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Tausende Demonstranten in Wiesbaden: Wie die Katholische Kirche beim Protest gegen Sexualkunde-Reformen mitmischt

WIESBADEN. Der reformierte Lehrplan zur Sexualerziehung mobilisiert Eltern auch in Hessen. Gleich zwei Demonstrationszüge formierten sich am Sonntag in der Landeshauptstadt – einer gegen und einer für die Reform. Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen lobt die Lehrplan-Gegner für ihr Engagement.

Weitgehend friedlich haben am Sonntag in Wiesbaden mehrere Tausend Menschen für und gegen den neuen Lehrplan zur Sexualerziehung an den hessischen Schulen demonstriert. Die Polizei berichtete am Nachmittag von jeweils bis zu 1500 Teilnehmern an zwei getrennten Kundgebungen. Zwei Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt. Mehrere hundert Demonstranten versuchten, den Zug der Lehrplan-Gegner mit einer Sitzblockade zu verhindern. Deren Veranstalter mussten deshalb die geplante Route verkürzen. Mehr als 1000 Polizisten waren im Einsatz.

Das Bild zeigt eine Szene aus einer Demonstration am 19. Oktober 2014 in Stuttgart. Foto: Demo für Alle / flickr (CC BY-SA 2.0)

Reformen an der schulischen Sexualerziehung bringen mittlerweile fast allerorten viele Menschen auf die Straße. (Symbolbild – Szene aus einer Demonstration 2014 in Stuttgart. Foto: Demo für Alle / flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Polizei berichtete von einigen Rangeleien aus dem Demonstrationszug der Lehrplan-Befürworter, als einige Teilnehmer die vorgegebene Strecke verlassen wollten. Auch seien Beamte mit Gegenständen beworfen und angegriffen worden, unter anderem mit Regenschirmen. Die «Frankfurter Rundschau» berichtete online, eine ihrer Mitarbeiterinnen sei bei einer Rangelei verletzt worden und habe ins Krankenhaus gebracht werden müssen. Zudem wurde laut Polizei nach den Demonstrationen ein Autoinsasse verletzt, weil ein Pflasterstein das Fahrzeug traf. Nähere Angaben dazu konnte die Polizei zunächst nicht machen, der Vorfall werde aufgeklärt, sagte eine Sprecherin. Insgesamt waren bis zu 6000 Demonstranten erwartet worden.

Der aktualisierte Lehrplan sieht als Ziel die Akzeptanz sexueller Vielfalt vor und damit einen diskriminierungsfreien Umgang auch mit Homo-, Trans- oder Bisexualität. Er ist bereits seit September in Kraft. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte erklärt, der Lehrplan sei in einem Routinevorgang an die geänderten gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst worden.

An der Kundgebung für den Lehrplan nahmen nach Angaben der Veranstalter bis zu 3000 Menschen teil. Aufgerufen hatte das «Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt» aus mehr als 100 Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und Initiativen. Redner forderten, «schwul» dürfe kein Schimpfwort mehr an den Schulen sein, der Unterricht müsse ein diskriminierungsfreier Ort sein. Die Kundgebung der Gegner des Unterrichts sei ein «Angriff auf die freie Gesellschaft».

“Demo für alle” gegen den Lehrplan

Die Gegner des Lehrplans trafen sich vor dem Kultusministerium, die Organisatoren zählten rund 1900 Teilnehmer. Veranstalter war das konservative Aktionsbündnis «Ehe und Familie», das bereits in Baden-Württemberg gegen ähnliche Änderungen des dortigen Bildungsplans mobilisiert hatte und aktuell auch in Bayern aktiv ist. „Ehe bleibt Ehe“ steht auf ihren Schildern und „Stoppt Gender”. Die Organisatorin, Hedwig von Beverfoerde, kündigte dauerhaften Widerstand gegen den neuen Lehrplan an. Beverfoerde distanzierte sich von rechtsextremen Gruppierungen, die ihr Kommen angekündigt hatten.

