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Erneut verweigert muslimischer Schüler Lehrerin den Handschlag. Muss die Schule handeln? Pro und Kontra

HAMBURG. Wieder hat ein muslimischer Schüler einer Lehrerin den Handschlag verweigert, und erneut ist eine große Debatte ausgebrochen. Kann eine Schule ein solches Verhalten dulden? Wir haben Pro- und Kontra-Argumente gegeneinander gestellt.

Immer öfter werden in jüngster Zeit Fälle bekannt, in denen muslimische Schüler oder Väter Lehrerinnen den Handschlag verweigern. Illustration: Jan Gleisner / flickr (CC BY 2.0)

Immer öfter werden in jüngster Zeit Fälle bekannt, in denen muslimische Schüler oder Väter Lehrerinnen den Handschlag verweigern. Illustration:
Jan Gleisner / flickr (CC BY 2.0)

Der aktuelle Fall: Ein Schüler aus Hamburg hat den Handschlag einer Lehrerin zum Glückwunsch nach bestandener Abiturprüfung nicht annehmen wollen. Das berichtet die „Hamburger Morgenpost“. Der junge Mann muslimischen Glauben streckte ihr nur das Handgelenk hin – bat dann aber um ein Vier-Augen-Gespräch, in dem er der Lehrerin erklärte, dass er nicht aus Respektlosigkeit, sondern aus religiösen Gründen so handele. Lehrer der Schule forderten daraufhin, den Abiturienten von der offiziellen Abiturfeier auszuschließen. „Wir haben uns aber dagegen ausgesprochen“, so die Schulleiterin gegenüber der Zeitung. Das sei nicht die richtige Reaktion auf sein Verhalten. Die Schulleitung hat bisher Gespräche mit ihm geführt, sein Verhalten aber nicht sanktioniert. „Wir überlegen jetzt, wie wir signalisieren, dass wir ein solches Verhalten nicht dulden.“  Daraufhin boykottierten einige Lehrer die Schulveranstaltung. In Hamburg ist nun eine große Debatte darüber ausgebrochen, ob und wie die Schule reagieren soll.

Der Hintergrund: Der Fall aus Hamburg ist nicht der erste seiner Art. Zuvor hatte in Berlin der Vater eines Schülers – ein Imam – eine Lehrerin seines Sohnes wegen „Beleidigung und Verletzung der Religionswürde“ angezeigt. Der Anlass: ein Streit, der ausgebrochen war, weil der Einwanderer aus der Osttürkei der Pädagogin den Handschlag verweigert hatte. Diese hatte das Verhalten nicht akzeptieren wollen. Der Vater wirft ihr nun „Respektlosigkeit gegenüber dem Glauben der anderen und Fremdenfeindlichkeit“ vor.

Die Geschichten erinnerte wiederum an einen Fall aus der Schweiz, der unlängst auch in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt hatte. Zwei Schüler, Brüder aus Syrien, hatten einer Lehrerin den Handschlag verweigert – sie bekamen von der Schule eine Sondergenehmigung, auch künftig jede Berührung vermeiden zu dürfen, was zu einer breiten gesellschaftlichen Diskussion führte. Wie viel Rücksicht muss die Schule auf religiöse Befindlichkeiten nehmen? Der vorherrschende Tenor auch bei Politikern und Lehrerverbänden war Unverständnis für die Entscheidung der Schule, welche eine „Diskriminierung der Frauen“ mittels Sonderregelung zulasse. Die Schulleitung verwies auf einen „Kompromiss“, der vereinbart worden sei: dass die Schüler nämlich auch männlichen Lehrkräften künftig nicht mehr die Hand geben. Der Gleichberechtigung wegen.

 

Pro und Kontra

Darf eine Schule dulden, dass Schüler und Väter Lehrerinnen den Handschlag verweigern?

Nein

– sagt die Bildungsjournalistin Laura Millmann.

Die Bildungsjournalistin Laura Millmann. Foto: privat

Die Bildungsjournalistin Laura Millmann. Foto: privat

Die Debatte um den Handschlag ist mal wieder ideologisch überfrachtet – Ängste werden geschürt, Frauenfeindlichkeit beklagt, vor zukünftiger Gewalt gewarnt. Dabei geht es bei der Debatte nur um einen sehr kleinen Teil der muslimischen Gemeinschaft. Und sie betrifft sowohl Männer als auch Frauen, die dem jeweils anderen Geschlecht nicht die Hand geben wollen (übrigens wie es bei einigen orthodoxen Juden auch der Fall ist).

