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Hamburgs Stadtteilschüler tun sich (noch) schwer mit Deutsch, Mathe und Englisch – Rabe meint aber: kein Grund für „Alarmismus“

HAMBURG. Bislang hielt Hamburgs Schulbehörde die Ergebnisse der Kermit-Studien unter Verschluss. Die nun doch veröffentlichten Zahlen belegen nun: Vor allem Stadtteilschüler tun sich mit Deutsch, Mathematik und Englisch schwer. Wie schwer, das ist allerdings interpretierbar – ist das Glas halb voll oder halb leer? Je nach Partei unterscheiden sich naturgemäß die Bewertungen.

"Kein Grund für Alarmismus": Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Foto: SPD Hamburg / flickr (CC BY-SA 2.0)

„Kein Grund für Alarmismus“: Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Foto: SPD Hamburg / flickr (CC BY-SA 2.0)

Zählen Rechtschreibung, Mathematik und Englisch nicht zu den Stärken von Hamburgs Schülern? Vor allem Stadtteilschüler tun sich damit teils sehr schwer, wie aus einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht. So erreichen etwa 43 Prozent der Achtklässler beim „Deutsch-Leseverstehen“ nicht die Mindeststandards, die am Ende der 10. Klasse für einen mittleren Schulabschluss nötig sind. Bei den Gymnasiasten seien es dagegen nur 2,5 Prozent. Die CDU/FDP-Opposition sprach von verheerenden Ergebnissen, Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte: «Wir nehmen die Ergebnisse (…) sehr ernst.»

Basis der Daten sind die im Schuljahr 2012/13 unter dem Motto «Kermit» («Kompetenzen ERMITteln») eingeführten, standardisierten Untersuchungen an allen Grund- und Stadtteilschulen sowie Gymnasien. Wurden die Ergebnisse der Tests bislang nur den Schulen selbst zur Verfügung gestellt, veröffentlichte die Schulbehörde nun auf Anfrage der FDP die Ergebnisse des Schuljahres 2015/2016.

Danach ergibt sich bei der Rechtschreibung ein ähnliches Bild wie beim Leseverstehen. Dort liegt den Angaben zufolge die Quote der Stadtteilschüler unterhalb des Mindeststandards bei fast 50 Prozent, bei den Gymnasiasten seien es 1,5 Prozent. Noch düsterer sieht es im Fach Mathematik aus. Dort liegen rund 77 Prozent der Achtklässler an Stadtteilschulen mit ihrem Können unterhalb der Mindeststandards, die allerdings eben erst für das Ende der Jahrgangsstufe 10 gelten. Bei Gymnasiasten seien es gut acht Prozent.

Beim «Englisch-Hörverstehen» wiederum könnten 48,5 Prozent der Stadtteilschüler bestenfalls genug verstehen, «um Bedürfnisse konkreter Art befriedigen zu können, sofern deutlich und langsam gesprochen wird». Bei Gymnasiasten seien es 1,5 Prozent. Beim «Englisch-Leseverstehen» verstünden 60,8 Prozent der Stadtteilschüler im besten Fall «kurze, einfache Texte zu vertrauten konkreten Themen (…), in denen gängige alltagsbezogene Sprache verwendet wird». Bei Gymnasiasten können nur 3,3 Prozent so wenig Englisch.

Schulsenator Rabe sagte, die Leistungen in Rechtschreibung und Mathematik müssten besser werden, «dennoch sind die Ergebnisse von Kermit 8 kein Grund für Alarmismus». Sie zeigten, «dass in Mitte Klasse 8 fast 88 Prozent der Schüler an Stadtteilschulen Rechtschreibung immerhin schon so gut beherrschen, dass sie jederzeit den Hauptschulabschluss schaffen würden». In Mathematik hätten 58 Prozent der Schüler an Stadtteilschulen bereits Mitte Klasse 8 das Niveau des früheren Hauptschulabschlusses, «obwohl sie noch zwei volle Lernjahre vor sich haben».

Die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Anna von Treuenfels-Frowein, forderte eine deutliche Stärkung des Deutsch- und Matheunterrichts: «Ein erster Schritt hierzu wäre eine Reform der Bildungspläne.» Ähnlich äußerte sich ihre CDU-Kollegin Karin Prien. Sie beklagte, «dass die konsequente Einübung der Basisqualifikationen bereits an den Grundschulen deutlich zu kurz kommt». Hier zeige sich wieder einmal, «dass sich zu viel Reformpädagogik und «Laisser faire» an den Schulen rächt».

Die Linken beklagten dagegen die Veröffentlichung der Ergebnisse. «Ich bedauere das sehr, weil Kermit zur internen Schul- und Unterrichtsentwicklung beitragen soll und nicht zu einem schädlichen Ranking der einzelnen Schulen und vor allem Schulformen untereinander», sagte deren Schulexpertin Sabine Boeddinghaus. Die Ergebnisse an sich seien nicht überraschend. «Ihre Ausschlachtung jetzt dient lediglich als weiterer Sargnagel für die Stadtteilschulen.» Dabei habe nicht diese Schulform versagt, «sondern das politisch gewollte Konstrukt aus Stadtteilschulen und Gymnasien, die mit diametral entgegenstehenden Ausgangsbedingungen in einen unfairen Wettbewerb geführt werden». dpa

Zum Bericht: Gymnasium-Boom: Hamburger Rektoren wehren sich dagegen, dass ihre Schulen zu belasteten „Restschulen“ verkommen

5 Kommentare

  1. Quadratur des Kreises.

  2. wenn man bedenkt, dass auch in Hamburg viel zu viele Kinder das Gymnasium besuchen, und die Quoten trotzdem so extrem sind, halte ich die Ergebnisse für noch erschreckender. die beschwichtigungsversuche über den früheren Hauptschulabschluss werfen ein katastrophales Bild auf genau den.

    • Ich versteh nur nicht, warum man Stadtteilschulen mit Gymnasien vergleicht.

      • Genau! Hat irgendjemand erwartet, dass die Schüler beider Schulformen gleich gut sind??
        Alarmierend sind – falls das so zutrifft, und dazu müsste man die Tests selber kennen – dagegen die absoluten Befunde. Falls tatsächlich die Hälfte der Schüler nicht rechtschreiben und 60% kein Englisch verstehen können, dann wäre laut und ausführlich darüber zu reden, was hier schief läuft. Was sagt ihr Hamburger?

  3. Bildungsinteressierte

    Als Nichtlehrer frage ich mich, wieso man bei Achtklässlern Wissen / Kenntnisse abfragt, das sie erst am Ende der zehnten Klasse beherrscht werden müssen und aus den erwartbaren Resultaten auf schlechte Schulqualität schließen will. Kann das jemand erklären?

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