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Johannesburg is calling: So lebt und lehrt es sich an der besten Deutschen Auslandsschule

JOHANNESBURG/BERLIN. „1035 Schüler – 32 Konfessionen – 38 Nationalitäten. Schüleraktivitäten prägen den Unterricht bis in die Oberstufe, Klassenwiederholungen gibt es kaum und die Abschlüsse sind hervorragend,“ so lobt die Jury des Deutschen Schulpreises 2016 die Deutsche Schule Johannesburg (DSJ) und zeichnete sie als beste deutsche Auslandsschule aus. Schulleiter Thomas Bachmeier erzählt uns, warum er dort unterrichtet und was das Besondere ausmacht.

N4T: Die Deutsche Schule Johannesburg ist ein Vorbild: Was kann eine Schule in Berlin oder Freiburg von dem Kollegium lernen?

Bachmeier: Den Umgang mit Vielfalt und Heterogenität. Wir unterrichten Kinder aus 30 Nationen, mit unterschiedlichsten Glaubensbekenntnissen und verschiedensten sozialen Hintergründen.

N4T: Sie nennen sich „integrierte Begegnungsschule“. Was heißt das im Alltag?

Bachmeier: Bei uns begegnen sich Gleichaltrige, die sonst keine Berührungspunkte hätten. In Südafrika existieren Unterschiede, die in Europa kaum vorstellbar sind. Doch sobald die Kinder unsere Schule betreten, werden alle gleich behandelt. Einige kommen mit Chauffeur. Sie sind in einer Klasse mit Kindern, die hungrig zur Schule gehen und kein Geld für Bücher haben. Als die Jury des Deutschen Schulpreises da war, erzählte ein früherer Schüler: „Ohne diese Schule würde ich vielleicht an der Straße betteln. Heute arbeite ich im Management einer Bank.“ Ich bin eigentlich nicht so emotional, aber es war sehr berührend. Doch ich will nichts schönreden. Es bleibt eine unglaubliche Herausforderung. Diese Schule ist ein winziger, aber für den Einzelnen unschätzbarer Wert hinsichtlich der Bildungsgerechtigkeit in Südafrika.

N4T: Was unterscheidet den schulischen Alltag in Südafrika von dem Alltag in Deutschland?

Bachmeier: Meines Erachtens existieren mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen einer staatlichen Schule in Deutschland und einer deutschen Auslandsschule. Also wo beginnen? Zunächst ist die DSJ eine Privatschule und wird, neben der finanziellen Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, zum überwiegenden Teil durch Schulgelder der Eltern finanziert. Zudem ist jede Auslandsschule immer auch ein kultureller und sozialer Treffpunkt für die deutsche, deutschstämmige und an der deutschen Kultur interessierte Gemeinschaft im Gastland. Als Folge identifizieren sich Eltern, Schülerinnen und Schüler viel intensiver mit der Schule als dies an staatlichen Schulen in Deutschland der Fall ist. Denn die Schule ist dadurch nicht nur Schule im traditionellen Sinn, sondern immer auch Lebensraum für Eltern und Schüler.  Als Folge bieten wir pro Jahr über 40 außerunterrichtliche Arbeitsgemeinschaften im akademischen, künstlerischen und sportlichen Bereich an und sehr viele andere Aktivitäten wie Literaturwoche, Schulbasar, Familientag, Theateraufführungen, Konzerte, Public Viewing der EM, Filmabende, Hausaufgabenbetreuung, Ferienbetreuung und vieles mehr.

N4T: Die Jury des deutschen Schulpreises bescheinigt ihrer Schule ein hohes Niveau. Worauf führen Sie das zurück?

Bachmeier: Nach meiner Erfahrung ist die methodische Unterrichtsgestaltung an unserer Schule anspruchsvoller als an Schulen an denen ich in Deutschland arbeitete, weil die Schülerschaft wesentlich heterogener ist. Die DSJ ist ein Spiegelbild der Weltmetropole Johannesburg und wir beschulen aktuell 1150 Kinder aus 38 verschiedenen Nationen und 32 Glaubensrichtungen. Insbesondere die deutsche Sprachkompetenz ist bei den Schülerinnen und Schülern sehr unterschiedlich ausgeprägt, weshalb individuelle Förderung, kooperatives Lernen und Binnendifferenzierung Schwerpunkte unserer Unterrichtsentwicklung sind. Je nachdem, welche beruflichen Erfahrungen deutsche Kolleginnen und Kollegen in diesen  Bereichen mitbringen, kann dies am Anfang eine Herausforderung darstellen. Tendenziell haben hier Lehrkräfte mit Erfahrungen in integrierten Gesamtschulen Vorteile.

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Sportveranstaltung an der DSJ. Foto: Privat.

N4T: Warum haben Sie sich für den Deutschen Schulpreis beworben?

Bachmeier: Mir war klar, dass wir unser Bestes geben. Aber wir konnten nicht einschätzen, wie das von außen gesehen wird. Die Juroren haben die Schule nach drei Tagen so gut gekannt wie ich nach sechs Monaten und auch Schwachstellen gefunden. Unsere Konzepte sind gut, die Umsetzung im Unterricht kann stets verbessert werden. Nach dem Besuch waren wir der Meinung: Dieses offene Feedback ist unbezahlbar.

