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Der Lehrer als Einzelgänger?

Die Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen ist auf die Behandlung von Lehrern mit psychosomatischen Erkrankungen spezialisiert. Gerade bei der Ermittlung der Belastungen, die zur Erschöpfung von Lehrkräften führen, werden im Klinikalltag häufig Gründe genannt, die nicht zur Kerntätigkeit des Unterrichtens gehören. Hierzu zählen vor allem mangelnde oder schlecht funktionierende Kommunikation und Kooperation mit den Kollegen und der Schulleitung. Konflikte und Mobbing sind daraus resultierende Symptome. Aber auch herausfordernde Schulorganisation und das Klima an der jeweiligen Schule spielen eine Rolle.

Lehrer planen und gestalten ihren Unterricht vorwiegend alleine, stehen alleine vor der Klasse, führen alleine ihr Elterngespräche, korrigieren und benoten auch oft alleine. Bei der Qualifizierung zum Lehrerberuf stehen die fachlichen Inhalte im Vordergrund. Kompetenz wird hier hauptsächlich in Bezug auf das jeweilige Unterrichtsfach vermittelt. Hierin liegen ja auch die Kernaufgaben im Lehrberuf. Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz werden zwar vorausgesetzt, aber leider oft nur am Rande thematisiert und gefördert.

Es ist wenig überraschend, wenn so die Vorstellung entsteht, dass eine Lehrkraft alles mit sich selbst ausmachen muss. Nicht selten hören die Ärzte im Verlauf der Therapie Glaubenssätze wie „Ich muss das alles richtig machen, ich muss vor der Klasse alles im Griff haben, ich muss das perfekt können, ich muss die Richtung vorgeben, ich muss …“

Ist der Lehrer dann zum Einzelkämpfer verdammt?

Menschen, die solche Glaubenssätze verinnerlicht haben, richten ihr Handeln danach aus. Diese Glaubenssätze zeigen ihre Wirkung automatisch, „unwillkürlich“. Solche unbewussten Prozesse sind schneller als bewusste, „willkürliche“ Denkprozesse und zeigen sich somit auch schneller, reflexartig im Verhalten. Vor allem in Stresssituationen entfalten unbewusste Glaubenssätze ihre Wirkung.

Jeder Mensch kennt solche Situationen, in denen man schon nach kurzer Zeit sein Handeln in Frage gestellt hat. Aber im Moment des Geschehens konnte man nicht anders. Wie wirkt sich das in der Interaktion z. B. mit Kolleginnen und Kollegen aus, wenn es keine gewachsenen Strukturen oder klare Vereinbarungen des Miteinanders im Kollegium gibt?

Gemeinsames Arbeiten an Zielen und Normen

Die Schulkultur trägt einen entscheidenden Punkt zur Zufriedenheit der Lehrer bei. Wenn die Beziehungen im Kollegium durch Offenheit, Interesse füreinander und gegenseitige Unterstützung gekennzeichnet sind, erleben Lehrer ihre Arbeit als weniger belastend. Ein wichtiger Aspekt ist es auch, dass die Schulleitung das Kollegium in die Entscheidungen zu Normen und Zielen der Schule einbezieht. Daraus resultiert, dass die Lehrer eine soziale Unterstützung erfahren, die dem Gefühl vorbeugt, als Einzelkämpfer auf verlassenem Posten zu stehen. (Schaarschmidt, 2004)

Folglich steckt im Miteinander ein großes Potential. Die Gestaltung eines „kooperativen Kollegiums“ trägt dazu bei, schneller Lösungen für Probleme zu finden. Ein professionelleres Schulmanagement kann gestaltet werden und die Verwirklichung qualitativer Ziele wird wahrscheinlicher. Und das, mit gesünderen Lehrkräften! Wie nebenbei wirkt ein Kollegium in seinem Interagieren auch als Vorbild für eine von Kooperation und Miteinander geprägten Schulkultur.

Um dies zu realisieren, bedarf es natürlich einiger Voraussetzungen. Es steht immer auch die Frage im Raum, was davon Führungsaufgaben sind. Die Frage ist aber auch, was jeder einzelne aktiv beitragen kann, um ein „kollegiales Kollegium“ weiterzuentwickeln.

Einige Beispiele, die sich unterstützend bewährt haben, sind „Weiterbildung zu Themen der Persönlichkeitsentwicklung wie Softskills, kollegiale Supervision und die gemeinsame Entwicklung eines Leitbildes“. Aber auch einfach nur Räume und Zeiten, an denen Begegnung stattfinden kann, sind wichtig. Letztlich braucht es immer auch die Überzeugung der Lehrkraft und die Bereitschaft, in den Dialog zu treten. Verordnen kann man dies nicht, aber dazu einladen.

In den Heiligenfeld Kliniken besteht für Lehrer, die eine psychosomatische Therapie erleben, Raum für eine aktive Patientengemeinschaft. Sehr häufig melden die Patienten zurück, dass die während der Therapie erlebte Kooperation und das „Miteinander“ sehr heilsam gewirkt haben. Gerade deshalb ist für eine gesunde Schule mit gesunden Lehrern und Kindern das „Miteinander“ ein kraftvolles, förderungswürdiges Ziel.

 

Ein Kommentar

  1. Lehrpersonen als Einzelgänger?
    ‚In den Heiligenfeld Kliniken besteht für Lehrer, die eine psychosomatische Therapie erleben, Raum für eine aktive Patientengemeinschaft. Sehr häufig melden die Patienten zurück, dass die während der Therapie erlebte Kooperation und das „Miteinander“ sehr heilsam gewirkt haben. Gerade deshalb ist für eine gesunde Schule mit gesunden Lehrern und Kindern das „Miteinander“ ein kraftvolles, förderungswürdiges Ziel‘.

    Unbestrittene Haltung der Heiligenfeld Kliniken.
    Das seit Jahrzehnten bestehende Problem des Schulsystems besteht darin, dass die alles bestimmende Philosophie auf Konkurrenz, Leistung, Selektion, Segregation und Diskriminierung besteht. Es zählen nicht Kooperationsfähigkeit und Teamwork. Weder in den Klassen noch in den Kollegien. Ausnahmen bestätigen die Regel. Belohnt werden nach wie vor Einzelleistungen.
    Es ist an der Zeit, dass die Öffentlichkeit erkennt, dass das bestehende Schulsystem Jugendliche und Erwachsene krank macht, dass Kursänderungen dringend nötig sind. Weg von selektionierenden und diskriminierenden Massnahmen , hin zu einer Institution im Dienste der Öffentlichkeit, welche Lernende und Lehrkräfte stärkt und gesund erhält.

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