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Es gibt kaum Erkenntnisse der Hirnforschung, wie eine Fremdsprache am besten gelernt wird – das soll sich ändern

LEIPZIG. Max-Planck-Forscher haben in Leipzig einen Deutschkurs für Flüchtlinge aufgelegt. Das soll den Asylbewerbern zugutekommen, aber auch der Wissenschaft dienen.

Das menschliche Gehirn ist hochkomplex - auch wenn man es nicht immer glauben mag. Foto: Liz Henry / Flickr (CC-BY-ND-2.0)

Das menschliche Gehirn ist hochkomplex – auch wenn man es nicht immer glauben mag. Foto: Liz Henry / Flickr (CC-BY-ND-2.0)

An einem Institut in Leipzig lernen rund 70 Flüchtlinge Deutsch – und leisten damit einen Beitrag für die Forschung. Denn der nicht ganz alltägliche Deutschkurs ist als Forschungsprojekt angelegt. Die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften wollen herausfinden, wie eine neue Sprache am effektivsten gelernt wird und was dabei im Gehirn passiert. Vergleichbare und vor allem ähnlich umfangreiche Studien dazu gebe es bislang kaum, sagte der Projektsprecher Tomás Goucha (30).

Die Forscher haben die Flüchtlinge – allesamt arabische Muttersprachler aus Syrien, Libanon und Irak – in sechs Gruppen eingeteilt. Drei legen beim Erlernen der Zweitsprache einen Schwerpunkt auf die Grammatik und Satzbau (Syntax), während bei den anderen die Bedeutung (Semantik) und der Wortschatzerwerb im Vordergrund stehen. «Wir haben den Teilnehmern früh viel zugemutet», sagte Studienleiter Matthias Schwendemann (29). Regelmäßige Untersuchungen in der Röhre eines Magnetresonanztomographen sollen die Veränderungen im Gehirn der Teilnehmer sichtbar machen.

Das Forschungsprojekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Herder-Institut der Universität Leipzig aufgelegt. «Wir wollen besser verstehen lernen, wie der Zweitsprachenerwerb funktioniert. Auf der Basis dieser Erkenntnisse könnten dann auch die Methoden für Sprachkurse verbessert worden», sagte Schwendemann.

Der Deutschkurs dauert ein halbes Jahr. Fünf Stunden pro Tag lernen die Teilnehmer im Max-Planck-Institut. Nach Angaben von Goucha und Schwendemann haben sie sehr schnell beachtliche Fortschritte gemacht. Ende des Jahres solle es eine erste, «sehr vorläufige» Auswertung des Projektes geben, sagte Goucha. Die gesammelten Daten aber vollständig auszuwerten, werde mehrere Jahre dauern. dpa

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2 Kommentare

  1. Die Erkenntnisse der Hirnforschung interessieren doch in anderen Bereichen auch nicht. Überall werden Laptop-Klassen eingeführt obwohl die Hirnforschung weiß, dass die Folgen negativ sind. Aber es macht sich halt gut in der Öffentlichkeit. Selbst die technikverliebten USA fahren ihre Laptop-Klassen zurück – mit dem Argument – mehr Schaden als Nutzen.

    • Auch geistert in den Kollegien immer noch die Mär vom besseren Vernetzen der Hirnhäflten oder von den Lerntypen, oder von dem Spruch „Man behält von dem, was man liest ca. 10 %, was man hört 20 %, sieht 30 %, sieht und hört 50 %, selbst vor­trägt 70 %, selbst ausführt 90 %. “
      Nachzulesen im Buch „Hrinrissig“ oder bei Gerhard Roth „Lernen braucht Persönlichkeit“.

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