Auf der Facebook-Seite der “Demo für alle” hieß es “aus gegebenem Anlass”: “Parteien und Gruppierungen wie die NPD, „Dritter Weg“ und andere Rechtsextreme sind auf unser Demo nicht willkommen! Wir fordern diese Gruppierungen auf, Aufrufe aus ihren Reihen zur Beteiligung an der Demo für alle am 30. Okt. in Wiesbaden zu unterlassen und unserer Demonstration fernzubleiben.” Trotzdem gebe es Medienberichte, wonach einzelne NPD-Mitglieder in der Demonstration präsent gewesen seien. “Wir bedauern das sehr”, so schreiben die Organisatoren. 

Erteilte der "Demo für alle" seinen bischöflichen Segen: Bischof Algermissen. Foto: StagiaireMGIMO / flickr (CC BY-SA 3.0)

Erteilte der “Demo für alle” seinen bischöflichen Segen: Bischof Algermissen. Foto: StagiaireMGIMO / flickr (CC BY-SA 3.0)

Im Vorfeld hatte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen ein Grußwort an die Demonstranten geschickt: „Sie zeigen heute, dass Ihnen die Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen nicht gleichgültig ist, dass Sie Ihre Verantwortung als Christen wahrnehmen. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken und erteile Ihnen gerne meinen bischöflichen Segen.“ Für ihn sei es “ein Schock” gewesen, dass Kultusminister Lorz (CDU) durch einen Ministererlass den neuen Lehrplan in Kraft gesetzt „und sowohl das Votum des Landeselternbeirates als auch die Stellungnahme der katholischen Bischöfe in Hessen ignoriert hat“.

Der Landeselternbeirat hatte zwar Kritik an einzelnen Punkten des Lehrplans geübt, sich aber von der “Demo für alle” distanziert. Vonseiten der evangelischen Kirchen in Hessen war der Lehrplan begrüßt worden. N4t/ mit Material der dpa

• zum Bericht: Sexualkunde-Lehrplan sorgt weiter für Ärger in Hessen – Eltern beklagen zu wenige Hilfen für Lehrkräfte

Hintergrund: Der neue Lehrplan in Hessen

Zum laufenden Schuljahr hat das hessische Kultusministerium einen neuen Lehrplan erlassen, mit dem mehr Offenheit für sexuelle Vielfalt erreicht werden soll. Im Unterricht sollen Homo-, Trans-, Inter- und Bisexualität so thematisiert werden, dass die Akzeptanz gefördert und Diskriminierung vorgebeugt wird. Die Vorschriften stoßen nicht überall auf ein positives Echo. Der Landeselternbeirat kritisierte das Ziel der «Akzeptanz» als zu weitgehend und sprach sich stattdessen für den Begriff «Toleranz» aus. Anbei Fragen und Antworten zu dem Sexualkunde-Lehrplan:

Was ist für die einzelnen Altersstufen vorgesehen?

Sechs- bis Zehnjährige sollen neben den körperlichen Unterschieden von Männern und Frauen unter anderem Patchworkfamilien und gleichgeschlechtliche Partnerschaften als Konzepte kennenlernen. Für ältere Schüler kommen dann auch «unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten» als Stoff hinzu. Dies soll neben den anderen Themen der Sexualerziehung in den folgenden Klassenstufen weiter vertieft werden, auch «Unterstützung beim Coming Out» ist vorgesehen.

Wie fielen die ersten Reaktionen aus?

Der Lehrplan wurde per Ministerentscheid in Kraft gesetzt. Dies nährte neben der Kritik am Wort «Akzeptanz» Vorwürfe, Minister Alexander Lorz (CDU) sei heimlich vorgegangen. Das Ministerium erklärt, es habe sich um einen Routinevorgang gehandelt. Zudem seien unter anderem Vertreter von Eltern, Lehrern und Kirchen dazu angehört worden. Auch inhaltlich sieht Lorz keinen Grund für Kritik. Der Lehrplan sei die Konsequenz aus der geänderten gesellschaftlichen Realität. Die letzte Aktualisierung stammt aus dem Jahr 2007. Ultrakonservative und rechtspopulistische Gruppen lehnen den Lehrplan als indoktrinierend ab.

Was sagen Experten?

