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„Wäre unfair“: Hochschulrektorenkonferenz will Flüchtlingen an Hochschulen keine Sonderkonditionen einräumen

BERLIN. Wie viele Flüchtlinge in nächster Zeit als Studenten in die Hörsäle kommen, ist noch unklar. Der Chef der Hochschulrektorenkonferenz heißt Interessierte willkommen – besondere Startvorteile bei der Zulassung zum Studium will er aber nicht einräumen.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, warnt vor «Sonderkonditionen oder Sonderquoten» für Geflüchtete bei der Zulassung zum Studium. «Wir müssen schnellstmöglich Chancengleichheit für die Flüchtlinge in ihrer so schwierigen Lebenssituation herstellen. Aber Regelungen zu Lasten anderer Bewerberinnen und Bewerber wären problematisch», sagte er auf Anfrage in Berlin.

Solche Regelungen wären nicht nur unfair gegenüber diesen anderen Bewerbern um Studienplätze in Deutschland. Hippler: «Es gehört auch zur Verantwortung für die Flüchtlinge, dass für sie die gleichen Qualitäts- und Leistungsstandards beim Hochschulzugang und während des Studiums gelten müssen wie für alle anderen Studierendengruppen.»

Flüchtlingen stehe ein Studium an einer deutschen Hochschule grundsätzlich offen, und mehr als die Hälfte der Studienangebote habe keine Zulassungsbeschränkung. «Nur für die Fächer mit Numerus Clausus gilt eine Ausländerquote, die je nach Bundesland zwischen fünf und elf Prozent liegt.»

Zur Studierneigung bei den im Vorjahr nach Deutschland gekommenen rund eine Million Flüchtlinge äußerte sich Hippler zurückhaltend. Die derzeit kursierenden Zahlen – zwischen 20.000 und 70.000 – seien sehr grobe Schätzungen. «Über die tatsächliche Nachfrage von Flüchtlingen nach einem Studium können wir momentan seriös noch nichts sagen.» Die meisten Flüchtlinge müssten zunächst die Sprachhürde überwinden – «und die sprachlichen Anforderungen im Studium sind hoch». Ohne ausreichende Sprachkenntnisse aber drohe Studierenden Frust und Misserfolg, betonte Hippler.

«Wir haben gerade erneut eine Befragung der Hochschulen gestartet, um die Situation besser einschätzen zu können», erläuterte der HRK-Präsident. «Harte Daten insbesondere über die künftige Studienplatznachfrage zu bekommen, wird uns aber auch auf diesem Wege nicht gelingen. Wir können auch nicht absehen, wie viele von den Flüchtlingen mit Hochschulzugangsberechtigung sich wirklich für ein Studium entscheiden.» Hippler verwies auf die in Deutschland «sehr attraktive» duale Berufsausbildung als sinnvolle Alternative.

Der HRK-Chef hob hervor, die Unis hätten «schnell zusätzliche Angebote aus dem Boden gestampft»: Informationsveranstaltungen, Beratungen und Gasthörerangebote. «Bei der Anerkennung der Zulassungsberechtigung gibt es Lösungen auch für die, die durch das Chaos der Flucht nicht die nötigen Unterlagen vorweisen können.» dpa

Hürden für Flüchtlinge auf dem Weg ins Studium

Für studierwillige Flüchtlinge gibt es auf dem Weg in den Hörsaal einige Hürden.

Oft geht es damit los, dass eine in der Heimat erworbene Hochschulzugangsberechtigung fehlt. Studienbewerber können sie nach einem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) auch indirekt nachweisen, etwa per Plausibilitätsprüfung mit anderen Originaldokumenten oder beglaubigten Kopien, dann kann auf das aufwendige Prüfungs- und Feststellungsverfahren verzichtet werden. Für viele schwierig ist auch die Finanzierung eines Studiums: Wenn sich Flüchtlinge während des Asylverfahrens einschreiben, verlieren sie den Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz – Anspruch auf Bafög gibt es nicht, der Zugang zum Arbeitsmarkt steht unter Vorbehalt. Spezielle Studienplatzquoten für Geflüchtete sind nicht geplant. Und dann ist da noch der oft mühsame und aufwendige Spracherwerb. Eine wichtige Brücke, um die fürs Studium notwendigen Deutschkenntnisse zu erlangen, sind Studienkollegs der Hochschulen.

 

Ein Kommentar

  1. Wenn Flüchtlinge als Analphabeten studieren dürfen, wäre es nur fair, wenn das auch für Deutsche gelten würde.

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