Startseite ::: Nachrichten ::: Auch Rheinland-Pfalz verzeichnet steigende Schülerzahlen – Ministerin Hubig stellt Lehrer ein

Auch Rheinland-Pfalz verzeichnet steigende Schülerzahlen – Ministerin Hubig stellt Lehrer ein

MAINZ. Die Zahl der Schüler in Rheinland-Pfalz steigt wegen des Zuzugs von Flüchtlingsfamilien an. 541 600 Kinder und Jugendliche starten am kommenden Montag ihr Schuljahr an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, das sind 4100 mehr als im Vorjahr. Um alle Schüler unterrichten zu können, seien in diesem Schuljahr 270 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen worden, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Donnerstag in Mainz.

Das Ministerium erstellt keine Statistik darüber, wie viele Flüchtlingskinder unterrichtet werden. Fachlich relevant sei, welche Kinder keine oder nur geringe Deutschkenntnisse haben und deswegen spezielle Intensivkurse besuchen, sagte Hubig. «Dort sind auch welche dabei, die hier geboren sind und die Sprache nicht ausreichend beherrschen.» Auch viele Kinder von EU-Arbeitsmigranten besuchten diese Kurse. Zum Ende des vergangenen Schuljahres lernten rund 9100 Schüler in den Intensivkursen an den Schulen Deutsch.

Rheinland-Pfalz’ neue Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) ist bislang noch nicht als Bildungsexpertin hervorgetreten. Foto: Olaf Kosinsky / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Rheinland-Pfalz’ neue Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hat das Amt erst kürzlich übernommen. Foto: Olaf Kosinsky / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

«Die Sprache ist ein Schlüssel zur Integration und auch zum Lernen», sagte Hubig weiter. Dabei ist die Sprachförderung ein Kraftakt für Schulen und Behörden: Die Zahl der Deutsch-Intensivkurse wurde innerhalb eines Jahres verdreifacht. Hinzu kommt Unterricht in den Erstaufnahmeeinrichtungen. 26,2 Millionen Euro werden in diesem Jahr insgesamt in Sprachförderung investiert. «Wir haben die Anstrengungen unglaublich vermehrt», sagte Hubig.

Für die Integration mangelt es an Lehrern, kritisiert der Verband

In den Intensivkursen erhalten die Kinder und Jugendlichen in der Schule speziellen Deutschunterricht, während ihre Klassenkameraden zur gleichen Zeit regulären Unterricht haben, bei dem es auf gute Deutschkenntnisse ankommt. «Sie nehmen aber dann an anderen Fächern teil, wo die Sprache nicht so stark im Mittelpunkt steht, zum Beispiel im Sport, aber auch in Mathematik, damit sie von Anfang an in den Klassenverband integriert werden», sagte Hubig.

Neu in diesem Jahr ist der Sprachausweis. Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, werden von den Lehrern bewertet, damit bei einem Schulwechsel die neuen Lehrer über den Sprachstand Bescheid wissen. «Das wird, denke ich, in der Praxis sehr helfen», sagte Hubig. Der Übergabebogen umfasse nur ein Blatt, so dass es nicht viel Zusatzarbeit für die Lehrer bedeute.

Auch um die Flüchtlinge, die nicht mehr schulpflichtig sind, kümmert sich das Ministerium. In einem speziellen Projekt können Menschen zwischen 18 und 25 Jahren an einer Mischung aus Sprach- und Integrationskursen, Unterricht an einer Berufsschule und Praktika teilnehmen. «Es herrscht ein Fachkräftemangel, und wir denken, dass viele von diesen Menschen eine gute Chance haben, wenn sie eine Ausbildung besitzen», sagte Hubig. Es sei aber nicht leicht, Teilnehmer zu finden, gibt sie zu. «Weil viele ein Interesse haben, Geld nach Hause zu schicken, um zum Beispiel ihre Schlepper zu zahlen.»

Der Lehrergewerkschaft VBE reichen die 270 Neueinstellungen nicht. Nötig seien allein 250 zusätzliche Lehrer in den Grundschulen sowie 800 Lehrer für die Integration der Flüchtlinge. Es sei nicht klar, wie mit den wenigen neuen Lehrern die von der Ampelkoalition versprochene komplette Unterrichtsversorgung gedeckt werden könne, erklärte VBE-Landeschef Gerhard Bold.

Auch die oppositionelle CDU-Fraktion ist mit der Planung des Bildungsministeriums nicht zufrieden. Die Gymnasien gingen in Bezug auf die Einstellungen von Lehrern fast leer aus, bemängelte die bildungspolitische Sprecherin Anke Beilstein. Das Ministerium verweist darauf, dass es in diesem Jahr durch die doppelten Abiturjahrgänge rund 2500 weniger Schüler gebe – und sich die Zahl der Lehrer daran orientiere. dpa

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*