Hessen habe eine Entwicklung nachvollzogen, die in anderen Bundesländern bereits geschehen sei, sagt der Frankfurter Professor und Sexualpädagoge Stefan Timmermanns. Die Themen Homo-, Bi- und Transsexualität kämen ohnehin über das Internet und das Fernsehen zu den Kindern und Jugendlichen. Im Unterricht könnten dann pädagogisch angemessen Fragen dazu behandelt werden. Die Sexualwissenschaftlerin Karla Etschenberg kritisierte in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», dass das Thema «Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten» zu stark gewichtet worden sei. Andere Themen kämen dadurch zu kurz.

Wie sehen die Lehrer den neuen Lehrplan?

Die Landesvorsitzende des Lehrerverbands, Edith Krippner-Grimme, sagt, es seien noch einige Fragen offen. Beispielsweise, wie die Umsetzung in den Klassen und einzelnen Fächern tatsächlich laufen solle. Und wer entscheide, in welcher Altersstufe nun genau welcher Inhalt unterrichtet werden solle. Zudem sei zu befürchten, dass diese Abstimmung darüber und die anstehenden Elternabende als Zusatzarbeit auf die Schulen und Lehrer zukämen.

Wie geht es nun weiter?

In Elternabenden sollen die Ziele, Inhalte sowie Lehr- und Hilfsmittel des Unterrichts vorgestellt werden. Der Landeselternbeirat empfiehlt, diese Informationsveranstaltungen aktiv einzufordern. Transparenz nehme Ängste, sagt auch der Sexualpädagoge Timmermanns. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie etwa Baden-Württemberg, wo es schon um den Entwurf des Lehrplans heftige Diskussionen gab, sind die neuen Vorschriften in Hessen vor Wochen in Kraft gesetzt worden. Änderungen sind also nicht mehr zu erwarten.

 

30 Kommentare

  1. Ich habe den Lehrplan Biologie für Hauptschule und Gymnasium kurz überflogen. Wenn man ihn wörtlich nimmt, ist von der (je nach Position) geforderten Beachtung bzw. befürchteten Überbetonung der nicht-heterosexuellen Orientierungen keine Spur, sie ist nur ein (kleines) Unterthema beim großen Kapitel Sexualität des Menschen, wobei Verhütung und Schwangerschaft wesentlich umfangreicher wirken.

    Es hängt natürlich von den Unterrichtsmaterialien und der Lehrkraft ab, ob bei dem Thema das Minimalprogramm, das Komplettprogramm gemäß Buch oder das Komplettprogramm gemäß der Genderologen gefahren wird.

  2. “Der aktualisierte Lehrplan sieht als Ziel die Akzeptanz sexueller Vielfalt vor und damit einen diskriminierungsfreien Umgang auch mit Homo-, Trans- oder Bisexualität.” Wo liegt da eigentlich das Problem? Jetzt geht das ganze Theater schon wieder los.

  3. Es sollten Lehrkräfte und ihre Verbände den aktualisieren Lehrplan öffentlich stärker verteidigen. M.E. teilen Lehrkräfte längst privat und in Gesprächen die gesellschaftlich veränderte Anforderung auf diskriminierungsfreie Wahrnehmung aller Menschen. Also an dieser Stelle einfach mal die Ministererin unterstützen.

  4. In Vorbereitung des Aufklärungsunterrichts in der 4. Klasse habe ich bei einem Elternabend den Schülereltern erklärt, was der neue Bildungsplan eigentlich beinhaltet und was ich vorhabe. Ich wusste ja, dass Einige an den Stuttgart-Demonstrationen teilnahmen. Da fanden sie das eigentlich gut. Viele sind gegen die Reformen, weil sie sich falsche Vorstellungen machen.

  5. Der Staat darf den Schülern an öffentlichen Schulen im Unterricht NICHT vorgeben, ein bestimmtes Sexualerverhalten zu befürworten oder abzulehnen. Dies ist die verfassungsrechtliche Rechtslage seit der Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1977. Der neue Lehrplan von Kultusminister Lorz schreibt trotzdem eine Sexualerziehung fest, die als Lernziel hat, dass die Schüler sexuelle Vielfalt nicht nur tolerieren, sondern akzeptieren. Dadurch verstößt er gegen die o.g. Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, also gegen das dem Staat obliegende Indoktrinationsverbot.
    Kultusminister Lorz als gelernter Professor für öffentliches Recht weiß das ganz genau, verschleiert dies aber, zuletzt am 26.10. in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Verein “echte Toleranz”, die man auf der Website des Vereins im Original nachlesen kann. Lorz argumentiert dabei bewusst an der tatsächlichen Rechtslage vorbei Dies erscheint mir der eigentliche Skandal zu sein. Leider berichtet nur der Verein Echte Toleranz darüber. Warum nur er?

