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Teamarbeit in der Schule: Drei Gründe, warum man Kollegen verpetzten sollte – und zwei, warum nicht

DÜSSELDORF. Das Kollegium einer Schule sollte eine Einheit bilden, sich gegenseitig stärken und unterstützen. Teamfähigkeit wird schon bei der Einstellung als wichtiges Kriterium angesehen. Aber auch wenn „Petzen“ und „Anschwärzen“ negativ behaftet sind, darf man nicht vergessen, dass Lehrkräfte Verantwortung für Schülerinnen und Schüler, für einen reibungslosen Arbeitsablauf und für sich selbst tragen. Sie sollten unbedingt handeln, wenn…

1.      …der Kollege sich oder andere gefährdet. Bei Alkohol- oder Drogenmissbrauch beispielsweis ist man sogar verpflichtet, Vorfälle dem Lehrerrat oder dem Vorgesetzten zu melden. Ratsam ist es, hier zunächst vertraulich mit dem Kollegen oder der Kollegin zu sprechen um sie oder ihn auf den Verdacht hinzuweisen und darüber in Kenntnis zu setzen, dass dies gemeldet wird.

2.      … ein Kollege ständig Arbeit abwälzt oder Unbeteiligte in Situationen bringt, in denen andere seine Fehler oder Nachlässigkeit auffangen müssen.  „Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann auch zu einer gesundheitlichen Überlastung führen,“ findet Kerstin Ruthenschröer, Bundessprecherin beim Jungen VBE.

Kollegialer Austausch ist wichtig. Kooperieren Lehrer miteinander verbessert sich in der Regel auch ihre berufliche Zufriedenheit. Foto: ChemieBW/Eppler / flickr (CC BY 2.0)

Kollegialer Austausch ist wichtig. Arbeiten Lehrer im Team gut miteinander verbessert sich in der Regel auch ihre berufliche Zufriedenheit. Foto: ChemieBW/Eppler / flickr (CC BY 2.0)

3.      … Sie  sich benutzen lassen. Lässt man den Kollegen fortwährend Arbeit abwälzen, kann das auch negative Folgen für ihn haben. Etwa wenn Kollegen, Eltern und Schüler hinter seinem Rücken über ihn sprechen. Dieses Gerede kann das Arbeitsklima vergiften.

Bei all diesen Punkten ist natürlich äußerste Vorsicht und Sensibilität gefordert. Indem man mit dem Betroffenen direkt, mit Vorgesetzen oder mit dem Lehrerrat über diese Konflikte spricht, provoziert man meist. Denn…

4.      …wer sich zu voreilig in die Arbeit der Kollegen einmischt, kann auch schnell als übergriffig und aufdringlich gelten. Niemand möchte ein Arbeitsklima erleben, in dem er sich ständig kontrolliert und beobachtet fühlt. Im schlimmsten Fall gerät man so in seine eigene Falle und gilt als schwarzes Schaf des Teams.

5.      jedem Menschen passieren Fehler oder Nachlässigkeiten. Das ist normal und sollte auch in einem Kollegium so angesehen sein. Und gerade dann braucht man den Rückhalt und den Humor seiner Kolleginnen und Kollegen. Wer diese viel beschworene Fehlerkultur in seinem Kollegium hat, weiß, wie sehr das den Arbeitsalltag erleichtert und verbessert. nin

10 Kommentare

  1. Na das ist ja mal ne ganz tolle Zusammenstellung.

  2. Das ist ein komisches Thema, was man hier veröffentlicht, vor allem mit dieser Überschrift. Es offenbart eine seltsame Denke der jungen VBE. Konflikte sind da um gelöst zu werden und nicht, um sie nach oben “zu verpetzen”.

