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DaZ – Deutsch als Fremdsprache mit dem Tablet lernen

Tiemo Duarte, Lehrkraft für die Fächer Deutsch als Fremdsprache und Spanisch am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Ratingen (davor an der Bonn International School), setzt seit einigen Jahren in seinem Unterricht erfolgreich auf Tablets. Im Interview mit André Spang berichtet er von seinen Erfahrungen mit dem Einsatz von digitalen Medien und den positiven Auswirkungen des Ansatzes auf das Lernverhalten seiner Schülerinnen und Schüler.

Ein Bereich, bei dem die Vorteile des Einsatzes von Tablets ganz besonders positiv zum Tragen kommen, ist laut Duarte das freie Sprechen in der Fremdsprache. Was zunächst paradox klingt, lässt sich aber ganz einfach erklären: Viele Schüler – insbesondere solche aus dem arabischen bzw. asiatischen Sprachraum haben dadurch, dass sie aus einem völlig anderen Sprachsystem kommen, anfangs oft Blockaden, wenn es darum geht erste Wörter bzw. Sätze in der für sie neuen Sprache zu produzieren. Sie möchten peinliche Situationen vor ihren Mitschülern vermeiden und nehmen eine entsprechend passive Haltung im Unterricht ein.

Um dieser Passivität entgegenzuwirken, setzt Duarte in diesen Unterrichtsphasen gezielt Tablets ein: Er lässt seine Schüler die kurzen Texte in der Fremdsprache hören und aufnehmen (je nach Wissensstand können die Schüler die Texte während des Unterrichts mit Kopfhörern beliebig oft anhören) und mit der korrekten Aussprache und Intonation vergleichen. In dieser selbstbestimmten Lernphase können sich die Schüler ganz auf ihr eigenes Lernen konzentrieren – ohne Angst, dass sich jemand anderes über mögliche Aussprachefehler lustig machen könnte. Mit Hilfe von Online-Wörterbüchern und Wörterbuch-Apps können die Schüler zusätzlich einzelne Wörter und deren Aussprache prüfen.

Duarte berichtet, dass die Schüler eine intrinsische Motivation dahingehend entwickeln, dass sie es oft nicht bei einem Aufnahmeversuch belassen, sondern die Texte so oft einsprechen, bis sie mit ihrem Ergebnis zufrieden sind. Manche Schüler erstellen sogar animierte Filme, in denen sie die vertonten Inhalte szenisch darstellen (z.B. mit den Apps Toontastic, Puppet Pals, Chatterpix). Die Datei wird anschließend an die Lehrkraft geschickt. Vorteil: Wenn das Tablet und der Lehrercomputer über Bluetooth verfügen, ist dazu kein Internet notwendig. Besonders gute Ergebnisse werden dann – nach Rücksprache mit dem Schüler – vor der Klasse präsentiert und besprochen. Positiver „Nebeneffekt“ dieses Unterrichtsmodells: Auf diese Weise kommen – im Gegensatz zum herkömmlichen Unterricht – alle Schüler zum Sprechen und nicht nur einige wenige. Zudem fühlen sich die Schüler stolz und motiviert, wenn ihre Ergebnisse der ganzen Klasse gezeigt werden.

Neben dieser produktiv-kreativen Art des aktiven Aussprachetrainings, spielen auch Elemente aus dem Bereich der Gamification eine große Rolle in Duartes Fremdsprachenunterricht. Mit der App Kahoot! lassen sich beispielsweise ganz einfach von Schülern eigene Sets von Quizfragen erstellen, die durch einfaches Tippen auf die richtige Antwort beantwortet werden. Diese Aktivität ist laut Duarte eine ideale Kombination von Spiel und Lernen: Die Schüler spielen hochmotiviert gegen die Zeit und ihre Mitschüler und festigen dabei fast unbemerkt Grammatik und Vokabeln. Das Gleiche ist beim Lernen und Üben von Vokabeln mit der App Quizlet möglich. Überhaupt spielt beim Einsatz von Tablets Motivation eine entscheidende Rolle: Dank der digitalen Medien können Schüler viel einfacher als bisher anhand aktueller, an ihrem Bedürfnissen und Interessen ausgerichteten Inhalten lernen – und das in ihrem eigenen Tempo, interaktiv und multimedial – Aspekte, die gerade beim Erlernen einer Fremdsprache von unschätzbarem Wert sind.

Duarte wünscht sich für die Zukunft, dass alle Schüler im Unterricht Zugang zu Tablets haben. Eine leistungsfähige Netzanbindung ist dafür seines Erachtens gar nicht zwingend erforderlich, da die Geräte auch so schon viele neue Möglichkeiten für einen zeitgemäßen, effektiven Fremdsprachenunterricht bieten. Entscheidend ist seiner Meinung nach vielmehr ein kontinuierliches Schulungskonzept für Lehrerinnen und Lehrer um sicherzustellen, dass die digitalen Medien auch zielgerichtet und gewinnbringend in den Unterricht integriert werden.

Duartes Fazit:

„Das Lernen mit Tablets ist effektiv und macht Spaß, es ist kreativ und gibt den Schülern
die Chance, im eigenen Tempo zu lernen. Schnelle Schüler kommen schneller voran,
langsamere Schüler werden gefördert.“

Tipp:

Unterrichtsmaterialien rund ums Thema „mobiles Lernen“ gibt es auch auf www.4teachers.de

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