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Mehr als Plattdeutsch: Wie sich Friesisch zur jungen Sprache entwickelt (auch in der Schule)

FLENSBURG. Wortkarge alte Seemänner und olle Trachten? Es geht auch anders: Die 18-jährige Henriette Boysen bewahrt als junge Friesin ihre Muttersprache – und bei vielen Jugendlichen gilt Friesisch als cool.

Dame in friesischer Tracht (genauer: von der Insel Föhr) Foto: Amras wi / wikimedia commons

Dame in friesischer Tracht (genauer: von der Insel Föhr) Foto: Amras wi / wikimedia commons

Die friesische Sprache erlebt bei Kindern und Jugendlichen eine Renaissance. «Junge Menschen sprechen wieder mehr Friesisch und die Sprache hat einen anderen Stellenwert bekommen», sagt Renate Schnack, Minderheitenbeauftragte des Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein. Friesisch sei in. Ob in Liedtexten von Bands wie Kalüün, im Alltag auf der Fähre oder zu Hause am Küchentisch: «In den jungen Leuten stecken ungeahnte Talente, wenn man sie nur lässt», ergänzt Volkert Faltings, Vorsitzender der Ferring Stiftung auf Föhr.

Henriette Boysen ist eine von geschätzt 10 000 Menschen in Schleswig-Holstein, die das Friesische beherrschen. «Bei uns zu Hause wird nur Friesisch gesprochen. Wenn ich länger weg war und dann wieder nach Hause komme, dann ist das für mich Entspannung», erzählt die 18-Jährige, die anders als die meisten Friesen in Flensburg statt an der Nordsee lebt. Überhaupt spielt Sprache für sie alle eine wichtige Rolle. Denn anders als bei den dänischen und deutschen Minderheiten dies- und jenseits der Grenze gibt es keinen friesischen Staat, mit dem sie sich identifizieren könnten. Friese ist, wer Friese sein will. Das macht es aber auch so schwierig, die Größe der Minderheit zu bestimmen. Offizielle Zahlen gibt es nicht.

Um auch andere für das Friesische zu begeistern, schreibt Boysen gern Geschichten – im Familiendialekt Mooringer. Am liebsten über persönliche Erlebnisse, über das Erwachsenwerden – auch am Schreibwettbewerb «Ferteel iinjsen» von NDR 1 Welle Nord und Nordfriisk Instituut wollte sie teilnehmen. Zwar könne sie auch auf Deutsch schreiben, mit dem Friesischen verbinde sie aber mehr Emotionen. Die Sprache ist lebendig, erklärt Faltings, der an der Universität Flensburg Friesisch lehrt. Sie arbeite «mehr mit Verben und Adjektiven, einen “Donaudampfschifffahrtskapitän” gibt es nicht.» Und Friesisch sei mehr als bloß Plattdeutsch.

Darauf legt auch Henriette Boysen wert. Im Jugendkulturverein Rökefloose kultivieren sie und andere Teenager die Sprache, die an Holländisch, Dänisch und Englisch erinnert. Auch Feste und Traditionen wie das Biikebrennen im Februar halten sie lebendig. «Minderheit ist nicht nur Privatsache», sagt die angehende Abiturientin Boysen, die 2017 für den Landtag kandidiert – für den SSW, den politischen Arm der Minderheiten. Als Exil-Friesin weiß sie, dass der Kampf für die Minderheit mühsam sein kann. Friesischunterricht gibt es an den Flensburger Schulen nicht.

In 21 Schulen Unterrichtsfach

Auch insgesamt hat es Friesisch im Schulsystem schwer. Da ist die Konkurrenz zu anderen Sprachen, aber manchmal hapert es auch an Praktischem. «Ich würde gern ein Lehrbuch für das Gymnasium entwickeln, aber das Geld fehlt», klagt Faltings, der auch Friesisch-Lehrer ausbildet. Und nach landesweit zuletzt mehreren Jahren Anstiegs sank die Zahl der Schüler, die Friesisch an den insgesamt 21 Schulen als Unterrichtsfach belegen. Lernten 2014/15 noch 911 Schüler die Sprache, waren es 2015/16 979 und 834 im Schuljahr 2016/17, wie das Bildungsministerium mitteilte.

Sorgen um die Zukunft der Friesen gibt es aber keine. «Die jungen Leute verbinden eine Leichtigkeit mit dem Friesischen», sagt Minderheitenbeauftragte Schnack. Um allen Minderheiten eine Zukunft zu geben, hat Schleswig-Holstein zudem den Handlungsplan Sprachenpolitik erlassen. «Das Land will die Sprache erhalten und in die Moderne führen.» Mit mehr Lehrerstellen allein ist es dabei nicht getan, weiß sie. «Da ist Vereinsarbeit gefragt, Überzeugungsarbeit bei den Eltern.» Wie die geht, lebt Henriette Boysen vor. Selbst auf dem Handy schickt sie häufig SMS und WhatsApp auf friesisch, obwohl das länger dauert – Smartphones können die Sprache nicht. Wissenschaftler Faltings sagt: «Wenn es weiter gelingt, die jungen Leute für die Sprache zu begeistern, dann ist mir nicht bange.» dpa

Zum Bericht: Dialektfreunde kritisieren Grundschulen: Lehrkräfte würden Kindern Mundart austreiben – mit Strafarbeiten, behaupten sie

Ein Kommentar

  1. Clemens Ratte-Polle

    Moin!
    Watt is denn aalens Plattdütschke up Fratzenbauk loss?
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    Dor köänt gi aalet lääsen, watt aale plattdütschken Sieten so sägget un postet 🙂

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    Wenn du dor mid inne wulls, denn moss du us dat dor säggen! 🙂

    Un watt de Medien öäwer Platt so sägget?
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    Moakt dat gaut! 🙂

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