Dennoch darf die Frage, ob der Handschlag für muslimische Schülerinnen und Schüler eine zumutbare Geste ist, nicht komplett unter den Tisch fallen. Zunächst einmal bleibt festzustellen, dass es das gute Recht jedes Menschen ist, einen Händedruck zu unterlassen. Dafür ist Deutschland ja eine offene, demokratische Gesellschaft, damit jeder seine Religion frei ausüben kann – ein Recht das hart erkämpft wurde und nicht einfach ausgesetzt werden darf, nur, weil uns die Gebräuche fremd und unverständlich erscheinen. Doch die Schule stellt einen speziellen Rahmen dar, in dem Menschen unterschiedlichster Kulturen interagieren. Ein verweigerter Handschlag wird in diesem Rahmen problematisch.

Im aktuellsten Fall verweigerte ein muslimischer Abiturient seiner Lehrerin, die ihm zum Abitur gratulieren wollte, einen Händedruck. Er bot ihr als Alternative sein Handgelenk an. Das bedeutet aber auch, er hat ihr eine Geste des Respekts verweigert. Damit bekommt die Diskussion einen anderen Charakter als der Konflikt um die Frage, ob Schülerinnen und Schüler am Ramadan teilnehmen dürfen oder muslimische Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen müssen.

Der Händedruck in unserer Kultur ein Zeichen des Vertrauens, der Anerkennung und des Respekts. Verweigert ein Schüler seiner Lehrerin oder eine Schülerin ihrem Lehrer den Handschlag, reduziert er oder sie die Lehr- und Respektsperson damit auf das Geschlecht. Das widerspricht jedem Erziehungsauftrag von Schule. Zudem kann es weder von Lehrern noch von Eltern gewollt sein, dass muslimische Jugendliche nicht lernen, einen Handschlag zu praktizieren, wenn es die Situation erfordert. „Wer den Handschlag verweigert, wird nie Karriere machen“, stellte der Chef des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, in einem Interview mit der „Welt“ fest. Auch das widerspricht dem Ziel der Schulen.

Eine Ausnahmeregelung mag also durchaus im Sinne unserer westlichen Werte angebracht sein, den muslimischen Schülerinnen und Schülern tun die Verantwortlichen aber keinen Gefallen.

Ja

– meint News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. 

News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf

News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf

Klar, eine ausgestreckte Hand nicht zu ergreifen, erscheint unhöflich. Als Zurückweisung. Und wenn nur Frauen davon betroffen wären, dass ihnen Muslime den Handschlag verweigern, ließe sich mit Recht auch von Diskriminierung sprechen. Tatsache aber ist: Auch Männer erleben es mitunter, dass ihnen von Muslimen nicht die Hand geschüttelt wird – von muslimischen Frauen nämlich. Die strenge Wahrung körperlicher Distanz betrifft im orthodoxen Islam über Kreuz beide Geschlechter (übrigens auch im orthodoxen Judentum).

Dahinter steckt, so lässt eine „Fatwa“ des Islamischen Zentralrats der Schweiz erkennen, eine groteske Sexualisierung von Kontakten zwischen Männern und Frauen. Unter „Verwandten, die einander zur Heirat verwehrt sind“ – also etwa zwischen Vater und Tochter? Ist der Handschlag laut „Fatwa“ erlaubt. „Zwischen einem fremden geschlechtsreifen Mann und einer fremden geschlechtsreifen Frau, welche natürliche Triebe (gegenseitige Anziehungsmöglichkeit) verspüren“? Verboten. „Der Händedruck einer fremden alten Frau oder eines fremden alten Mannes, bei der die sexuellen Triebe kaum noch einen Einfluss haben“? Umstritten. „Das Berühren bzw. der Händedruck von fremden weiblichen oder männlichen Kindern (nicht geschlechtsreif)?“ Unproblematisch, den meisten Gelehrten zufolge jedenfalls. Allerdings nur bis zur Pubertät, deren Beginn auf das Alter von acht Jahren festgelegt wird. Danach: verboten.

Das ist unfreiwillig komisch. Aber auch ein erzieherisches Problem, um das sich die Schule kümmern muss? Wer sich an die ellenlangen Abhandlungen katholischer Theologen zur Sexualmoral erinnert oder an die Ablehnung von Homosexuellen durch Evangelikale, wird feststellen, dass auch andere Religionen, auch Christen, nicht gerade locker mit der Körperlichkeit umgehen. Aus einem verweigerten Handschlag einen symbolischen Streit darum zu machen, inwieweit sich Menschen mit Migrationshintergrund kulturell an deutsche Gepflogenheiten anzupassen haben, wirkt deshalb überzogen und aufgebauscht.

