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Klaubert will 170 neue Stellen für Inklusion an Schulen (weiß aber noch nicht, ob sie sie vom Finanzminister bekommt)

ERFURT.  Thüringens Bildungsministerin Klaubert will das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Handicap vorantreiben. Dafür geht sie mit der Forderung nach mehr Personal in die Haushaltsverhandlungen für 2018/19.

Meldet Bedarf an:  Bildungsministerin Klaubert. Foto: Die Linke Thüringen / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Meldet Bedarf an: Bildungsministerin Klaubert. Foto: Die Linke Thüringen / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) will mehr Personal für die Inklusion an Thüringer Schulen. In den Jahren 2018 und 2019 seien 170 zusätzliche Stellen für Lehrer, Sonderpädagogen und Fachkräfte notwendig, sagte die Ministerin am Mittwoch in Erfurt. Dieser Bedarf sei für die Verhandlungen zum nächsten Doppelhaushalt 2018/19 angemeldet worden. Die Kosten dafür beliefen sich auf schätzungsweise zehn Millionen Euro. Die Inklusion könne nur gelingen, wenn die Schulen auch entsprechend mit Personal ausgestattet seien. Klaubert wollte am Mittwoch eine Arbeitsfassung des neuen Schulgesetzes dem Beirat «Inklusive Bildung» vorlegen, dem Vertreter von Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Spitzenverbänden sowie Bildungsgremien angehören.

Der Begriff Inklusion bezeichnet die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Handicap am gesellschaftlichen Leben, also etwa den Anspruch behinderter Kinder auf gemeinsamen Unterricht mit Schülern ohne besonderen Förderbedarf. Thüringen sei derzeit noch das einzige Land, das ein separates Förderschulgesetz habe, sagte Klaubert. Das soll nun mit dem Schulgesetz zu einem inklusiven Schulgesetz zusammengeführt werden. Darauf hatte sich Rot-Rot-Grün in seinem Koalitionsvertrag verständigt.

GEW: 170 Stellen sind zu wenig

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte Klaubert auf, mutig in die Haushaltsverhandlungen zu gehen. 170 Stellen für die Inklusion seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein und gingen am tatsächlichen Bedarf vorbei, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum. Fast alle der 850 staatlichen Schulen hätten Bedarf an zusätzlichen Personal angemeldet. Sollten nur 170 Stellen geschaffen werden, könnten in der Konsequenz auch nur ausgewählte Schulen inklusiv unterrichten. Die CDU-Landtagsfraktion warnte vor einem Totalumbau des Schulsystems gerade in der derzeit angespannten Personalsituation. Die Schulen dürften nicht zur Inklusion gezwungen werden, hieß es.

Laut der jetzt zur Diskussion gestellten Novelle sollen ab 2018 lernbehinderte Kinder, Schüler mit Sprachstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden. Das betrifft an den staatlichen und freien Schulen laut Klaubert derzeit etwa 7100 Kinder. Knapp die Hälfte davon werde bereits inklusiv beschult.

Die Förderzentren bleiben weiter bestehen, sollen aber ab 2018 keine neuen Schüler mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung in den Bereichen Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung mehr aufnehmen. Geistig sowie körperlich behinderte Kinder sollen aber auch weiter an Förderzentren unterrichtet werden. Förderschulen sollen zudem gemeinsam mit Grund-und Regelschulen zu Thüringer Gemeinschaftsschulen entwickelt werden können.

Klaubert will die Inklusionsvorschläge im neuen Schulgesetz zunächst bis Mitte Januar zur Diskussion stellen. Das Gesetz muss im nächsten Jahr Kabinett und Landtag durchlaufen, wenn es wie von der Ministerin gewünscht zum Schuljahr 2018/19 in Kraft treten soll. dpa

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