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GEW: Vollverschleierte Mädchen nicht vom Unterricht ausschließen – Expertin widerspricht

BERLIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt davor, vollverschleierten Mädchen und Frauen den Zugang zum Schulunterricht zu erschweren. «Ein Verbot der Vollverschleierung ist der vollkommen falsche Weg. Wir dürfen Frauen nicht nur deswegen von Bildung ausschließen, weil sie Burka oder Niqab tragen», sagte Ilka Hoffmann vom GEW-Hauptvorstand der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Schule sei für vollverschleierte Mädchen aus strengkonservativen islamischen Haushalten oft die einzige Möglichkeit, Kontakt zu Gleichaltrigen aufzunehmen. Die Nahost-Expertin Prof. Ulrike Freitag widerspricht.

Geht das - mit Niqab im Unterricht? Foto: Ranoush / flickr (CC BY-SA 2.0)

Geht das – mit Niqab im Unterricht? Foto: Ranoush / flickr (CC BY-SA 2.0)

«Im Unterricht kann sich das Selbstbewusstsein herausbilden, das nötig ist, um entgegen der Familientradition den Schleier abzunehmen», sagte Hoffmann. «Einen solchen Transformationsprozess müssen wir fördern, nicht behindern.» Anders sei es bei Lehrkräften, die vollverschleiert unterrichten wollen. «Lehrerinnen haben Vorbildfunktion und repräsentieren den Staat. Eine Burka oder ein Nikab geht da nicht», sagte Hoffmann, die bei der GEW für den Bereich Schule zuständig ist.

Die Nahost-Historikerin Prof. Ulrike Freitag findet es dagegen richtig, muslimischen Schülerinnen in Deutschland das Tragen eines Gesichtsschleiers zu verbieten. «In Schulen, Ämtern und vor Gericht hat er nichts verloren», sagte die Direktorin des Zentrums Moderner Orient (ZMO) in Berlin am Dienstag. Wenn eine Schülerin den Niqab vor männlichen Mitschülern und Lehrern nicht ablegen wolle, bleibe ihr immer noch die Möglichkeit, auf eine Mädchenschule zu wechseln.

Wer sich ein Leben ohne Burka oder Niqab nicht vorstellen könne, sollte ihrer Ansicht nach auch darüber nachdenken, sich vielleicht einen anderen Wohnort zu suchen. «Wenn man sich so stark abgrenzen muss, dann kann man sich in der Tat überlegen, ob man nicht irgendwo hingehen soll, wo das kulturell üblich ist», sagte Freitag. Bei Aufenthalten im Jemen und in Saudi-Arabien habe sie die Erfahrung gemacht, dass es in der Kommunikation einen großen Unterschied mache, ob das Gegenüber sein Gesicht hinter einem Schleier verbirgt.

Dass der Niqab in der arabischen Welt heute viel stärker verbreitet ist als noch vor 50 Jahren, führt die Wissenschaftlerin unter anderem auf das «allgemeine kulturelle Vorbild der Golfstaaten» zurück. Länder wie Saudi-Arabien, wo der Gesichtsschleier traditionell getragen werde, hätten aufgrund ihres Wohlstandes zuletzt enorm an Einfluss gewonnen.

Nach dem Willen der Unionsinnenminister sollen sich muslimische Frauen in deutschen Gerichten, Ämtern, Schulen oder im Straßenverkehr nicht mehr voll verschleiern dürfen. Am Montag hatte das Verwaltungsgericht Osnabrück ein Nikab-Verbot für eine 18-jährige muslimische Schülerin an einer Abendschule bestätigt. dpa

Zum Bericht: Niqab? Nein danke – Gericht bestätigt Verschleierungs-Verbot für muslimische Schülerin

11 Kommentare

  1. Ich habe die Tage einen interessanten Kommentar zu dieser Sache gelesen:

    Angenommen, der Vater / Hausherr / Patriarch / wie man auch immer ihn nennen kann, sperrt im Falle eines Verschleierungsverbots tatsächlich alle Frauen im Haushalt ein. Wer geht dann einkaufen? Ein den gängigen Vorurteilen gehorchender Vater / Hausherr / Patriarch sicherlich nicht, genauso wenig wie die genauso zum Pascha erzogenen Söhne. Das Argument „einsperren“ zählt dem Kommentar nach somit nicht.

  2. Albert Schultheis

    Diese Haltung der GEW zur Vollverschleierung von Frauen und Mädchen ist für mich absolut unvertretbar und skandalös. Ich trete aus, weil ich es nicht verantworten kann, eine Organisation zu unterstützen, die der Unterwerfung von Frauen mitten in unserer Gesellschaft aktiven Vorschub leistet.