Müssen in Deutschland lebende Muslime Schweinshaxe mit Sauerkraut essen, damit sie als integrierte Bürger gelten dürfen? Andersherum: Wie viele (deutschstämmige) Eltern beleidigen Lehrer tagtäglich, wie viele (christliche) Schüler zeigen sich wirklich respektlos gegenüber Pädagogen – ohne dass dies an die große Glocke gehängt würde? Kaum jemand kommt auf die Idee, in den sich häufenden Anzeigen und Angriffen gegen Lehrkräfte ein gesamtgesellschaftliches Problem zu erkennen. Dabei ist das Phänomen viel beleidigender als ein aus religiösen Gründen verweigerter Handschlag.

 

43 Kommentare

  1. Aus dem Beitrag geht nicht hervor, wie konsequent der Abiturient seinen Glauben lebt. Bei der geringsten Inkonsequenz z.B. in Richtung Alkohol, Sexualität, Gebete, halte ich einen Ausschluss für angemessen.

  2. In dem Streit um den schiitischen Iman, der einer Lehrerin den Handschlag verweigerte, wurde ebenfalls die nächste Runde eingeleitet.

    Jetzt entschuldigte sich die Schule bei dem Iman. Das besänftigt ihn aber nicht und fordert ein offenes Gespräch, damit die Schule „hinreichend Sorge trägt“, dass zukünftige Konflikte vermieden werden.

    Das sind wieder so Meldungen, bei denen ich selber den Respekt und die Achtung vor meinen Landsleuten verliere und ich verstehe, warum ich nicht erwarten kann, dass er von Muslimen entgegengebracht wird.

    Wenn ich eines in muslimischen Gebieten gelernt habe, dann dass solange Aggression mit Schwäche begegnet wird, solange wird man die Situation mit solchen Leuten nur verschlimmern. Diese Leute sind absolut patriarchal geprägt und verstehen nur das was ihnen ein Stärkerer, zur Not mit Meinungsverstärker (und nein, damit meine ich keine Gewalt in Deutschland, wobei es in den Herkunftsländern meist darauf hinaus läuft, sondern konsequentes Auflaufen lassen und das Hausrecht mit der Polizei durchzusetzen – bloß keine Schwäche zeigen), autoritär aufzwingt.

    • mehrnachdenken

      @MMeier
      Prof. Bassam Tibi erklärt, warum die Integration von Mulsimen bei uns scheitern wird:

      http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=59918

      • @mehrnachdenken
        Zu später Stunde gestern Abend wollte ich nur kurz in das Interview mit Bassam Tibi hineinschauen, konnte mich dann aber nicht losreißen.
        Ich kann es nur weiterempfehlen. Dieser Deutsche mit syrischen Wurzeln weiß wirklich, wovon er spricht.
        Danke für den Link!

        • Wenn ein Deutscher dieselben Aussagen tätigen würde, wäre ihm ein S**tstorm sicher …

          Der Interviewende hätte allerdings eine andere Hose anziehen sollen …

          • Klar, ein Bio-Deutscher steht ja auch bei jeder noch so sachlich begründeten Kritik oder Warnung von vorn herein unter Rechtsverdacht im Sinne von rassistisch, islam- und minderheitenfeindlich.
            Einem islamkritischen Moslem auf diese Weise das Maul zu verbieten, ist da schwierig bis unmöglich.
            Ein Glück, dass es Leute wie Bassam Tibi gibt. Ich bewundere ihren Mut, denn sie leben brandgefährlich durch die Bedrohung aus den orthodoxen bzw. fundamentalistischen eigenen Reihen.
            Aber jetzt muss ich mir das Video erst einmal anschauen.

          • mehrnachdenken

            @xxx
            Bezieht sich Ihre Aussage auf das Interview? Prof. Tibi legt größten Wert darauf, ein Deutscher mit syrischen Wurzeln zu sein.
            Er liebt die deutsche Sprache und seine deutsche Frau.
            Was meinen Sie wohl, wie sich die grün-linken Gutmenschen bereits auf ihn eingeschossen haben?
            Der schweizer Journalist trägt generell diese bunten Hosen, lach.

          • mehrnachdenken

            Weil es sich gerade anbietet, empfehle ich noch dieses Gespräch mit Prof. Tibi in der Wirtschaftswoche:

            http://www.wiwo.de/politik/ausland/bassam-tibi-ab-1970-begann-der-aufstieg-des-islamismus/13871676-4.html

            Vielleicht sollte Frau Merkel Herrn Tibi mal zum Tee einladen.

          • Ich beziehe mich in der Tat auf das Interview. Stellen Sie sich vor, auf einer AfD-Kundgebung sagt jemand „Die Flüchtlinge wollen sich nicht integrieren lassen“, „Die Flüchtlinge sind ungebildet“ usw. Von den Anhängern wird gejubelt, von der Presse gehasst.

