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„Sehr enttäuschend“: Philologen-Chef kritisiert Englisch-Unterricht in Grundschulen – und fordert KMK zum Handeln auf

BERLIN. Die Gymnasiallehrer bemängeln die Qualität des Englisch-Unterrichts an den Grundschulen in Deutschland. Die Ergebnisse des frühen Fremdsprachenunterrichts seien «sehr enttäuschend», sagte der Bundesvorsitzende des Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Nach wie vor sei unklar, worauf die Englisch-Lehrkräfte an den Gymnasien aufbauen könnten. «Im Grunde genommen muss nochmals bei Null begonnen werden.» Eine aktuelle Studie stützt den Befund.

Setzt sich für bundesweite Standards für den Englisch-Unterricht an Grundschulen ein: Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

Setzt sich für bundesweite Standards für den Englisch-Unterricht an Grundschulen ein: Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

Meidinger forderte die Kultusministerkonferenz auf, sich umgehend auf einheitliche Bildungsstandards für Englisch in Grundschulen zu einigen, die auch Grundkenntnisse im Wortschatz und der Grammatik festschreiben. Die Stundentafel der Grundschule müsse außerdem so ausgeweitet werden, dass das Frühenglisch nicht auf Kosten des wichtigen Deutschunterrichts gehe. «Und ganz wichtig: Englischunterricht an den Grundschulen soll ausschließlich durch dafür ausgebildete Lehrkräfte erfolgen», forderte der Leiter eines Gymnasiums ins Bayern, der bundesweit 90.000 Gymnasiallehrer vertritt. Nötig seien Lehrkräfte, die das Fach schwerpunktmäßig an der Hochschule studiert hätten.

Tatsächlich ist Englisch in der Grundschule mittlerweile bundesweit etabliert, wie und ab wann – das liegt jedoch im Ermessen der Länder. Uneins ist man sich zum Beispiel bis heute über den Zeitpunkt des Beginns. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beginnen zum Beispiel mit dem Fremdsprachenunterricht vom ersten Tag an in Klasse 1, Nordrhein-Westfalen dagegen zu Beginn des zweiten Halbjahres von Klasse 1. Die Mehrzahl der Bundesländer, etwa Sachsen, Hessen, Berlin und Bayern beginnen mit dem Fremdsprachenunterricht in Klasse 3.

Sprachdidaktiker der Universitäten Eichstädt-Ingolstadt, Leipzig und Gießen untersuchen derzeit in einer deutschlandweiten, dreijährigen Untersuchung die Qualität des Englisch-Unterrichts in der Primarstufe. Die ersten Auswertungen weisen darauf hin, dass die Schülerleistungen im Schnitt „weiter als vermutet“ ausfallen, und dass es in der Praxis kaum einen Unterscheid ausmacht, ob die Schüler mit dem Englischunterricht in Klasse 1 angefangen haben oder in Klasse 3.

Gleichwohl gibt es gravierende Ungleichheiten, die sich den Foschern zufolge im Übergang zur 5. Klasse gravierend auswirkten und die Fortführung des Faches Englisch erschwerten. Kinder verließen die Grundschule mit sehr unterschiedlichen Kenntnissen. „Die einen haben spielerischen Unterricht erlebt, die anderen fast gymnasiale Verfahren“, so haben die Wissenschaftler ermittelt. Lehrer der weiterführenden Schulen müssen mithin Schüler mit unterschiedlichen Lernerfahrungen auf einen einheitlichen Standard bringen. Ergebnis davon sei: Enttäuschung bei den einen, Überforderung bei den anderen. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Englisch in der Grundschule: Je früher je besser? – Es ist Zeit für einheitliche Standards

 

90 Kommentare

  1. Ich frage mal ketzerisch: Reichen die persönlichen Englischkenntnisse der Grundschullehrkräfte zum Vermitteln von Englisch-Grundkenntnissen überhaupt aus? Einfaches Touristenenglisch, noch dazu mit einem extremen deutschen Akzent, reicht aus meiner Sicht nicht, man muss es flüssig sprechen, lesen und schreiben können. Gleichzeitig werden die meisten Menschen in Deutschland schon aufgrund der ständigen Synchronisation im Fernsehen nicht über ein einfaches Touristenenglisch hinauskommen.

    Außerdem sind die Leistungen der ehemaligen Grundschüler in Lesen, Schreiben und Rechnen schlecht genug, um statt des lächerlichen Englischunterrichts lieber diese Grundfertigkeiten zu üben. Gegen eine Englisch-AG anstelle der Lese-Schreib-Rechenförderung in der Grundschule für die leistungswilligen und / oder -fähigen Schüler habe ich nichts einzuwenden.

    • „Ergebnis davon sei: Enttäuschung bei den einen, Überforderung bei den anderen.“
      Auf WEN bezieht sich der Satz?

      Den Grundschullehrkräften mangelnde Englischkenntnisse vorzuwerfen, ist ja leicht. Dass sie ebenso das Fach an der Uni studiert haben, ist nicht glaubhaft? Englisch wird genauso studiert wie andere Fächer… und ebenso fachfremd unterrichtet wie andere Fächer.

      Dass die Philologen enttäuscht sind, kennen wir von anderen Themen auch. Die Frage ist doch: Was sind die Vorgaben der Grundschulen? Und was erwarten die Philologen? Häufig stimmt das eine mit dem anderen nicht überein. Noch häufiger wurden in den letzten Jahren die Vorgaben der Grundschulen geändert, ohne die der Gymnasien (oder Sek I-Schulen) anzupassen.
      Die Studie, die bundesweit erhebt, kommt zu dem Schluss, dass die Konzepte in den Bundesländern weit unterschiedlich sind.
      Für Niedersachsen, dem Land mit den unzähligen Änderungen, kann ich sagen, dass die Vorgaben von Beginn an sehr niederschwellig waren – viel Sprechen, wenig schreiben, Abschreiben – ja, Vokabeltests – nein. Wenn dann im Gymnasium gedacht wird (wurde), dass nach 2 Jahren Englisch das zu erwarten ist, was sonst in Klasse 5+6 gelehrt wurde, dann müssen die Philologen enttäuscht sein.
      Inzwischen wurden die Vorgaben geändert, noch mal geändert…

      Die Forderung nach einheitlichen Standards ist vielleicht zielführend. Jedoch nur, wenn es dann auch bedeutet, dass die Curricula der Sek.I-Schulen entsprechend angepasst werden.

      Ansonsten trifft auch hier zu: Mehr Inhalt in weniger Zeit mit jüngeren Schülern muss nicht zu besseren Leistungen führen.

      • Englischunterricht wurde wurde in NRW zum Schuljahr 2003/04 eingeführt. Alle dann schon im Dienst stehenden Grundschullehrer und wahrscheinlich auch noch etliche Jahrgänge danach haben Englisch nicht studiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die vorbereitenden Fortbildungen auch den Erwerb der englischen Sprache beinhaltet hatten.

        Das Ziel des Englischunterrichts soll offenbar mehr ein Verstehen und Sprechen sein. Zumindest ersteres ließe sich ab Schülern in Klasse 3 auch durch das Fernsehen regeln, genauer durch Abschaffung der Synchronisation und Ersetzen durch Untertitel. Der Einwand, dass der Zuschauer nicht so schnell lesen kann, verpufft sofort, weil das nach etwas Umgewöhnung gelingt und bei den Kindern die Lesekompetenz automatisch fördert. Ersatzweise sehen die Menschen weniger fern, was nebenbei bemerkt auch so nicht das schlechteste ist …

        • In Nds. konnte man in den 90ern auf jeden Fall Englisch studieren, auch mit dem Schwerpunkt Grundschule. Da die meisten Lehrkräfte ein Studium als Grund- und Hauptschullehrkraft oder GS+HS+RS absolviert haben, sind die Studieninhalte für Englisch gleich den Lehrkräften, die an HS und RS unterrichten.
          Die Forderung, dass Fächer auch in der Grundschule nicht fachfremd zu unterrichten seien, geht an der Realität vorbei.

          „Das Ziel des Englischunterrichts soll offenbar mehr ein Verstehen und Sprechen sein.“
          Eben.
          Philologen erwarten aber etwas anderes.
          Meidinger fragt nach verbindlichen Absprachen, verbindlichem Wortschatz, verbindlicher Grammatik. Darum geht es in vielen Bundesländern in der Grundschule aber gar nicht.
          Verbindliche Absprachen/ einheitliche Bildungsstandards könnten auch bedeuten, dass man sich nach derzeitigen Konzepten darauf einigt, dass die SuS in der Grundschule einfache Wörter und Sätze sprechen und verstehen.

          Die Forderung nach den anderen Inhalten stand von Beginn an im Raum. Das Konzept war/ist aber bisher ein anderes. Dies ist also ein neuer Versuch seitens der Philologen, den Unterricht in der GS dahingehend zu beeinflussen, dass gymnasiale Inhalte in der Grundschule verbindlich eingeführt werden und dass das Konzept ein anderes sein soll.

          Gymnasiallehrkräfte wundern sich, dass in den Grundschulen Kombinatorik, Diagramme, Wahrscheinlichkeit, geometrische Inhalte der früheren Klassen 5+6, Schreibgespräche und Interpretationen Einzug gehalten haben … und fordern im nächsten Moment, dass im nächsten Fach Grammatik und Wortschatz auf andere Art und Weise, verbindlicher und umfangreicher eingesetzt werden sollen, ohne zu berücksichtigen, dass auch dazu Vorkenntnisse notwendig sind (z.B. in der dt. Grammatik).
          Ob es auch möglich wäre, Kurvendiskussionen in Klasse 6 des Gymnasiums zu unterrichten, ohne vorab die notwendigen Grundlagen aus den anderen Schuljahren vermittelt zu haben?

          • Ich behaupte, dass Schüler das Kochrezept für die Kurvendiskussion in Klasse 8 durchführen können, weil man dafür nicht wissen muss, was man tut, Gleichungen lösen können, reicht vollkommen aus. Allerdings wissen die Schüler dann nicht, was sie tun. Das wissen etliche Grundkursler in der Oberstufe auch nicht …

            Zurück zum Thema: Die Grundschule soll sich in den Hauptfächern auf Sprechen, Lesen, Schreiben, Grammatik der deutschen Sprache sowie Rechnen im Kopf bzw. schriftlich und Umgang mit Zirkel bzw. Lineal beschränken. Englisch, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Interpretationen sind in den weiterführenden Schulen besser aufgehoben. Ferner ist so etwas wie Lernen lernen, Sozialverhalten, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleanz, Umgang mit Mitschülern und Erwachsenen — obwohl eigentlich Erziehungsaufgabe seitens der Eltern — vielfach Aufgabe der (Grund-) Schule geworden …

          • “Das Ziel des Englischunterrichts soll offenbar mehr ein Verstehen und Sprechen sein.”
            Dies ist immer noch ein enorm anspruchvolles Ziel, das nicht annähernd erreicht wird. Außer ein paar Umgangsfloskeln lernen die Kinder nichts.
            Diese Verschschwendung kostbarer Zeit, die an anderer Stelle dringend gebraucht wird, ist für mich schon lange ein Ärgernis.

    • Ich bin wie xxx für die Abschaffung des Englischunterrichts an den Grundschulen. Die Stunden sind für die gründlichere Pflege der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen tatsächlich wichtiger.

