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Überraschende Personalie: Brodkorb hört als Bildungsminister auf – und wechselt an Spitze der SPD-Fraktion

SCHWERIN. Der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, der SPD-Politiker Mathias Brodkorb, verlässt sein bisheriges Amt – und wird Chef der SPD-Fraktion im Schweriner Landtag. Diese überraschende Personalie wurde heute bekannt. Der 39-Jährige, der bislang als erster Anwärter auf den Posten des Finanzministers in der künftige Regierung galt, informierte die Mitarbeiter seines Hauses am Dienstag schriftlich über den Wechsel. Ministerpräsident Erwin Sellering habe ihn gebeten, sich zur Wahl zu stellen, schrieb Brodkorb. Die Abgeordneten nominierten ihn am Nachmittag für die Vorstandswahl in zwei Wochen.

Die Partei ruft: Mecklenburg-Vorpommerns bisheriger Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Die Partei ruft: Mecklenburg-Vorpommerns bisheriger Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Der Posten des Fraktionschefs ist vakant, weil der bisherige Amtsinhaber Norbert Nieszery nicht wieder für den Landtag kandidiert hatte. Wer neuer Bildungsminister wird, ist unklar – erst muss die Wahlgewinnerin SPD eine Regierungskoalition zusammenbringen. Brodkorb wird Sellering bei den bevorstehenden Gesprächen mit den möglichen Koalitionspartnern assistieren. dpa

 

8 Kommentare

  1. Daran sieht man mal wieder, welche Qualifikation für hohe politische Ämter erforderlich ist — nämlich keine. Andernfalls wäre es nicht möglich, vom Bildungsminister zum potenziellen Finanzminister und dann zum Fraktionsvorsitzenden zu wechseln.

    Für die Aluhut-Fraktion: Als Fraktionsvorsitzender kann man sich weniger mit den Lobbyisten anlegen als als Finanzminister. Könnte für die nachpolitische Karriere wichtig werden …

    • Also mit solchen Pauschalurteilen wäre ich vorsichtig. Einige der besten deutschen Nachkriegspolitiker haben munter die Ressorts gewechselt (Helmut Schmidt, F.J. Strauß, Genscher u.a.m.) und keiner kann behaupten, dass die dort sachunkundig agiert und keine Perspektiven entwickelt hätten.
      Ich bin auch gegen Politiker, die nur nach Ämtern gieren und denen es letztendlich egal ist, wo sie landen. Aber gute Leute werden sich in jedes Sachgebiet einarbeiten, insbesondere wenn ihnen ein hochqualifizierter Verwaltungsapparat zur Verfügung steht.
      Mehr Probleme habe ich mit Personen, die ohne je einen Beruf ausgeübt zu haben, durch Erklettern der innerparteilichen Karriereleitern direkt in politische Ämter wechseln. Aber auch da gibt es positive Ausnahmen.

      • @alfie

        Sie/Er hat doch aber Recht. Ich kenne mich mit dem Bildungssystem in M-V aus und das ist alles Andere als gut. Gut, Probleme in der Schule mag es überall geben, aber das meine ich auch nicht.

        Mathias Brodkorb hat es geschafft, dass die Lehrerausbildung in M-V so gut wie zusammengebrochen ist. Die „Umstellung“ der Lehramtsstudiengänge seit Oktober 2012 führte dazu, nicht einmal mehr die Hälfte der Lehramtsstudierenden die Universitäten mit Abschluss verlässt. Um diese Zahl einmal zu verdeutlichen: in den unter 50%, die bestehen, stecken immer noch die Zahlen derjenigen Studierenden, die nach der alten Ordnung auf Lehramt studiert haben.

        Ebenso gehören zu diesen Zahlen alle Fächer, also auch die, die als vergleichsweise leicht gelten und die Masse der LA-Studierenden stellt. Überlegt man sich dann noch was das für die Mangelfächer (die ja nicht ohne Grund Mangelfächer sind) in Zukunft bedeutet, dann kann man sich schon denken, dass in Zukunft so gut wie gar keine Physik-, Chemie-, Mathematiklehrer usw. bei den Schulen ankommen werden.

        Jetzt, wo das Bundesland auch noch die Verbeamtungsgrenze auf 40 Jahre gesenkt hat, werden weder unverbeamtete Lehrer aus anderen BLs oder Quereinsteiger der drohenden Pensionierungswelle (bei denen gerade auch die Mangelfächer noch stärker vertreten sind) abhelfen.