    • Unkollegiale Lehrer, die keine Gemeinschaft bilden, sind in ihrem Alleinsein bekanntlich wunderbar zu lenken. Und was kann wohl am besten als Spaltpilz dienen? Richtig, gegenseitiges Verpetzen, das zur Tugend erklärt wird, um Hemmungen abzubauen.
      Im Artikel wird das Thema geschickt angepackt, so als ginge es beim Anschwärzen um das Wohlergehen der Lehrer und die Stärkung ihres Gemeinschaftssinns. Wer’s glaubt, wird selig.
      Allerdings passt diese Darstellung in die politische und mediale Landschaft. Diffamierung und Denunziation haben Hochkonjunktur. Und die wenigsten bemerken das oder fragen sich, was dahinterstecken könnte.

      • @ U.B.
        In der Analyse, was die Lehrer betrifft, gebe ich Ihnen 100 prozentig Recht. Sie haben es gut auf den Punkt gebracht. Wenn man “verpetzen” schon positiv sieht und dies durch solche Aussagen salonfähig macht, dann geht das in eine äußerst bedenkliche Richtung.
        Ich habe versucht, die Quelle dieser Aussage zu finden, doch so taucht sie nirgendwo sonst im Internet auf.

    • Zweischneidiges Schwert – zum einen hat sich das Schulrecht geändert, die allermeisten Schulen sind “eigenständige” Schulen; sie verwalten also ihre Ressourcen eigenständig. Das eingesetzte Personal gehört zu diesen Ressourcen, die die Schulleitung zu managen hat.
      In einigen Fällen sit die Schulleitung nur (fachliche) Vorgesetzte, in anderen aber auch Dienstvorgesetzte. Die zeiten, in denen die Schulleitungen “primus inter pares” gewesen sind, sind tempi passati.

      Ja, und es gibt sie, die Kollegien, in denen gewaltige Missstände vorherrschen und tlw. durch Schulleitungen gedeckt werden. In solchen Kollegien – und das betrifft nicht nur Schule – weiß jeder wie viele Leichen der andere im Keller liegen hat, und weiß auch jeder, dass die anderen um die eigenen Leichen wissen. Es herrscht also das Gleichgewicht des Schreckens vor, wenn Du was sagst, dann …

      Gnade Gott dem jungen Kollegen/der jungen Kollegin, die in ein solches Kollegium hinein neu eingestellt werden. Es müssen also Missstände angesprochen werden können. Sollte das in einer Gesamtlehrkräftekonferenz passieren, durch eine Anfrage an den lehrerrat geschehen, ist der Rahmen okay. Sollte das Ansprechen der Missstände aber zu negativen Konsewuenzen bei dem führen, der sie aufgedeckt hat, dann bleibt nur die “Weitermeldung nach oben”. Das hat aus meiner Sicht auch nichts mit Petzen zu tun. Große Firmen haben dafür sogar anonyme Meldeportale geschaffen

      • Der Fall, den Sie beschreiben, hat auch meiner Meinung nach nichts mit Petzen zu tun. Wer Missstände anspricht, darf dafür nicht von Rektor oder Kollegen bestraft werden. Hier ist der Weg nach oben tatsächlich gerechtfertigt.
        Ansonsten stimme ich ysnp und U. B. in ihrer Kritik zu. Auch mir vermittelt der Artikel den Eindruck, dass Petzen aufgewertet und im Großen und Ganzen zur Tugend erklärt wird, während seine destruktiven Kräfte zu kurz kommen.
        Allein das plakative 3:2 fürs Petzen spricht Bände und missfällt mir sehr.

  3. Und was, wenn die Missstände bei den “höheren Gremien” liegen?

  4. Für mich tauchen da zwei Fragen auf:
    1. wie gravierend ist das Thema? (Alkohol, Drogen, sex. Grenzüberschreitungen o.ä.)
    2. weiß die Schulleitung um die Missstände?
    Es ist für mich ein großer Unterschied, ob eine Schulleitung echte Missstände deckt (wie dickebank meint)
    oder von den Problemen (noch) gar nichts weiß. Auf jeden Fall hat sie eine Fürsorgepflicht für Lehrkräfte und Schülerinnen, und wenn da Gefährdungen vorliegen, muss sie irgendwie Bescheid wissen und handeln …

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