  2. Moment Mal: Abschaffung des Englischunterrichts an den Grundschulen? Sinnvoll wäre doch erst einmal, ihn gut umzusetzen. Da klaffen Theorie und Praxis weit auseinander. Brandenburg hat seit der 1. Klasse Englischunterricht, doch in vielen Fällen fällt der Unterricht aus und das Niveau in der 3. Klasse ist haarsträubend. Warum gibt es nicht mehr internationale Schulen, wo Englisch ein wichtiger Baustein ist, warum spielt diese wichtige Sprache so eine geringe Rolle bei der Schulbildung? Warum gibt es nicht viel mehr Gymnasien, die Englisch als eine wichtige Säule anbieten?

  3. Kinder sollten erstmal lernen wie man sich benimmt, bevor man ihnen Wissen ein schaufelt. Ich bin für mehr Erziehung und weniger Lerndruck in Grundschulen. Eine AG für interessierte und begabte Schüler oder ein Grundstoff ab der 4. Klasse rreicht doch.
    Was sollen Kinder denn noch alles leisten?

    • @Vanessa: Wir erziehen doch die ganze Zeit.

      Die einen sagen, wir sollen erziehen, die anderen sagen, Grundschule ist nur noch eine Spaßveranstaltung und die Kinder lernen nichts.

      Sehr frustrierend….. In unserem Lehrplan ist übrigens Division durch zweistellige Zahlen und Division mit Rest enthalten. Meine Klasse kann das große Einmaleins und ist gut im Satzgliederbestimmen. Gerade lernen wir alles Mögliche über Deutschland und im Englischunterricht lernen sie, wie man dem Arzt verklickert, was einem fehlt. Es geht um Verstehen und Sprechen. Schriftliche Englischarbeiten oder Vokabeltests sind bei uns verboten. Der Englischunterricht in den weiterführenden Schulen läuft ganz anders, wahrscheinlich effektiver. Aber die Kinder in der Grundschule freuen sich darauf und haben keine Angst, Fehler zu machen oder was Falsches zu sagen. „Die Scheu vor der anderen Sprache“ soll ihnen genommen werden.

  4. Man muss immer sehen, dass dies der Chef des Philologenverbands fordert, jemand, der die Maßstäbe der qualitativ anspruchsvollsten Schulart anlegt. In der Grundschule werden Schüler jeglicher Coleur unterrichtet. Ich spreche jetzt von meinem Bundesland (By): Das Problem in Englisch war in den vergangenen 10 Jahren der Übergang. Er hat nicht gestimmt. Speziell die GymnasialkollegInnen (incl. Bücher, da haben auch die Verlage nicht richtig recherchiert) erwarteten etwas anderes als das, für das der Lehrplan in der Grundschule stand. Wie palim schrieb, gab es auch bei uns wiederholt Anpassungen, immer mehr in Richtung Englischunterricht weiterführende Schulen. Die letzte Anpassung war jetzt mit dem Lehrplan Plus. Doch ich finde, für ein zweistündiges Fach in der Woche reicht es jetzt an Niveau. Inzwischen muss man schon aufpassen, dass die schwächeren Schülern nicht ihren ersten Frust erleben und aussteigen. Wenn der Level weiter nach oben geht, dann ist das nur noch ein Englisch für die zukünftigen Gymnasialschüler.
    Grundschulenglisch hat seine eigenen Schwerpunkte und seinen eigenen Charakter. Er soll mit Spaß an der Sprache und in die Sprache einfinden verknüpft sein. Stures Vokabel- und Grammatiklernen ist in der Grundschule fehl am Platz; dennoch beschäftigen sich die Grundschüler vielfältig über verschiedene Zugangswege intensiv mit Wörtern und Redewendungen aus bestimmten Lebensbereichen. Die Schulbücher sind da systematisch aufgebaut.
    Schade, dass es die Verantwortlichen bisher nicht geschafft haben, eine funktionierende Schnittstelle zwischen Grundschule und weiterführenden Schularten zu schaffen.
    So einfach ist es nicht, fachfremd Englisch an der Grundschule unterrichten zu können. In By muss man, wenn man das Fach nicht studiert hat, eine Prüfung machen (das schaffen bei Weitem nicht alle, also ist sie nicht nur alibimäßig) und bestimmte Fortbildungen machen. Wert wird auch auf Fortbildungen in England oder anderen englischsprachigen Ländern gelegt, die angeboten werden.

  5. Obwohl ich das Fach sehr gerne unterrichte und es den Schülern Spaß macht: Sollte das Niveau weiter ansteigen und das Fach die Schüler anfangen zu sehr zu belasten, das Fach also noch weiter verschult werden im traditionellen Sinne von Vokabeln und Grammatik pauken), bin ich ebenfalls für die Abschaffung. Deutsch und Mathematik als tägliche Lernfächer, dazu noch der Sachunterricht, reichen zum intensiven Lernen für Grundschüler vollkommen. Allerdings denke ich, dass das gute Hörverstehen der Grundschüler dann den Lehrern der weiterführenden Schulen schon abgehen könnte.

  6. Ich merke auch, dass viele Kinder vieles nicht (mehr) wissen, was ich aber voraussetzen würde. Allerdings trifft das auch auf schriftliche Division („hä? haben wir noch nie gehört“), die eigene Adresse („erst Stadt, dann Straße oder?“) und Groß- und Kleinschreibung („Nomen? Komisches Wort“) zu, ebenso wie auf viele andere Dinge. Im Übergang von Klasse 5 in Klasse 6 und dann auch weiter in Klasse 7 könnte man jeweils von vorn anfangen. Mindestens mit der schriftlichen Division beginnt man jeweils von vorn. Nur kennt man dann seine Pappenheimer.

    Man könnte für die Gymnasien die Sommerferien verkürzen. Ich würde mal denken, die sechs Wochen tragen deutlich zum Vergessen bei.

    Das Niveau in der Grundschule zu erhöhen macht keinen Sinn. Englisch macht den Kindern Spaß. Sie lernen, dass es toll ist, eine Sprache zu lernen und sie erfahren, dass man mit ein wenig Mühe jemanden verstehen kann, der nicht Deutsch spricht. Und jetzt fordern Philologen, den Englischunterricht abzuschaffen, weil Unterricht zur Wissensvermittlung da ist und nicht, um Spaß zu haben. Hört sich für mich nach Arbeitsvermeidung für Gymnasiallehrer an.

    • Nun könnte man biestig zurückfragen, wer denn wirklich Arbeitsverweigerung betrieb, wenn den Schülern erst einmal das beigebracht werden muss, dass sie in der Grundschule hätten lernen müssen.

      Ich fürchte nur, dass man mit dieser Form der Gesprächskultur nicht sehr weit kommen wird (wie ja ähnlich diskutierte andere Themen hier auch schon bewiesen).

    • ich gehe so weit, dass unterricht nicht Spaß machen muss, weil man den im urlaub haben kann. idealerweise macht er freude, sowohl lehrern als auch kindern.

      • Wenn Grundschullehrer ihren Schützlichen keinen Spaß am Lernen beibrächten, würden die Gymnasiallehrer das aber schnell und deutlich merken. Dann unterhalten wir uns über ganz andere Dinge, als fehlende Englischvokabeln. Gerade die Kinder, die eine Gymnasialempfehlung erhalten, haben Spaß am Lernen. In Gymnasien kommen keine Kinder an, die mismutig in die Schule kommen und nur nach mehrfacher Aufforderung mal einen Satz zu Papier bringen.
        Die Pubertät ist auch bei Gymnasiasten nicht zu verhindern, aber da wäre der Adressat dann der liebe Gott und nicht die Grundschlulehrkräfte.

        • Ich glaube, wir meinen dasselbe, schreiben nur ein wenig aneinander vorbei. Um das zu erklären, zitiere ich aus der Wikipedia zum Wort „Freude“:

          [/quote] Erich Fromm unterscheidet zwischen „Vergnügen“ als kurzzeitigem Hochgefühl und „Freude“ als dem Gefühl, das man auf dem Weg hin zur menschlichen Selbstverwirklichung verspüre. Freude als Lebensprinzip steht für Fromm somit im Gegensatz zu Vergnügen als Lebensprinzip (siehe auch Hedonismus), wobei letzteres nach Fromm ein Kennzeichen der Konsumgesellschaft ist. [/quote]

          Gerade die so definierte Freude sollen Sie vermitteln (und werden das wohl bei den meisten Ihrer Schüler auch schaffen). Das nur kurzzeitige Vergnügen ist am ehesten mit dem Wort „Spaß“ zu übersetzen. Genauer kommt „Spaß“ aus dem italienischen spasso für „Zerstreuung, Zeitvertreib, Vergnügen“. Sie können mir nicht erzählen, dass Schule ursächlich ein Ort der Zerstreuung sein soll, den Schüler nur zum Zeitvertreib besuchen. Viele, gerade pubertierende, Schüler sehen das anders und tun es trotzdem, aber das steht hier nicht zur Debatte.

        • Zitat:
          „In Gymnasien kommen keine Kinder an, die mismutig in die Schule kommen und nur nach mehrfacher Aufforderung mal einen Satz zu Papier bringen.“

          Doch auch solche kommen immer häufiger an Gymnasien. Schüler, die grundsätzlich nur dann schreiben, wenn man direkt neben ihnen steht und sie auffordert zu schreiben – Buchstabe für Buchstabe.
          Schüler, die es nicht gewohnt sind zu lernen, weil ihnen alles zu fiel und jetzt aus allen Wolken fallen.

          • Gerade für die „zufallenden Schüler“ muss man dringend die Grundschule von einem Haus des Spaßes zu einem Haus der Herausforderungen um- bzw. zurückbauen. Herausforderungen für die Schüler, nicht noch mehr für die Lehrer. Die haben mit der vermurksten Inklusion und den Flüchtlingen usw. schon genug Arbeit, die sie von ihrer eigentlichen Aufgabe abhält.

    • Ich muss ebenfalls sagen, Dina, dass mich Ihr Kommentar schwer verwundert.
      Das Fach Englisch vorwiegend als niveaulose Spaßveranstaltung zu sehen mit dem Lernziel, „dass es toll ist, eine Sprache zu lernen und zu erfahren, dass man mit ein wenig Mühe jemanden verstehen kann, der nicht Deutsch spricht“, wirkt auf mich wie ein schlechter Witz.
      Wenn die Kinder nicht völlig weltfremd sind, bringen sie das, was Sie als Lernziel eines mehrjährigen Englischunterrichts ansehen, bereits als Wissen und Motivation in die erste Unterrichtsstunde mit.

      Ihr Kommentar macht mir klar, warum sich die Stimmen mehren, die für eine Abschaffung des Englischunterrichts an den Grundschulen sind.
      Ich kann nur hoffen, dass andere Grundschullehrer anspruchsvoller denken.

