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Lehrer wegen Missbrauchs einer Siebtklässlerin zu Bewährungsstrafe verurteilt – seinen Beruf darf er laut Gericht weiter ausüben

SCHWEINFURT. Wegen Sex mit einer minderjährigen Schülerin ist ein Lehrer in Bayern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Schweinfurt verhängte dabei die höchste Freiheitsstrafe auf Bewährung, nämlich zwei Jahre, wie ein Sprecher des Gerichts am Montag sagte. Die Verurteilung erfolgte wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes.

Justitia

Das Gericht verurteilte einen Lehrer wegen Missbrauch einer Schutzbefohlenen. Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Die Anklage hatte dem 40 Jahre alten Mann vorgeworfen, zwischen 2000 und 2001 zweimal mit dem Mädchen geschlafen zu haben, das zur Tatzeit 13 und 14 Jahre alt war. Dem Vernehmen nach soll der Sex mit der Siebtklässlerin einvernehmlich gewesen sein, strafbar ist er dennoch. «Denn darauf kommt es bei sexuellem Missbrauch nicht an», sagte der Sprecher.

Der Lehrer hatte die Vorwürfe eingeräumt und sich bei dem Mädchen entschuldigt. Das Gericht ordnete an, dass der 40 Jahre alten Mann die Therapie, die er bereits begonnen hat, fortsetzt und beendet. Aufgrund der besonderen Umstände gelten die Bewährungsauflagen für ihn vier Jahre lang. Mit der Verurteilung hat der ehemalige Religionslehrer seinen Beamtenstatus verloren.  Nach Angaben des Gerichts darf der Lehrer seinen Beruf aber weiterhin ausüben.

Während des Verfahrens war  allerdings herausgekommen, dass sich der Religions- und Englischlehrer nicht nur an dieser Schülerin vergriffen hat. Drei Jahre lang, so erklärte der Angeklagte damals, habe er eine Beziehung zu einer Minderjährigen geführt. Und er hatte mit mehreren jungen Schülerinnen intime Internetchats geführt. News4teachers / mit Material der dpa

9 Kommentare

  1. Aus meiner Sicht ist er charakterlich für den Beruf ungegeignet.

  2. Früher zur Zeit repressiver engstirniger Sexualmoral hätten alle dieses Verhalten verwerflich und strafwürdig gefunden. Aber ist es nicht einfach Ausdruck sexueller Vielfalt? Der berühmte Roman Polanski hat ja auch nichts anderes getan.

    • Ausdruck sexueller Vielfalt wäre es nur, wenn beide Partner so reif sind, dass sie beide in der Lage wäre ihr Handlungen und deren Konsequenzen angemessen zu überblicken und somit der sexuellen Handlung zustimmen könnten. Das gilt für eine 13jährige eben nicht. Sie muss die Fähigkeit zur freien sexuellen Selbstbestimmung noch (vollständig) entwickeln. Davon abgesehen handelt es sich um ein Abhängigkeitsverhältnis, die Lehrkraft sollte der 13jährigen eigentlich den entsprechenden Schutzraum bieten.

      Ehrlich gesagt, solltest du das als Lehrkraft eigentlich wissen. Vielleicht ist es besser, wenn du nicht mehr mit Kindern und Jegendlichen arbeitest.

      • Oh, hab ich den irony button vergessen?
        In den 80ern nahm ich an Bundesversammlungen der Grünen teil. Eines der Rituale war, dass immer an bestimmter Stelle eine Gruppe „Stadtindianer“ das Mikrofon besetzte, die freie sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen einforderten. Die wurden dann im Verlauf einiger Stunden gewaltfrei überredet, doch bitte die 300 Delegierten weiter arbeiten zu lassen.
        Auch die Protagonisten der „sexuellen Vielfalt“ bewarben das früher. Heutige Programme zur Sexualerziehung haben zum Ziel, dass Kinder sexuelle Erfahrungen machen – einzige Einschränkung derzeit ist das, was du auch formulierst, dass keine Abhängigkeit z.B. durch Reifeunterschied bestehen solle. Ich meine, dass wir hier als Gesellschaft eine Doppelmoral haben. Die „freie“ Gesellschaft beschönigt die psychischen Gefahren, die bei zu früher Ausübung von und starker „Immision“ mit Sexualität bestehen, aus weltanschaulichen Gründen.