          • Geli, was sind denn „Bio-Deutsche“? Ist das ein verniedlichender Ausdruck für „Arier“? Der Begriff suggeriert jedenfalls, es gebe rein und unverfälscht wie Bio-Tomaten gediehene Einheimische. Was sind denn dann die anderen?

          • Gemeint sind „Kartoffeln“.

            Ist übrigens nicht rassistisch, wenn die deutschstämmigen Schüler und Schülerinnen von ihren Mitschülern mit Zuwanderungsgeschichte so tituliert werden.

          • mehrnachdenken

            @xxx (11.35 h)
            Deshalb ist es ja so wichtig, dass sich dieser bestens im Islam auskennende Wissenschaftler nun wieder zu Wort meldet.
            Er stellt ja nicht nur „wilde“ Behauptungen auf, sondern belegt sie recht eindrucksvoll auch am Bsp. seiner eigenen Biographie.

          • exakt. Solche Experten gibt es auch außerhalb des Islams, nur die melden sich kaum zu Wort, um bloß nicht als islamfeindlich gebrandmarkt zu werden.

          • mehrnachdenken

            @xxx (13.55 h)
            Kennen Sie Prof. Ruud Koopmanns (Niederländer), der an der Humboldt – Uni in Berlin lehrt.
            Er meldet sich ebenfalls kritisch zu Wort. Ich bin auf ihn in einer Talkshow aufmerksam geworden, in der er sich auffällig angenehm von den Allgemeinplätzen der meisten anderenTn abhob.

            http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/migrationsforscher-koopmans-haelt-multikulti-fuer-fatal-14202950-p3.html

    • Und so, MMeier, gehen Sie dann auch mit Ihren muslimischen Schülern um? Sind das für Sie auch „diese Leute“, denen Sie Ihre Haltung „autoritär aufzwingen'“?

      Und, mehrnachdenken, wir haben Millionen von muslimischen Schülern in deutschen Schulen – sind die alle nicht integriert, ist deren Integration „gescheitert“? Erzählen Sie sowas auch Ihren muslimischen Lehrer-Kollegen, von denen es zum Glück auch immer mehr in Deutschland gibt? Oder sind es umgekehrt Leute (Lehrer!) wie Sie, die mit ihren Vorurteilen und Phobien dazu beitragen, die Probleme in diesem Land noch zu verschärfen?

      Natürlich darf in Ihrem Statement eine rechtspopulistische Parole nicht fehlen – „grün-linke Gutmenschen“. Was sind Sie dann, wenn Sie sich davon offenbar absetzen? Ein schwarz-brauner Bösmensch?

      • mehrnachdenken

        Es lohnt sich zwar nicht, aber ich schreibe es Ihnen dennoch:
        SIE haben NICHTS verstanden!!
        Interessant, zu welchen Themen Sie sich melden!! Kennen Sie Prof. Tibi? Haben Sie seine Bücher und aktuellen Veröffentlichungen gelesen oder gehört?
        Wer kennt seine Religion besser, als ein gebürtiger Syrer, durch und durch vom Islam geprägt, der mit 18 Jahren nach Deutschland kam, hier zunächst die Sprache lernte, um dann bei den Vertretern der Frankfurter Schule zu studieren, sich später aber von der Linken absetzte und nun mit klarem Blick erkennt, wie falsch die Kanzlerin in der Flüchtlingsfrage handelt.

        „Bernd“, verzichten Sie zukünftig bitte auf die üblichen linken verbalen Totschlagargumente wie „Phobien“ oder „rechtspopulistisch“. Es fehlt nur noch „Rassist“.
        Das ist exakt das Vokabular, mit dem Sie kritische Bürger in eine bestimmte politische Ecke drängen und damit mundtot machen wollen.

        • Sie braucht man nirgendwohin zu drängen – Sie stehen mit Ihrer Diktion schon längst in der extremen Ecike. Sie sprechen jammernd von „Totschlagargumenten“, wenn man sie kritisiert – und sprechen gleichzeitig pauschal allen Muslimen die Fähigkeit ab, sich zu integrieren. Ich nenne das: dumpf und verantwortungslos.

          • PS. Bassam Tibi wehrt sich auf seiner Homepage, von Leuten wie Ihnen instrumentalisiert zu werden – nehmen Sie, mehrnachdenken, das auch zur Kenntnis? Offenbar nicht.

