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Baden-Württemberg: Städtetag und FDP fordern flexiblere Betreuungsangebote an Schulen

STUTTGART. Die gesetzliche Verankerung der Ganztagsschule war ein Meilenstein in der Schulpolitik des Landes Baden-Württemberg. Derzeit fehlt dem Projekt aber der Drive. Wenige Tage vor dem Ganztagsgipfel des Kultusministeriums fordert der Städtetag flexiblere Modelle der Ganztagsbetreuung.

Ganztagsangebote unterstützen vorwiegend die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, wenn sie pädagogisch gut gemacht sind. (Foto: Woodley wonderworks/Flickr CC BY 2.0)

Nur 16 Prozent der 2400 Grundschulen in Baden-Württemberg verfügen über ein Ganztagsangebot. (Foto: Woodley wonderworks/Flickr CC BY 2.0)

Wie soll die Ganztagsschule der Zukunft aussehen und wie können die im Land bestehenden Modelle weiterentwickelt werden? Darüber will die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) mit Eltern, Schülern, Vereinen und Verbänden auf dem sogenannten Ganztagsgipfel am Donnerstag, 24. November 2016, in Kornwestheim diskutieren. „Wo stehen wir und wo wollen wir hin? Das sind Fragen, die ich im Dialog mit den am Ganztag beteiligten Partnern ausloten möchte. Die Ganztagsschule von morgen soll sich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ausrichten und eine gute pädagogische und organisatorische Tagesstruktur bieten“, heißt es von Seiten Eisenmanns in einer Pressemitteilung des Kultusministeriums.

Im Vorfeld fordert der Städtetag, dass sich künftig zumindest an großen Grundschulen der Ganztagsbetrieb und flexible Nachmittagsbetreuung nicht länger ausschließen. Die Förderpolitik des Landes nach dem Motto „Ganz-oder-gar-nicht“ werde der Lebenswirklichkeit an den Schulen nicht gerecht und erzeuge dort lähmende Konflikte, so Bildungsdezernent Norbert Brugger. „Wir müssen respektieren, dass ein Teil der Elternschaft flexible Angebote gegenüber verbindlichen Ganztagsangeboten bevorzugt.“

FDP-Bildungsexperte Timm Kern hält die bisherigen Formen der Ganztagsschulen ebenfalls für zu starr. Er forderte eine offene Ganztagsschule mit offenen Angeboten am Nachmittag, bei denen die Eltern selber entscheiden können sollen, an welchen Nachmittagen ihre Kinder die Schule besuchen.

Geringes Ganztagsangebot
Derzeit gibt es nach Schätzung des Städtetags 5000 Betreuungsgruppen außerhalb des Unterrichts. Beim Ganztag hinkt Baden-Württemberg laut einer Bertelsmann-Studie aber hinterher: Jeder fünfte Schüler (21,4 Prozent) in der Primar- und Sekundarstufe öffentlicher und privater Schulen besuchte 2014/2015 eine Ganztagsschule. Nur in Bayern war der Anteil von Schülern im Ganztagsbetrieb mit 15 Prozent geringer als im Südwesten. Der Bundesschnitt betrug laut der Studie 37,7 Prozent. Spitzenreiter war Hamburg mit 88,3 Prozent.

Will "Schreiben nach Gehör" aus den Grundschulen verbannen: Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Will flexiblere Modelle der Ganztagsbetreuung diskutieren: Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Nach Darstellung des Städtetags verhindert auch die mit dem Ganztag verbundene Bürokratie den weiteren Ausbau. Das zeige sich auch darin, dass nur 16 Prozent der 2400 Grundschulen Ganztagsbetrieb haben. Damit bliebe die Bereitschaft der Schulen, Ganztagsschule zu werden, weit hinter den Erwartungen zurück. Die grün-rote Landesregierung hatte 2014 noch damit gerechnet, dass sich bis zum Jahr 2023 rund 70 Prozent der Grundschulen zu Ganztagsschulen wandeln.

„Die vom Städtetag geforderten flexibleren Ganztagsmodelle sind tatsächlich ein Knackpunkt. Das bekomme ich auch vor Ort an den Schulen und von vielen Eltern gesagt“, sagt Eisenmann. Deshalb werde das auch eine zentrale Rolle beim Ganztagsgipfel spielen. „Gemeinsam wollen wir ausloten, wie wir den unterschiedlichen Bedürfnissen von Eltern und Schulen nach Ganztagsbetrieb auf der einen Seite und flexibler Nachmittagsbetreuung auf der anderen Seite gerecht werden können.“

Nach Überzeugung des Städtetags müssten die rund 1000 weiterführenden Ganztagsschulen vom Schulversuch in den Regelbetrieb überführt werden. Das Land müsse auch die Betreuung vor und nach der Ganztagsschule sowie die Schulferienbetreuung fördern. Auf der Forderungsliste des Verband sind auch zwei neue Ganztagszeitmodelle vorgesehen: Sie beinhalten an fünf Tagen sieben beziehungsweise acht Zeitstunden. Bislang sind nur sieben oder acht Zeitstunden an vier oder drei Tagen vorgesehen. Insgesamt legte der Städtetag dem Ministerium bereits im vergangenen Jahr 17 Forderungen vor. Sie müssten, betont Brugger, dringend umgesetzt werden. (mit dpa)

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