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Unicef: Kinder werden in Kriegen immer öfter gezielt ins Visier genommen

BERLIN. Rund 250 Millionen Minderjährige wachsen nach Angaben von Unicef in Kriegsregionen auf. Dabei würden Kinder zunehmend zur Zielscheibe von Gewalt – um so den Widerstand von Erwachsenen zu brechen.

Eine Mutter mit ihrem verletzten Kind, die aus dem syrischen Krieg nach Jordanien geflohen sind. Foto: UNHCR / O.Laban-Mattei / flickr (CC BY-NC 2.0)

Eine Mutter mit ihrem verletzten Kind, die aus dem syrischen Krieg nach Jordanien geflohen sind. Foto: UNHCR / O.Laban-Mattei / flickr (CC BY-NC 2.0)

Rundherum nur Tod, Leid und Angst: Immer mehr Kinder wachsen weltweit in einem Kriegsgebiet auf. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef hat es ein derartiges Ausmaß von Gewalt gegen Minderjährige seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. Die «neue Ära humanitärer Krisen» ist demzufolge vor allem durch zwei Faktoren gekennzeichnet: Die Konflikte sind meistens nicht zeitlich begrenzt, sondern rauben Mädchen und Jungen oft ihre gesamte Kindheit. Und immer häufiger wird gezielte Gewalt gegen Kinder als eine Art Kriegswaffe eingesetzt. Jedes neunte Kind muss in einem Kriegsgebiet leben.

In vielen Konflikten seien Entführung, Vergewaltigung, Folter und Ermordung von Kindern verbreitete Methoden, um Erwachsene zu demoralisieren, berichtet Unicef in seinem am Dienstag vorgestellten Jahresreport. «Uns liegen viele Berichte vor, wonach Scharfschützen bewusst Kinder anvisieren und Schulen, Kindergärten oder Spielplätze angegriffen werden», sagt der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider. Es gebe keinerlei moralische Grenzen mehr: Dass zum Beispiel Anschläge auf Schulen international geächtet sind, spiele für die Kriegführenden allem Anschein nach keine Rolle.

So registrierte Unicef im Jahr 2014 in Afghanistan 164 Angriffe auf Schulen, im Irak waren es 67. In Nigeria habe die Terrormiliz Boko Haram seit 2009 mehr als 1200 Schulen angegriffen und Hunderte Lehrer geötet.

In Syrien verifizierte Unicef im Jahr 2015 mehr als 1500 schwerste Kinderrechtsverletzungen. In 60 Prozent der Fälle seien Kinder durch Bomben in dicht besiedelten Wohngebieten getötet oder verstümmelt worden.

Die Komplexität und Dauer der Konflikte hat nach Angaben der UN-Organisation deutlich zugenommen. Meist gehe es darum, den Widerstand der Bewohner zu brechen, um sie zu vertreiben und die politische Macht zu erobern. «Die Zivilisten in diesen Gebieten haben oft eine enorme Widerstandskraft. Aber wenn es auf dem Schulweg und für das Aufwachsen der Kinder nicht mal ein Mindestmaß an Sicherheit gibt, ist das für viele Familien der ausschlaggebende Grund, um zu fliehen», erklärt Schneider.

Im Krieg und auf der Flucht werde das Grundvertrauen von Kindern erschüttert. Zwar seien nicht alle Kinder aus Krisengebieten im klinischen Sinne traumatisiert. Aber nach Schätzung von Unicef drohen zum Beispiel mehr als einem Fünftel der Jungen und Mädchen, die vom Konflikt im Nahen Osten betroffen sind, psychische Probleme.

Psychosoziale Angebote und Notschulen seien wichtige Mittel, um Kinder in Krisenregionen zu unterstützen und zu stabilisieren, betont das UN-Hilfswerk in seinem Bericht mit dem Titel «Flüchtlingskindern helfen». Denn der Besuch einer Schule vermittele Kindern ein Gefühl von Alltag und Normalität. Doch im Jahr 2013 seien lediglich zwei Prozent der weltweiten Nothilfegelder in solche Projekte geflossen. Ein erfolgreiches Beispiel sei das von der Bundesregierung unterstützte Programm «No Lost Generation», bei dem Kindern in Syrien und benachbarten Ländern Lernmaterial und damit Zugang zur Bildung bekämen. Von Petra Albers, dpa

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