Startseite ::: Politik ::: Nach der Entlassungswelle von Lehrern in der Türkei: Auch deutsche Schulen im Visier der Erdogan-Anhänger – Angriffe auf Gülen-Schulen nehmen zu

Nach der Entlassungswelle von Lehrern in der Türkei: Auch deutsche Schulen im Visier der Erdogan-Anhänger – Angriffe auf Gülen-Schulen nehmen zu

DÜSSELDORF. Wenige Tage nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei schwappen die Folgen nach Deutschland über. Nachdem Präsident Erdogan den Prediger Fethullah Gülen als Drahtzieher der Angriffe identifiziert hat, sehen sich seine Anhänger offenbar dazu berufen, die Gülen-Bewegung auch in Deutschland zu verfolgen.

Wir werden die Schule zerlegen und zerstören“, so habe es etwa in den sozialen Netzwerken geheißen, berichtete Geny Osman Esen, Geschäftsführer der Dialog-Schule Köln am 20. Juli im WDR von Drohungen und Demonstrationsaufrufen gegen seine Einrichtung. Die Dialog-Schule Köln ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule, die der Gülen-Bewegung nahesteht. Auch in vielen anderen Städten sei es inzwischen zu Übergriffen gekommen. „Ich bekomme inzwischen Morddrohungen“, sagt Ercan Karakoyun, Chef der Stiftung Dialog und Bildung in Berlin, der Stuttgarter Zeitung. Die Stiftung versteht sich als Ansprechpartner der deutschen “Hizmet-Bewegung”, wie sich die Gülen-Anhänger selber nennen. Zudem würde vielen Gülen-Anhängern der Zutritt zu Moscheen verwehrt, berichtet Karakoyun .

Nach Angaben der Stuttgarter Zeitung hat auch die die Hizmet-nahe private Bil-Schule in Stuttgart-Bad Cannstatt um Polizeischutz gebeten. Auch in Gelsenkirchen belagerten rund 150 Erdogan-Anhänger einen Jugendtreff der Gülen-Organisation und schlugen Fensterscheiben ein.

Einst Weggefährten jetzt Erzfeinde im Kampf um die Macht in der Türkei. Erdogan und Gülen. (Fotos Wikimedia)

Einst Weggefährten jetzt Erzfeinde im Kampf um die Macht in der Türkei. Erdogan und Gülen. (Fotos Foto: Αντώνης Σαμαράς / flickr (CC BY-SA 2.0) und Stiftung Dialog/Wikimedia CC BY-SA 3.0 DE)

Gründer Fethullah Gülens ist ein mittlerweile 75-jähriger Gelehrter und Prediger, der auf eine Verbreitung seiner Ideen durch Bildung setzt und seit 16 Jahren im Exil in Pennsylvania lebt. „Baut Schulen anstatt Moscheen“, hat Gülen immer wieder von seinen Anhängern gefordert. Begonnen hat es mit Nachhilfevereinen. Das kam gut an bei aufstiegsorientierten Migranten, die häufig vom deutschen Schulsystem vergessen wurden. Gülen ist in Deutschland umstritten. Einige Experten sprechen von einer sektenähnlichen Struktur der Organisation, die die Demokratie untergraben will, andere sehen in ihr eine vorbildliche Integrationshilfe. Nach Angaben der Stiftung Dialog und Bildung gehören zur Hizmet-Bewegung in Deutschland etwa 150.000 Menschen. Sie betreibt etwa 160 Nachhilfevereine, 30 Schulen und ein Dutzend Dialogvereine. Für die Arbeit stützen sie sich vor allem auf ehrenamtlich Mitarbeiter.

Schon lange vor der aktuellen Entlassungswelle von Lehrern und Dozenten in der Türkei, News4teachers.de berichtete, lehnte der türkische Präsident Erdogan die Privatschulen der Gülen-Bewegung ab. Das Gülen-Netzwerk komme vor allem „Kindern reicher Familien in den großen Städten“ zugute, sagte er nach Angaben der „taz“. „Staatliche Schulen sind ausreichend für euch“. Schon im Jahr 2015 hatte das türkische Parlament die Schließung von 4.000 Privatschulen beschlossen. Nina Braun

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4 Kommentare

  1. Wer eine Gesellschaft verändern will, bemächtigt sich schnell der Schulen und greift nach den Kindern. Besonders radikale politische Ideologien versuchen dieses Prinzip zu verwirklichen, ob als Kommunisten, Sozialisten, Nationalisten, Islamisten, Genderisten oder „Erdoganisten“.

  2. Die Schule diente immer schon als politisches Instrument. Es war nie anders, es ist auch jetzt nicht anders und es wird auch nie anders sein…solange es Schulen gibt.

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