  6. Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die Lehrinhalte nicht auf das Alter der Kinder abgestimmt sind. Wenn, wie oben berichtet, bereits 6-10-Jährige positiv auf alle möglichen Sexualitätsformen geprägt werden sollen, kann das unmöglich auf der Basis von sachlicher Information geschehen, da Kinder ja (hoffentlich!) keine eigenen sexuellen Erfahrungen haben und i.d.R. mit “Details” in Ruhe gelassen werden wollen; das heißt, es geht darum (positive) Vorurteile ohne Sachkenntnis zu erzeugen – das ist nur eine Umformulierung von “Akzeptanz”. Ich meine, Schüler sollten sich sachlich begründet eine eigene Meinung bilden können, und dazu braucht es das richtige Alter. Bei Grundschulkindern sollte man sich auf die 97% konzentrieren, wie bei allen anderen Lehrinhalten auch, und differenziertere Fragestellungen in höheren Klassen besprechen.

      • Was ich auf dieser Seite lese, hat eine leichte Schlagseite in Richtung der linken 70erJahre-Glaubenslehre, dass man nur alles tabufrei besprechen müsse, dann lösen sich die Verklemmungen und die Sexualität wird gut. Sätze wie “von der ersten Stunde an sind Kinder sexuelle Wesen” sind das beste Alibi für Pädophile. Die Anbindung von Sexualität an ein gelingendes Gesamtleben in verlässlicher Gemeinschaft, in Ehe und Familie wird überhaupt gar nicht erst erwähnt, nicht einmal als ein möglicher Lebensentwurf, geschweige denn als die dominierende Lebensform quer durch alle Kulturen, Kontinente und Zeiten (mit Ausnahme der westlichen reichen Völker seit ca. 1980). Ich halte die “Tipps” für sehr lückenhaft.

        • Von der Seite habe ich es nicht betrachtet. Immerhin ist aber von Eltern die Rede. Deshalb meine ich, dass hier impliziert von Familie ausgegangen wird. Andere stören sich evtl. genau daran, weil nicht auch andere sexuelle Identitäten als Vater oder Mutter genannt werden.
          Ich finde diese Seite insofern hilfreich, weil sie Eltern Hilfen anbietet, in welchem Alter Kinder mit sexuellen Themen konfrontiert werden sollten. Wenn ich Ihren Post vom 01.11./ 21.26 h richtig verstanden habe, ist das doch ihr Frage gewesen.

          “Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die Lehrinhalte nicht auf das Alter der Kinder abgestimmt sind.”

        • Ihren Vergleich der Sexualpädagogik der Vielfalt mit der linken Glaubenslehre der 70erJahre finde ich sehr treffend. Ich habe die Zeit damals bewusst erlebt und kann Ihre Beschreibung nur bestätigen.
          Allerdings eroberte diese Ideologie damals noch nicht die Schulen, das gelingt ihr erst heute mit Hilfe der moralischen Flagge von “Toleranz” und “Akzeptanz”, die den eigentlichen Kern der Glaubenslehre verfremdet und appetitlich macht.
          Vor allem aber sind Gegner hervorragend zu bekämpfen, weil sie als homophob und intolerant bezeichnet werden können, obwohl ihre Einwände sachlicher Natur sind und ganz andere Gründe haben.

          • Ist es möglich, auf die m.E. zentrale Aussage von “Pälzer” einzugehen und danach zu fragen, ob der Artikel Antworten enthält?

            „Das Hauptproblem sehe ich darin, dass die Lehrinhalte nicht auf das Alter der Kinder abgestimmt sind.“

  7. Mir geht jetzt langsam die Hutschnur auf. Glaubt ihr im Ernst, wir stellen uns vor Grundschüler und erklären ihnen homosexuelle Sexualpraktiken? So detailliert geht es nur bei der Zeugung zu und dafür braucht man heterosexuelle Paare. Unsere Eltern sind da zum Glück schon viel weiter.

