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Auch Ministerin Klaubert gegen Handy-Verbote in der Schule – Smartphones lieber gleich im Unterricht nutzen

ERFURT. An den meisten Thüringer Schulen sind Handys im Unterricht derzeit unerwünscht. Bildungsministerin Klaubert ermuntert Lehrer nun dazu, Smartphones auch als Lernmittel zu nutzen.

Für den Smartphone-Einsatz im Unterricht:  Die Thüringer  Bildungsministerin Birgit Klaubert. Foto:  Ralf Roletschek / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Für den Smartphone-Einsatz im Unterricht: Die Thüringer Bildungsministerin Birgit Klaubert. Foto: Ralf Roletschek / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) steht einer Nutzung von Smartphones im Unterricht offen gegenüber. «Es generell zu untersagen, halte ich für nicht richtig», sagte sie auf Anfrage. Verbote und eine Tabuisierung brächten nichts – zumal Kinder dafür auch Umgehungsstrategien hätten. Zudem besäßen Mädchen und Jungen heute schon im Grundschulalter Smartphones. Klaubert plädierte daher für einen offenen Umgang mit ihnen im Unterricht. Sie könnten etwa zum Informationserwerb oder im Geografieunterricht zum Suchen einer bestimmten Landschaft auf der Karte genutzt werden.

Derzeit sind Handys im Unterricht zumeist tabu, damit sie Schüler nicht ablenken. «Die Nutzung darf letztlich nicht dazu führen, dass Unterricht gestört wird», stellte Klaubert klar. Bei Klassenarbeiten und Klausuren die Antworten zu googeln, gehe ebenfalls nicht. In solchen Situationen machten auch bei einem offensiven Gebrauch des Smartphones Verbote Sinn. Schon jetzt würden digitale Medien an Thüringer Schulen genutzt. Allerdings sei das noch ausbaubar. Derzeit gebe es an 75 Schulen Tablet-Klassen.

Wenn Smartphones als Lernmittel genutzt werden, muss das nach Ansicht Klauberts jedem Kind ermöglicht werden. Nicht alle Schüler verfügten schon über ein modernes Gerät. Für den Gebrauch von Smartphones im Unterricht hatte zuvor schon die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) geworben. Ende September war zudem ein Projekt zur Nutzung solcher Geräte im Unterricht am Friedrich-Gymnasium in baden-württembergischen Freiburg mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet worden.

KMK-Präsidentin Bogedan: «Handyverbote sind von gestern»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte ebenfalls die Einbeziehung moderner Kommunikationsmittel in den Unterricht. «Kritisch sehen wir jedoch, wenn die Nutzung der Schüler-Smartphones deshalb geschieht, weil die Länder kein ausreichendes Budget für die technische Ausstattung der Schulen bereitstellen», sagte die GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will alle rund 40.000 Schulen in Deutschland in den nächsten fünf Jahren mit einem Fünf-Milliarden-Euro-Programm fit für die digitale Bildung machen. Ob das Geld ausreiche und wann es an den einzelnen Schulen ankomme, sei immer noch offen, sagte Vitzthum. Sie warnte zugleich vor einer Stigmatisierung von Schülern, die kein oder ein veraltetes Smartphone besitzen. Diese Frage sei vor einer generellen Freigabe der Geräte im Unterricht unbedingt zu klären. dpa

 

5 Kommentare

  1. – Verstehe ich Frau Klaubert recht, dass sie zwischen den Zeilen Händies für alle Kinder fordert, wegen der Bildungsgerechtigkeit? Ich meine, nur die Allerärmsten der Armen haben noch keins!
    – Glaubt Frau Klaubert, ihre Forderung sei neu? und die Lehrer blockierten auch sinnvolle Nutzungen der Mobiltelefone ??
    – Gab es eigentlich konkrete Vorschläge, welche Apps wir Lehrer unbedingt kennen müssen, oder blieb man/fra im politisch Allgemeinen?

    • Wir in Thüringen lassen die Schüler lieber teure CAS-Rechner kaufen (ab der 9. Klasse) und setzen vorher auf BYOD (bring your own device), weil die technische Ausstattung der Schule sehr stark zu wünschen übrig lässt. Aber auch die Arbeit mit den Smartphones würde schnell an Grenzen stoßen, wenn Schüler ihr Datenvolumen für den Unterricht nutzen sollen – das wollen sie nämlich nicht, aber ein Schul-WLAN für alle gibt es auch nicht, vom Internetzugang in allen Räumen mal ganz zu schweigen …

      • wenn meine Schüler herausfinden sollen, was z.B. “Isotope” sind, und ich Internetnutzung erlaube, dann guckt alles überrascht und erfreut, sie ziehen ihre mobiles aus der Tasche und surfen los. Sind die Rheinland-Pfälzer reicher?
        Übrigens ist es in den Pausen völlig üblich, dass 4 – 6 Schüler gemeinsam auf ein Händi-Spiel gucken – warum sollte das dann im Unterricht ein Problem sein?

    • In Teilen Englands stieg die Bildungsgerechtigkeit an, als man die Handys verboten hat.

      Siehe auch:
      http://www.sueddeutsche.de/bildung/studie-an-britischen-schulen-handyverbot-hilft-leistungsschwachen-schuelern-1.2495445

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