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Hochsensibilität – Lehrer im Focus

„Neun von zehn Lehrern gehen gerne bis sehr gerne zur Arbeit!“ Das ist das Ergebnis einer im Auftrag des „Verbands Bildung und Erziehung e.V.“ (VBE) im Jahr 2016 durchgeführten Forsa-Umfrage, in der bundesweit 1.001 Lehrer aus allgemeinbilden­den Schulen befragt wurden. Gleichzeitig sind Belastungen und wachsende Herausforderungen in der Aus­übung des Lehrer-Berufs nicht von der Hand zu weisen. Deutlich ist – auch nach Einschätzung der Befragten – eine große Diskrepanz zwischen den Anforderungen des Schulbetriebs und den zur Verfügung stehenden Ressourcen, Unterstüt­zungen und Entlastungsmöglichkeiten. Es handelt sich um ein Spannungsfeld, mit der besonderen Gefahr, sich zu verausgaben, zu erschöpfen und schlimmstenfalls „auszubrennen“ – ein Risiko, welches gleichsam noch etwas höher ausfallen dürfte, wenn zusätzlich zu den „Rahmenbedin­gungen“ der schulischen Tätigkeit Persönlich­keitsaspekte der Lehrkräfte Berücksichtigung finden. Besonders in den Blick genommen werden soll nachfolgend die Hochsensibilität und damit verbundene Heraus­forderungen in der Berufsausübung.

Wie äußert sich Hochsensibilität?

Hochsensible Personen zeichnen sich durch eine – im Vergleich zur Mehrheit der Bevölkerung – veränderte Wahrnehmung und Informationsver­arbeitung aus: Sie nehmen Reize um sich her­um umfassender wahr, erleben Sinneseindrücke intensiver, beschäftigen sich mit Fragestellungen und Problemen umfassender und lassen eine er­höhte Gewissenhaftigkeit im Handeln erkennen, oft bis hin zum Perfektionismus. Es fällt ihnen leichter, sich in andere Menschen hineinzuverset­zen, sie besitzen eine ausgeprägte Vorstellungs­kraft und Intuition und sind nicht selten aufgrund ihrer besonderen Fähigkeit zur Empathie in „hel­fenden Berufen“ anzutreffen. Wichtig zu betonen ist die Tatsache, dass es sich bei der Hochsensibilität keinesfalls um etwas „Krankhaftes“ handelt! Vielmehr wird von einem angeborenen Persönlichkeits- oder We­sensmerkmal ausgegangen, das den betroffenen Personen tiefe Erfüllung und reiche Erfahrungen im Leben schenken kann; sofern die hiermit eben­falls einhergehenden Besonderheiten und Bedürf­nisse beachtet werden. Dazu zählt eine deutlich verminderte Reizschwelle, im Umkehrschluss eine raschere Sättigung bezüglich aufgenommener Informationen sowie ein Erleben von Überreizung und Überforderung im Falle einer anhaltenden Einwirkung äußerer Reize.

Hochsensibilität im Schulalltag

Im Schulalltag kann dies zu einer wirklichen Belastungsprobe werden: Dem hohen Anspruch und Ideal, der Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und dem großen Bedürfnis, Wissen zu vermitteln, steht die „harte Realität“ des Schulalltags mindestens gegenüber, wenn nicht sogar manchmal entgegen. So ergab die oben erwähnte Forsa-Umfrage auch, dass es für 61 % der befragten Lehrer belastend ist, stark heterogene Klassen allein oder generell zu große Klassen (59 %) unterrichten zu müssen – ein Umstand, der durch die Anforderungen und Bestrebungen zur Integration und Inklusion von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien eine deutliche aktuelle Brisanz besitzt.

6000 Lehrer scheiden jährlich in Deutschland durch Frühpensionierung aus dem Dienst, die Hälfte davon aufgrund psychischer und psychosomatischer Erkrankungen. Bei Personen mit Hochsensibilität kann aufgrund ihrer erhöhten Empfindsamkeit von einem gesteigerten Risiko für Belastungs- und Überlastungsreaktionen bis hin zur Entstehung einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung gesprochen werden. Gerade engagierte und hochmotivierte Lehrerinnen und Lehrer balancieren im beschriebenen Spannungsfeld aus Selbstanspruch und beruflicher Anforderung auf der einen und fehlender Unterstützung auf der anderen Seite.

Die Parkklinik Heiligenfeld bietet seit 1. Oktober 2016 ein erweitertes Behandlungskonzept für Hochsensibilität und assoziierte psychische Erkrankungen an. Hierdurch erfährt auch die speziell auf die Bedürfnisse von Lehrern abgestimmte Therapie eine wertvolle Ergänzung und Erweiterung: Vermittelt werden Informationen zur Hochsensibilität, zu den Besonderheiten und Anforderungen sowie den Möglichkeiten eines selbstfürsorglicheren Umgangs mit diesem Persönlichkeitsmerkmal. Neben der Verbesserung der Abgrenzungsfähigkeit und des Selbstmanagements im Hinblick auf Überlastung und Überforderung liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Förderung des Selbstwerterlebens und der Entwicklung einer Bewusstheit für das vorhandene Potenzial. Denn Hochsensibilität kann gleichsam als Gabe verstanden werden, sofern sie als Eigenschaft angenommen und zugehörige Bedürfnisse ernstgenommen werden.

www.hochsensibilitaet.heiligenfeld.de

 

 

2 Kommentare

  1. Zitat: „Deutlich ist – auch nach Einschätzung der Befragten – eine große Diskrepanz zwischen den Anforderungen des Schulbetriebs und den zur Verfügung stehenden Ressourcen, Unterstüt­zungen und Entlastungsmöglichkeiten.“

    Zustimmung!

  2. Ich bin hochsensibel, weiß das seit etwa 8 Jahren. Als Lehrerin im krankheitsbedingten „Ruhestand“ -ich werde in 3 Monaten 60- kann ich nur alles Gelesene bestätigen. Meinen Wunschberuf nicht mehr ausüben zu können, weil die Kraft völlig fehlt, ist doppelt schwer. Dazu kommt der finanzielle „Einbruch“.

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