    • Ja, das müssten Sie, weil es bei Heterosexuellen ja auch zur sexuellen Aufklärung dazu gehört. Warum wird das ausgeklammert? Wenn schon, dann aber volles Programm, lach.

      • Da kennt jemand sen Grundschullehrplan nicht. Lach.

        • Von wegen Frühsexualisierung

          Auf der neuen Webseite bildungsplaene-bw.de sind die Pläne einzeln gelistet nach Schulart, Alter und Fach, was die Debatte konkretisieren soll, aber eine schnelle Übersicht erschwert. Bei der Grundschule, also den ersten bis vierten Klassen, zeigt sich dennoch schnell, dass Vorwürfe über eine “Frühsexualisierung” ins Leere gehen: Sexualaufklärung ist überhaupt kein Thema.

          Auch der Bereich der sexuellen Vielfalt wird nicht ausdrücklich erwähnt. Die Lehrpläne sehen vor, dass Schüler sich und andere kennenlernen, Verschiedenheit reflektieren, Konflikte erkennen und lösen. Mobbing ist ein Thema, auch die Prävention sexuellen Missbrauchs.

          Ein Denkanstoß lautet: “Welche Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit dem ‘Anderssein’ und dem Erleben von Vielfalt als Normalität schafft die Schule?” Allerdings wird nur allgemein auf “Selbstfindung und Akzeptanz anderer Lebensformen” verwiesen – es kommt wohl auf den jeweiligen Lehrer und die konkrete Klassensituation an, welche Schwerpunkte den Schülern vermittelt werden. Viel deutlicher geht der Bildungsplan für die Grundschule unter anderem auf “kulturelle Vielfalt” ein, macht etwa Migration zum Thema.

          “Wertfreier” Unterricht über Homo- und Transsexualität

          Eine richtige Rolle spielt “sexuelle Viefalt” erst in den späteren Stufen, vor allem in den Klassen 7 und 8, also zu Beginn und während der Pubertät. Dann ist auch eine verpflichtende Sexualkunde vorgesehen (Biologie, “Fortpflanzung und Entwicklung”).

          • “Selbstfindung und Azeptanz anderer Lebensformen”.
            Sh. dazu diesen Kommentar.

            rainer rohling
            1. November 2016 um 16:20

            “Der Staat darf den Schülern an öffentlichen Schulen im Unterricht NICHT vorgeben, ein bestimmtes Sexualerverhalten zu befürworten oder abzulehnen. Dies ist die verfassungsrechtliche Rechtslage seit der Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1977. Der neue Lehrplan von Kultusminister Lorz schreibt trotzdem eine Sexualerziehung fest, die als Lernziel hat, dass die Schüler sexuelle Vielfalt nicht nur tolerieren, sondern akzeptieren. Dadurch verstößt er gegen die o.g. Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, also gegen das dem Staat obliegende Indoktrinationsverbot.
            Kultusminister Lorz als gelernter Professor für öffentliches Recht weiß das ganz genau, verschleiert dies aber, zuletzt am 26.10. in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Verein „echte Toleranz“, die man auf der Website des Vereins im Original nachlesen kann. Lorz argumentiert dabei bewusst an der tatsächlichen Rechtslage vorbei Dies erscheint mir der eigentliche Skandal zu sein. Leider berichtet nur der Verein Echte Toleranz darüber. Warum nur er?”

        • @mississippi
          Zitat aus wikipedia: “Queer steht heute sowohl für die gesamte Bewegung als auch für die einzelnen ihr angehörenden Personen. Es ist eine Art Sammelbecken, in dem sich – je nach Selbstaussage – außer Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transgendern, Pansexuellen, Asexuellen und BDSMlern auch heterosexuelle Menschen, welche Polyamorie praktizieren, und viele mehr finden lassen. Eine Besonderheit von queer im Vergleich zu Identitäten wie lesbisch oder schwul ist, dass die Betonung auf der eigenen – von der Heteronormativität abweichenden – Geschlechterrolle, Geschlechtsidentität bzw. Lebensweise liegt, während ein etwaiger Partner eine geringere Rolle spielt.”

