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Studie: Immer mehr Alleinerziehende rutschen in Armut – Psychologe: Kinder bekommen dann oft auch Probleme in der Schule

GÜTERSLOH. Allein mit Haushalt, Kindern und Beruf: Wer Kinder ohne Partner großzieht, hat es besonders schwer, die Familie zu ernähren. Bleiben dann auch noch Unterhaltszahlungen aus, ist Armut programmiert. Probleme haben betroffene Kinder dann oft auch in der Schule.

Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder sind häufig von Armut betroffen. Foto: Natasha Chub-Afanasyeva / flickr (CC BY 2.0)

Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder sind häufig von Armut betroffen. Foto:
Natasha Chub-Afanasyeva / flickr (CC BY 2.0)

Ausbleibende Unterhaltszahlungen lassen immer mehr Alleinerziehende unter die Armutsschwelle rutschen. Die Hälfte aller Mütter und Väter, die ohne Partner Kinder großziehen, erhält gar keinen Unterhalt, obwohl er ihnen zusteht. Weitere 25 Prozent bekommen nur unregelmäßig oder zu wenig Geld vom getrennt lebenden Partner, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht.

«Es kann nicht sein, dass sich einige Väter oder auch Mütter vor dem Unterhalt ihrer Kinder drücken und ihre Verantwortung allein auf den Staat schieben», sagte Familienministerin Manuela Schwesig. Ausbleibende Zahlungen müssten konsequenter eingefordert werden. Die SPD-Politikerin schlug auch verbesserte Regelungen beim Unterhaltsvorschuss vor: Er müsse bis zum 14. Lebensjahr gezahlt werden.

Mehr als ein Drittel aller Alleinerziehenden (37,6 Prozent) ist laut Studie auf Hartz-IV-Leistungen für ihre Familien angewiesen. Damit sind sie fünf Mal häufiger Empfänger als Familien mit zwei Elternteilen (7,3 Prozent). Kinderarmut sei damit in wesentlichem Maße auf die Armut von Alleinerziehenden zurückzuführen: Jedes zweite Kind im Hartz-IV-Bezug lebt mit nur einem Elternteil.

Für die Alleinerziehenden – in 89 Prozent der Fälle sind es die Mütter – sei es schwierig neben Haushalt und Kinderfürsorge ein auskömmliches Einkommen zu erwirtschaften. «Bleibt dann der Unterhalt aus, rutschen viele unter die Armutsgrenze», erläutert Studienautorin Antje Funcke. Obwohl mittlerweile jede fünfte Familie eine Ein-Eltern-Familie sei, gelinge es der Familienpolitik bislang nicht, Armut wirksam zu bekämpfen, heißt es in der Studie. Im Gegenteil: Der Anteil der Alleinerziehenden, die als armutsgefährdet gelten, ist 2014 auf 42 Prozent angestiegen, 6,6 Prozentpunkte mehr als noch 2005.

Verbände und Betroffene fordern mehr und zielgerichtere Unterstützung für Alleinerziehende. So schlägt das Deutsche Kinderhilfswerk unter anderem steuerliche Entlastungen vor, damit Alleinerziehende nicht länger schlechter gestellt seien als Paare mit Kindern. Auch pochen die Familienorganisationen wie der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter auf bessere Kinderbetreuung in Randzeiten sowie familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle, damit Alleinerziehende überhaupt die Möglichkeit haben, ein angemessenes Einkommen zu erwirtschaften.

«Gerade Alleinerziehende brauchen gute und auskömmliche Arbeit, und sie brauchen gute und flexible Betreuungsangebote, um dieser Arbeit nachzugehen», fasste Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, zusammen. Frauen müssten zudem bessere Qualifizierungschancen erhalten, betonte Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK.

Die Bertelsmann-Stiftung sieht vor allem Reformen beim Unterhalt für geboten: Zahlt der Unterhaltspflichtige nicht, haben Alleinerziehende zwar Anspruch auf einen Vorschuss – allerdings nur sechs Jahre lang und nur für Kinder unter zwölf Jahren. «Das ist eine Regelung, die die Kinder überhaupt nicht im Blick hat», kritisierte Studienautorin Antje Funcke. Auch brauche es bessere Möglichkeiten, um die Ansprüche auf Unterhalt durchzusetzen. Auch Politiker der Grünen sowie der CDU/CSU-Fraktion sehen Reformbedarf beim Unterhaltsvorschuss.

Große Belastung für die Kinder

Der Berliner Schulpsychologe Klaus Seifried hatte unlängst in der „Berliner Morgenpost“ auf die Folgen von Armut und Scheidung für die betroffenen Kinder verwiesen. In der Schule komme es häufig zu Schwierigkeiten, wenn Eltern sich trennen, sagt Seifried. Viele Väter und Mütter würden sich dann streiten und an den Kindern zerren. “Für die Kinder ist das eine große emotionale Belastung”, betont der Schulpsychologe im Interview. Viele reagierten darauf in der Schule mit Lernschwäche oder Verhaltensauffälligkeiten.

Dazu komme die zunehmende Armut – von der eben überproportional häufig Alleinerziehende und ihre Kinder betroffen seien.  Häufig seien diese Familien nicht nur arm, sondern auch bildungsfern. „Oder die Eltern arbeiten in Niedriglohnjobs und im Schichtdienst. Sie können ihre Kinder nur wenig in ihrem Schulerfolg unterstützen, und die Schule kann das nur teilweise ausgleichen. Schulversagen, schlechte oder keine Schulabschlüsse sind die Folge.“ Auch psychische Erkrankungen seien bei Kindern und Jugendlichen in armen Familien doppelt so häufig anzutreffen wie in gut situierten Familien. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Auffällige Schüler – ein Schulpsychologe zieht Bilanz: „Die Fälle werden schwieriger und komplexer“

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