            Tibi schreibt: „Mich als ein in Deutschland lebender muslimischer Migrant, der einen Aufklärungsislam vertritt, irritiert der durch die Kombination aus Irrsinn und Unwissenheit gekennzeichnete Islamstreit in der deutschen Öffentlichkeit. Die Bundeskanzlerin und die AfD haben die Gemeinsamkeit, kein Sachwissen über den Islam zu haben. Stattdessen streiten sie ideologisch darüber, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht. Im Englischen fragt man in Fällen, bei denen die Debattierenden ohne Wissen streiten: „What are we talking about?“. Den Islam gibt es nicht, und so kann es keine nützliche Debatte über einen unterstellten „Eintopf-Islam“ geben.“

          • @Bernd
            Bevor Sie auch noch mehrnachdenken mit der immer wirkungsloseren Waffe der Denunzierung als Extremist(in) in die Flucht zu treiben versuchen und obendrein auch noch die hanebüchene Behauptung aufstellen, Herr Tibi wehre „sich auf seiner Homepage, von Leuten wie Ihnen instrumentalisiert zu werden“, sollten Sie sich lieber fragen, ob sie seine Worte überhaupt verstanden oder nur in gewohnter Weise falsch interpretiert haben, um sie angriffstauglich zu machen.
            Wenn Sie Herrn Tibis Interview gesehen hätten, wüssten Sie, dass auch er von „dem Islam“ spricht.
            Diesen Begriff als unseriös zu bezeichnen, bedeutet m. E. nur, Kritikern auf billigste Weise den Mund verbieten zu wollen nach dem Motto: Es gibt so viele verschiedene Strömungen im Islam, dass jedes kritische Wort, das über „den Islam“ gesagt wird, von Unkenntnis spricht. Islamkritik verbietet sich also von selbst und von vornherein.
            Ich finde dieses auffallend häufig benutzte Argument weder einleuchtend noch geschickt, sondern nur durchsichtig und verdächtig.

          • Die Worte wird er wohl verstanden haben, so schlecht ist das Deutsch von Herrn Tibi nicht – ob aber der Sinn seiner Wortbeiträge bzw. den Tenor des Beitrages verstanden hat, darf bezweifelt werden.

          • mehrnachdenken

            Soll ich jetzt Herrn Maas fragen, ob ich Sie wegen Hetze anzeigen darf? Ach nein, da wird ja nur im rechten oder Nazi-Spektrum gesucht.

            Es ist schon eine Ungeheuerlichkeit, mit welcher offensichtlichen Leichtigkeit Sie Menschen politisch katalogisieren, obwohl Sie nichts über sie wissen. Aber das kennen wir ja schon in Bezug auf Frau Prasuhn.

            Natürlich haben Sie sich bei Prof. Tibi wieder die für Sie angenehmen Aussagen herausgefischt. Um ihn zu verstehen – und er kritisiert vehement die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel -, müssen Sie schon mehr lesen.

            Über die tatsächliche oder angebliche Integration von schon lange hier lebenden Muslimen kann ebenfalls trefflich gestritten werden.
            Ich erinnere nur daran, dass über ein Drittel der hier lebenden Muslime die Scharia über das GG stellen. Nennen Sie das gut integriert?
            Hier tatsächlich integrierte Muslime mit z.B. türkischen Wurzeln sehen die Integrationsleistung ihrer Glaubensbrüder und -schwestern erstaunlich kritischer als Sie.

          • Das Diskussionsniveau nähert sich – mal wieder – der intellektuellen Nullgrenze. Pauschale und vorurteilsbeladene Urteile über „den“ Islam sind zulässig? Gilt das dann auch für „die“ Lehrer, für „die“ Ostdeutschen oder „die“ Christen – alle immer dasselbe?

            Und wenn Ihnen irgendwelche Aussagen oder Zitate in den politischen Kram passen, werden sie hier als heilige Worte wiedergegeben – wenn aus der gleichen Quelle dann nicht ganz so leicht instrumentalisierbare Aussagen kommen, dann hat’s der Autor ja sicher nicht so gemeint. Für wie blöd wollen Sie die Leser dieses Forums eigentlich verkaufen?

          • Gute Schlussfrage, Bernd, allerdings nur, wenn jemand selbstkritisch genug ist um auszuschließen, dass er selbst das praktiziert, was er anderen unterstellt.
            Ansonsten fällt die Frage auf den Frager zurück und stellt ihm das Zeugnis aus, das er gern in andere Schuhe schiebt.

      • @Bernd

        „Und so, MMeier, gehen Sie dann auch mit Ihren muslimischen Schülern um? Sind das für Sie auch “diese Leute”, denen Sie Ihre Haltung “autoritär aufzwingen’”?“

        Ja!