      • Niveaulose Spaßveranstaltung habe ich nicht geschrieben. Aber man kann den Kindern nicht Spaß an der Sprache vermitteln, wenn man den Anfangsunterricht noch mehr verschult und Inhalte verpflichtet. Der Englischunterricht geht von einer silent period aus und es ist wichtig, die Unterrichtsinhalte an den Kindern zu orientieren. Da kommt dann am Ende der Klasse 4 kein Einheitsbrei heraus, sondern 28 individuelle Englischlerner, die hoffentlich weiterhin großes Interesse an der Sprache haben und erste Kenntnisse erlangt haben (die aber sehr unterschiedlich sind, je nachdem, wann das jeweilige Kind bereit war, die Sprache auszuprobieren und welche Inhalte angeboten wurden). Es gilt eben nicht: Kind ist anwesend, also lernt es, was vorne gesagt wird.

        Lerhplan NRW:

        die Entwicklung von Interesse und Freude am Sprachenlernen und an fremden Lebenswelten,
        den Erwerb, die Erprobung und die Festigung elementarer sprachlicher Mittel des Englischen,
        die Bewältigung von einfachen Sprachhandlungssituationen in englischer Sprache,
        den Erwerb von Lern- und Arbeitstechniken sowie wirkungsvollen Strategien des Sprachenlernens.

        Die Schülerinnen und Schüler entwickeln erst allmählich die Fähigkeit zum Umgang mit dem geschriebenen Wort und ein Verständnis für die Beziehung zwischen gesprochener und geschriebener Sprache. Im Fremdsprachenunterricht der Grundschule stehen zunächst die Mündlichkeit, das Erleben der Sprache in authentischen Kontexten und das Sprachhandeln in bedeutungsvollen Situationen im Vordergrund.

        • Gerade wegen „Da kommt dann am Ende der Klasse 4 kein Einheitsbrei heraus, sondern 28 individuelle Englischlerner,“ und „Es gilt eben nicht: Kind ist anwesend, also lernt es, was vorne gesagt wird.“ ärgern sich die späteren Lehrer in Klasse 5 darüber, dass sie im Prinzip von vorne anfangen müssen. Ob Sie als Grundschullehrerin Ihre Vorgehensweise mit dem Lehrplan rechtfertigen können oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

          • Ich danke für ihre Richtigstellung zu meinem flapsigen Begriff „Spaß“ In der Tat meinte ich eher „Freude. Bzgl. des Einheitsbreis muss ich sie enttäuschen. Ob vom LP gedeckt oder nicht, wird man den nie erhalten. Gymnasien hatten in den letzten Jahren Glück und merken es erst jetzt am EU. Die übrigen Schularten bekamen noch nie Kinder, die ähnlich fit in allen Bereichen waren. Die Inklusion wird für noch stärkere Unterschiede zwischen den SuS führen und das wird über kurz oder lang auch die Gymnasien treffen.

          • Ist es dann nicht vorrangig Aufgabe der Grundschule, alle ihre Kinder am Ende von Klasse 4 möglichst fit in Lesen, Schreiben, Rechnen sowie Lernen, Disziplin, Respekt zu machen? Dem würden Englisch, Teile von Mathematik (z.B. Kombinatorik, Symmetrie), sicherlich Teile von Deutsch (alles was mit Schreiben nach Gehör u.ä. zu tun hat) zum Opfer fallen. Erzwungenermaßen müsste man den Stundenumfang von Kunst, Musik, Sachunterricht, Religion halbieren und durch Zusatzstunden in Mathematik und Deutsch ersetzen. Die Leistungsfähigen und -willigen können an Stelle der Zusatzstunden gerne Kunst, Musik, Sachunterricht, Religion behalten. In wie fern ein dadurch resultierendes Kurssystem an der Grundschule (Deutsch in der Klasse, Deutsch Zusatz für Teile verschiedener Klassen, die anderen haben Kunst Zusatz usw.) gut oder schlecht für die kindliche Entwicklung ist, kann ich nicht beurteilen.

    • Kernlehrplan Mathematik an Grundschulen in NRW sieht die „schriftliche Division“ nicht vor. Die „Primimäuse“ haben also nichts weggelassen, sie haben lediglich die Vorgaben umgesetzt.

      Nur wurde diese Tatsache bei den Kernlehrplänen der SekI nicht berücksichtigt. So fällt die „Division“ zwischen den beiden Richtlinien halt unter den Tisch. Nur können die Schüler und Schülerinnen nichts dafür.

      • Die gestandenen Lehrerinnen — also die, die noch vor der Devise Schreiben nach Hören ihr Referendariat beendet haben — machen noch oft genug schriftliche Division und richtige Rechtschreibung von Anfang an. Bei den Primimäuschen hoffe ich es mal, auch wenn sie an der Uni von Fachinhalten, die über Zahlenrechnen hinaus gehen, ihre Schwierigkeiten haben …

        • Die von Ihnen angeprangerte Methode wurde in den 1970er Jahren von Reichen entwickelt. Sie ist ziemlich out. Ich weiß nicht, warum darauf herumgeritten wird. Wen meinen Sie mit Primimäuschen???? Ich finde es unglaublich, wie Grundschullehrerinnen hier immer verunglimpft werden. Für Sie liegt mir auch etwas Passendes auf der Zunge!!!

          • Auch wenn Sie es erneut behaupten, ist es doch wieder falsch.
            Die Methode wurde zwar von Herrn Reichen in den 1970er Jahren entwickelt, eroberte aber erst viel später unsere Schulen dank einiger Reichen-Jünger wie die Herren Sommer-Stumpenhorst oder Brügelmann.
            Leider ist „Lesen durch Schreiben“ bzw. „Schreiben nach Gehör“ noch immer nicht out.
            Damit Sie’s wissen: Darum wird auf dieser Methode „herumgeritten“!!
            Außerdem gilt sie als Ursache für die explosionsartige Zunahme von lese- und rechtschreibschwachen Schülern.

          • @mississippi

            Zum Begriff Primimäuschen: http://unipedia.uni-koblenz.de/index.php?title=GP-Maus

            Ich habe P. selbst an der Uni am Ende meines Studiums erlebt. So wie sie sich gaben, werden sie nach der Zwischenprüfung noch immer ihre Schwierigkeiten mit dem Mathe-Schulstoff der Sek II gehabt haben.

            Mit der Bezeichnung „Fachidiot“ kann ich persönlich gut leben. In diversen Abiturbüchern habe ich die zugehörige Abstimmung gewonnen.

          • „Was ist ein Informatiker im E-Gebäude? Ein Sextourist.“

            Da musste ich dann doch ein bisschen lachen…

      • Auch in RP steht die schriftliche Division nicht im Kernlehrplan der Grundschule. Wer diese ministerielle Minimal-Vorgabe „umsetzt“ und sie den Viertklässlern nicht beibringt, ist ein Verbrecher an den Kindern.
        Lehrpläne beschreiben längst nicht mehr das, was gelernt werden sollte. Das wird in RP auch – wenn man zuhört – kommuniziert. Sondern sie geben einen Rahmen vor, in dem Lehrer gemeinsam durch Arbeitspläne festschreiben sollen, was für ihre Lerngruppe in ihrer Schule gemacht werden soll. Einzige Hilfe dabei sind wohl ältere Lehrpläne …
        Es muss Lehrer kennzeichnen, dass sie Sinnzusammenhänge verstehen (z.B. dass solche algorithmische Verfahren in dier Grundschule besser gelernt werden als in späteren Klassen) und die Lerninhalte verantwortungsvoll wählen. Ob dieses System sinnvoll ist, könnte man mal diskutieren.

  7. Das braucht man nicht zurückfragen. Meiner Meinung nach wird genau so über die Grundschulehrer gesprochen und genau so steht es im Artikel. Im Artikel steht, dass die Kinder mehr Grammatik können sollten. Das steht bislang im Lehrplan der Grundschulen so nicht drin und das halte ich auch für fatal. Dann steht da der Satz „Im Grunde genommen muss nochmal bei Null angefangen werden.“ Was nichts anderes aussagt, als dass Grundschullehrer ihren Job nicht machen.

    In der Grundschule steht der Spaß an der Sprache im Vordergrund, das Ausprobieren der Sprache, Experimentieren, sich trauen zu sprechen. In der Grundschule wird von einer silent period ausgegangen, die die SuS unterschiedlich schnell überwinden und wozu sie in der GS Zeit erhalten. Nirgends steht, dass SuS bis zum Ende der Klasse 4 Sätze im Simple Past sprechen können müssen oder dass sie korrekt schreiben müssten oder dass sie ein bestimmtes Vokabular beherrschen sollten (Es gibt vorgegebene Themen, die mit unterschiedlichem Vokabular bearbeitet werden können). Feste Vorgaben sind Wunschdenken der Philologen. Dass man Kinder in der Grundschule ein einheitliches Wissen beibringen kann, ist ebenfalls Quatsch. Da sollten die Philologen mal in Gesamtschulen oder Haupt-, Real- und wie sie nicht alles heißen Schulen nachfragen. Dort ist das bekannt, nicht nur aus dem Englischunterricht. Die Philologen sind aber der Meinung, das müsse gehen. Mit welcher Begründung muss das fachliche Wissen bei Gymnasiasten einheitlicher sein als bei Haupt- und Realschülern? Die einzig logische Erklärung ist doch, dass Gymnasiallehrer mit heterogenen Lerngruppen nicht umgehen können. Und offenbar mussten sie das in anderen Fächern noch nie erleben. Merkwürdig. Meine Klassen sind schon immer sehr heterogen, sowohl in Englisch als auch in allen anderen Fächern.

    Ich denke auch, dass Englisch von Englischlehrern unterrichtet werden sollten. Als ich Englisch studiert habe, unterschied sich das Studium von GHR und Gymnasium in keinster Weise. Weder zeitlich noch inhaltlich. Vorteil: Wir konnten uns bis zuletzt für jede Schulform entscheiden. Nachteil: Gymnasiallehrer verdienen A13, Grundschullehrer A12 (weil sie weniger können). Von meinen Kommilitonen ist keiner an der Grundschule. Ich war kurz an Grundschulen, erhielt aber nur Zeitverträge an miserabel ausgestatteten Schulen. CD-Player? Singen sie halt selbst. Tafel? Wir arbeiten auf Zuruf.
    Wenn nicht Geld in Grundschulen gesteckt wird, bleiben Fachlehrer Wunsch der Philologen.
    Wobei, wenn die Herrn Philologen rufen, passiert ja sogar hin und wieder mal was. Wenn Grundschullehrer klagen, heißt es, die nichtskönnende Hausmütterchenriege solle mal ganz leise sein.

    • Auf dieser Seite gab es neulich die Diskussion, ob, und von den hier anwesenden Grundschullehrerinnen sehr vehement vertreten, dass Grundschullehrer genau das Gleiche verdienen sollten wie Lehrer anderer Schulformen, konkret Gymnasial- und Berufsschullehrer (Sek II eben).

      Ich stelle mir die Frage, wenn ich ihren Beitrag so durchlese, mit welcher Berechtigung? Nicht nur, dass das Studium von Grundschullehrern (in der Regel) nicht mit dem der Sek II-Lehrkräfte vergleichbar ist (auch wenn sie vielleicht anderes behaupten mögen), scheint es, zumindest wenn man ihren Beiträgen folgt, auch nur um Spaß zu gehen auf Kosten der zu vermittelnden Inhalte. Das halte ich für eine ganz schlimme Auffassung.

