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Biologie: Fundamentale Erkenntnis – Seehunde haben ein Gefühl für die Zeit

ROSTOCK. Seehunde haben ein Gespür für die Zeit. Sie haben kein Problem, Zeitintervalle sogar im Millisekundenbereich zu unterscheiden. Für Wissenschaftler ist das eine neue Erkenntnis.

Seehunde haben ein Gespür für die Zeit. Ihr instinktives Zeitgefühl sei sogar so ausgeprägt, dass sie Intervalle im Millisekundenbereich unterscheiden könnten, berichteten Wissenschaftler des Robben-Forschungszentrums der Universität Rostock. Sie haben in einer einjährigen Studie herausgefunden, dass ein Seehund abschätzen kann, wie lange ein Ereignis dauert. Nach Angaben der Rostocker Wissenschaftler ist diese Erkenntnis neu. Bislang hätten Biologen gedacht, dass Tiere keinen Sinn für Vergangenheit oder Zukunft hätten: Sie würden ausschließlich im hier und jetzt leben.

«Zeit ist kein Reiz, wie es ein optischer Reiz ist», sagte Frederike Hanke. Die Wissenschaftlerin im Robbenforschungszentrum «Marine Science Center Rostock» bezeichnete den Zeitsinn der Seehunde als fundamentale Eigenschaft. «Zeitkontrolle spielt wahrscheinlich für Robben eine entscheidende Rolle, vor allen Dingen in einem Lebensraum, in dem es teilweise externe Reize nicht oder nur begrenzt gibt», sagte Frederike Hanke.

Für sie sei es wichtig einzuschätzen, wie lange sie schon abgetaucht sind oder welche Strecke sie in welcher Zeit zurückgelegt haben. Bei der Futtersuche muss das Tier entscheiden, ob es sich lohnt, weiter nach einem Fisch zu suchen, oder ob er lieber auftaucht zum Atmen. Auch bei der Orientierung im offenen Meer könne ein Zeitgefühl helfen: Wenn Sonne oder Sterne für eine Orientierung nicht zur Verfügung stehen, könne das eventuell durch einen gut ausgeprägten Zeitsinn aufgefangen werden, sagte die Wissenschaftlerin.

Doktorandin Tamara Heinrich mit Versuchstier Luca. (Fotos: Heinrich, MSC)

Doktorandin Tamara Heinrich mit Versuchstier Luca. (Foto: Heinrich, MSC)

Um die Bedeutung von Zeit und Zeitempfinden für Robben zu erforschen, hat Tamara Heinrich von der Universität Rostock ein Jahr lang ein Experiment mit einem Seehund durchgeführt. Die Wissenschaftlerin prüfte, ob das 13 Jahre alte Tier Zeitintervalle unterscheiden kann. Dafür musste die Robbe auf einem Computerbildschirm einen Kreis beobachten, der für eine vorprogrammierte Zeit aufleuchtete. Dann leuchtete ein zweiter Kreis auf – und die Robbe musste entscheiden, ob er länger oder genauso lang auf dem Bildschirm zu sehen war wie der erste. Je nach Entscheidung tippte die Robbe entweder links oder rechts vom Bildschirm eine Kugel. Für eine richtige Entscheidung gab es einen Fisch und somit für das Tier stets eine neue Motivation.

«Wir haben die Genauigkeit des Zeitgefühls für viele Zeitintervalle zwischen 3 und 30 Sekunden bestimmt», sagte Heinrich. Ob auch andere Meeressäuger dieses Zeitgefühl besitzen, müsse noch erforscht werden. Wolfgang Runge/dpa

4 Kommentare

  1. ??? Was hat das mit der Spezifik dieser Nachrichten-Seite zu tun ???

    (Ich frag ja nur.)

  2. Liebe/r xxx,

    vielen Dank – Sie nehmen uns die Antwort vorweg. Lieber Sofawolf, wir berichten tatsächlich immer mal wieder über interessante Erkenntnisse und Entwicklungen der Wissenschaft, die insbesondere Fachlehrer – in diesem Fall: Biologie-Lehrer – interessieren dürften. Auch der aktuelle Nachruf auf Ernst Nolte ist ja kein schulpraktischer oder -politischer Beitrag, dürfte aber dennoch (nicht nur) Geschichtslehrer interessieren. War ja einer der prominentesten und umstrittensten Vertreter der Zunft.

    Herzliche Grüße
    Die Redaktion

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