  3. In diesem Beitrag und durch die Kommentare wird wieder eine Grundsatzdiskussion eröffnet:
    Inwieweit muss man sich „anpassen“, um als integriert zu gelten?
    Offentsichtlich ist der einfache Handschlag nicht so „typisch deutsch“ oder „typisch westlich“, dass er zu den Dingen zählt, die alle durchführen müssen. Jedoch ergeben sich hieraus weitere Fragen:
    Angenommen Muslime dürfen dem anderen Geschlecht den Handschlag verwehren, weil ihre Religion das vorschreibt, so können oder müssen doch daraus Konsequenzen für den weiteren Unterricht entstehen oder? Das Vermeiden des körperlichen Kontaktes stellt im Islam nämlich ab der Pubertät eine Art Sicherheitsmaßnahme dar, um der natürlichen Affinität von Mann und Frau entgegenzuwirken.
    Müsste man dann im Unterricht nicht auch jeden körperlichen Kontakt ablehnen dürfen? Was hieße das zum Beispiel für den Sportuntericht? Müsste man wieder monoedukativ unterrichten, weil Muslime das verlangen dürfen?
    Es steht außer Frage, dass der Staat hier klare Regeln schaffen muss, um der Unsicherheit entgegenzuwirken.

    Dieser Fall verhält sich ja ähnlich zu dem des Imams, bei dem sich ja mittlerweile die Schule entschuldigt hat. Meiner Ansicht nach kann man die Einstellung der Schule hier als fragwürdig kennzeichnen. Entweder die Lehrerin hat sich falsch verhalten und die Beschuldigungen durch den Imam sind korrekt oder sie hat sich korrekt verhalten und der Imam hat überreagiert. In beiden Fällen müsste eine Klarstellung durch die Schule erfolgen, denn die bisherige Entschuldigung führt lediglich zu einer bis dato unbegründeten Selbstsicherheit von Muslimen im Umgang mit Lehrpersonen des anderen Geschlechts.

    Um in diesem Zusammenhang Bernd aufzugreifen, der seinen Standtpunkt unabhängig von allen Dingen vertritt, muss man aber anhand des Imams weitere Fragen stellen:
    1. Wie kann es sein, dass ein Imam jahrelang in Deutschland lebt und die Landessprache nicht beherrscht? Er spricht andere Sprachen fließend und ist daher intellektuell sicherlich in der Lage deutsch zu lernen?
    2. Warum kann ein Imam Gemeindearbeit betreiben und den Alltag meistern ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein?
    Hier zeigen sich nämlich die Dinge, die wiederholt angesprochen, aber einfach übergangen worden sind. Ich versuche hierbei stets keine pauschalen Chliches wiederzugeben, sondern mich an die Fakten zu halten:
    3. Wie kann es sein, dass unter den Einwanderen – seien es nun die 1., 2. oder eine spätere Generation – die Muslime den größten Anteil derer stellen, die kein Deutsch lernen?
    Ich begebe mich hier nicht auf das Niveau der Kanzlerin, die Schweiefleischtoleranz predigt, sondern mich interessiert, wie große Gruppen von Menschen in Deutschland leben können ohne der Landessprache mächtig zu sein?

    Meiner Ansicht nach zeigt die Entwicklung, in der Muslime religiösen Einfluss auf die staatliche Institution Schule und die Gesellschaft nehmen und dies durch den Deckmantel der Toleranz geduldet, ja sogar bestärkt wird, dass einiges falsch läuft.
    Dies sieht man spätestens an einer möglichen Antwort von Bernd, der seinen Kommentar umformuliert als Antwort auf meine Worte absendet und mich denunziert ohne zu diskutieren.

    • Ich wüsste nicht, Sie jemals „denunziert“ zu haben – ich wüsste nicht mal, ob ich jemals auf einen Post von Ihnen reagiert habe. Denunziert? Ich kenne Sie doch gar nicht – und Sie treten hier anonym auf. Wie soll das gehen?

      Das aber nur am Rande. Ich erkenne ausdrücklich an, dass Sie sich in Ihrem Beitrag bemühen, keine Vorurteile zu bedienen – sondern sich am Fall orientieren. Wie nebenbei fragen Sie aber: „Wie kann es sein, dass unter den Einwanderen – seien es nun die 1., 2. oder eine spätere Generation – die Muslime den größten Anteil derer stellen, die kein Deutsch lernen?“ Darin steckt implizit eine Behauptung. Stellt sich die Frage: Woher wissen Sie das?

      Meines Wissens gibt es keine Untersuchung darüber, wie es um die Deutschkenntnisse von Migrantengruppen bestellt ist und welche Rolle die Religion dabei spielen mag – ob etwa die Deutschkenntnisse von eingewanderten orthodoxen Christen (etwa Bulgaren, Rumänen, Russen), von Buddhisten, Konfuzianern oder Shintoisten (Japanern, Chinesen) besser sind.