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Hier haben alle die gleichen Chancen. das verdeutlichen auch die Schuluniformen, die keine sozialen Unterschiede erkennbar machen. (Foto: Privat)

N4T: Sie sind seit zwei Jahren Schulleiter an der DSJ. Welche Tipps und Tricks haben Sie selbst befolgt, um sich auf das Land einzustellen?

Bachmeier: Glücklicherweise kannte ich Südafrika und Johannesburg bereits vorher ganz gut und besuchte das Land und die Region seit dem Jahr 1987 regelmäßig. Dadurch wusste ich in etwa, was mich und meine Familie im privaten Umfeld erwartet. Kolleginnen und Kollegen, welche sich für eine konkrete Auslandsschule interessieren, würde ich dringend empfehlen, sich das private und berufliche Umfeld am jeweiligen Standort vorher anzusehen.

Sonderpreis Deutsche Internationale Schule Johannesburg - Robert Bosch Stiftung - Verleihung "Deutscher Schulpreis 2016" in Berlin, 08.06.2016

Zum ersten Mal wurde der Deutsche Schulpreis auch in der Kategorie Auslandsschule vergeben. Die Abgesandten der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg bei der Verleihung  in Berlin am 8. Juni 2016. (Foto: Max Lautenschläger/Deutscher Schulpreis)

N4T: Was gefällt Ihnen in Südafrika besonders?

Bachmeier: Besonders gefällt mir als Schulleiter natürlich unsere Schule, seit Juni noch mehr – dank dem Schulpreis – dies ist für unser Kollegium eine großartige Bestätigung.

Südafrika ist sicherlich zurecht ein so beliebtes Urlaubsland, da nicht viele Länder ein so reichhaltiges, kulturell und geografisch vielfältiges Angebot bieten. So wie Kapstadt für viele Menschen zu den schönsten Städten der Welt gehört, gehört Johannesburg für mich zu den interessantesten und abwechslungsreichsten, die ich kenne. Das kulturelle Angebot ist extrem divers und umfangreich, so dass man nur einen kleinen Teil davon überhaupt nutzen kann.

N4T: … und was nicht?

Bachmeier: Die Diskussion in Bezug auf das Thema Sicherheit in Südafrika finde ich sehr übertrieben. Meine Familie fühlt sich nicht viel mehr eingeschränkt als es in anderen Weltmetropolen mit 9 Millionen Einwohnern der Fall wäre. Während des Tages kann man sich im Prinzip überall frei bewegen, nachts sollte man sich informieren, welche Stadtteile man besser vermeidet.

Foto: Max Lautenschläger/Robert Bosch Stiftung

Außenminister Frank-Walter-Steinmeier (SPD) überreicht Schulleiter Thomas Bachmeier den Deutschen Schulpreis im Juni in Berlin. (Foto: Max Lautenschläger/Robert Bosch Stiftung)

N4T: Stichwort Lebenshaltungskosten: Können Sie das Leben in Südafrika mit ihrem Lehrergehalt finanzieren?

Bachmeier: Insgesamt betrachtet ist der Lebensstandard der vermittelten Lehrkräfte höher als in Deutschland, wobei der Vergleich natürlich stark davon abhängt, ob man vorher in einer Großstadt wir München, Berlin, Hamburg oder auf dem Land lebte.  Ein großzügiges Haus mietet man in Johannesburg für rund 1000 € monatlich, möchte man die gleichen Lebensmittel wie in der deutschen Heimat konsumieren, sind die Preise ähnlich, wenn man lokale Produkte konsumiert, wesentlich günstiger.

N4T: Seit wann sind Sie in Südafrika?

Bachmeier: Ich bin seit September 2014 Schulleiter der DSJ und war von 2005 bis 2007 für die GIZ im benachbarten Botswana tätig. Nach meiner Information bewerben sich über 70 Prozent der ins Ausland vermittelten Lehrkräfte ein zweites Mal und die durchschnittliche Vertragsdauer an unserer Schule ist über fünf Jahre. Dies besagt ja schon viel hinsichtlich der Attraktivität des Auslandsschulwesens. Die Berufsjahre im Ausland sind sehr erfahrungsreich, aufregend, abwechslungsreich und herausfordernd zugleich, weshalb ich sie nicht missen möchte. Als Schulleiter haben sie zudem viel größere Gestaltungsspielräume als in deutschen, staatlichen Schulsystemen und wenn man diese zusammen mit dem Kollegium und den Eltern zu Gunsten der Lernenden nutzt, dann gibt es solche Erfolge wie den deutschen Schulpreis. Eine sehr bereichernde Erfahrung.

N4T: Ihr Tipp für Pädagogen, die Urlaub in ihrer momentanen Heimat machen wollen?

Bachmeier: Planen Sie mindesten drei Wochen ein, nehmen Sie sich nicht zu viel vor, planen Sie gleich mehrere Südafrika-Urlaube ein – es gibt wenige, die dieses Land nur einmal besuchen. Und ganz wichtig: Schauen Sie an der Deutschen Internationalen Schule in Johannesburg vorbei. Die Fragen stellte Nina Braun 

Kontakt: Deutsche Internationale Schule Johannesburg, 11 Sans Souci Road, Parktown, P.O. Box 91005, Auckland Park 2006, Telefon 011 726 6220, Fax 011 482 3188, www.dsj.co.za

Mehr Informationen zum Deutschen Schulpreis finden Sie hier

 

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