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Thüringen schafft es mit Mühe, seine freien Lehrerstellen zu besetzen – und kritisiert Bundesländer fürs gegenseitige Abwerben

ERFURT. Jungen Lehrern fällt es offenbar schwer, sich für Thüringen zu entscheiden – weil andere Länder oft bessere Startbedingungen bieten. Der Freistaat, der offenbar mit Mühe seine 500 freien Stellen zum Schuljahresbeginn besetzen konnte, sucht nun nach attraktiven Lösungen. Und hadert mit dem Wettbewerb.

"Wir In der Kritik: Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert. Foto: Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sporthaben nach unserem Dafürhalten richtig gehandelt." Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert. Foto: Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

Kritik an den Kollegen: Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert. Foto: Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) hat das gegenseitige Abwerben von jungen Lehrern zwischen den Ländern durch zusätzliche Anreize beklagt. Dies nutze niemandem. Vielmehr müsse nach Wegen gesucht werden, Lehrerausbildung und Lehrerberuf wieder attraktiver zu machen, sagte Klaubert am Dienstag in Erfurt. Sie wolle sich zunächst an ihre Kollegen in den neuen Ländern wenden und gegebenenfalls das Thema auf der Kultusministerkonferenz zur Sprache bringen.

Etwa die Hälfte der jungen Lehrer würde gern verbeamtet werden und schaue auf Bayern, Niedersachsen und Hessen, so die Ministerin. In Thüringen wird derzeit im öffentlichen Dienst nicht verbeamtet. Bis Jahresende wolle die Regierung «strategisch» entscheiden, ob wieder verbeamtet werden solle, sagte Klaubert zwei Tage vor Schulbeginn.

Fast 240.000 Kinder – und damit rund 2000 mehr als vor einem Jahr – werden in das neue Schuljahr starten; sowohl in den staatlichen Schulen als auch den Schulen in freier Trägerschaft. Von rund 500 Neueinstellungen seien bis auf 17 alle realisiert. Auf eine freie Stelle habe es im Durchschnitt sechs Bewerber gegeben. Klaubert widersprach damit Angaben des Thüringer Lehrerverbandes, der von einer hohen Zahl von Mehrfachbewerbungen gesprochen hatte. Die Evangelische Schulstiftung in Mitteldeutschland hat nach eigenen Angaben 50 neue Lehrer eingestellt.

Im Freistaat seien in den Vorjahren im Schnitt zwischen 460 und 470 Lehrer in den Ruhestand gegangen. Thüringen könne dies mit den Neueinstellungen ausgleichen, erklärte die Ministerin. Wegen der wachsenden Schülerzahl könnten in diesem und im kommenden Jahr 200 beziehungsweise 100 zusätzliche Lehrer befristet eingestellt werden.

Für die Betreuung von Flüchtlingskindern wurden 2015 und 2016 jeweils 50 Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache befristet eingestellt. 2017 ist die gleiche Anzahl geplant. In Thüringer Schulen lernen derzeit etwa 6000 Kinder mit Migrationshintergrund. Flüchtlinge und Asylbewerber werden nicht gesondert erfasst.

Ein Großteil der Lehrer in Thüringen ist über 50 Jahre alt. Weil zuvor über Jahre kaum junge Lehrkräfte eingestellt wurden, gebe es schlichtweg keine mittlere Lehrergeneration. Zudem wollten die meisten Bewerber lieber in der Stadt als in einem Dorf unterrichten. Laut Klaubert falle es auch schwer, alle Fächer mit entsprechenden Fachlehrern zu besetzen. Probleme gebe es in Mathematik und Naturwissenschaften, bei Sprachen sowie Sport und Musik. dpa

Zum Bericht: Trotz wachsenden Lehrermangels in Deutschland: Viele bayerische Junglehrer träumen vergeblich von einer festen Stelle

6 Kommentare

  1. So ist es eben mit dem allseits geforderten Wettbewerb. Sollen sich Bewerber dem Wettbewerb stellen, ist alles noch in Ordnung, doof wird es dann, wenn die Arbeitgeber sich diesem Wettbewerb stellen müssen.

  2. Verbeamtung ist so ziemlich die beste Möglichkeit, ggf. Verbeamtung nur für Landschulen, wenn es z.b. in Erfurt genügend Kandidaten gibt.

  3. Warum hat die Redaktion ein so unvorteilhaftes Foto der Ministerin gewählt??

    • Das ist das offiziell vom Thüringer Kultusministerium herausgegebene Poträtbild von Frau Klaubert.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

  4. Nach Thüringen würde ich im Leben nicht gehen. Der Verdienst in dem Bundesland ist nicht angenehm, außerdem ist mir die Gesinnung einger Bürger zuwider, die das gesamte Land in eine dunkle Episode zurückstossen könnten.

    Das andere ist, ich bin schon weit weg von der Familie.

    • Das mit dem Zurückstoßen unseres Landes „in eine dunkle Episode“ glaube ich nicht, es wird allerdings politisch und medial alles getan, um mich dies annehmen und befürchten zu lassen.

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