    • @Pälzer,

      vermutlich ist Ihnen das nicht bekannt, sonst hätten Sie sicherlich auf Sarkasmus verzichtet, aber Roman Polanski hat selbst davon berichtet, dass er als Jugendlicher sexueller Gewalt ausgesetzt war. Als Kind musste Roman Polanski allein auf sich gestellt im Warschauer Ghetto überleben. Dass dabei auch sexuelle Ausbeutung eine Rolle gespielt hat, müssen wir leider stark annehmen. Polanski hat seine Traumatisierungen offenbar nicht effektiv genug aufarbeiten können, um auf Reinszenierungen (sexuelle Übergriffe auf Kinder) verzichten zu dürfen. Dieser leider häufiger vorkommende Effekt ist ein Grund mit dafür, dass die wenigsten Kindesmissbraucher bzw. -missbraucherinnen im klinischen Sinne pädophil sind. Es handelt sich bei ihnen nicht um Personen mit zu „viel“ Sex oder Menschen, die zu früh etwas über Sexualität erfahren haben, sondern um solche, die als Kinder durch sexuelle Ausbeutung und Gewalt in ihrer sexuellen Entwicklung beschädigt wurden.

      Sie erinnern sich vielleicht daran, dass ich in einem anderen Faden hier darauf hingewiesen hatte, dass es am Fachbuch „Sexualität der Vielfalt“ Einiges zu kritisieren gibt. Entgegen der verbreiteten Kolportage ruft es aber in keinster Weise zum Kindesmissbrauch auf.

      MfG,
      Angelika Oetken

      • Für mich bedeutet Kindesmissbrauch auch, dass Kinder in staatlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten „frühsexualisiert“ und ihre Schamgrenzen verletzt werden.
        Die Tochter einer Bekannten geht nur noch widerstrebend an Tagen zur Schule, von denen sie weiß, dass wieder sexuelle Aufklärung ansteht.
        Sie sehen mir alles zu einseitig, Frau Oetken.

        • @m. n.,

          Zu meiner Perspektive: ich bin in meiner Kindheit sexualisiert misshandelt worden, engagiere mich ehrenamtlich im Themenfeld und versuche, den Verantwortlichen die Sicht zu vermitteln, die Opfer und Mitbetroffene zu einem Thema haben könnten, um denen wichtige Entscheidungen zu erleichtern.

          Was Begriffe angeht, ist mir der des „sexualisierten Verhaltens“ geläufig. Er bezeichnet eine klinische Symptomatik, die bei Kindern auf eine gestörte Entwicklung hinweisen kann. Häufig steckt dahinter eine Konditionierung im Sinne eines Kindesmissbrauchs. „Frühsexualisierung“ ist soweit ich informiert bin, kein definierter Fachbegriff, sondern ein im politischen Zusammenhang genutzter. Was genau mit „Frühsexualisierung“ gemeint ist, erschließt sich mir nicht. Aber vielleicht können Sie @ m. n. das ja hier erläutern oder haben einen Hinweis auf eine sachliche Information.