        Unter seiner Regie mussten Studiengänge für Berufsschullehrer überhaupt erst wieder eingeführt werden, nachdem diese durch seine Partei damals abgeschafft wurden, aber auch hier gibt es Probleme, da die angehenden Berufsschullehrer, die an der FH Neubrandenburg ihren Bachelor studierten, ihren Master wohl nicht so einfach an den Universitäten „vervollständigen“ dürfen, weil irgendwelche Module bei der Planung nicht berücksichtigt wurden.

        Das geht so weit, dass sich Schulen in Mecklenburg-Vorpommern weigern die Richtlinien des Mathias Brodkorb zur einheitlichen Notenvergabe umzusetzen und ganz offiziell auf Widerstand schalten.

        Mein Fazit: gut, dass die Mensch nun weg aus dem Posten ist und woanders Schaden anrichtet… Ach Mist, angehender Finanzminister. Den MVlern bleibt aber auch nichts erspart.

  2. Diejenigen, die ihre Lehrerausbildung nicht bestehen, können doch dann einfach als Quer-/Seiteneinsteiger Lehrer werden. Kommt dem Staat sogar billiger! 😉

    Ob dahinter eine Methode steckt?

    • Das dürfte aber trotzdem schwierig werden, denn dann müssen sie nochmal komplett neu studieren.

      Da es in M-V für die allgemeine Schulformen noch das klassische Staatsexamen, nur mit den Nachteilen des Bachelor/Master, gibt, kann es sein, dass diese Studierenden erst nach fünf Jahren die Hochschule ohne Examen verlassen.

      Wurden sie herausgeprüft, dann dürfen sie auch kein Studienfach mit diesem Modul mehr belegen, was meist ein komplett anderes Studium nahelegt. Da auch als Seiteneinsteiger der Mindestabschluss ein Master zu sein hat, bedeutet das noch einmal 5 Jahre Studium. Also kommt man irgendwann nach 10 Jahren bei den Schulen an, aber auch nur bei Mangelfächern.

      Für diese Seiteneinsteiger gilt dann E11 (ob volle Stunden weiß ich nicht) und ein befristeter Jahresvertrag. Theoretisch wäre es zwar möglich auch als Seiteneinsteiger ein Referendariat zu machen, jedoch wird das meist aus fadenscheinigen Argumenten durch das Bildungsministerium abgelehnt (es fehlt dieses oder jenes Modul usw.) – ergo, es bleibt beim Jahresvertrag, den man nur verlängert bekommt, wenn sich weiterhin kein „richtiger“ Lehrer auf die Stelle bewirbt.

      Nun, ich weiß wirklich nicht ob das jetzt so attraktiv ist als Seiteneinsteiger in M-V anzufangen. Was man so hört ist, dass es wohl besser ist in ein anderes Bundesland zu wechseln, weil die dort aufgeschlossener sind.

  3. Es wäre mal gut, wenn ein ehemaliger Lehrer in das Amt des Bildungsministers gelangt – wenigstens aber in seinen „Beraterstab“. Unter der SPD-PDS-Koaltion wurde noch mit Stolz darauf verwiesen, dass das NICHT so ist.

    • @sofawolf
      Ich kenne noch Frau Jürgens-Pieper, eine ehemalige Lehrerin und spätere Kultusministern in Niedersachsen, die sich nach Jahren in der Schulpraxis auf die politische Karriereleiter flüchtete und später auch noch Bildungssenatorin in Bremen wurde. Die Frau war m.E. eine Katstrophe. Z.B. behauptete sie steif und fest, kleinere Klassen seien Unsinn, es käme laut empirischer Studien allein auf die Unterrichtsqualität an.
      Ich weiß, sofawolf, was Sie meinen mit Ihrem Wunsch nach einem ehemaligen Lehrer im Amt des Bildungsministers. Dummerweise aber verlassen oft Lehrer aus Frustration die Schulpraxis und tauschen mit der Politik, um sich dann mit ideologscher Besserwisserei von oben herab nachträglich zu rechtfertigen für ihre Probleme mit der Schulpraxis.
      Es wäre schön, wenn sie in die Politik ihre Praxiserfahrungen einbrächten und sich nicht von ihnen distanzierten.

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