      Natürlich sollen sie ihre Schüler nicht schikanieren und ihren Unterricht möglichst attraktiv gestalten, um die Schüler zu begeistern, aber trotzdem geht es in erster Linie, ja – ich weiß – ein schlimmes Wort, um Leistung. Am Ende der Grundschule müssen die Schüler lesen, schreiben und rechnen können, um dem weiterführenden Unterricht folgen zu können. Das ist einfach so, genauso wie Realschulen sicher zu stellen haben, daß ihre Schützlinge ausbildungsreif und Gymnasiasten das Gymnasium fit für das Studium verlassen.
      Ich glaube, dass man den Schülern mit dieser „Spaß vor allem“-Mentalität sehr viel mehr schadet als hilft.

      • Das glaube ich auch, MMeier.
        Außerdem glaube ich noch, dass dieses Spaß-Gedöhns etlichen Schülern gar nicht so gut gefällt und sie lieber „echte“ Schule mit Anspruch und Herausforderung hätten.
        Sie wollen keine Fortsetzung der Kindergartenpädagogik. Viele wollen Leistung und lieben Leistung.

      • Ich finde den Beitrag von Dina sehr treffend.
        Ihn auf das Wort „Spaß“ zu reduzieren, halte ich für unfair.
        Dina schreibt doch sehr deutlich, dass es ums Sprechen geht, Ausprobieren und Experimentieren.
        Der eine nennt es „Spaß im Unterricht“, der andere schreibt, der Unterricht solle attraktiv sein um Schüler zu begeistern. Pädagogen sprechen von Motivation. Die sieht vermutlich in verschiedenen Altersstufen unterschiedlich aus.

        „Am Ende der Grundschule müssen die Schüler lesen, schreiben und rechnen können, um dem weiterführenden Unterricht folgen zu können. Das ist einfach so, …“ Ja und Nein.
        Am Ende der Grundschule sollten die Schüler lesen, schreiben und rechnen können: im Rahmen ihrer Möglichkeiten und auf möglichst gut gefördertem oder gefordertem Niveau. Es gibt SuS, denen es leicht fällt und die ein sehr hohes Niveau erreichen, und es gibt auch welche, die das bei weitem nicht schaffen, trotzdem aber Lernfortschritte erzielt haben.
        UND im Rahmen der Vorgaben, die es für die Fächer gibt. Das ist so.
        Die Vorgaben der Grundschule für das Fach Englisch passen nun aber in mehreren Bundesländern nicht zu den Vorgaben der weiterführenden Schulen und schon gar nicht zu manch überzogenen Meinungen.
        Es ist nicht die Aufgabe der Grundschule, diese Diskrepanz durch Drill, Schikane oder anderes aufzuheben, es bleibt aber die Aufgabe der weiterführenden Schulen mit der Heterogenität der SuS zu arbeiten, ebenso wie es die Grundschule auch machen muss.

        Die Forderung von Meidinger kann so verstanden werden, dass die Vorgaben noch einmal auf den Prüfstand kommen, angesichts der eben erklärten Diskrepanz auch verständlich. Deshalb sollte zunächst einmal an den Erlassen/ Vorgaben gearbeitet werden, bevor Ansprüche und Erwartungen in die Grundschule gedrückt werden, die bisher so nicht vorgesehen waren und die Grundschullehrkräfte bisher so nicht erfüllen mussten.
        Im Übrigen ist die Passgenauigkeit der Curricula nicht nur im Fach Englisch nicht sauber und auch in anderen Fächern ist es so, dass mehrere Jahre zwischen dem Erscheinen der Curricula für die Grundschule und denen für die Sek I.-Schulen liegen können. Auch dabei sind Vorwürfe den Grundschulen gegenüber fehl am Platz. Sie unterrichten nach den Vorgaben, an die sie sich halten sollen und die sie sich selbst nicht aussuchen.

    • Sie schreiben es doch selber, Lehrkräfte mit dem Lehramt GHR haben in ihren Fächern ein Fachstudium absolviert. Wer den Schwerpunkt Primarstufe hat, muss Grundlagendidaktik Deutsch oder Mathematik zusätzlich zu seinen beiden Fächern erbringen. Grundsätzlich dürfen Lehrkräfte mit dem Lehramt GHR alle Klassen vom ersten bis zum 10 Schuljahr an allen Schulformen außer GY/BK unterrichten.

      Lehrkräfte mit einem anderen Lehramt als GHR, die in der GS eingesetzt sind, mussten, um Englisch zu unterrichten, einen Z-Kurs absolvieren.
      (Aussagen gelten für NRW)

  8. Grundschule ist eine EIGENE Schulform. Keine Zubringerstelle für die weiterführenden Schulen.

    • Dann sollte sich die Grundschule wieder darauf besinnen und den Kindern trotzdem lesen, schreiben und rechnen beibringen, denn das sind Fähigkeiten, die man auch durchaus außerhalb der Schule im täglichen Leben beherrschen sollte.

      Und natürlich ist Grundschule eine „Zubringerstelle“ für weiterführende Schulen, denn sonst würden sie die „Grundausbildung“ wie lesen, schreiben, rechnen selber übernehmen und außerdem endet die Schulpflicht auch nicht nach der Grundschule.

  9. Wir haben unsere eigenen Bildungspläne und die setzen wir um. Unsere Kinder können lesen schreiben und rechnen. Keine Ahnung, wo sie alle sind. Das Problem ist vielleicht, dass jeder auf jede weiterführende Schule gehen kann, mit Ausnahme von Bayern, wenn ich das richtig überblicke. Eltern überschätzen oft ihre Kinder, wir können nichts dafür, wenn sie gegen unseren Rat die falsche Schulart wählen. Und das, was die weiterführenden Schulen im Englischunterricht erwarten, müssen sie selbst leisten. Wir halten uns an unsere Pläne. Da steht nichts von richtigem Schreiben in englischer Sprache und nichts von schriftlich zu beherrschender Grammatik.

  10. Das Problem, das hier viele Kommentatoren haben und was zu dem Grabenkampf zwischen Grundschulen auf der einen und weiterführenden Schule auf der anderen Seite sorgt, sind unsere Erfahrungen, die aber in der Regel nicht allgemeingültig sind.
    Nehme ich den Beitrag von Mississippi, so müsste ich jetzt Sturm laufen. Als Klassenleitung meiner letzten Klasse 5 wurde ich zu Beginn der Schuljahres von meiner Deutschkollegin regelmäßig angesprochen, was für S’uS ich denn da an den Hals bekommen hätte. Die anderen Fachkollegen konnten dem nur zustimmen.
    Ich muss dabei betonen, dass alle Kinder meiner Klasse mindestens die eingeschränkte Gymnasialempfehlung hatten und sie dennoch in 90% der Fälle nicht einmal wussten, dass man am Anfang eines Satzes groß schreibt oder dass man Nomen groß und Adjektive und Verben klein schreibt. Die ersten Übungen im freien Schreiben waren desaströs. Als Mathelehrer stellte ich fest, dass die Kinder in circa 70% der Fälle „das kleine 1×1“ nicht beherrschten, sondern mit Händen und Füßen arbeiten mussten, um 6×7 zu berechnen. Darüber hinaus konnten selbst Kinder, die zuvor ausschließlich nur 1en und 2en auf dem Grundschulzeugnis hatten, weder ihre Hausaufgaben machen noch ihre Tasche packen.
    Das wird aber nicht an allen Schulen so sein, seien es Schule bis Klasse 4 oder Schulen ab Klasse 5.

    Wenn ich mir, um auf den Artikel zurückzukommen, jetzt vorstelle, dass wertvolle Unterrichtszeit dafür ver(sch)wendet wird, dass Kinder aus Spaß und Interesse „Englisch“ lernen, während sie ihre eigene Landessprache aber in einem beängstigend schlechten Maß beherrschen, so frage ich mich doch wirklich, was falsch läuft. Wenn es keine verbindlichen einheitlichen Standards gibt, die überprüft werden, und Kinder fast zeitlich zu ihrer (eigentlichen) Landessprache eine Fremdsprache lernen sollen, dann frage ich mich doch, was da Kinder machen, bei denen zu Hause weder die eine noch die andere Sprache gesprochen wird? Eigentlich ist dieses System doch darauf ausgelegt – wie das „Schreiben nach Hören“ -, dass die Kinder, deren Eltern Unterstützung leisten können, einen Vorteil genießen, während die anderen gleich den Stempel „Bildungsverlierer“ auf der Stirn spüren können.

    • @ PeterPan: Mich würden Ihre Schulart und das Bundesland interessieren.

    • „Darüber hinaus konnten selbst Kinder, die zuvor ausschließlich nur 1en und 2en auf dem Grundschulzeugnis hatten, weder ihre Hausaufgaben machen noch ihre Tasche packen.“

      Vielleicht war das durch die Lehrerin leistbare Niveau so gering, dass diese Kinder aufgrund ihrer Noten die Notwendigkeit von Hausaufgaben und Tasche packen garnicht erfahren konnten. Wenn dem so ist, mache ich den Kindern keinen Vorwurf.

      • Hausaufgaben und Tasche packen sollten die SuS aber zu Hause. Da ist die Lehrerin gar nicht dabei. Ist das nicht mal die Aufgabe der Eltern?

  11. Ich finde schon, dass die Grundschule „Zubringer“ für die weiterführenden Schulen ist / sein sollte, d.h., die Grundschule soll die Basis legen, auf die die weiterführenden Schulen aufbauen können.

    Die Erfahrungen von PeterPan kann ich durchaus bestätigen.

  12. Früher gingen nur die Jahrgangsbesten ins Gymnasium. Meistens aus Akademikerkreisen. Englisch gab es in der Grundschule auch nicht. Wenn wir das wieder einführen, sind dann auch wieder die Grundschullehrerinnen besser? Sorry alle, aber es regt mich auf, alle „neuen Probleme“ den Grundschullehrerinnen anzulasten. Gab es früher keine Lese-Rechtschreibschwäche? Man sagte wahrscheinlich, das Kind sei dumm. Und ein dummes Kind kam natürlich nicht aufs Gymnasium.
    Ich bin stolz auf meine Viertklässler und ich glaube nicht, dass wir früher schlauer waren. Ich finde sie viel offener und mutiger und ich hoffe, dass die Kollegen des Gymnasiums, in das meine Schüler/innen wechseln nicht den Kopf schütteln. Ich habe mich wirklich sehr bemüht.

    • Früher waren wir nicht schlauer oder dümmer, warum auch. Der Unterschied heute ist in der lockereren Erziehung, die häufig fehlende Bezugsperson (=Papa oder Mama oder Geschwister) zuhause nach Schulschluss, die extreme technische Aufrüstung durch Computer, Handy, Internet in Kombination mit viel weniger körperlicher Bewegung.

      Außerdem gehen heute nicht mehr nur die guten auf das Gymnasium, sondern auch die mittelmäßigen (gemessen an 50-60% gymnasialer Quote). Die „dummen“ Kinder gehen heute in Ermangelung einer Hauptschule auf die Realschule.

    • „Früher gingen nur die Jahrgangsbesten ins Gymnasium. Meistens aus Akademikerkreisen.“ Was meinen sie mit „früher“? 1920? ich kam 1968 ins Gymnasium, neben mir saßen Kinder von Facharbeitern, Bauern und auch ein paar Akademikern. Mein Vater hat Gärten angelegt und Obst angebaut.

