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Tragbare Belastung? Kultusminsterin Heiligenstadt wird auf einer Tagung von Schulleitern ausgelacht

CELLE. Die Schulleiter klagen über zu hohe Belastung. Die Kultusministerin kontert mit einem Ergebnis ihrer Online-Umfrage: Direktoren schaffen ihre Arbeit besser als Lehrer. Bei der Tagung des Niedersächsischen Schulleitungsverbandes prallen die Sichtweisen aufeinander.

Bekam recht unverblümt die Meinung gesagt: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: Martina Nolte / Wikimedia Commons / Creative Commons BY-SA-3.0 de

Bekam recht unverblümt die Meinung gesagt: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: Martina Nolte / Wikimedia Commons / Creative Commons BY-SA-3.0 de

Niedersachsens Schulleiter fordern von der Landesschulbehörde mehr Unterstützung und vertrauensvollen Umgang. «Die Art der Kommunikation zwischen Behörde und Schulleitungen ist zum Teil erschreckend. Augenhöhe, Perspektive, Transparenz und Wertschätzung: ganz häufig Fehlanzeige», sagte der Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, Frank Stöber, bei der Tagung von 400 Mitgliedern von Schulleitungen am Mittwoch in Celle. Angesichts der wachsenden Belastung empfänden Schulleiter es als schikanös, wenn sie etwa in siebenstündigen Dienstbesprechungen mit der Behörde sitzen müssten.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) räumte Handlungsbedarf ein. «Was die Unterstützung durch die Behörden anbelangt, müssen wir einfach besser werden.» Sie kündigte zudem an, die Leiter von Grundschulen künftig stärker von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. So sollen sie nicht mehr für die Gestaltung von Verträgen für Mitarbeiter aus der Ganztagsbetreuung zuständig sein. Niedersachsen hat große Schwierigkeiten, Grundschulpädagogen für Führungsaufgaben zu gewinnen. Laut Jahresbericht des Landesrechnungshofes sind 31 Prozent der Schulleitungsstellen an Grundschulen nicht besetzt.

Die Teilnehmer der Tagung reagierten auf Heiligenstadts Rede mehrfach mit Hohngelächter. So etwa, als sie aus der Online-Umfrage ihres Ministeriums zur Arbeitsbelastung von Lehrern zitierte. Diese habe ergeben, dass Schulleiter ihre Arbeit in der Regel als «sinnhafter, verstehbarer und bewältigbarer erleben als Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter.»

Der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried, kommentierte die Reaktion der Pädagogen: «Dass die Ministerin inzwischen bei Redeeinsätzen öffentlich ausgelacht wird, zeigt einmal mehr, dass sie bei Schulleitern und Lehrkräften jeglichen Rückhalt verloren hat.»

Verbandschef Frank Stöber widersprach Heiligenstadts Interpretation, dass Schulleiter mit den Anforderungen besser klarkommen würden als Lehrkräfte. «Wir sind an unsere Grenzen gekommen, und einzig die Tatsache, dass wir als Führungskräfte verantwortlich handeln, lässt uns mit den Anforderungen anders umgehen.» Er erneuerte seine Forderung, die Unterrichtsverpflichtung für Schulleiter gerade an kleinen Schulen dürfe zehn Stunden pro Woche nicht überschreiten.

In der Praxis sieht das den Pädagogen zufolge oft anders aus. «Ich unterrichte 18 Stunden die Woche, bin für meine Verwaltungsaufgaben jeden Sonntag in der Schule», erzählte die Leiterin einer Grundschule auf dem Land. Heiligenstadts Rede bezeichnete sie als Zumutung. Auch ein Realschulrektor äußerte sich enttäuscht. Seine 60-Stunden-Woche beschrieb er so: «Früher war mein Hobby Fußball, heute ist mein Hobby Ganztag.» dpa

Zum Bericht: Heiligenstadt: Guter Start ins Schuljahr – kein Hinweis auf flächendeckenden Unterrichtsausfall. Opposition: Schöngerede

Ein Kommentar

  1. Ich halte mittlerweise nur noch radikale Wege für gangbar. Im Fall der Schulleiter in Niedersachsen könnten diese so aussehen: Erst Überlastungsanzeige, dann die eigene Arbeitszeit auf die gesetzlich geregelten 40 Stunden pro Woche deckeln und dann eine Sache einfach gegen die Wand fahren lassen (z.B. der Kollege mit dem Hobby Ganztag).

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