prävention. So soll innerhalb der ersten fünf unentschuldigten Fehltage intensiv mit den Eltern zusammengearbeitet werden. Ab dem sechsten Fehltag werde das Jugendamt hinzugezogen, um Ursachen zu klären und Hilfsangebote zu machen. Ab dem elften Tag soll dann die Polizei eingeschaltet werden, erklärte der Minister. Das Programm soll vom neuen Schuljahr an landesweit einheitlich an den Schulen gelten.

«Wissenschaftliche Studien belegen leider sehr deutlich einen Zusammenhang zwischen Schulbesuchsverhalten, Anfälligkeit für Kriminalität und der Wahrscheinlichkeit, den Schulabschluss nicht zu schaffen», sagte Brodkorb. Im Schuljahr 2014/15 gab es nach seinen Worten 1361 Schüler, die mehr als fünf Tage unentschuldigt fehlten. Das entspreche einem Anteil an der Gesamtschülerschaft von 1,1 Prozent. Ab sechs unentschuldigten Fehltagen werde von schulaversivem Verhalten gesprochen.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg, sagte: «Seit Jahrzehnten ist es möglich, Kinder und Jugendliche, die nicht regelmäßig die Schule besuchen, von der Polizei zuführen zu lassen. Ergebnis: Die Schüler gehen vorne in die Schule hinein und hinten wieder raus.» Sie forderte ein Landesprogramm gegen Schulverweigerung. Auch FDP-Spitzenkandidatin Cecile Bonnet-Weidhofer erklärte, langfristig könne die Zahl der Schulschwänzer nur durch Präventionsarbeit gesenkt werden.

Die Gewerkschaft der Polizei reagierte befremdet auf Brodkorbs Vorstoß. «Dass wir personell auf dem Zahnfleisch gehen, sollte inzwischen auch Herrn Brodkorb zu Ohren gekommen sein», sagte der Landesvorsitzende Christian Schumacher. Unabhängig davon könne die Polizei bei Schulverweigerung nicht die Lösung sei. Vielmehr müsse da hochintensiv pädagogisch betreut und die Vernetzung von Elternhaus, Schule, sozialen Einrichtungen und Jugendämtern verbessert werden. dpa

Zum Bericht: Schon über 300 Schulschwänzer im Jugendarrest seit Jahresbeginn – allein in Niedersachsen

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