      • Dem kann ich durchaus zustimmen. Auch ich habe zu einer ähnlichen Zeit dieselben Erfahrungen gemacht. Die Schülerschaft war bunt gemixt. Wer die notenmäßigen Voraussetzungen hatte und Interesse am längeren Lernen und an den angebotenen Fächern hatte, der ist aufs Gymnasium. Die Mehrheit meiner Mitschüler waren Kinder von Arbeitern, Bauern oder kleineren Beamten. So viele Akademiker gab es so oder so nicht. Wir hatten an der Schule viele Schüler, die sind extra mit dem Zug aus den Dörfern angereist. Es stimmt einfach nicht, dass zu jeder Zeit nur die Mehrheit der Akademikerkinder aufs Gymnasium ging. Zumindest sind wir ja jetzt schon zu zweit, die diese Beobachtung gemacht haben.

  13. So ist es. Und es ist unfair, es der Unfähigkeit der Lehrerinnen anzulasten, wenn man kein ausgewähltes Klientel mehr vorfindet. Ich schüttele ja jetzt schon den Kopf über 2 meiner Schüler/innen, dass sie aufs Gymnasium gehen. Ich konnte die Eltern nicht überzeugen, eine andere Schulart zu wählen.

  14. Ich stimme xxx auch zu und ich frage mich, ob die genannten Defizite denn nur bei Gymnasialschülern auffallen? Das habe ich so nicht verstanden, sondern generell für die Schüler in Klasse 5 (und weiter). Das kann ich jedenfalls genau so bestätigen.

    • „und ich frage mich, ob die genannten Defizite denn nur bei Gymnasialschülern auffallen?“

      Nein, die Defizite fallen schon in der Grundschule auf. Eigentlich schon VOR der Grundschule.
      Aber die Einschulungsvoraussetzungen wurden auch verändert und wesentlich herabgesetzt.
      Das Einschulungsalter wurde erheblich herabgesetzt. Ja, es sind wenige Monate, in diesem Alter aber doch große Entwicklungsunterschiede. Viele Kinder, die früher als Kannkinder zu Hause blieben, müssen jetzt zur Schule und es täte ihrer Entwicklung wie auch ihrem Lernvermögen erheblich besser, wenn sie ein weiteres Jahr in einer gut ausgestatteten KiTa gefördert würden und mit erheblich besseren Voraussetzungen in der Schule starten würden.
      Die Eingangsvoraussetzungen müssen (vermutlich in allen Bundesländern) zu Beginn der Grundschule erfasst werden (bei uns möglichst in den ersten 6 Wochen), aber auch dann steht man mit seinen Erkenntnissen gut da und regelt die Förderung allein und unterrichtsimmanent. Nur dass Kinder, die nicht mal bis 4 zählen können, nicht plötzlich Mathematiker werden, und diejenigen, die keinen zusammenhängenden Satz sprechen einen weiten Weg vor sich haben, bis sie einen Vorgang gleich welcher Art in aufeinander aufbauenden, grammatikalisch richtigen Sätzen niederschreiben können. Hat es schon immer gegeben? Mag sein, aber nicht in diesem Ausmaß: Das von mississippi angeführte „ausgewählte Klientel“ gibt es vielerorts nicht mehr, dafür aber die von xxx angeführten Bedingungen, auf die Lehrkräfte – in welcher Schule auch immer – einen nur sehr geringen Einfluss haben (lockere Erziehung, wechselnde Bezugspersonen).
      Hinzu kommen Schulstrukturen, die Eltern viele Möglichkeiten und Rechte einräumen, während sie Lehrkräfte in ihren beschneiden. Kommt es zu einem Konflikt, setzen sich Eltern über die übergeordneten Behörden, Rechtswege oder das Durchwinken durch … und Ansätze der Lehrkraft, ein Kind zu fördern oder zu erziehen, dürfen nicht umgesetzt werden.
      „Neue Probleme “ werden in der Grundschule abgeladen … und zwar sämtliche. (Da reden wir nicht von einer Inklusionsquote von 2,3% wie neulich in einem Bericht über das Gym in HH hier auf n4t zu lesen war). Dabei wurden Ressourcen nicht erweitert, sondern gestrichen oder nur auf dem Papier eingesetzt, in Ermangelung von Lehrkräften aber in Schulen nicht umgesetzt.
      Die Umstellung auf Kompetenzen und auf neue Curricula führte zusätzlich dazu, dass Grundschulen viele zusätzliche Themenbereiche aufgebürdet bekamen, jedoch keine weitere Unterrichtszeit. Die Zeit, die bei vielen SuS zum Üben verwendet werden müsste, ist schlichtweg nicht existent. Und Familien, die zu Hause mit ihren Kindern üben und aufarbeiten, gibt es immer weniger (siehe ausgewählte Klientel).
      Die Umstellung auf Kompetenzen und neue Curricula führte auch zu veränderten Inhalten, anderen Lernwegen, anderen Herangehensweisen. Auch diese benötigen Zeit, die beim Training fehlt. Manches von den Neuerungen halte ich durchaus für sinnvoll, stelle aber – nicht nur für das Fach Englisch – fest, dass die Schnittstellen zu den weiterführenden Schulen einfach nicht passen. Wenn in der Grundschule so viele Änderungen vorgenommen werden, können die weiterführenden Schulen nicht erwarten, dass die SuS die Kenntnisse von vor 15 Jahren mitbringen (oder 30 Jahren). Gleichzeitig können weiterführende Schulen aber andererseits auf die im kompetenzorientierten Unterricht erworbenen (anderen) Fähigkeiten zurückgreifen. Um wieder bei Englisch zu landen: Auch in den weiterführenden Schulen gibt es doch seit einiger Zeit eine andere Aufteilung, in der Sprechen+ Zuhören, Lesen und Schreiben ähnlich stark gewichtet wird und z.B. in den Abschlussprüfungen berücksichtigt werden muss. Diese Klassenarbeiten sind doch mit denen vor 25 Jahren auch nicht mehr zu vergleichen. Die SuS, die aus den Grundschulen kommen, äußern sich womöglich schneller, unbefangener und freier zu einem Thema. ABER: Ihnen ist manches dabei nicht bewusst: Fehlersensibilität, Schriftsprache/ Rechtschreibung und Grammatik müssen erst noch in den Fokus gerückt werden. Da dies (bisher) nicht Auftrag der Grundschule war, wird es wohl der Auftrag der weiterführenden Schulen sein.

    • Es ist an allen Schulen der Sekundarstufe I das gleiche. Lediglich der Anteil der HS-Empfohlenen ist an Realschulen und Gesamtschulen größer als an den Gymnasien.

      Der Übergang von der Primarstufe ind die Sekundarstufe I ist von hirnlosen Bildungsbürokraten designed worden bzw. schlichtweg vergessen worden. Aus diesem Grunde ist der PRIMUS-Schulversuch vermutlich der bessere Weg. Ich hoffe, die PRIMUS-Schulen lassen sich als Regelschulen etablieren.

      An Gesamtschulen kann man dieser Form der Heterogenität durch die Fachleistungsdiffernzierung begegnen. Hauptschulen können ebenfalls in Klasse 10 differenzieren nach Typ A und Typ B. Das Problem an RS und GY ist, dass sie auf einen bestimmten Abschluss hin konzipiert sind. Hinzukommt der Druck auf die GY durch das G8, das führt dazu, dass sie eines nicht haben – Zeit. Zeit um im Doppeljahrgang 5/6 sinnvoll zu arbeiten. Der hier in NRW auf Betreiben von CDU und FDP eingeschlagene Weg, die dreijährige Oberstufe zu erhalten und dafür ein Jahr in der SekI auf dem Weg zu G8 zu streichen, ist absolut fatal. Die EF ist dafür so unnötig wie ein Kropf. Wer durch den Wechsel in die GOSt Probleme bekommt, der kann die Q1 wiederholen, dafür bedarf es keiner EF. Für „Bildungsaufsteiger“ ist die EF (10. Schuljahr am GY) ohnehin eine Strafrunde, die sie zwingt das bereits absolvierte 10. Schuljahr zu wiederholen.

  15. PS: Ich würde es auch nicht Unfähigkeit nennen. Ich sehe dahinter eher „System“ – insofern, dass auf vieles nicht mehr Wert gelegt, was früher die Basis für Lernerfolge (in der Grundschule und dann weiter) war. Als ich einmal unter eine Hausaufgabe, die ich nicht zensieren wollte, aber doch wenigstens schreiben wollte, „Fleiß 1“, wunderte sich eine Kollegin und meinte, das würde sie nicht drunterschreiben, das klänge so altmodisch.

    • Ja, sie sagte wirklich A L T M O D I S C H !

      • Sie sprechen mir aus der Seele, sofawolf. Die beliebte und häufige Abqualifizierung als „altmodisch“ ist eins der größten Übel, die ich kenne. Und fast immer kommen sie von Leuten, denen ich im Unterricht wenig zutraue, die aber großmäulig daherreden und das Neuste aus der inflationären Ideenwelt der Pädagogik unausgegoren und phrasenhaft herbeten können.
        Es gibt nichts Besseres als erprobtes Erfahrungswissen, und sei es noch so alt. Dazu gehört ganz wesentlich die Wertschätzung von Tugenden wie Fleiß etc.

  16. Ich kann mich insgesamt des Eindruckes nicht erwehren, dass der DPhV es nicht schafft eindeutig Front gegen das G8 zu beziehen und für verbindliche Grundschulempfehlungen einzutreten. Da die Schülerschaft – vor allem an den GY – immer heterogener wird und die Zeit für den Bildungsgang innerhalb der sekI an GY verkürzt worden ist, versuchen die Philologen immer mehr (Bildungs-)Arbeit auf die Primarstufe zu verlagern.

    Die Mitglieder des Verbandes verhalten sich dabei sehr dialeltisch, zum einen haben sie ihren Einfluss geltend gemacht bei der Aufstellung der kompetenzorientierten Lehrpläne, auf der anderen Seite kritisieren sie nun aber die Grundschulen dafür, dass diese sie tatsächlich umsetzen. Gehen wir davon aus, das Grundschüler in etwa 27 WS unterrichtet werden – die tatsächlichen Werte schwanken zwischen den Bundeslänern – ihnen aber immer mehr Aufgaben aufgebürdet werden, dann bleibt realiter weniger Zeit um den SuS Lesen, Rechnen, Schreiben beizubringen.

    Der Blödsinn im Bildungswesen fing an, als alles vom Ende her gedachtw erden sollte. Da durften Hochschulen und Wirtschaft definieren, welche Kompetenzen am Ende der 10 bzw. der Q2 vorhanden sein müssen. Gleichzeitig bestand die Gesellschaft darauf, dass Schule Verkehrserziehung, Sexualerziehung, Gesundheitserziehung etc. ganz nebenbei zu erledigen habe. Herausgekommen sind dann Kernrichtlinien für die einzelnen Fächer, die die Schüler zu „eierlegenden Wollmilchsäuen“ mutieren lassen sollen. ohne dass ihnen „(echte) Leistung“ abgefordert werden darf, da ja kein Kind zurück gelassen werden darf. Um die Gemengelage nachhaltig zu verbessern müssen sich die Schulen – und hier vor allem die Grundschulen – um die Inklusion von „Kindern mit speziellen Bedürfnissen“ und die Integration von Zuwanderern befassen, ohne erkennbare Verbesserung der materiellen und personellen Ressourcen.

