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Baden-Württemberg auf Aufholjagd – Eisenmann will Angebot an Ganztagsschulen ausweiten

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will auf Forderungen nach mehr Vielfalt bei der schulischen Ganztagsbetreuung eingehen. «Wir wollen den Familien und den Schulen in Baden-Württemberg Wahlfreiheit und Flexibilität ermöglichen», sagte sie bei einer Tagung zur Zukunft der Ganztagsschule am Donnerstag in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg).

Für manche Eltern sind die Zeiten der Ganztagsschule zu starr. Sie wünschen sich Angebote, die sich mit individuellen Bedürfnissen vereinbaren lassen. Diese Angebote gibt es zwar noch, sie werden aber nicht mehr vom Land finanziert, sondern nur noch vom kommunalen Schulträger. Die FDP-Fraktion begrüßte die Ankündigung Eisenmanns. Die Ministerin müsse den Worten allerdings Taten folgen lassen. Die Arbeitgeber Baden-Württemberg mahnten einen zügigen Ausbau der Ganztagsangebote an. Mehr als zehn Prozent der nicht erwerbstätigen Frauen würden wieder in ihren Beruf einsteigen, wenn ihr Kind nach der Einschulung nachmittags betreut wäre, betonten sie.

Die 500 Teilnehmer des Ganztagsgipfels erörterten in acht verschiedenen Foren Ideen, wie die Ganztagsschule weiter entwickelt werden kann. In den vergangenen Jahren hinkte Baden-Württemberg beim Ausbau der Ganztagsangebote hinterher. Nach der amtlichen Schulstatistik hatten 38,5 Prozent der Schulen im Schuljahr 2015/16 ein Ganztagsangebot.ganztag

Die SPD-Fraktion sieht pädagogische Grenzen der Flexibilität. Nicht ohne Grund drängten viele Schulleitungen und Schulträger auf mehr Verlässlichkeit. Überdies sei es keiner Kommune verboten, das Angebot an Ganztagsschulen durch flexible Betreuungsangebote zu ergänzen und auf diese Weise den Elternwünschen entgegenzukommen, sagte der SPD-Bildungsexperte Stefan Flust-Blei.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine bessere Ausstattung der Schulleitungen von Ganztagsschulen, mehr Lehrerstunden, Fachkräfte aus der Jugendhilfe und zusätzliche Mittel für die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern. Auch die Grünen im Landtag betonen, ein guter Ganztag sei mehr als Betreuung. «Die Einbindung von außerschulischen Partnern ist ein wichtiges Qualitätskriterium, dies wollen wir verbessern», sagte Bildungsexpertin Sandra Boser.

Die Einbeziehung von Verbänden, Vereinen und Musikschulen wird von manchen Schulen als schwierig empfunden, weil deren Übungsleiter und Dozenten nicht die gleiche Zuverlässigkeit wie Lehrer mitbringen. Die Mittel für zusätzliche Lehrerstunden im Ganztagsbetrieb können bis zu 50 Prozent für außerschulische Partner ausgegeben werden, die den Schultag mitgestalten. Häufig entscheiden sich die Schulleiter aber dafür, einen Großteil oder die gesamten Mittel für mehr Lehrer zu nutzen. Aus Sicht von CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart ist die Umwandlung von Lehrerstellen in ein finanzielles Budget der Schule eine gute Idee. «Wir müssen aber erreichen, dass Schulen davon noch mehr Gebrauch machen.»

Eisenmann will nach dem ersten Ganztagsgipfel noch keine konkreten Entscheidungen fällen. Das werde erst nach einer weiteren Veranstaltung dieser Art im Frühjahr geschehen, hieß es. dpa

Ein Kommentar

  1. Ganztagsschulen sind nur gut für die Eltern, aber schlecht für die Schüler. Ihr ganzer Tag besteht nur noch aus Schule – und zu Hause machen sie dann noch die Hausaufgaben, die sie in der Schule nicht geschafft haben, weil es doch zu laut, zu unruhig war und sie lieber mit den anderen gespielt haben. 🙁

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