          Ich bin Ihrem Queer-Link gefolgt und hatte automatisch das Bedürfnis, mich bei wikipedia schlau zu machen über Gruppen mit dem Label “queer”. Diese vertreten offensichtlich Lobbyinteressen, bei denen es sich meiner Meinung nach durchaus lohnt, eher zuviel nachzudenken, anstatt zu wenig, und hinter das Mäntelchen “Erziehung zur Toleranz” zu gucken.

          • In meinen Augen ist der Beitrag von Queer durchaus sachlich richtig. Was genau stimmt da nicht? Uns wurde auf Fortbildungen zum Neuen Lehrplan nichts anderes vermittelt.

          • Und das macht Sie nicht stutzig?

  8. Ihr denkt viel zu viel nach. Was glaubt ihr denn von den Grundschullehrer/innen?

    • Neuer Bildungsplan von 2016: Sexualerziehung in Klasse 3 und 4:

      ” …sich über die körperlichen Veränderungen von Mädchen und Jungen auf dem Weg des Erwachsenwerdens bewusst werden und über diese sprechen

      …Geschlechterzuschreibungen und Klischees in Alltag und Medien hinterfragen

      ….die Entwicklung menschlichen Lebens von der Zeugung bis zur Geburt entwicklungsgerecht beschreiben.”

      Wie werden die Kinder ermutigt, sich in Notsituationen zu wehren (Ich-Stärkung)?

      Welche Unterstützungsangebote nutzt die Lehrkraft, um Kinder in Notsituationen (zum Beispiel sexueller Missbrauch, Mobbing) professionell zu unterstützen?

      Wie wird mit Übergriffen unter den Kindern in der Schule umgegangen?

      “….ungewollte Handlungen an ihrem Körper nennen und sich dagegen abgrenzen

      …. in Notsituationen handeln sowie Unterstützungsmöglichkeiten nennen (Nein-Sagen, Hilfe holen, Erwachsene.”

      Das mit der sexuellen Vielfalt taucht in der Grundschule in BaWü in den Leitlinien auf:

      Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV)

      Der konstruktive Umgang mit Vielfalt stellt eine wichtige Kompetenz für die Menschen in einer zunehmend von Komplexität und Vielfalt geprägten modernen Gesellschaft dar. In der modernen Gesellschaft begegnen sich Menschen unterschiedlicher Staatsangehörigkeit, Nationalität, Ethnie, Religion oder Weltanschauung, unterschiedlichen Alters, psychischer, geistiger und physischer Disposition sowie geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung. Kennzeichnend sind Individualisierung und Pluralisierung von Lebensentwürfen.

      Kernanliegen der Leitperspektive ist es, Respekt sowie die gegenseitige Achtung und Wertschätzung von Verschiedenheit zu fördern. Grundlagen sind die Menschenwürde, das christliche Menschenbild sowie die staatliche Verfassung mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie.

      Schule als Ort von Toleranz und Weltoffenheit soll es jungen Menschen ermöglichen, die eigene Identität zu finden und sich frei und ohne Angst vor Diskriminierung zu artikulieren. Indem Schülerinnen und Schüler sich mit anderen Identitäten befassen, sich in diese hineinversetzen und sich mit diesen auseinandersetzen, schärfen sie ihr Bewusstsein für ihre eigene Identität. Dabei erfahren sie, dass Vielfalt gesellschaftliche Realität ist und die Identität anderer keine Bedrohung der eigenen Identität bedeutet.

      Die Leitperspektive zielt auch auf die Fähigkeit der Gesellschaft zum interkulturellen und interreligiösen Dialog und zum dialogorientierten, friedlichen Umgang mit unterschiedlichen Positionen bzw. Konflikten in internationalen Zusammenhängen. Erziehung zum Umgang mit Vielfalt und zur Toleranz ist damit auch ein Beitrag zur Menschenrechts- und Friedensbildung und zur Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft.