    • Glückwunsch zu Ihrem Austrittsentschluss, Herr Schulheis! Ich bin schon vor langer Zeit ausgetreten, wenn auch aus anderen Gründen.
      Die GEW ist für mich keine Gewerkschaft, sondern ein linkslastiger Ideologieverein mit erheblichem Einfluss auf die Bildungspolitik. Das habe ich leider erst nach einigen Jahren der Mitgliedschaft realisiert.

      • Albert Schultheis

        Leider kann ich das nur bestätigen, was Sie sagen, liebe geli.
        Wenn ich das schon lese „Expertin widerspricht“, dann stellen sich mir die Haare zu berge – was sind das für „Experten“ und wie müssen wir alle doch so doooof sein, dass wir das nicht kapieren, was man uns da weismachen will.

        • Der Begriff „Experte“ ist inzwischen völlig weichgespült. Schade, denn nicht jeder kann die Qualtiät der Experten einschätzen.

          • Wieso denn weichgespült? Die Rede ist hier von einer der renommiertesten Islamwissenschaftlerinnen in Deutschland, der Professorin und Direktorin des Zentrums Moderner Orient in Berlin Ulrike Freitag – wenn die keine Expertin in Sachen Islam ist, wer denn dann?

          • Sorry, ich meinte in diesem Fall nicht Ulrike Freitag, sondern wie allgemein mit dem Begriff „Experten“ umgegangen wird, was mir schon in anderen Artikeln aufgefallen ist. (Hier habe ich direkt auf A. Schulheis geantwortet ohne diesen Artikel nochmals nachzulesen.)
            Weiter unten habe ich ja meine Meinung zum Schleier aufgeführt – entgegen der GEW-Meinung und konform mit U. Freitag – aufgeführt.
            Eine weitere bekannte Expertin zum Thema Schleier und Zwangsverheiratung ist aus eigener Erfahrung auch Sabatina James. Sie kommt öfter einmal in TV-Sendungen zu Wort.

          • @ysnp
            Vermutlich wird Bernd gleich bestreiten, dass Sabatina James tatsächlich eine „Expertin“ für den Islam ist?
            Übrigens schätze ich diese Dame sehr, nicht zuletzt wegen ihres Mutes, sich weiterhin kritisch zum Islam zu äußern, obwohl sie unter Todesdrohungen steht.

          • Wie schön, U. B., dass ich in Ihnen offenbar einen Hellseher gefunden habe, der ungefragt für mich kommentiert, was ich nie zu kommentieren beabsichtigte. Wer braucht schon Experten, wenn’s so Schlaumeier wie Sie gibt?

  3. Irgendwo stand, dass die muslimische Schülerin eine Deutsche ist, die Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien hat. Also nicht einmal jemand, der aus arabischen Ländern kommt.
    In Deutschland besteht Schulpflicht und da kann man sehr wohl Schleier verbieten. Das ist in meinen Augen das richtige Signal. Ich erinnere daran, dass das Idealbild der Frau in der Nachkriegszeit in Deutschland das Heimchen am Herd war. Wie viel hat man in seitdem an Gleichberechtigung erreicht. Auch in der Schweiz, wo Frauen sehr lange nicht wählen durften.
    Wenn wir heute von unserem „gleichberechtigten“ Luxusdenken her den Schleier erlauben, dann ist das für die Frauen, die den Schleier aus Traditionsgründen in der patriachalischen Weltordnung tragen müssen, keine Hilfe. Außerdem frage ich mich, was dieses Weltbild soll, dass sich eine Frau vor den Blicken der bösen Männer, die angeblich nur das Eine im Kopf haben, schützen soll. Ebenso der Gedanke: Meine Frau, mein Eigentum. Diese Hintergrundgedanken passen überhaupt nicht in unsere aufgeklärte Gesellschaft und da ist unsere Toleranz weit überschritten!
    Zudem habe ich den Eindruck, dass die Muslima, die den Schleier in der Öffentlichkeit verteidigen, nicht die Sprecherinnen von allen schleiertragenden Frauen sind, sondern welche, die diese Religion aus welchen Gründen auch immer – ähnlich wie früher die Jugendsekten – zu ihrem alles überragenden Lebensinhalt gemacht haben.
    Es gab vor kurzem eine Pressemeldung aus der Schweiz, wo eine arabische Touristin wegen des Tragens eines Schleiers Bußgeld bezahlen musste. Das hat sie widerstandslos gemacht und danach den Schleier abgelegt. Wer weiß, vielleicht war das eine Art Befreiung für sie.

  4. Wenn ich mir die Einlassung von Frau Hoffmann ansehe, frage ich mich, in welchem Universum die GEW wieder mal unterwegs ist…
    Scheinbar hat die Frau nie vor einer Schulklasse gestanden – außer vielleicht am Busbahnhof…

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