      Sehr viel wahrscheinlicher als eine Frage der Religion scheint mir das eine Frage zu sein, ob in Deutschland sprachliche Gemeinschaften existieren, in denen sich auch ohne Deutschkenntnisse gut leben lässt – und das gilt mehr oder weniger für alle der oben genannten Einwanderergruppen. Das wiederum könnte damit zusammenhängen, dass wir in Deutschland kein Einwanderungsgesetz haben, das ein wie auch immer geartetes Verfahren vorsieht, offiziell nach Deutschland einwandern zu dürfen. In einem solchen Verfahren ließen sich Sprachkenntnisse ja einfordern. Weil wir aber jahrzehntelang mit der Lebenslüge lebten, Deutschland sei kein Einwanderungsland (und deshalb auch kein Einwanderungsgesetz brauchen), dürfen wir uns über solche Folgen dann nicht wundern.

      • @Bernd
        Haben Sie den den letzten Satz von PeterPan314 nicht verstanden oder wieder nur missdeutet für Vorwurfszwecke?
        Falls Sie wirklich nicht verstanden haben, helfe ich Ihnen gern auf die Sprünge:
        PeterPan314 kennt Ihre Beiträge hier, wenn auch nicht alle und wenn Sie bisher auch noch nicht auf einen Post von ihm eingegangen sind. Dennoch hat er (wie ich übrigens auch) einen Eindruck von Ihrer Art, auf Meinungsgegner zu reagieren. Diesen teilt er mit durch die Beschreibung Ihrer möglichen Antwort auf seinen Kommentar:
        „…Bernd, der seinen Kommentar umformuliert als Antwort auf meine Worte absendet und mich denunziert ohne zu diskutieren.“
        Damit teilt PeterPan314 meinen Eindruck von Ihrem Umgangsstil mit Meinungsgegnern, für den auch ich keine Reaktionen auf eigene Kommentare brauche. Es genügt die Beobachtung Ihrer Reaktionen auf andere (wie z. B. mehrnachdenken), um mir vorzustellen, wie eine mögliche Antwort aussieht.

        • Dann sind Sie und Ihre Freunde von der Rechtsfraktion hier im Forum nicht nur im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheiten, sondern sehen hellseherisch schon voraus, dass von Kritikern Ihrer Denkrichtung nur Übles wie „Denunziation“ kommen kann, klar. Warum bleiben Sie dann nicht unter sich – in so tollen Foren wie pi-news, „Tichy Einblick“ oder der Jungen Freiheit, auf die hier ja alle Naselang verlinkt wird. Da widerspricht Ihnen keiner.

          • mehrnachdenken

            Diese Frage habe ich mir im Hinblick auf Ihre Person, aber vor allem in Bezug auf „Bernd“ schon oft gestellt.

            Wieso begibt er sich aus der „schwindelerregenden Höhe des geistigen Olymps“ in die „provinziellen Niederungen“, um sich mit „dummen“, ideologisch verblendeten, „unbelehrbaren“ und offenbar „intellektuell unterbelichteten“ Pädagogen auf niedrigstem geistigen Niveau verbal herum zu schlagen?
            Diese in jeder Hinsicht verplemperte Zeit sollte er besser in hoch akademische Gespräche mit ebenbürtigen wissenschaftlichen Größen investieren, die seine wissenschaftliche Kompetenz bestimmt sofort erkennen und anerkennen werden.

    • PS. Zu Ihrer Frage, ob eine Toleranz gegenüber einem verweigerten Handschlag nicht zwingend auch Konsequenzen für den Sportunterricht hätte: Nein. Denn kein Gesetz schreibt vor, jemandem die Hand geben zu müssen. Die gesetzliche Schulpflicht gilt aber auch für den Sportunterricht, also für alle.

  4. Milch der frommen Denkungsart

    All‘ jenen, die immer wieder gebetsmühlenartig betonen, daß es einen dogmatisch einheitlichen Islam nicht gebe, will ich durchaus nicht widersprechen, solange diese Feststellung mit einem neutralen, nicht aber
    apologetisch-beschwichtigenden Unterton versehen ist.
    Aus Sicht des Historikers unabweisbar jedoch ist ebenso, daß dessen politische, genuin antikolonialistische Ausprägung – und genau darunter leidet ja momentan nicht nur Europa – eine sogar größere Gefahr darstellt
    als selbst der gleichermaßen wirre christliche Fundamentalismus, da er letztlich die westlich-demokratische Staatlichkeit als gefühltes Joch, ja Unterdrückungsinstrument betrachtet.
    Mischt sich diese Ideologie mit dem theologischen Absolutheitsanspruch, der dem Islam nun einmal zweifellos inhärent ist, so hat es nach meinem Dafürhalten rein gar nichts mit rechter Gesinnung zu tun, vor solcherlei Totalitarismus zu warnen; vielmehr erachte ich es nachgerade für fahrlässig, ihm und seiner Symptomatik gar mit „Appeasement“ zu begegnen.