      Die Verankerung der Leitperspektive im Bildungsplan wird durch folgende Begriffe konkretisiert:

      • Personale und gesellschaftliche Vielfalt
      • Wertorientiertes Handeln
      • Toleranz, Solidarität, Inklusion, Antidiskriminierung
      • Selbstfindung und Akzeptanz anderer Lebensformen
      • Formen von Vorurteilen, Stereotypen, Klischees
      • Konfliktbewältigung und Interessensausgleich

      • Minderheitenschutz
      • Formen interkulturellen und interreligiösen Dialogs

  9. Ich bin selber Grundschullehrerin und brauche nicht zu glauben. Trotzdem oder gerade deswegen stimme ich nicht mit Ihnen überein.
    Wer den Vorwurf erhebt, andere dächten zu viel nach, tut dies selbst vielleicht zu wenig. Hier kommt es doch allein auf die Perspektive an.
    Wenn Sie mehr der queer-gläubige Typ sind, haben Sie es vermutlich leichter als andere, die quer zu queer stehen und nicht umhin kommen das zu hinterfragen, was diese Queer-Geister so alles behaupten.

  10. So sehen die Pläne in Hessen aus:

    Sechs- bis Zehnjährige lernen also künftig in der Schule, was eine „Patchworkfamilie“ ist, welche Probleme Alleinerziehende oder Pflegefamilien haben und dass es gleichgeschlechtliche Partnerschaften gibt. An Grundschulen ist auch bereits ein Präventionsprogramm gegen sexuellen Missbrauch im Lehrplan verankert. Das Motto: „Ich sage Nein“.

    Zehn- bis Zwölfjährige lernen, Hetero-, Bi-, Homo- und Transsexualität zu unterscheiden, 13- bis 16-Jährige beschäftigen sich erstmals mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch.

    Auch die „Scheinwelt der Sexualität in den Medien und der Umgang in sozialen Netzwerken“ sollen thematisiert werden. Die Teilnahme an dem Unterricht ist verbindlich und nicht an die Zustimmung der Eltern gebunden. Auch sollen Klassenarbeiten geschrieben werden, allerdings ohne Noten.

    Quelle: Die Welt

    Alternativ kann man die Aufklärung den Medien und ihren schmutzigen Filmchen überlassen.

    • @Mississippi
      Leider gehen Sie nicht auf den Beitrag von R. Rohling ein, der für mich die zentrale Aussage hinsichtlich Toleranz und Akzeptanz trifft.

      https://www.echte-toleranz.de/index.php/aktuelles.html

      „Der Staat darf den Schülern an öffentlichen Schulen im Unterricht NICHT vorgeben, ein bestimmtes Sexualerverhalten zu befürworten oder abzulehnen. Dies ist die verfassungsrechtliche Rechtslage seit der Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1977. Der neue Lehrplan von Kultusminister Lorz schreibt trotzdem eine Sexualerziehung fest, die als Lernziel hat, dass die Schüler sexuelle Vielfalt nicht nur tolerieren, sondern akzeptieren. Dadurch verstößt er gegen die o.g. Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, also gegen das dem Staat obliegende Indoktrinationsverbot.”

      Ich kann das nicht einordnen, weil ich kein Jurist bin. Zumindest sollte der Hinweis auf das Indoktrinationsverbot durch den Staat nicht einfach ignoriert werden.

  11. @geli: Bitte sagen Sie mir, was mich stutzig machen soll.

    Hier kommt der neue Bildungsplan, da kann jede/r selbst nachschauen.

    http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/Startseite

    • Wenn sich in Bildungsplänen allzu deutlich Lobbyinteressen niederschlagen, lohnt es sich in der Regel, misstrauisch zu werden und die Sache zu hinterfragen.
      Bei Wirtschaftsinteressen sind wir meist hellhörig, doch wenn andere Lobbyisten mit hehren Gründen, aber möglicherweise weniger hehren Absichten, Einfluss nehmen auf Bildungs- bzw. Lehrpläne, herrscht eine seltsame Achtlosigkeit.
      Ich schaue da gern auf die Argumente beider Seiten, also auch auf die der Meinungsgegner, und misstraue den mitgelieferten Urteilen ihrer Kontrahenten wie “intolerant”, “inhuman” oder “unmodern”. An Stelle von echten Sachargumenten operieren diese auffallend gern mit Diffamierungen und tun so, als seien dies Beiträge in der Sache.

    • Was sollen nachzuschauende Bildungspläne beweisen? Dass sie einer objektiven, höheren Wahrheit dienen und frei sind von der Einflussnahme irdischer Interessensvertreter?
      Mit Verlaub, mississippi, an soviel Naivität glaube ich auch bei Ihnen nicht.

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