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Nach offizieller Nachricht vom Tod einer Lehrerin und zwei Schülerinnen: Trauer an der Berliner Paula-Fürst-Schule um die Anschlagsopfer von Nizza

BERLIN. Die Klassenfahrt nach Frankreich endet im tiefen Schock. Zwei Schülerinnen und eine junge Lehrerin aus Berlin gehören zu den Toten des Terroranschlags von Nizza. Die offizielle Todesnachricht wird an der betroffenen Gemeinschaftsschule mit tiefer Trauer aufgenommen.

Mit Kerzen gedenken die Schüler des Verunglückten. Foto: Arivumathi / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Mit Kerzen gedenken die Schüler und Lehrer der Ermordeten. Foto: Arivumathi / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Nach Tagen des Bangens ist aus dem letzten Funken Hoffnung traurige Gewissheit geworden: Unter den Todesopfern des Terroranschlags von Nizza sind eine Lehrerin und zwei Schülerinnen aus Berlin. Dies teilte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Dienstag mit. Die Schülerinnen im Alter von 18 und 19 Jahren sowie die 29-jährige Lehrerin galten zunächst als vermisst.

Die betroffene Paula-Fürst-Schule im Stadtteil Charlottenburg trauerte. «Unsere Trauer in Worte zu fassen, fällt uns schwer», hieß es auf der Internetseite der Schule. «Wir haben bis zum Schluss die Hoffnung gehabt, dass es doch noch anders ausgeht», sagte der stellvertretende Schulleiter Horst Schallnas.

Bei dem verheerenden Anschlag am französischen Nationalfeiertag waren am Donnerstagabend 84 Menschen getötet worden. Mehr als 200 Menschen waren schwer verletzt worden. Der Attentäter war mit einem tonnenschweren Laster in eine Menschenmenge gerast, die auf einer Flaniermeile unterwegs war.

Der 31-Jährige mit tunesischen Wurzeln, der erst vor kurzem in die radikal-islamistische Szene abgedriftet sein soll, wurde von französischen Sicherheitskräften erschossen. Der Anschlag hatte weltweit Bestürzung ausgelöst.

Der Außenminister sagte: «Wir haben jetzt leider die traurige Gewissheit über das, was wir befürchtet haben und vermuten mussten.» Zugleich versicherte Steinmeier: «Wir lassen uns nicht einschüchtern und stehen weiter Seite an Seite mit unseren europäischen und internationalen Partnern gegen Hass, Gewalt und Terror.»

28 Jugendliche des Abiturjahrgangs sowie die Lehrerin von der Charlottenburger Schule waren laut Bildungsverwaltung zum Zeitpunkt des Anschlags auf einer Kursfahrt in der südfranzösischen Stadt, ebenso Gruppen von neun weiteren Berliner Schulen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurde eine weitere Schülerin verletzt, sie ist aber außer Lebensgefahr.

Psychologen und Seelsorger kümmerten sich um das Lehrerkollegium und die Schüler. «Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen, Freundinnen und Freunden und den Schülerinnen und Schülern, die das Geschehen unmittelbar erleben mussten», hieß es in der Erklärung der Schule.

Besonders an dem Standort Nehringstraße herrsche große Betroffenheit, denn «fast alle Schüler dort hatten Unterricht bei der getöteten Kollegin», sagte der Vize-Schulleiter. Die Übergabe der Zeugnisse solle am Mittwoch aber normal ablaufen.

Es werde auch in den Ferien Gesprächsangebote für Schüler, Lehrer und Angehörige geben, kündigte die Bildungsverwaltung an. «Viele von ihnen sind nach dem Anschlag traumatisiert», sagte Senatorin Sandra Scheeres (SPD).

Auch am Dienstag wurden an der Schule Blumen niedergelegt, mehrere Lehrer entzündeten Kerzen. Eine 52-jährige Passantin kam mit zwei weißen Rosen, um ihr Mitgefühl auszudrücken. Seit Freitag liegen Blumen an der Schule, einige sind schon angetrocknet.

Die Berliner Gruppen waren bis Samstag zurückgekehrt. Sie wurden auf den Flughäfen von der Öffentlichkeit abgeschirmt und betreut.

«Es ist also zur Tatsache geworden, dass der Terror erneut Opfer aus unserer Stadt gefordert hat», äußerte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) betroffen. Die Stadt trauere mit den Familien und Angehörigen, mit den Mitschülern und Kollegen. Der Landesverband der Grünen wünschten den betroffenen Berliner Familien «in diesen dunklen Stunden viel Kraft».

Auch im sächsischen Kirchberg wurde um die junge Lehrerin getrauert. Sie wuchs in der Kleinstadt am Rande des Erzgebirges auf und legte dort ihr Abitur ab. Bürgermeisterin Dorothee Obst sagte, die Stadt sei im Kontakt mit der katholischen Gemeinde, um über Hilfen für die Familie zu sprechen. Mit einer Schweigeminute gedachte ein Gymnasium in Hof (Oberfranken) der früheren Kollegin.

Ob es auch nach dem Terroranschlag Kursfahrten nach Frankreich gibt, sollen die Schulen entscheiden. Eine generelle Ansage zu Zielen für Klassenfahrten gebe es nicht, so die Bildungsverwaltung. Die Schulen sollten sich nach Sicherheitshinweisen richten, die das Auswärtige Amt zu den Ländern veröffentlicht.

Bereits am Montag wurde im Berliner Dom mit einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer gedacht. Zu der Trauerfeier kamen auch Jugendliche aus der Charlottenburger Schule mit ihren Familien. Nach Angaben der Hauptstadt-Polizei hatten Spezialisten des Landeskriminalamts die Opfer zusammen mit dem Auswärtigen Amt identifiziert. Von Jutta Schütz und Markus Plüm, dpa

Keine Reisewarnung

Ob es auch nach dem Terroranschlag von Nizza weiterhin Kursfahrten nach Frankreich gibt, entscheiden die Schulen. Eine generelle Ansage zu Zielen für Klassenfahrten gibt es nach Angaben der Bildungsverwaltung aus dem Hause von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) nicht. «Das ist eine Sache der Schulen und Schulkonferenzen», sagte die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Beate Stoffers, am Dienstag.

Wenn eine Schule aber eine Reise aus Sicherheitsgründen storniere, könne der Senat dafür aufkommen. Die Schulen sollten sich laut Stoffers nach den Sicherheitshinweisen richten, die das Auswärtige Amt zu den Ländern veröffentlicht. Zu Nizza heißt es auf der Seite des Amts: «Es wird dringend geraten, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien und diese Reisehinweise informiert zu halten.» Eine Reisewarnung für Frankreich gibt es nicht – aufgelistet sind Hinweise zu Themen wie Terrorismus, Straßenverkehr und Waldbränden.

 

 

Ein Kommentar

  1. Mein Beileid.

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