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„Computer-PISA“ geht in die zweite Runde: Steht uns 2018 ein neuer ICILS-Schreck ins Haus?

PADERBORN. Die Ergebnisse der ersten „Computer-PISA“-Studie zu computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Jugendlichen waren für Deutschland alarmierend. Nun ist die (so der richtige Name) „International Computer and Information Literacy Study“, kurz ICILS, in die zweite Runde gestartet. Steht uns also 2018 der nächste ICILS-Schreck ins Haus?

Digitale Bildung? Damit sieht es an Deutschlands Schulen immer noch mau aus. Foto: Thiago Marquez (CC BY-NC-SA 2.0)

Digitale Bildung? Damit sieht es an Deutschlands Schulen immer noch mau aus. Foto: Thiago Marquez (CC BY-NC-SA 2.0)

Deutschlands Schüler besitzen zwar Smartphones und Co., aber weniger als ein Viertel der Achtklässlerinnen und Achtklässler sind in der Lage, mit einem Computer eigenständig Informationen zu suchen und zu bearbeiten. Langsame Internetzugänge und veraltete Rechner sind für die Hälfte der Lehrer Schulalltag.

Diese Ergebnisse der ersten internationalen Schulleistungsstudie ICILS haben im November 2014 aufgerüttelt und seitdem wichtige Impulse in der Bildungspolitik gesetzt: 2015 stimmte der Bundestag bezugnehmend auf die Ergebnisse der Studie einem Antrag zur Digitalen Bildung zu. Im Juni dieses Jahres haben die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den digitalen Wandel in der Bildung als Schwerpunktthema für 2016 ausgerufen.

In einer Gesamtstrategie aller Bundesländer ist angedacht, dass sich die Bundesländer dazu verpflichten, die auf der Grundlage der in der Studie formulierten Kompetenzstufen für Schülerinnen und Schüler im Umgang mit digitalen Medien in die Lehrpläne aufzunehmen. Neben anderen Bundesländern hat auch Nordrhein-Westfalen bereits seine Lehrerbildung geändert: Prüfungsrelevante Unterrichtsbesuche, die digitale Medien einbeziehen, werden zukünftig für alle Referendare verpflichtend.

Die im Juli gestartete zweite Runde der IEA-Studie wird durch eine erneute Erhebung im Jahr 2018 den aktuellen Status der digitalen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sowie die Rahmenbedingungen an Schulen ermitteln und diese international und mit den vorherigen Ergebnissen vergleichen. Schülerinnen und Schüler von 150 repräsentativ gezogenen Schulen aus allen Bundesländern werden dabei in computerbasierten Tests auf ihre Fähigkeiten geprüft.

Erstmals wird bei der Studie auch der noch junge Forschungsbereich „computational thinking“ für Deutschland erfasst. Dabei wird untersucht, ob die Jugendlichen in der Lage sind, Probleme zu erkennen, die mithilfe von Computern bewältigt werden können, und diese in Teilschritten von einem Computer oder einem Menschen lösen zu lassen – wie beispielsweise für ein selbstfahrendes Auto eine Strecke festzulegen. „2019 werden wir zum ersten Mal Erkenntnisse über diesen Bereich für deutsche Schülerinnen und Schüler vorliegen haben“, erklärt Dr. Brigit Eickelmann, Professorin für Schulpädagogik an der Universität Paderborn. Eickelmann koordiniert dort die Studie als wissenschaftliche Leiterin für Deutschland – damit wird die Hochschule nationales Forschungszentrum.

International wird der neue Studienzyklus wissenschaftlich vom Australian Council for Educational Research (ACER), Melbourne, geleitet. Erstmalig werden nun unter anderem Frankreich, Italien, die Vereinigten Staaten sowie Finnland an der Studie teilnehmen. Die Studie wird in Deutschland mit insgesamt 2,3 Millionen Euro vom Bundesbildungsministerium gefördert. N4t

Zum Bericht: Der „ICILS-Schreck“: Deutsche Schüler bei Computer-Kompetenzen international nur im Mittelfeld

8 Kommentare

  1. Welche Interessengruppen stecken wohl hinter diesen Tests?

    • Offenbar die Regierungen der beteiligten Staaten – ohne deren Einverständnis und ohne deren Geld könnte eine solche Studie nicht stattfinden.

  2. Das schreit ja geradezu nach einem Pflichtfach Informatik!!

    • haben Sie die Lehrer dafür??

      • Für Informatik sicherlich nicht, für „Informatik“, also das, was Bildungs“experten“, die ihre Sekretärin die handgeschriebenen Lobbybriefe abtippen lassen, darunter verstehen schon, weil das bisschen Textverarbeitung und Googlebenutzung im Prinzip jeder kann.

  3. Ist die Nutzung eines Beamers und PowerPoint statt eines OHP und Folien dann schon Einsatz der digitalen Medien ?!?

    Die nicht naturwissenschaftlichen Referendare, die in die naturwissenschaftlichen und häufig bereits mit Beamern ausgestatteten Räume nicht hineindürfen, müssen hoffen, dass die Ausbildungsschule für die „digitalen“ Unterrichtsbesuche gut genug ausgestattet ist.

    • Der Einsatz eines CD-Players zählt schon als „Einsatz digitaler Medien“. Auch das Abspielen einer VHS auf einer Röhrenglotze zählt wohl schon dazu, denn das Abspielgerät ist sicher digital, auch wenn die VHS analog ist.

      • Dann müsste mittlerweile jeder Unterrichtsbesuch digital in dem Sinne sein, weil der Entwurf auf einem bekanntermaßen digitalen PC getippt wurde …

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