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Junge Lehrer meiden das Landleben – immer mehr Schulen außerhalb der Städte leiden unter Personalmangel

STUTTGART. Junge Pädagogen zieht es mehr und mehr in die Städte. Beispiel Baden-Württemberg: Hunderte der im neuen Schuljahr bislang unbesetzten Lehrerstellen, die das Kultusministerium auf 672 beziffert, seien auf dem Land, sagte die Landeschefin der Lehrergewerkschaft GEW, Doro Moritz, in Stuttgart. „Wir werden ein deutliches Stadt-Land-Gefälle bei der Unterrichtsversorgung bekommen.“ Manche Junglehrer entschieden sich sogar bewusst für eine befristete Stelle in der Stadt, auch wenn ihnen Beamtenstellen auf dem Land winkten. „Wer in Freiburg leben will, will eben nicht in den Hochschwarzwald“.  Ähnliche Probleme haben andere Bundesländer auch. Sachsen zum Beispiel hat sogar eigens eine „Buschprämie“ eingeführt – Brandenburg denkt darüber nach.

Wo sind denn hier bitte die Lehrer? Foto: Keven Law / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Wo sind denn hier bitte die Lehrer? Foto: Keven Law / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Zurück in Baden-Württemberg: Die vom Lehrermangel auf dem Land betroffenen Schulen müssten b bereits Angebote über den Pflichtunterricht hinaus streichen, zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften, Extra-Förderung und Klassenteilungen, erklärte Moritz. In beruflichen Schulen drohe die Überstundenbugwelle anzusteigen. Damit die Engpässe nicht zu Unterrichtsausfall führten, solle die feste Lehrerreserve von derzeit 1666 um 1000 Stellen aufgestockt werden, verlangte die Gewerkschafterin. Dann würde sich dieser Stellenpool auf 2,5 Prozent des gesamten Lehrpersonals belaufen – ein Anteil, der dem Bundesschnitt entspreche. Gegensteuern könne man nur, wenn man den Beruf und seine Rahmenbedingungen insgesamt attraktiv halte. Dazu gehöre auch, dass die Politik nicht weiter im Staatsdienst den Rotstift ansetze.

Die FDP im Landtag forderte mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsfreiheit der Schulen. «Wenn eine Schule ihr Personal weitgehend selbst auswählen, ihren Lehrern interessante Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven bieten und bei drohendem Unterrichtsausfall auf eine eigene Vertretungsreserve zurückgreifen kann, wäre das insbesondere für die Schulen im ländlichen Raum eine deutliche Verbesserung», sagte Bildungsexperte Timm Kern. Wenn die einzige Schule in erreichbarer Nähe massiv von Unterrichtsausfall und fachfremdem Unterricht betroffen sei, reduziere das die Bildungschancen junger Menschen auf dem Land.

Die Sicherheit der Arbeitsplätze als Beamter, so Moritz, spiele dann eine untergeordnete Rolle, wenn sich in einem wirtschaftlich prosperierenden Bundesland wie Baden-Württemberg andere Jobs anböten. Wenn die Landesregierung die Tarifsteigerung im öffentlichen Dienst nicht mehr in gleicher Höhe auf die Beamten zu übertragen gedenke, werde die GEW dies mit Demonstrationen quittieren.

Ob das aber hilft, mehr Lehrer aufs Land zu bekommen? Sachsen geht einen anderen Weg. Dort bekommen Lehramtsstudenten im Hauptstudium ein Stipendium von 300 Euro monatlich, wenn sie sich verpflichten, nach dem Abschluss aufs Land zu gehen – mindestens so lange, wie sie im Studium gefördert wurden. Ein vergleichsweise preiswertes Modell. Brandenburg erwägt, die sächsische Initiative zu kopieren – will aber erst einmal abwarten, ob sie tatsächlich Erfolg hat. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Wanka für mehr Schulen auf dem Land – Fehler müssten korrigiert werden

4 Kommentare

  1. „Die vom Lehrermangel auf dem Land betroffenen Schulen müssten b bereits Angebote über den Pflichtunterricht hinaus streichen, zum Beispiel Arbeitsgemeinschaften, Extra-Förderung und Klassenteilungen,…“
    DAS streicht bei uns zunächst mal die Landesregierung per se, damit die Unterrichtsversorgung überhaupt einigermaßen akzeptabel ist. DaZ-Stunden und -Zuweisungen sind dann eben gestrichen.

    „«Wenn eine Schule ihr Personal weitgehend selbst auswählen, ihren Lehrern interessante Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven bieten und bei drohendem Unterrichtsausfall auf eine eigene Vertretungsreserve zurückgreifen kann, wäre das insbesondere für die Schulen im ländlichen Raum eine deutliche Verbesserung», sagte Bildungsexperte Timm Kern.“
    Dieser Bildungsexperte wird in den ländlichen Raum nach Niedersachsen herzlich eingeladen. (Wenn er kommt, kann er gleich 2 Stellen übernehmen, um seine Expertise zu verschärfen – genügend freie Stellen gibt es ja.)
    Hier geht die Landesregierung dazu über, Stellen nicht länger als Schulstellen auszuweisen, sonderen kehrt zu den Bezirksstellen zurück, da auf diese Weise zumindest ein Teil der Neueinstellungen gelenkt werden kann und somit auch im ländlichen Raum, fernab von Zentren oder guter Anbindung, ankommt. Positiver Nebeneffekt: das zeitaufwändige und bürkokratische Verfahren muss nicht von jeder kleinen Grundschule selbst durchgeführt werden.
    Von Aufstiegsperspektiven und Vertretungsreserven ist im übrigen in den Grund- und Hauptschulen, die ja sehr schlecht versorgt sind, ohnehin nicht die Rede. Vertretungsreserven wurden schon vor Jahren gestrichen und Aufstiegschancen werden nicht gewährt.

    In den letzten 20 Jahren wurde Selbstständige Schule gefordert, die Ressourcen aber massiv zusammengestrichen und die Schulen mit ihrer Selbstständigkeit allein gelassen. Ein Sparkonzept zu erdenken und den Schulen den Schwarzen Peter zuzuschieben, kann keine Lösung sein … und rächt sich jetzt.

  2. Mir würde eine Schule im ländlichen Bereich sehr zusagen; nur wäre das ziemlicher finanzieller „Abstieg“ für mich.

    • @ sofawolf: Aber sie sind doch der Meinung, dass man als Lehrer sowieso üppig verdient. Und seit wann verdient man auf dem Land weniger als in der Stadt? Wo gibbet dat?

  3. @ missisippi,

    wieso ergibt sich aus der Aussage, dass man als Lehrer sehr gut verdient („üppig“ ist Ihre Formulierung, nicht meine) die Folge, dass man gerne deutlich weniger verdienen würde? Das erklären Sie mir mal bitte. 😉

    Warum ich anderswo weniger verdienen würde, möchte ich hier nicht erläutern, da ich doch lieber anonym bleiben will.

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