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„Ganze Regionen ohne Musiklehrer“ – Verband beklagt flächendeckenden Unterrichtsausfall

WEIMAR. Musiklehrer sind Spezialisten, die von fachfremden Kollegen nur schwer vertreten werden können. Viele Schüler und Eltern betrachten das Fach allerdings als wenig relevant und Engagement über den Unterricht hinaus gehört quasi zum Stellenprofil. An vielen Schulen in Thüringen kann der Bedarf an Musiklehrern nicht mehr mit geeigneten Bewerbern gedeckt werden. Der Verband Musikunterricht beklagt jetzt Ausfälle von Musikstunden.

«Thüringen ist da Spitzenreiter», sagte Landespräsident Gero Schmidt-Oberländer . Das betreffe in erster Linie Regelschulen. An 65 dieser Schulen fiel nach Angaben des Bildungsministeriums der Musikunterricht aus oder fand nicht in dem Umfang statt, wie er im Stundenplan vorgesehen war. Das Ministerium wertete Anfang September den Unterricht an 187 Regelschulen aus. «Es gibt Regionen ohne Musiklehrer», erklärte Schmidt-Oberländer und verwies etwa auf den Unstrut-Hainich-Kreis und Bad Lobenstein (Saale-Orla-Kreis).

Vor allem an Regelschulen kann der Bedarf an Musiklehrern häufig nicht mehr mit geeigneten Bewerbern gedeckt werden. Foto. g.pleger / flickr (CC BY-SA 2.

Vor allem an Regelschulen kann der Bedarf an Musiklehrern häufig nicht mehr mit geeigneten Bewerbern gedeckt werden. Foto. g.pleger / flickr (CC BY-SA 2.

Nach den Worten des Verbandspräsidenten müssen viele Lehrer an mehreren Schulen Musik unterrichten, weil es nicht genügend Personal für dieses Fach gibt. Schmidt-Oberländer sprach von geschönten Statistiken des Ministeriums: «Wenn ein Lehrer an vier Schulen Unterricht gibt, sagt die Statistik, dass an allen vier Schulen Musikunterricht stattfindet.» Die Engpässe seien Folge der Einstellungspolitik der vergangenen Jahre.

Nach Ansicht der CDU-Fraktion im Landtag, die dieses Thema in einer Kleinen Anfrage beleuchtete, umfasst die Arbeit eines Musiklehrers «nicht nur die 45 Minuten vor der Klasse», sondern auch die musische Erziehung, Chorauftritte und Instrumentalkreise außerhalb des Unterrichts. Laut Bildungsministerium leiten Musiklehrer an Thüringer Regelschulen 123 Arbeitsgemeinschaften oder Angebote außerhalb des Stundenplans.

Schmidt-Oberländer zufolge geben an einigen Schulen Lehrer Musikunterricht, obwohl sie das Fach nicht studiert haben – «nur weil sie zufällig eine Gitarre richtig halten können». Nach Einschätzung des Ministeriums nutzen solche Pädagogen Fortbildungen im Fach Musik nur selten oder teilweise gar nicht. «Als möglicher Grund ist eine Schwellenangst wegen vermuteter fehlender musikalischer und methodischer Kompetenzen auszumachen», vermutet die Fachabteilung aus dem Haus von Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke).

Nach Angaben ihres Ministeriums kann vor allem an Regelschulen der Bedarf an Musiklehrern häufig nicht mehr mit geeigneten Bewerbern gedeckt werden. Deshalb seien die Richtlinien geändert worden, die für die Besetzung neuer Stellen gelten. Demnach dürfen Gymnasiallehrer auch an Regelschulen unterrichten, wenn sie über die entsprechende Qualifikation verfügen. Für Gymnasien lägen «auskömmlich viele Bewerbungen» vor.

Anders sieht es an Regelschulen aus: Den Angaben nach gab es bei den vergangenen vier Einstellungsterminen lediglich sieben Bewerber für ein Referendariat im Fach Musik. Fünf hätten die Stelle angenommen, einer sagte ab. Ein anderer Bewerber sei abgelehnt worden, weil er fehlende Unterlagen nicht fristgerecht eingereicht habe. Das Land stellt zwei Mal im Jahr Lehrer ein. Das Durchschnittsalter bei Musiklehrern liege bei mehr als 55 Jahren, sagte Schmidt-Oberländer, der auch Professor an der Musikhochschule in Weimar ist.

Er warnte davor, Musik an den Schulen ausfallen zu lassen. Das sei die einzige Möglichkeit, viele Schüler zu erreichen. Musikschulen besuchten nur acht Prozent aller Kinder und Jugendlichen. Musik, Kunst und Theater tragen nach seiner Meinung dazu bei, «dass die Gesellschaft toleranter und offener» werde. (dpa)

• zum Bericht: Kongress in Koblenz: Musiklehrer sehen ihr Fach zunehmend im Abseits

6 Kommentare

  1. Ich bin im Fach Musik nicht ganz überzeugt, dass es nur an der Einstellungspolitik liegt. Ich verfolge das nur am Rande, aber die Einstiegshürden in das Lehramtsstudium scheinen mir sehr hoch.

    • bei sport auch. bei mathematik nicht, was aber durch einen natürlichen ausleseprozess ausgeglichen wird.

      wenn man die hürden senkt, hat man leicht zu viele studenten, die auf andere art zur aufgabe bewegt werden. so viele studierte musiker braucht das land nicht.

  2. @ Küstenfuchs und xxx, was für Einstiegshürden gibt es denn für das Lehramststudium? Ich erinnere mich nur an die, dass man Abitur gemacht haben muss.

  3. Gerade in Berlin soll der NC ziemlich hoch sein.

  4. Bildungsinteressierte

    Die Fächer Musik, Sport und Kunst erfordern m. W. schon immer und meiner Meinung nach zu Recht spezielle Eignungsprüfungen. Allein das dürfte schon dafür sorgen, dass sich nicht unendlich viele Studierende hierfür einschreiben.

  5. Danke für die Antworten.

    Eignungsprüfungen finde ich in Ordnung.

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