    Und dem DPHV fällt nis Besseres ein als die Grundschullehrkräfte an den Pranger zu stellen …

    • Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich etwas übersehen habe, aber dem Artikel und der dort genannten Kritik kann ich nicht entnehmen, dass der Philologenverband „die Grundschullehrer an den Pranger“ stellt.
      Er stellt lediglich die Ineffizienz des Englischunterrichts in der Grundschule fest, was an vielem liegen kann, und schlägt deshalb seine Abschaffung vor.
      Das finde ich gar nicht so unvernünftig angesichts der Zeitnot an den Grundschulen, die ständig beklagt und verantwortlich gemacht wird dafür, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Kinder am Ende ihrer Grundschulzeit gravierende Schwächen im Lesen, Schreiben und Rechnen aufwiesen.
      Wegen der ständigen Erweiterung ihres Aufgabenkatalogs fehle es den Grundschulen an der nötigen Lehr- und Übungszeit, heißt es dann als Erklärung von Seiten der Lehrkräfte.
      Ich habe den Eindruck, dass viele Grundschullehrer die In-Frage-Stellung des Fachs Englisch in der Grundschule sich selbst als Zweifel an ihren Fähigkeiten einreden, obwohl davon beim DPHV gar nicht die Rede ist.
      Warum kann man es nicht positiv sehen, wenn der DPHV einen Zeitgewinn für die Grundschulen durch die Streichung des Englischunterrichts vorschlägt, weil er den Kindern auf den weiterführenden Schulen so gut wie nichts bringt?
      Einerseits über fehlende Zeit und immer mehr Aufgaben klagen, andererseits aber nichts streichen und an allem festhalten wollen, ist ein Widerspruch.

      • Unabhängig von den Forderungen zum Englischunterricht an Grundschulen richtet sich die Hauptkritik des DPhV an die mangelnden Deutsch- und Mathematik-/Rechenkenntnisse der Grundschulabgänger. Die GY haben die geänderten Kernrichtlinien der Grundschulen nicht zur Kenntnis genommen und folglich auch die eigen Kernrichtlinien noch nicht entsprechend in schulinterne Curricula umgesetzt. Es hilft folglich nichts, sich andere Fünftklässler zu wünschen; auch die GY müssen mit der Schülerschaft arbeiten, die an den GY von den Eltern angemeldet wird. Wenn die Politik den Willen der Eltern zum ausschlaggebenden Punkt macht, dann müssen die Mitgleider des DPhV damit leben. Andere Schulformen müssen ebenfalls damit leben, dass ihnen leistungsfähigere Kinder abhanden kommen, da diese von den Eltern an den nächst gelegenen GY angemeldet werden. Nur für diese kommt erschwerend hinzu, dass sie nach zwei bis drei Schuljahren die „Abgeschulten“ in ihre Klassen integrieren müssen. Nur der Gymnasiast, der nach der 7. Klasse abgeschult wird und ggf. die 7. Klasse an einer anderen Schulform wiederholen muss, hat große Übergangsprobleme, da durch G8 die Inhaltein den Fächern nicht mehr passen.

        • Ich möchte noch einmal fragen: Warum nicht den Englischunterricht abschaffen, wenn es doch immer wieder heißt, dass die Grundschulen und ihre Lehrer inzwischen völlig überlastet sind und an ihren Aufgaben ersticken?
          Das hat zunächst einmal nichts mit den weiterführenden Schulen und der Frage zu tun, wie die aufgestellt werden müssten.

          • Warum nicht die Schulpflicht abschaffen?

            Der behördlich verordnete Unfug sollte entfallen. Die Schulen machen Bildungsangebote, jede nach ihrer Facon und die Kunden wählen die Schulen aus, die sie für ihre Kinder bevorzugen.

            Im gegenzug haben die Schulen volles Vertragsrecht, sie können also aussuchen, wen sie zum Vertragspartner machen und wen nicht.
            Ob eine Grundschule dann Englisch anbietet, ist dann eben Verhandlungssache.

          • Schaffen wir dann auch den Rechtschreibunterricht und die Grundrechenarten in der Grundschule ab, weil den Philologen die Erwartungen nicht erfüllt werden?

            Die Mahnungen, dass man nicht mehr Inhalte in weniger Zeit unterrichten kann, gibt es seitens der Grundschullehrkräfte schon länger. Das ist ja aber immer nur Gejammer.
            Hinweise darauf, dass für das Üben keine Zeit mehr ist, gibt es seitens der Grundschullehrkräfte auch schon länger. Wird ja aber immer abgetan. Und Sek I-Lehrkräfte wissen ja genau, dass wir an den Grundschulen nur Kuscheln, Spielen und Spaß haben.

            Wenn das „Gejammer“ des Philologenverbandschefs dazu führen würde, dass man genauer hinsieht, was an Grundschulen alles hinzu gekommen ist und mit weniger Ressourcen geleistet werden soll, und daraufhin die Bedingungen (Vorgaben und Ressourcen) angepasst werden würden, könnte Herr Meidinger gerne noch häufiger ansprechen, was ihm nicht passt.

            Dabei sollte dann aber auch darauf geachtet werden, dass den Philologen erläutert wird, worin der Unterschied in den Curricula der Grundschule liegt und welche Kompetenzen nicht (mehr) in der Grundschule unterrichtet werden (z.B. schriftl. Division, 4 Fälle, Schrift/ Rechtschreibung in Englisch). Da geht es nicht um ein Fach an sich, sondern um nahezu alle Fächer, in denen die neueren Curricula mit Kompetenzen viele zusätzliche Forderungen stellen.

            Wer gut vorbereitete SuS im Gymnasium haben möchte, sollte für bessere Bedingungen an den Grundschulen eintreten … und für besser geregelte Übergänge.

  17. Man kann den Englischunterricht in der Grundschule nicht mit dem in den weiterführenden Schulen vergleichen. Erst- und Zweitklässler halten noch gar keine 45minütige Englischstunde im herkömmlichen Sinn durch. Am Anfang können sie nicht mal die deutsche Sprache lesen, geschweige denn irgendwelche Wörter oder Sätze auf Englisch. Es werden auch eher 20-minütige Einheiten eingeschoben, in denen gesprochen und gesungen wird. Es kommt auf das Verstehen und reagieren an. Den Lernerfolg und das Lerntempo des Englischlernens bei 6jährigen kann man nicht mit dem der weiterführenden Schulen vergleichen. Abschaffen fände ich trotzdem schade, der Englischunterricht ist eine Abwechslung im Schulalltag und kommt in täglichen kurzen Einheiten zum Einsatz (in Klasse 1 und 2. In Klasse 3 und 4 sind es dann eher 45minütige Englischstunden)

    • Richtig, das Lerntempo ist bei Grundschulkindern viel höher als bei Sek I-Kindern. Ziehen Sie mit Ihrem 6-jährigen Kind mal nach England oder in die USA und stecken Sie es in eine dortige Schule. Sie glauben nicht, wie schnell das Kind Englisch auf einem Niveau spricht, das es in Deutschland auch nach bestandenem Abitur nicht erreichen würde. Als Elternteile muss man viel eher darauf achten, dass das Kind die deutsche Sprache mangels praktischer Nutzung nicht verlernt.

      Singen können die Kinder in Musik, sprechen tun sie auch so genug und Abwechslung vom Ackern gibt es in Kunst, Sport und — erneut — Musik.

      • Das mit dem höheren Lerntempo bei Grundschulkindern stimmt so nicht. Das funktioniert allenfalls bei konsequent bilingualen Unterricht oder einem Stundenpensum, das ein „tägliches Sprachbad“ ermöglicht. Beides ist aber beim Grundschulenglisch nicht der Fall. Die Lernprogression in den entsprechenden Lehrbüchern ist (analog zu den Lehrplänen) umso höher je höher die Klassenstufe. Genau deshalb wurde ja bei Einführung des G8 und dem Vorziehen der 2. Fremdsprache von der 7. auf die 6. Jahrgangsstufe das im ersten Jahr anfallende Lernpensum verringert. Am höchsten ist die Lernprogression bei den spätbeginnenden Fremdsprachen ab Jahrgangsstufe 10.
        Sprachdidaktiker wissen ganz genau, dass es eine Mär ist, es erlerne sich eine Fremdsprache umso leichter, je früher man damit beginnt. Eher gilt die umgekehrte Regel:
        Je früher der Fremdsprachenbeginn, desto höher der erforderliche Unterrichtsstundenaufwand. Das gilt natürlich nicht absolut. Für den systematsichen Fremdsprachenerwerb stellt gemäß allen lernpsychologischen und neurologsichen Erkenntnissen 10 Jahre ein gutes schulisches Einstiegsalter dar.

    • Das ist ja die Krux. Sicher wird bei allem gesagt: „Abschaffen wäre schade.“ Wo könnte denn sonst Zeit eingespart werden?
      Klagen über zu große Aufgabenfülle des Unterrichts, aber keine Vorschläge zur Entschlackung machen, vertragen sich nicht und tragen auch nicht zur Glaubwürdigkeit bei.
      Es scheint so, als fühlten sich viele Grundschullehrer zu allem berufen und würden nicht nur gegen ihren Wunsch für alles eingespannt. Da drängt sich dann schon der allgemeingültige Spruch auf: „Wer alles machen will, macht nichts mehr richtig.“
      „Hauptsache, die Schule macht den Kindern Spaß“ oder „Grundschulen sind nicht die Zubringer für weiterführende Schulen“ machen die Sache auch nicht besser. Im Gegenteil, solche Sprüche riechen nach Ausrede für die immer schlechter werdende Vermittlung der Kulturtechniken.

      • Aber die Kritik des DPhV wendet sich natürlich nicht gegen Grundschullehrkräfte. Die Äußerungen dienen nur dem Erhalt des Einstigamtes A13 für das lehramt GY/BK, so nach dem Motto, „mehr ist der Rest auch nicht wert“.

  18. Na, dann können wir ja DaZ aus den Unis streichen.

  19. Wenn man auf den Kernpunkt blickt, dann geht es dem Philologenverband doch nicht um eine Kritik an Grundschullehrkräften, sondern darum, dass die Kultusministerkonferenz endlich auch für das Fach Englisch verbindliche Standards festlegt, damit bundeseinheitlich klar ist, auf welchen Kenntnissen man an weiterführenden Schulen aufbauen kann. Das sehen übrigens nicht nur die Philologen, sondern auch viele Grundschuldidaktiker so. Wenn ich mich recht entsinne, dann wurde bei der Einführung des Englischunterrichts an Grundschulen von der Bildungspolitik doch so argumentiert, dass ein früherer Fremdsprachenbeginn und damit ein längerer Lernzeitraum zu einer deutlich besseren Fremdsprachenkompetenz aller Schüler führen wird (wegen Globalisierung und internationalem Wettbewerb und so) Wenn ich jetzt einzelne Beiträge hier lese, habe ich mehr den Eindruck, Spaß, Abwechslung und spielerische Begegnung reichen,- bitte lasst die Frage der Leistungen aus dieser Thematik raus.
    Für mich ist die Einführung des Englischunterrichts an Grundschulen wie bei der Rechtschreibreform und der G8-Einführung wieder ein Beispiel mehr dafür, dass die ursprünglichen Ziele von Reformen sehr schnell in Vergessenheit geraten. Es wäre ja auch zu dumm, wenn man zugeben müsste, dass permanent die angestrebten Reformziele nicht erreicht werden.