    • Das ist eben der Unterschied zwischen Islam und Islamismus – natürlich sind Warnungen vor religiös verbrämtem Faschismus legitim. Aber deshalb allen Muslimen zu unterstellen, sie seien „nicht integrierbar“, ist üble Hetzerei. Genauso übrigens, wie aus dem illegitimen Krieg der Briten und Amerikaner im Irak zu schließen, „die“ Christen seien Kriegsverbrecher. Blair und Bush, beides bekennende Christen, sind es allerdings.

  5. Milch der frommen Denkungsart

    Den Islamismus aber strikt vom Islam trennen zu wollen, ist freilich – um ein Bonmot von Henryk M. Broder zu bemühen – ebenso blind, als würde man den Zusammenhang von Alkohol und Alkoholismus leugnen.

    • Das heißt, jeder der Alkohol trinkt, ist Alkoholiker?

      Ist dann auch jeder Lastwagenfahrer ein potenzieller Massenmörder?

      • Milch der frommen Denkungsart

        Nein, natürlich ebensowenig als auch nicht jegliche Islamkritik potentieller Islamophobie entspringt.

  6. Wenn ich das hier alles lese bekomme ich Bauchschmerzen. Natürlich ist die Situation gerade nicht leicht, natürlich ist es auch sinnvoll den Islam als Religion kritisch zu betrachten. Aber es ist ja nicht so, als seien wir alle hilflos. Wir können doch dafür sorgen, dass die Integration klappt. Ich habe tatsächlich vielmehr Angst vor Leuten, die jetzt schon Grenzen im Kopf aufbauen und bestimmte Flüchtlingsgruppen oder eben Religionsgruppen von vornherein abschreiben. So kann es ja nicht klappen. Ich hoffe einfach, Ihre Schüler sind schlauer und optimistischer als Sie.

    • Ich verrate ihnen eines, wenn sie sehen wie Väter ihre eigenen Kinder von Konvois werfen, um so Schadenersatz von der Bundesrepublik für ein überfahrenes Kind zu bekommen, wenn sie sehen wie erwachsene Männer wie besinnungslos auf kleine Kinder für eine 0,33l PET-Flasche einschlagen, wenn sie mitbekommen wie (russischstämmge) Frauen von Muslimen vergewaltigt werden, weil sie Beziehungen zu Deutschen aufgebaut hat, dann bekommen sie ein anderes Bild von den Menschen mit gewissen Hintergründen.

      Sie reden von Integration. Die meisten Leute aus diesem Kulturkreis wissen gar nicht was das überhaupt bedeutet. Sie leben in einer Oase, abgeschnitten von der Welt, und glaubten, sie hätten eine Ahnung.
      Sie sind wie die Schafe, die die Hunde verfluchen, weil sie glauben, diese würden ein friedliches Zusammenleben mit den Wölfen verhindern.

      • Wir werden einander nicht überzeugen können.
        Aber eines würde ich Ihnen gerne noch sagen: Sie wissen nicht, welche Erfahrungen ich habe und welche nicht. Ich lebe sicherlich nicht in einer Oase. Ich kann ihnen aber versichern, ich werde immer dafür argumentieren, dass wir unsere Verantwortung in der Welt ernst nehmen. Und das heißt: offene Grenzen.

        • Unsere Verantwortung? Ich mich für „unsere Verantwortung“ schon beschiessen lassen, sie auch? Wenn nicht, dann sollten sie besser nicht von „uns“ sprechen!

          „Und das heißt: offene Grenzen.“

          Klar, weil immer überlassen weltfremde Träumer, wie sie, die Drecksarbeit den Anderen, und wenn das Despoten wie Erdogan oder Gadaffi sind. Ich gehe aber jede Wette ein, sie glauben, sie hätten ein gutes Gewissen.

        • zwischen dem Extrem „Stacheldrahtzaun“ und dem Extrem“ „offene Grenzen“ gibt es auch noch die Version „passierbare Grenze mit Grenzwächter“. Was halten Sie davon? Kann ein solcher Staat Verantwortung in der Welt übernehmen?

          • Grenzwächter sind aber zu teuer und die Organe für Staatssicherheit mit ihrem Grenzregime schon länger abgewickelt.
            Der ehemaloige BGS ist zur BPol mutiert und personell unterbesetzt. Selbst die bayrische Grenzpolizei ist aufgelöst.

            Hinzu kommt Grenze ist nicht gleich Grenze. Innerhalb des „Schengen-Raumes“ sieht das Grenzregime anders aus als an den Außengrenzen der EU

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