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„Inklusion braucht mehr Zeit“: FDP will Bestandsschutz für Förderschulen bis 2027

HANNOVER. Seit 2013 lernen Kinder mit und ohne Behinderung in Niedersachsens Schulen gemeinsam. Förderschulen sind ein Auslaufmodell. Die FDP möchte diese Entwicklung stoppen und weitere zehn Jahre an den Sonderschulen festhalten.

Die niedersächsische FDP will den Förderschulen Lernen einen Bestandsschutz bis 2027 einräumen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf brachten die Liberalen am Dienstag im Landtag ein. «Es ist unstrittig: Die Inklusion braucht mehr Zeit», sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP, Björn Försterling. Ziel des Entwurfs sei es, die Wahlfreiheit für Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf zu erhalten, bis die allgemeinen Schulen ausreichend ausgestattet seien.

Das Prinzip der Inklusion gilt in Niedersachsen seit 2013. Mittlerweile lernen in den Jahrgängen eins bis acht Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Die Förderschulen Lernen sollen in den kommenden Jahren auslaufen. Aus der Sicht der FDP ist das verfrüht. Für das laufende Jahr fehlten nach Angaben des Kultusministeriums 360 Sonderpädagogen an Regelschulen, sagte Försterling: «Die Lehrkräfte in den Grundschulen und weiterführenden Schulen fühlen sich oft allein gelassen.» Daher sei das Vorhaben seiner Partei kein Gesetz gegen Inklusion, sondern ein Gesetz für das Gelingen der Inklusion.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) entgegnete, sie sehe keinen Grund, von dem Gesetz zur Einführung der Inklusion abzurücken, das seinerzeit von der schwarz-gelben Landesregierung eingeführt worden war. «Die UN-Behindertenkonvention verlangt die Inklusion von Kindern mit Behinderung an Regelschulen. Oder wollen Sie die UN-Konvention auch rückgängig machen?»

Der Abgeordnete Heiner Scholing (Grüne) warf der FDP vor, sie zeichne ein idyllisches Bild von den Förderschulen. Ausblendet werde dabei, dass in diesen Schulen hauptsächlich Kinder aus bildungsfernen Familien und zu 70 Prozent Jungen unterrichtet worden seien. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Kai Seefried, schloss sich der Forderung der FDP an, sofort mit dem Auslaufen der Förderschulen Schluss zu machen. Er bezweifelte aber, ob ein Aussetzen der Inklusion für zehn Jahre der richtige Weg sei. dpa

FDP-Chef Lindner zieht in den Wahlkampf – und will statt Inklusion die Förderschulen stärken

2 Kommentare

  1. „Die Förderschulen Lernen sollen in den kommenden Jahren auslaufen. Aus der Sicht der FDP ist das verfrüht.“

    Da hätte die FDP vielleicht mal ein bisschen eher aufwachen müssen.
    Die FöS Lernen läuft bereits aus. Grundschulkinder besuchen längst die Grundschulen und Eltern haben auch gar keine Wahlmöglichkeit, ein Kind auf eine FöS Lernen zu schicken – es gibt sie gar nicht mehr.
    Kinder in der Sek I, die bereits vorher auf den Grundschulen waren, weil sie wählen konnten oder weil die Schulen den Vorläufer RIK umgesetzt haben, gehen anschließend sehr häufig auf die allgemeinsen SekI-Schulen.
    Kinder der Jahrgänge 5-8 konnten auch die FöS Lernen nicht mehr wählen, weil sie ausläuft und besuchen damit auch die allgemeinen SekI-Schulen.
    An den Förderschulen bestehen danach noch die Jahrgänge 9+10.

    Dadurch sind an den bisherigen FöS inzwischen so wenige Schüler in so wenigen Jahrgängen übrig geblieben, dass die Landkreise längst Planungen angestrengt haben, welche kleineren Schulen zusammengelegt und welche Standort sofort aufgegeben wurden/werden.

    Die Lehrkräfte der noch bestehenden FöS arbeiten zu einem kleinen Teil noch in den Klassen in der FöS, zum größeren Teil im „Außendienst“ an den umliegenden Schulen. Die LeiterInnen der kleineren FöS planen den Unterricht für die eigene Schule, erteilen z.T. auch Unterricht an den umliegenden Schulen und sie planen den Einsatz der KollegInnen an eben diesen Schulen.

    In Zukunft werden die Lehrkräfte der kleineren FöS zentral einem größeren Standort zugeordnet (versetzt), von dem aus dann die Einteilung erfolgen soll. An diesem Standort gibt es jetzt noch die restlichen Schüler und Klassen, die dort zu Ende geführt werden (Stufe 9 und 10 mit entsprechenden Prüfungen). Danach wird der Standort offenbar ein „Verteilknoten“ sein. (siehe Beitrag zu Beratungszentren vor ein paar Tagen).

    Wie oben genannt werden SchülerInnen der Jahrgänge 1-8 mit dem Schwerpunkt Lernen bereits in den allgemeinbildenden Schulen unterrichtet. Eine Wahlmöglichkeit zur FöS Lernen besteht seit Jahren (aufsteigend) nicht mehr, es werden keine Klassen an den FöS Lernen eingerichtet.
    Jetzt Wahlmöglichkeiten zu fordern, geht an der bestehenden Realität vorbei.

    Ob die bestehenden Bedingungen an den Schulen eine Inklusion gelingen lassen, steht dabei auf einem anderen Blatt.

    • Selbst wenn die FDP an die Macht kommen sollte und selbst wenn dieser Bestandsschutz durchgesetzt werden würde, wäre er reichlich nichtssagend: Er beinhaltet lediglich eine Schließung der letzten Förderschule 2027, was einem Auslaufen aller Förderschulen ab dem Schuljahr 2017/18 entspräche. Nicht, dass die Menschen auf die Idee kommen könnten, 2022 ihr Kind noch an eine Förderschule anmelden zu können …

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