    • Gegen verbindliche Standards ist nichts einzuwenden. Allerdings steht im Text oben ganz klar, dass diese bestimmte Felder der Grammatik beinhalten sollten und das finde ich schwierig. Wenn man ein Grundschulkind in eine englischsprachige Umgebung bringt, lernt es durch Hören und sprechen, nicht durch Auswendiglernen von Regeln und Ausnahmen. Grammatik hat in der Grundschule nur insofern etwas verloren, als die Lehrkraft den Unterricht dahingehend plant, dass verschiedene Satzstrukturen wiederholt angewandt werden. Die Kinder können dann die Grammatik nicht abrufen, wie sich Gymnasiallehrer das wünschen. Sie können sie bestenfalls anwenden, wenn die entsprechenden Strukturen erneut auftauchen (und diese Strukturen sind in manchen Fällen individuell je nachdem, wie die Lehrkraft die Sätze formuliert.)

      Einige einfache Grammatikthemen und Rechtschreibthemen sind bereits festgeschrieben nur geben die Lehrpläne der weiterführenden Schulen nichts her, mit dem man auf diese erlernten Strukturen aufbauen kann. Bis sie dann irgendwann wieder auftauchen, haben die Kinder sie logischerweise vergessen.
      Vielleicht sollten gerade Gymnasiallehrer mal überlegen, wie sie die Kinder entgegennehmen, die die Grundschulen gut vorbereitet entlassen haben. Die Kinder werden einige überraschen. Ich habe eine wunderbare fünfte Klasse übernommen, die auch regelmäßig erklären, was sie alles nicht in der Grundschule kennengelernt haben. Weder kennen sie Farben noch Räume. Sich selbst vorstellen konnten sie gar nicht. Nun weiß ich, wie es in den GS läuft und ich spreche regelmäßig mit den betreffenden Lehrerinnen (zumindest mit zweien aus den nächstgelegenen GS). Und die Kinder erinnern sich schnell, wenn man sie an die gesungenen Lieder zu dem Thema erinnert oder die Bilder wieder ins Gedächtnis ruft, die sie gesehen haben, als sie bestimmte Texte gelesen haben. Manche haben trotzdem große Schwierigkeiten im Satzbau und mit neuen Vokabeln. Aber die hätten sie ohne Englischunterricht in der GS auch. Das Lernen lernen müssen sie auch nochmal, obwohl sie es schon zig mal gehört haben. Das war aber schon zu meiner Schulzeit so. In meinem Gymnasium gab es schon vor zwanzig Jahren eine Organisations-AG, einen Sportförderkurs, Hausaufgabentutoren und eine Rechtschreib-AG. Früher gingen halt die Vollidioten dahin, die keine Freunde hatten oder zu Hause Prügel bezogen und deshalb lieber länger blieben. Heute ärgern eine Vielzahl Kinder, die wegen der Ganztagsbeschulung nicht früher nach Hause geschickt werden dürfen ihre Lehrer.

      Wenn man den Englischunterricht streicht, wird die Zeit nicht dem Lesen und Schreiben lernen zugerechnet. Es stehen noch ganz andere Forderungen im Raum, was die lieben Kleinen alles lernen könnten. Technisches Verständnis, Umgang mit dem PC, Schwimmen auf olympischem Niveau, mehr politische Bildung -wie werde ich Bundeskanzler?, Kochen und Ernährung – vegane, laktosefreie Ernährung ohne Zucker und Farbstoffe für 1,40€ pro Mahlzeit, Umweltschutz…
      Ganz nach dem Motto: Rettet die Erde, aber bitte lasst die Erwachsenen damit in Ruhe.

      FREUDE am Lernen bedeutet nciht, nichts zu tun, sondern den Kindern Zeit zu geben für die einzelnen Lernschritte und die einzelnen Lernschritte indivuell für jedes Kind zu planen. Gymnasiasten hetzen vom Klavierunterricht zum Chinesischkurs, um schneller, höher, besser zu werden. Für Viele ist das der passende Weg, sie brauchen den Wettbewerb und den Druck. In der Grundschule gibt es aber auch Förder-, Haupt- und Realschüler, eben jene, die ihren Gymnasiallehrern nachher auf den Keks gehen, weil sie länger brauchen und solche, die später richtigerweise auf die Haupt- oder Realschule gehen, weil sie Unterstützung und Zuspruch besser vertragen als Leistungsdruck und Vergleiche. Meiner Meinung nach gibt gerade der Englischunterricht genau diese Mischung her: Es wird Wissen gelehrt (und nicht nur Lieder singen und Bildchen malen), aber auf spielerische Weise, so dass jedes Kind Erfolg erleben kann (weil eine Anweisung verstanden wurde, ein Lied gut gesungen werden kann oder weil man ein kleines Rollenspiel gut vorbereitet hat) und sich auf seine Art langsam an die Sprache heranarbeiten kann.

  20. Wieso ist es so schlimm, dass Gymnasiallehrer Schüler mit unterschiedlichem Wissensstand unterrichten müssen. Die Lösung heißt innere Differenzierung. Da muss dann auch der Unterricht der weiterführenden Schulen den derzeitigen Gebenheiten angepasst werden. In jeder anderen Schulform ist es normal, dass die Schüler mit unterschiedlichen Lernstand aufeinandertrefen. Wie wäre es, wenn auch das Gymnasium mal umdenken würde? Dann gäbe es auch keine Enttäuschung und Überforderung.

    • Bei den anderen Schulformen ist allerdings das Bildungsziel nicht einheitlich das Abitur, was insbesondere bereits ab Klasse 5 den Übergang in die Sek II nach Klasse 9/10 (je nach Bundesland) beinhaltet. Eine Differenzierung nach Leistungsstufen macht daher auf dem Gymnasium rein formal keinen Sinn. Einzige Ausnahme ist Differenzierung „nach oben“, sprich Zusatzmaterial für die richtig guten. Bildungspolitisch meint aber innere Differenzierung Differenzierung „nach unten“, was so direkt aber nicht so positiv klingt. Ganz nebenbei sorgt die zu erfüllende Abiturquote bereits von alleine für eine Niveauanpassung nach unten. Weil niemand zurückgelassen werden darf, bewegen wir uns am Besten nur so langsam nach vorne, dass auch wirklich jeder mitkommt ohne zu sehr außer Atem zu geraten.

      Um zum ursprünglichen Thema zurück zu kommen: Englischunterricht an der Grundschule nur für die guten Schüler, die auch so mit den Anforderungen Lesen-Schreiben-Rechnen klar kommen, dann aber mit vernünftigen Vorgaben und Inhalten, die den Namen verdienen, damit die weiterführenden Schulen nicht von vorne anfangen müssen.

      • Dann beginnt die Auslese schon in Klasse 1 oder 3?
        Oder auf welchem Weg können andere SuS dann das Gymnasium erreichen, wenn sie in Klasse 1 oder 3 Englisch nicht nehmen durften?

        Es ist schwierig, aber ähnliche Ansichten habe ich hinsichtlich Mathematik:
        Das Fundamentum sind Grundrechenarten,
        wer sie beherrscht kann als Additum in Werkstätten, Projekten o.a. weitere Themen bearbeiten: Wahrscheinlichkeit, Würfelgebäude, Diskussionen über Rechenwege, Wettbewerbe, vielleicht auch Geometrie. So fordert man sie heraus, bringt sie an Grenzen und zeigt ihnen, wie Lernen funktioniert, wenn man sich anstrengen muss, weil die Lösung nicht sofort ins Auge fällt.

        Ein solches System würde womöglich den schwächeren SuS die Grundrechenarten so vermitteln, dass sie auch in Klasse 5 darauf zugreifen können und (ziemlich genau) einen Rechenweg sicher beherrschen. Es würde ihnen mehr Zeit zum Einüben bereitstellen.
        Auf Englisch kann ich es nicht so leicht übertragen, vermutlich liegt die Differenzierung wie im Deutschunterricht eher unterrichtsimmanent in der unterschieldlichen Umsetzung der Schülerarbeiten.

        Trotzdem wäre die Schülerschaft am Ende der 4. Klasse heterogen: Es gibt Kinder, die weit über die Kompetenzen hinaus begabt oder geübt sind, andere die das Fundament gesichert haben und weitere, die auch dies nicht schaffen können.

        Viele Lehrkräfte arbeiten schon jetzt in den Grundschulen auf diese Art, haben aber die Erlasse im Nacken und können Inhalte, die neu hinzugekommen sind, nicht einfach auslassen. Es ist also ein Spagat zwischen dem Anspruch, Grundfähigkeiten zu vermitteln, und der Forderung, vielfältige weitere Kompetenzen im Unterricht einzufordern.

        Die derzeitigen Herausforderungen machen individuelle Differenzierung (Förderung wie Herausforderung) unabdingbar, die ohne personelle Ressourcen gemeistert werden sollen und zwangsweise zu offenen Unterrichtsformen führen müssen.

        Die Lehrkräfte halten sich an die Vorgaben und werden dafür dann an den Pranger gestellt, dass sie Erlasse und Curricula beachten. Weiterführende Schulen stellen sich auf die Änderungen nicht ein, erheben aber Vorwürfe, Grundschullehrkräfte würden ihrer Arbeit nicht nachkommen. Statt sich jetzt (nach 10 Jahren) damit auseinanderzusetzen, wird gefordert, die Vorgaben anzupassen… wobei wir wieder bei der 10jährigen Lehrplanumstellung wären.

  21. Schon in den 1970er Jahren wurde an der Integrierten Gesamtschule Roderbruch in Hannover ab der 3. Klasse Englisch unterrichtet. Das schien dort recht gut zu klappen.

    Vielleicht könnte man dort mal nachfragen, wie die Lehrer das geschafft haben.

    • Immer wieder heißt es, dass irgendwo Schule oder Unterricht gut klappen und erfolgreich sind. Diese Loblieder erweisen sich dann bei genauerem Hinsehen oft als Flops und reine Werbung für ein bestimmtes System, eine Methode, eine Ideologie, ein Fach oder sonstwas.

  22. Komischerweise klappt bei uns der Übergang zwischen Grundschule und Gymnasium selbst im Fach Englisch gut. Das Zauberwort: Kooperation. Wir haben eine Kooperationsgruppe mit KollegInnen der Fachschaften Englisch, Deutsch und Mathematik, die sich regelmäßig trifft und gegenseitig hospitiert. Wir haben gute Kompromisse für den Übergang gefunden, mit denen beide Seiten gut zurecht kommen. Mit ein bisschen guten Willen statt Vorwürfe und Klagen kann es auch anders gehen. Wenn ich in By in die zentralen Fortbildungsangebote hineinschaue, habe ich gesehen, dass es sogar in manchen Schulamtsbereichen ganz offiziell solche Gruppen gibt. Das ist der richtige Weg! Gruppen mit Lehrkräften der beteiligten Schularten, die im Sinne der Kooperation agieren.