          Wegen der Tochter Ihrer Bekannten: falls das, was die Mutter der Schülerin Ihnen berichtet hat, authentisch ist, kann es ja viele Gründe für das Verhalten des Mädchens geben. Deren Mutter hat doch bestimmt schon das Gespräch mit anderen Eltern, der unterrichtenden Lehrkraft oder dem Klassenlehrer bzw. der Klassenlehrerin gesucht oder? Vielleicht gibt es ganz normale, vergleichsweise banale Gründe. Bei Pubertisten ist es oft so, dass sie sich das erste Mal verlieben, vielleicht in Klassenkameraden und dann ist es ihnen verständlicherweise sehr peinlich, wenn das Thema „Sex“ um das ihre Gedanken in dem Alter suchend kreisen, auch noch im Unterricht behandelt wird. Womöglich unter Anwesenheit des „Angebeteten“. Weshalb der Sexualkundeunterricht für Lehrkräfte in den entsprechenden Altersstufen häufig das ist, was man neudeutsch eine „Herausforderung“ nennt. Denkbar ist auch, dass der Stellenwert, den das Thema „Sexualität“ innerhalb der Familie Ihrer Bekannten hat mit dem, der ihm außerhalb gewährt wird,kollidiert. Je nachdem, wie alt das Mädchen ist und wie seine Lebensumstände ansonsten sind, kann das ein Kind in einen ihn stark überfordernden Konflikt bringen. In solchen Fällen würde ich den Eltern des Kindes nahe legen, eine Fachberatungsstelle aufzusuchen oder auch den behandelnden Kinderarzt bzw. die Kinderärztin anzusprechen. Die sind ja wie ein guter Allgemeinarzt für den Erwachsenen eine erste Anlaufstelle, wenn man Orientierung und Hilfe sucht und vermitteln ggf. gezielt weiter.

          MfG,
          Angelika Oetken

  3. Ich nehme mal an, der letzte Beitrag war dann auch ironisch gemeint, oder?

    In den 90ern wollten große Teile der CDU die Vergewaltigung in der Ehe nicht unter Strafe stellen. Diese Protagonisten der „Vergewaltigung in der Ehe“ versuchen nun Programme zur Toleranz und Akzeptanz von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten durch Fehlinformationen zu diskreditieren. Dabei entgehen sie nicht ihrer eigenen Doppelmoral oder soll man eher sagen Realitätsferne? So sollen den Kindern möglichst lange Informationen zur Sexualität vorenthalten werden, dabei sind Pornos im Internet frei verfügbar, Werbung ist oft sexualisiert, etc. Sie wähnen sich demokratisch und machen doch allen Menschen, die nicht so sind wie sie selbst (z.B. weil sie anders lieben), das Leben schwer. Sie meinen, sie seien für Wahlfreiheit der Lebensform und seien ideologiefrei und fordern dennoch, die klassische Familie zu propagieren.

    Übrigens habe ich bzgl. der einvernehmlichen sexuellen Handlungen nur die Rechtslage wiedergegeben.

  4. Ich kann weder das Urteil nachvollziehen, noch, dass kein Berufsverbot verhängt wurde. Das Opfer war bei der ersten Tat 13 Jahre alt. Auch wenn es in dem Alter ganz normal ist, wenn Jungen und Mädchen sich für Sex interessieren und viele auch körperlich in der Lage sind, sexuelle Aktivitäten ohne größere physische Schäden mit anderen Menschen auszuüben, so ist ihnen die Tragweite dessen, was bei Erwachsenen sexuell abläuft und welche Ebenen das annehmen und haben kann, nur vage bewusst. Die ersten sexuellen Erfahrungen prägen und Dinge, die dann falsch angelegt werden, sind später schwer zu korrigieren.

    Zur Frage der „Einvernehmlichkeit“: Falls eine 13jährige sich in Bezug auf einen erwachsenen Mann so verhält, wie das in unserer Kultur von einer erwachsenen, sexuell aktiven Frau erwartet wird, dann hätte der Verurteilte das auch im Jahre 2000, als er 26 Jahre alt war, schon als Alarmzeichen werten müssen. Von „Einvernehmlichkeit“ kann deshalb keine Rede sein. Vermutlich hat das Mädchen so agiert, wie man es ihr beigebracht hat. Sie hat einen Mann in seiner beschädigten Sexualität bestätigt, der eigentlich eine Vertrauensperson hätte sein sollen.

    Ich hoffe, dass das Opfer effektive Hilfe bekommen hat, bzw. noch welche erhält.

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