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Leitmotiv Gerechtigkeit: Juristin Hubig geht in erstes Schuljahr als Bildungsministerin

MAINZ. Von ihrer Berufung zur Bildungsministerin war sie selbst überrascht. Jetzt hat die Juristin Stefanie Hubig die ersten Lerneinheiten im neuen Fach absolviert und sieht sich zum Schulbeginn mit hohen Erwartungen konfrontiert.

Rheinland-Pfalz’ neue Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) ist bislang noch nicht als Bildungsexpertin hervorgetreten. Foto: Olaf Kosinsky / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Rheinland-Pfalz’ neue Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) ist bislang noch nicht als Bildungsexpertin hervorgetreten. Foto: Olaf Kosinsky / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Seit drei Monaten ist Stefanie Hubig für den Schulunterricht in Rheinland-Pfalz zuständig. «Die ersten Wochen im Bildungsministerium bestanden zu 80 Prozent aus Lernen, zu 15 Prozent aus Verwaltung und zu fünf Prozent aus Gestaltung», sagt die Ministerin. «Man kann nur dann gestalten, wenn man auch Ahnung hat.» Selbst auf der Ferienreise in Wales hatte die Ministerin Akten dabei. Mit dem Schulbeginn am 29. August steht Hubig nun besonders im Blickpunkt von Lehrern, Schülern und Eltern.

Wenn die Kinder den neuen Stundenplan zuhause vorzeigen, sollten sich die Eltern das genau anschauen, rät der Landeselternsprecher Thorsten Ralle. Für die Klassen an weiterführenden Schulen sollten sie «nachzählen, ob da auch die 30 Stunden sind, die es sein sollten und prüfen, ob die Fächer auch alle so gegeben werden, wie es vorgegeben ist».

Bildungsminister stehen stets im kritischen Fokus, auch von Lehrerverbänden und Gewerkschaften. Bekommt da eine neue Ministerin nicht eine gewisse Schonzeit? «Unsere Kinder haben auch nicht die Zeit», antwortet Ralle. Der Verwaltungsapparat sei ja der gleiche geblieben und «wir erwarten, dass jetzt endlich etwas in Bewegung kommt». Der Elternverband dringt auf die Einstellung von mehr Lehrern. Er habe den Eindruck, dass sich Hessen und Baden-Württemberg im Wettbewerb um qualifizierte Lehrkräfte mehr engagierten als Rheinland-Pfalz, sagt Ralle.

Stefanie Hubig geht auf die Kritik ein, sieht ihr Ressort aber in einer guten Ausgangssituation: «Ich habe in Rheinland-Pfalz eine Bildungsszene vorgefunden, die weit über dem Durchschnitt im Bundesgebiet liegt.» So sieht sie sich auch in einer Linie mit ihren Vorgängerinnen Doris Ahnen und Vera Reiß (beide SPD). In den Gesprächen seit Amtsantritt am 18. Mai habe sie in einem Maße engagierte und begeisterte Menschen kennengelernt wie selten zuvor: «Wenn ich sehe, mit wie viel Liebe und Engagement an den Schulen unterrichtet wird, ist dies eine ganz neue Erfahrung, das finde ich ganz toll.»

Die 47-Jährige lässt sich von der Begeisterung anstecken, hat das Staunen nicht verlernt. Zwei Jahrzehnte ihres Berufslebens verbrachte sie mit juristischen Aufgaben. Erst als Richterin und Staatsanwältin in Ingolstadt, seit 2001 dann im Bundesjustizministerium in Berlin.

Dort kam sie nach einem Jahr im Referat Mietrecht zu Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) ins Ministerbüro, blieb dort auch unter Brigitte Zypries (SPD) und war von 2005 bis 2008 als Referatsleiterin für die Kommunikation mit dem Kabinett, mit Bundestag und Bundesrat zuständig. Für die rheinland-pfälzische Landesregierung war Hubig schon einmal von 2008 bis 2013 tätig, ehe sie wieder nach Berlin ging und Staatssekretärin bei Justizminister Heiko Maas (SPD) wurde.

«Der Ruf nach Mainz kam überraschend», sagt Stefanie Hubig im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Die Inhalte sind völlig neu.» Aber es gibt auch Berührungspunkte, einen Bogen von der Justiz zur Bildung: «An Lebensläufen von Straftätern habe ich gesehen, wie viel oft schon in der Kindheit schief gelaufen ist. Nun schließt sich für mich ein Kreis. Jetzt bin ich nicht mehr für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft von Menschen zuständig, wie ein Kollege gesagt hat.»

Gerechtigkeit ist ein Leitthema der Sozialdemokratin, die seit 2009 Mitglied der Partei ist. Wenn Kindern oder Schwächeren Gewalt angetan wird, lässt sie das alles andere als kalt. In dieser Haltung hat sie an der Neufassung des Sexualstrafrechts mitgewirkt. Und in ihrer neuen Aufgabe sieht sie eine Möglichkeit, zu einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen: «Unsere Gesellschaft kann das schon gut gebrauchen, dass Menschen in vielen Bereichen bessere Chancen bekommen, das ist auch ein Thema der Sozialdemokratie.»

Nach all den Jahren in Berlin ist die gebürtige Frankfurterin jetzt gern in Mainz. Dort ist ihr Mann auch Professor an der Johannes Gutenberg-Universität. Das wissenschaftliche, akribische Arbeiten pflegt sie selbst. Komplexe Projekte legt sie gern in «Mind Maps» an, also in grafischen Schaubildern mit vielen Pfeilen und Beziehungen zwischen einzelnen Teilen. Wenn das neue Schuljahr zu Ende ist, wünscht sie sich eine neue Balance zwischen Lernen, Verwalten und Gestalten: «Ich hoffe, dass sich diese Anteile perspektivisch verändern werden in Richtung Gestaltung.» Von Peter Zschunke, dpa

Zum Bericht: Kann eine Juristin Bildung? Designierte Kultusministerin sorgt in Rheinland-Pfalz für Unmut

4 Kommentare

  1. Zitat: „Gerechtigkeit ist ein Leitthema der Sozialdemokratin“
    Na so was! Das kommt mir gar nicht so neu, sondern ausgelutscht und zur Rechtfertigung jedes bildungspolitischen Unsinns geeignet vor.
    Mir wäre lieber gewesen, Frau Hubig hätte sich sachgerechtes Handeln mit Vernunft und Augenmaß als Leitmotiv vorgenommen. Das wäre vermutlich auch zwangsläufig gerecht.
    Ich bin es leid, dass sich Bildungspolitiker immer wieder auf moralische Prinzipien bei falschen Entscheidungen hinausreden dürfen und damit verheerende Beschlüsse schönmalen.

  2. Als Beleg für wissenschaftliches Arbeiten dient das Anlegen von „mind maps“ …

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