    • Ich kenne auch ein Gymnasium, bei dem die Englischlehrer einige Stunden an benachbarte Grundschulen gehen, um die (potenziell gymnasialen) Viertklässler in Englisch zu unterrichten, während die anderen Viertklässler irgendeinen Förderunterricht haben. Die Gymnasiallehrer ärgern sich über das unterirdische Niveau, das sie sogar mit den jahrgangsbesten fahren können, und möchten gar nicht erst den regulären Englischunterricht mit den Grundschullehrerinnen sehen.

      • Tja, dann gibt es halt unterschiedliche Ansatzpunkte. Vielleicht liegt es auch am Bundesland und seinen Gegebenheiten. 😉
        Ich kann von mir aus berichten, dass das, was wir in der Gruppe erreicht haben zu aller Zufriedenheit ist. Diese Gruppe gibt es schon jahrelang; am Anfang war erst Skepsis da, doch inzwischen hat sich da etwas wirklich Gutes daraus entwickelt.

      • Dieses „unterirdische Niveau“ wird zum Teil dessen geschuldet sein, dass die Kinder erheblich jünger sind. Tatsächlich muss man in der Grundschule Grundsätzliches vermitteln: Stifthaltung, Zählen bis 4, Seite im Buch aufschlagen, ein Arbeitsblatt in einer Mappe abheften, 5 min leise sein UND arbeiten.
        Wenn das geschafft ist, kommen andere Inhalte dazu, so wie es in den Erlassen oder Curricula geregelt ist.

        Genau das ist die Spezialität der Grundschule: Kindern mit geringem Vorwissen etwas beizubringen und dabei die Ebene der Kinder zu nutzen. Das hat nichts damit zu tun, dass man das Niveau verliert oder Kinder nur daddeln lässt, sondern damit, dass man sich ihrer annimmt, sie mit ihren Fähigkeiten ernst nimmt und ihnen auf unterschiedlichen Wegen hilft, ihre Möglichkeiten auszubauen. (… so wie Dina es für Englisch schon beschrieben hat.)

        Die Kooperation hat es in Nds. auf die Weise wie in BY nicht gegeben. Vielmehr gibt/gab es Verbundkonferenzen, in denen die Gymnasiallehrer dozierten, was sie von den Grundschülern und Grundschullehrkräften erwarten. Jedenfalls war das in meiner Region so. In Englisch war die Diskrepanz besonders groß, in anderen Fächern wurden auch Unterrichtsinhalte oder erste Klassenarbeiten (Gym Kl. 5) gezeigt, die denen unserer Schule in Kl. 4 sehr ähnlich waren.

      • „Ich kenne auch ein Gymnasium, bei dem die Englischlehrer einige Stunden an benachbarte Grundschulen gehen, um die (potenziell gymnasialen) Viertklässler in Englisch zu unterrichten, während die anderen Viertklässler irgendeinen Förderunterricht haben.“
        Interessant, was es alles gibt. Welches Bundesland leistet sich zusätzliche Englischstunden durch Gymnasiallehrer an der Grundschule neben dem regulären Englischunterricht? Die Stunden müssen ja auch bezahlt werden.

        • bei mir ist es NRW. Folgendes Modell halte ich für möglich:

          Die schwachen Schüler sollen gefördert werden ohne dass sich die guten Schüler langweilen. Gerade letzteres ist heutzutage aufgrund der extremen Heterogenität an Grundschulen ein Problem. Folglich bekommen die guten Forderunterricht, z.B. in Englisch. In Ermangelung an passendem und / oder überhaupt Personal an der Grundschule werden Englischlehrer für einige Stunden pro Woche vom in der Nähe liegenden Gymnasium abgeordnet.

          • Also wäre das Ihr Vorschlag. Ist dies an dem oben erwähnten Gymnasium ausprobiert worden? Schade finde ich, dass Ihr Bundesland anscheinend zu wenig Lehrkräfte hat, die an der Grundschule Englisch unterrichten können.
            Wenn diese Aufgabe Gymnasiallehrkräfte übernehmen, finde ich das problematisch, denn ab welchem Zeitpunkt soll denn entschieden werden, für welche Schulart das Kind geeignet ist? Man kann ja keine Gymnasiallehrkraft auf Verdacht potentielle Gymnasiasten im 4. Schuljahr unterrichten lassen. Da bringt man ja die Auslese noch früher in die Grundschule hinein. Die einen dürfen Englisch machen – denn wir wissen alle, dass Anfangsenglisch erst einmal allen Schülern Spaß macht – die anderen müssen Deutsch und Mathe pauken, das finde ich irgendwie auch unfair. Wenn dieses Modell überhaupt, dann könnte ich mir das in Form einer zusätzlichen freiwilligen AG vorstellen.
            In Bayern geht es übrigens anders herum. Dort gibt es, um den Übertritt zu erleichtern, Gelenkklassen. Da werden Grundschullehrer mit einigen Stunden an die Realschule und das Gymnasium abgeordnet, um Schüler in Zusammenarbeit mit den dortigen Lehrern zu fördern. Eine fruchtbare Zusammenarbeit für beide Seiten.

          • das war nicht der komplette Englischunterricht, nur eine Stunde zusätzlich.

            außerdem kann ich durchaus die jahrgangsbesten an wegen mir note 2 und besser in den fächern mathe, lesen, schreiben, sachkunde und dem entsprechenden leistungswillen erkennen …

  23. Pars pro toto – ich sehe hier den Englischunterricht als teil des Ganzen, nämlich der Unzufriedenheit der Kollegen und Kolleginnen an weiterführenden Schulen über das Kompetenzniveau, das Grundschüler beim Übergang in die 5. Klasse durchschnittlich erreicht haben.

    Aus meiner Sicht zeigt sich immer deutlicher, dass es einer verbindlichen und verpflichtenden Vorschulerziehung bedarf. Die von @palim und @ynsp angesprochenen Sachverhalte „Stille-Sitzen, Arbeiten, Ruhig-sein, Melden, Stifte-halten, Arbeitsblätter abheften, Tasche packen, Formen ausschneiden oder anmalen etc.“ müssen beginnend ab dem dritten Lebensjahr allen Kindern im Kindergarten vermittelt werden. Wenn sie die o.g. Kompetenzen bereits im Kindergarten vermittelt bekämen, wäre die Diskussion über das „Grundschulenglisch“ müßig. Die vorschulische Erziehung in Kitas in den FNBL ist deshalb aus meiner Sicht der Grundstock für ein gelungenes G8. Hier müssen die gebrauchten 11 (alten Bundesländer) noch eine Menge aufholen.

    • guter Kommentar, der bei Umsetzung vielen Eltern sauer aufstoßen wird, weil er in ihre Erziehungsmethoden eingreift und der devise Kindergarten=Spaß im sinne von Zeitvertreib widerspricht.

      • Eigentlich nur bei zwei Elterngruppen.

        Die eine besteht aus Müttern, die wegen der Kinder nicht für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen wollen und lieber staatliche Transferleistungen in Anspruch nehmen.
        „Ich würde ja eine Ausbildung, ein Arbeitsverhältnis aufnehmen, aber ich finde keine Kinderbetreuung.“

        Und dei andere, bei denen Kinder ein must-have sind, aber im Grunde nur ein Accesoire eines postmodernen Familienbildes darstellen und notwendiges Übel für die Legitimation eines Kleintransporters oder SUV sind. Diese Gruppe der Latte macchiato-Mütter ist mit dem Transport des Kindes und den diversen Aktivitäten im Golfclub, im Ladies-Circle, beim täglichen Work-our und dergl. mehr so beschäftigt, dass die grundlegende Erziehung neben den Früh-Chinesisch-Kursen, dem Ballettraining, der frühmusischen Erziehung, dem Kinder-Bogenschießen oder Hockeytraining des Kindes ein bischen auf der strecke bleibt. Aber bei schulischen Schwierigkeiten hilft dann eben statt des gesunden Menschenverstandes der befreundete Anwalt weiter, der eben „ein exelenter Jurist, aber ansonsten mäßigen Verstandes ist“.

        Der überwiegende Rest zwischen diesen beiden Gruppen sind arbeitsame, vernünftige, aber teilweise überforderte Eltern, die ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Arbeitgebern, der Gesellschaft un vor allen den eigenen Kindern bis zur Erschöpfung nachkommen und in Schule in der Regel als ebenbürtige Partner von den Lehrern akzeptiert werden, wenn Probleme des Nachwuchses gelöst werden müssen. Diese Gruppe nannte sich früher Mittelstand, nur hat die Politik diese Gruppe beim Kampf um die Mitte aus den Augen verloren und mit höheren Abgaben und sonstigen Pflichten immer stärker belastet, weshalb sie ungeheuren Frust gegenüber staatlichen Einrichtungen, die sie überwiegend finanzieren, die ihnen aber keine Vorteile bieten, verspüren. Dennoch lassen sie ihren Frust nicht an den Kollegien aus – auch wenn sie hin und wieder die Contanance verlieren – wofür sie sich aber in den meisten Fällen ganz schnell wieder entschuldigen.

        • Gute Beschreibung der Eltern, vor allem im letzten Absatz, der vom „überwiegenden Rest“ der Eltern handelt.

          • Zustimmung, sowohl dickebank als auch dixo. Dummerweise macht die zweite Gruppe mehr Arbeit als die beiden anderen Gruppen zusammen und die erste Gruppe mehr Arbeit als die dritte Gruppe, nicht pro Kind gerechnet, sondern in absoluten Zahlen. Und gerade die Kinder aus der dritten Gruppe hätten am ehesten die persönliche Betreuung verdient, die die negativ anstrengende zweite und erste Gruppe für sich beansprucht.

  24. Diese Aussage von Meidunger wurde nun vom BLLV veröffentlicht. Das ist für mich ein Anlass, noch einmal etwas in diesem Forum zu schreiben. Ich ergänze zur Aussage von mississippi am 12.7. 17:28
    Meidinger kann das gar nicht fordern, denn die Grundschule ist eben kein Zubringer fürs Gymnasium, sondern muss allen ihren Schülern gerecht werden. Und dazu nehme ich einen Gedanken von Dina mit: Einen Zugang zu etwas gewinne ich dann, wenn ich daran interessiert bin, positiv motiviert bin. Wenn ich etwas gern mache, habe ich Spaß und Freude daran. Sind darüber hinaus durch einen solchen Zugang die Schüler motiviert, einen gewissen Anspruch zu erfüllen, dann passt das doch. Nur muss man gut aufpassen, wo die Grenze ist, wie ich oben auch schon ausgeführt habe.
    Ich selbst habe schon Fortbildungen in England zum Fach Englisch besucht. (Das ist für uns in Bayern angeboten.) Die Englischdidaktiker dort, denen ich begegnet bin, sehen das Sprachlernen und den Zugang zur Sprache wesentlich mehr von Spaß und Motivation geprägt als durch stures Pauken von Vokabeln und grammatikalischem Wissen. Eine Sprache lebt dadurch, dass man sie versteht und spricht und man vor allem Bezug zu ihr gewinnt. Dadurch entsteht ein quasi emotionaler Bezug. Dies versuchen wir im Grundschulunterricht in Englisch zu erreichen.

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