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Schüler protestieren gegen Lehrermangel – bessere Arbeitsbedingungen gefordert

DRESDEN. Der Lehrermarkt sei leergefegt, Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth wiederholt es beinahe wie ein Mantra, wenn es um das Thema Lehrermangel geht. Sachsens Schulen sollen attraktiver werden. Doch die Spitzengespräche zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Schulen gehen morgen in die mittlerweile elfte Runde. Über 20.000 machten ihrem Ärger indes mit einem Aktionstag Luft.

Rund 300 Schüler haben am Donnerstag vor dem Landtag in Dresden gegen den Lehrermangel in Sachsen demonstriert. «Wir wollen nicht länger unter dem Sparkurs der Regierung leiden», sagte der Chef des Landesschülerrates, Friedrich Roderfeld, und forderte ein Sofortprogramm gegen den «akuten Lehrermangel» sowie Investitionen in eine digitale Ausstattung der Schulen. «Gute Bildung ist nicht verhandelbar.» Laut Schülerrat haben sich an dem Aktionstag unter dem Motto «Bildet die Rettung – Rettet die Bildung» an landesweit mehr als 75 Schulen über 20 000 Schüler beteiligt. Auch Eltern und Lehrer unterstützen die Aktion.

Auch ihre Koalitionspartner von der SPD sind mit der Situation an den Schulen im Land unzufrieden: Sachsens Schulministerin Brunhild Kurth (CDU). Foto: Dr. Bernd Gross / Wikimedia Commons

Auch ihre Koalitionspartner von der SPD sind mit der Situation an den Schulen im Land unzufrieden: Sachsens Schulministerin Brunhild Kurth (CDU). Foto: Dr. Bernd Gross / Wikimedia Commons

«Ich kann die meisten Forderungen nachvollziehen», erklärte Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU). Konsens gebe es etwa darüber, die Lehrpläne zu entschlacken und so den Unterrichtsstress zu senken. Die Situation auf dem Lehrer-Arbeitsmarkt sei schwierig, so Kurth. Die Ministerin hatte in der Vergangenheit immer wieder von einem «leer gefegten» Markt gesprochen.

Lehrermangel ist seit Jahren ein Thema in Sachsen. Viele junge Lehrer verlassen nach dem Studium den Freistaat, weil in anderen Bundesländern bessere Bezahlung oder gar Verbeamtung locken.

«Es ist in unserem Interesse, dass die jungen, ausgebildeten Lehrer um Sachsen keinen Bogen machen», so Kurth. Sie hofft daher auf eine baldige Einigung bei den laufenden Spitzengesprächen zum Lehrermangel. «Ich sehe jetzt das Ende in naher Zukunft», sagte sie. An diesem Freitag sollen die Gespräche zwischen Kultusministerin, Finanzminister Georg Unland (CDU) und den Lehrergewerkschaften fortgesetzt werden – in der mittlerweile elften Runde. «Alle Beteiligten wollen zu einem Ergebnis kommen.» Bei den Gesprächen geht es vor allem um attraktivere Bedingungen für den Lehrerberuf, damit mehr ausgebildete Pädagogen in Sachsen arbeiten.

Es gehe um bessere Eingruppierung der Lehrer, finanzielle Anreize für zusätzliche Aufgaben sowie generell bessere Arbeitsbedingungen. Die immer wieder – unter anderem vom Sächsischem Lehrerverband – geforderte Verbeamtung stehe aber nicht im Mittelpunkt der Spitzengespräche.

Linke, Grüne und SPD haben eine rasche Einigung in den Gesprächen gefordert. Es sei mehr als überfällig, dass sich die Staatsregierung endlich bewege – und zwar deutlich, so Grünen-Politikerin Petra Zais.

«Als Regierungspartner sind wir momentan genauso unzufrieden mit der Situation an unseren Schulen wie die Eltern, Lehrkräfte und Schüler», sagte SPD-Generalsekretärin Daniela Kolbe. Es gebe zu wenige Lehrer in Ausbildung und an den Schulen. Die Bildungsexpertin der Linke-Fraktion, Cornelia Falken, forderte eine langfristige Bedarfsplanung, eine bessere Bezahlung und mehr Lehramts-Studienplätze.

Die Ministerin erklärte, dass Sachsen zum 1. Oktober ein zusätzliches Einstellungsprogramm für Lehramtsstudenten mit dem 1. Staatsexamen starte. Damit sollen Wartefristen nach Ende des Studiums bis zum Beginn des Referendariats im Februar 2017 vermieden werden. Die Absolventen werden damit wie ein voll ausgebildeter Lehrer eingruppiert und können das Referendariat berufsbegleitend absolvieren. Eine «Super-Möglichkeit», so Kurth.

Mehrere hundert Stellen sollen auf diese Weise vergeben werden. Für das neue Schuljahr hätten nun die 1200 geplanten Lehrerstellen besetzt werden können. Anfang August waren noch knapp 50 Stellen unbesetzt. (dpa)

• zum Bericht: Chemnitzer Lehrertag fordert Maßnahmen gegen Lehrermangel

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