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Seiteneinsteiger und DDR-Lehrer – Minister Tullners Kampf gegen den Lehrermangel

MAGEDBURG. Die Schüler in Sachsen-Anhalt genießen derzeit die Ferien. Wer zum Schulanfang im August vor ihnen stehen wird, ist aber vielfach noch unklar. Das Land stellt Lehrer auf den letzten Drücker ein.

«Wir kommen voran, auch wenn der Weg steinig ist»: Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner. Foto: EvDa13 / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

«Wir kommen voran, auch wenn der Weg steinig ist»: Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner. Foto: EvDa13 / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Seiten-Einsteiger, Lehrer mit DDR-Ausbildung, frische Uni-Absolventen: Sachsen-Anhalt zieht alle Register, um die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr abzusichern. Erst kurz vor den Sommerferien waren 320 Stellen ausgeschrieben worden, die das neue schwarz-rot-grüne Kabinett am 31. Mai freigegeben hatte. Auf die Stellen hätten sich 788 Frauen und Männer beworben, einige auf mehrere Stellen gleichzeitig, teilte das Bildungsministerium der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in Magdeburg mit. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte: «Wir kommen voran, auch wenn der Weg steinig ist.»

Die Öffnung der Zugangskriterien habe die Bewerberzahlen spürbar ansteigen lassen, sagte Tullner. Unter den Bewerbern seien 139 Lehrer mit DDR-Ausbildung sowie 346 Seiteneinsteiger. Demzufolge machen sie den größeren Teil der Bewerber aus. Sachsen-Anhalt konkurriert mit anderen Bundesländern um die knappe Zahl von Lehrern. Hinzu kommt, dass laut Ministerium zum Schuljahresende etwa 570 Lehrkräfte aus dem aktiven Schuldienst ausscheiden. Außerdem steigt nach den Neueinstellungen der Vorjahre nun die Zahl der Lehrerinnen, die wegen des eigenen Nachwuchses in Elternzeit gehen. Und: Allein zum 1. Juli waren landesweit 336 Lehrer langzeiterkrankt.

Auch mit den 320 Neueinstellungen würde es also eng im System, aber die kommen voraussichtlich gar nicht zustande: Denn für 48 Stellen gibt es keine geeigneten Kandidaten. Allein an den Sekundarschulen seien 15 ausgeschriebene Positionen ohne geeigneten Bewerber geblieben, 11 an Gymnasien und 8 an Förderschulen. Zudem sei gar nicht klar, ob alle Bewerber die angebotenen Stellen auch annehmen und alle Zugangsvoraussetzungen erfüllen. Wie viele Stellen also tatsächlich unbesetzt bleiben, ist nicht absehbar.

«Das Einstellungsverfahren wird auf jeden Fall die gesamte Ferienzeit in Anspruch nehmen», hieß es aus dem Ministerium. Einige Stellen würden auch erst nach Schulbeginn besetzt. Die Neu- und Wiedereinsteiger könnten den Dienst bis zum 1. Oktober antreten. In den Vorjahren galt der Grundsatz, dass zum Ferienbeginn klar sein sollte, welches Kollegium das neue Schuljahr zusammen bestreitet.

Tullner versucht sich in Optimismus: «Wir gehen derzeit davon aus, eine Unterrichtsversorgung auf dem Niveau des Vorjahres sicherzustellen.» Perspektivisch gelte es aber, auch über neue Anreizsysteme für bisher wenig attraktive Stellen nachdenken. Eine bessere Bezahlung erwäge er auch bei den Schulleitern an den Grundschulen, sagte Tullner am Dienstag bei MDR Aktuell. Derzeit seien gut 40 Direktoren-Posten unbesetzt, in Zukunft würden es noch mehr. Tullner, der seit Ende April neuer Bildungsminister ist, hat mit den Schulen eine der größten Baustellen der Landesregierung übernommen.

Nach dem aktuellen Hau-Ruck-Verfahren mit großem Aufwand, strebt Tullner für die Zukunft eine Entlastung für die Verwaltung an: Ein Online-Bewerbungsverfahren soll her. «Zurzeit beansprucht das Verfahren viele personelle Kapazitäten. Ich habe veranlasst, dass spätestens im November ein Online-Bewerbungsverfahren zum Einsatz kommt. Andere Länder sind hier deutlich innovativer als wir, das werden wir ändern.» Von Dörthe Hein, dpa

Zum Beitrag: Sind Seiteneinsteiger die schlechteren Lehrer? GEW warnt vor sinkendem Unterrichtsniveau

Ein Kommentar

  1. Die DDR-Lehrerausbildung wird heutzutage geschätzt, auch wenn die DDR-Unterstufenlehrer nicht studiert haben. Viele Privatschulen nehmen sie mit Kusshand. Es ist nichts dagegen zu sagen – außer, wenn so jemand inzwischen 25 Jahre nicht mehr „praktiziert“ hat. Das ist ein Minus natürlich, ansonsten – und das wollte ich sagen – ist es Quatsch und/oder Ideologie, Lehrer mit DDR-Ausbildung nicht einzustellen.

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